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Was sind die FinCEN-Files?

Alles, was man über die FinCEN-Files, die internationale Recherche und die weltweite Veröffentlichung wissen muss.

ICIJ / BuzzFeed News

Was sind die FinCEN-Files?

Die FinCEN-Files bestehen aus mehr als 22.000 Seiten vertraulicher Dokumente und Tabellen, die verdächtige Geldbewegungen enthalten: Verdachtsberichte (sogenannte SARs, Suspicious Activity Reports), die Banken weltweit an die US-Finanzaufsicht FinCEN geschrieben haben.

Darin geht es um Briefkastenfirmen, Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Terrorismusfinanzierung, Bestechung, Bankbetrug, Drogenhandel, Sanktionsumgehung und vieles mehr.

Die ausgewerteten Unterlagen haben ein Gesamtvolumen von mehr als 2 Billionen Dollar, betreffen 100 Länder, 35 führende Politiker auf der ganzen Welt und alle wichtigen Industriezweige: Energie, Technologie, Landwirtschaft, Bauwesen, Sport, Finanzen, Produktion, Immobilien, Luft- und Raumfahrt, Waffen, Drogen.

Die FinCEN-Files sind damit weltweit die bislang größte und umfangreichste Recherche in vertraulichen Unterlagen von Banken und Finanzaufsichtsbehörden.

Wer hat daran gearbeitet?

BuzzFeed News hat die Dokumente mit dem „International Consortium of Investigative Journalists“ (ICIJ) und 108 weiteren Redaktionen in 88 Ländern geteilt, die mehr als ein Jahr lang daran gearbeitet haben.

Koordiniert wurde das Projekt vom ICIJ in Washington – einem gemeinnützigen Netzwerk von Investigativ-Journalist*innen in der ganzen Welt.

In Deutschland waren 16 Journalistinnen und Journalisten an der Recherche beteiligt: im Deutschland-Büro von BuzzFeed News sowie der Rechercheverbund aus NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung.

Was bringt das?

Geldwäsche wirkt oft wie ein Verbrechen ohne Opfer, aber dem ist nicht so. Die gestohlenen Gelder fehlen Staaten und dem Gemeinwesen – und damit Schulen und Universitäten, Krankenhäusern und Pflegeheimen, dem Straßenbau, dem Umweltschutz oder der Strafverfolgung.

Durch die FinCEN-Files wird klar: Die größten Banken der Welt wissen genau, wann ihre Konten dazu benutzt werden, eine Schattenwirtschaft aus Korruption und Geldwäsche anzutreiben. Führungskräfte und Angestellte ignorieren regelmäßig Alarmsignale und interne Warnungen vor verdächtigen Konten und wickeln Transaktionen für verurteilte Betrüger, Drogenhändler, Gangster und Terroristen ab. Die Geldwäsche-Abteilungen können sich in den Banken nicht durchsetzen. Und die Finanzaufsicht kommt bei der Vielzahl der Meldungen nicht mehr hinterher.

Die FinCEN-Files zeigen, wie weit verbreitet das Wissen über Finanzkriminalität ist – sowohl in den Banken als auch in den Aufsichtsbehörden – und wie diese Geschäfte trotzdem oft über Jahre einfach weiterlaufen. Damit machen die Recherchen auch deutlich, wie lückenhaft das System zur Bekämpfung von Geldwäsche und Finanzkriminalität ist.

Wie wurde daran gearbeitet?

BuzzFeed News hat die Dokumente im Mai 2019 mit dem ICIJ geteilt, damit weltweit Redaktionen darin recherchieren können.

Neben zwei größeren persönlichen Treffen fand der Großteil der Abstimmung, Koordination und gemeinsamen Recherchen in extra gesicherten Online-Foren und Datenbanken statt, zu denen nur am Projekt arbeitende Personen Zugang haben.

Rund die Hälfte der Projektphase bestand darin, Informationen aus den Berichten, die nur eingeschränkt maschinenlesbar waren, händisch in Tabellen zu übertragen und diese in Datenbanken einzupflegen.

Woher kommen die Daten?

BuzzFeed News schützt seine Quellen. Daher geben wir keine Auskunft darüber, woher die Dokumente stammen.

Was ist ein SAR?

SAR steht für „Suspicious Activity Report“, was auf deutsch so viel heißt wie Verdachtsbericht. Banken müssen ein SAR bei verdächtigen Geldbewegungen erstellen. Das können Signale für Geldwäsche sein, für Korruption, Terrorfinanzierung, Drogenhandel oder einfach nur Auffälligkeiten wie mehrere Überweisungen in runden Summen oder die Beteiligung sogenannter „politisch exponierter Personen“.

Alles, was man zu SARs wissen muss, haben wir hier zusammengefasst.

Wo erscheinen die Recherchen?

Neben dem ICIJ und BuzzFeed News gibt es 108 weitere Partner, die die Recherchen veröffentlichen. Zu den europäischen Partnern gehören neben der Süddeutschen Zeitung, dem NDR und dem WDR die Rechercheeinheit von Tamedia in der Schweiz, Profil und der ORF aus Österreich, Le Monde aus Frankreich, L'Espresso aus Italien, die Gazeta Wyborcy aus Polen, die Irish Times, der Aftenposten aus Norwegen sowie Trouw und das Financieele Dagblad aus den Niederlanden und El Confidencial und La Sexta aus Spanien.

Auch die BBC aus Großbritannien, NBC aus den USA, ABC aus Australien, SVT aus Schweden und Yle aus Finnland sind Teil des Projekts.

Weitere Partner sind etwa The Indian Express, Tempo aus Indonesien, Asahi Shimbun aus Japan, The News aus Pakistan, The Nation aus Malawi, Inkyfada aus Tunesien sowie La Nación aus Argentinien.

Unterstützt wurden die Recherchen zudem von Journalist*innen des Organized Crime and Corruption Project (OCCRP).

Werden die kompletten FinCEN-Files veröffentlicht? Oder gibt es eine Datenbank, die man durchsuchen kann?

Leider können wir die FinCEN-Files nicht komplett veröffentlichen und auch keine durchsuchbare Datenbank dafür bereitstellen. Anders als bei früheren Leaks wie es zum Beispiel die Panama-Papers, Paradise Papers oder die Offshore-Leaks waren, bestehen die FinCEN-Files aus Regierungsdokumenten, deren Veröffentlichung unter US-Recht strafbar wäre.

Wenn jemand Zugang zu den Daten möchte oder sich an nachfolgenden Recherchen darin beteiligen will, werden wir diese Anfrage prüfen und sie gegebenenfalls an das ICIJ weiterreichen, wo sie ebenfalls geprüft wird. Priorität werden Journalistinnen und Journalisten aus Ländern haben, in denen bislang noch keine Redaktionen in das Projekt eingebunden waren.

Regierungen, Nichtregierungsorganisationen und anderen Institutionen, die keine Journalisten sind, können wir leider keinen Zugang geben.

Welche Banken tauchen in den FinCEN-Files am häufigsten auf?

ICIJ / BuzzFeed News

BuzzFeed News hat die FinCEN-Files mit mehr als 100 Redaktion weltweit geteilt. Wollen auch Sie uns vertrauliche Informationen senden? Melden Sie sich bei uns unter recherche@buzzfeed.com!

Bitte beachten Sie: Unverschlüsselte Mails können Informationen über Sie preisgeben, auch Dritten. Sichere und anonyme Möglichkeiten, uns zu erreichen, finden Sie hier. BuzzFeed News Deutschland berichtet weiter über Korruption und Machtmissbrauch. Wenn Sie uns dabei unterstützen wollen: Wir behandeln Ihre Hinweise vertraulich.

Marcus Engert ist Senior Reporter bei BuzzFeed News Deutschland. Verschlüsselter Kontakt per Mail mit PGP-Key: bzfd.it/PGP-engert / Signal oder WhatsApp: bzfd.it/engert / Threema-ID: F8H994R7

Contact Marcus Engert at marcus.engert@buzzfeed.com.

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