Die größte spanische Gewerkschaft will jetzt gegen Missbrauch von Erntehelferinnen vorgehen

    Trotz unserer Recherchen bestreitet das marokkanische Arbeitsministerium dagegen weiterhin, dass es Gewalt gegen Arbeiterinnen gibt.

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    Die spanische Gewerkschaft Comisiones Obreras (CCOO) will gegen Missbrauch von und sexualisierte Gewalt gegen Erntehelferinnen vorgehen. Das gab sie am Dienstag in einer Stellungnahme bekannt. Die Forderung ist eine Reaktion auf eine gemeinsamen Recherche von BuzzFeed News und dem Recherchebüro Correctiv, die diese Missstände aufgedeckt hatte.

    In einer Pressekonferenz am Dienstag gab die Gewerkschaft bekannt, dass im Herbst eine Informationskampagne für die Arbeiterinnen gestartet werden soll. Außerdem sollen interkulturelle Mediatorinnen eingesetzt werden.

    „Es ist nicht zu tolerieren, dass sexuelle Gefälligkeiten als Währung eingesetzt werden“, heißt es in der Stellungnahme. Von den Agrarunternehmen fordert die CCOO, Vorgesetzte in Geschlechtersensibilität weiterzubilden.

    In der vergangenen Woche hatte die Gewerkschaft sich noch anders geäußert und in einer gemeinsamen Stellungnahme mit großen Agrarverbänden die Existenz von flächendeckendem Missbrauch abgestritten.

    Gewerkschaftsführer spricht von „unmenschlichen Zuständen“

    Auch der Chef der Gewerkschaft SAT, Oscar Reina, forderte die Regionalregierung bei einer Pressekonferenz in Huelva auf, Inspektoren mit Autos oder Motorrädern in die Felder zu schicken, um die Situation vor Ort zu untersuchen und Gewalt entgegen zu wirken. Reina warf der spanischen und andalusischen Regierung Untätigkeit vor und bezeichnete die Zustände auf den Erdbeerfeldern als „unmenschlich“.

    „Wir kennen die Namen der Unternehmen nicht, in denen es passiert, aber wir wissen, dass es passiert, weit verbreitet ist und nichts dagegen unternommen wird“, so Reina. Damit man sich ein Bild machen könne, reiche es, durch die Felder zu fahren, so Reina. „Jeder kann es sehen.“

    Oscar Reina wirft spanischer Regierung Untätigkeit vor

    Óscar Reina, del @SAT_nacional, propone medidas ante la Subdelegación del Gobierno para intentar atajar los abusos en los campos de Huelva. @MRosaFont @lamardeonuba https://t.co/01JGgACrf9

    Twitter @HuelvaToxica

    Spanische Journalisten haben weitere Betroffene interviewt

    Am 19. Mai veröffentlichte die spanische Zeitung El Espanol einen Bericht, laut dem sie mit acht weiteren betroffenen Frauen in und um Huelva gesprochen haben.

    Die Frauen kennen sich nicht und leben bis zu 80 Kilometer entfernt voneinander, heißt es auf El Espanol. Die Journalisten schreiben, dass sie ihre Rechercheergebnisse der örtlichen Staatsanwaltschaft und der Polizei übergeben hätten.

    Auch die feministische Gruppe „Mujeres 24H“ hat laut eigenen Angaben Untersuchungen angestellt und mit betroffenen Arbeiterinnen gesprochen. Die Aktivistinnen fordern sofortige Maßnahmen zu deren Schutz und kündigten Proteste an: „Die Frauen von Huelva werden auf die Straße und in die Felder gehen. Wer eine von uns anfasst, fasst uns alle an“, schreibt das Kollektiv.

    Delegation besucht drei Farmen und findet keine Fälle

    Die vom marokkanischen Arbeitsministerium angekündigte spanisch-marokkanische Delegation hat am 10. und 11. Mai drei Erdbeerfarmen in Huelva besucht. Dabei habe sie keine Unregelmäßigkeiten feststellen können. Das geht aus einer Stellungnahme des Ministeriums hervor, die BuzzFeed News vorliegt. Es habe keine Anzeigen bei spanischen Behörden oder im marokkanischen Konsulat in Sevilla gegeben, heißt es weiter.

    Damit widerspricht das marokkanische Ministerium der Regionalregierung Huelvas, die gegenüber der Lokalzeitung „La Mar de Onuba“ am 18. Mai zugegeben hatte, dass ihnen einzelne Fälle von Missbrauch durch Vorgesetzte bekannt seien.

    Auch BuzzFeed News liegt eine Strafanzeige einer Erntehelferin gegen ihren Vorgesetzten vor, die im Mai 2017 bei der Staatsanwaltschaft in Moguer, einer Kleinstadt im Erdbeeranbaugebiet, gestellt wurde.

    BuzzFeed News hat das marokkanische Arbeitsministerium um Stellungnahme zu diesen Widersprüchen gebeten. Antworten tragen wir hier gegebenenfalls nach.

    Hier lest ihr mehr über die Recherche:

    Vergewaltigt auf Europas Feldern

    Die spanische Politik reagiert auf unsere Recherchen zu Missbrauch von Erntehelferinnen

    Wie wir mit 100 Erntehelferinnen über Vergewaltigung gesprochen haben, obwohl es die auf den Farmen angeblich nicht gibt

    One Of The World’s Leading Food Certifiers Will Investigate The Alleged Sexual Abuse Of Women Farmworkers

    Pascale Müller ist Reporterin für Politik und sexualisierte Gewalt. Kontakt: Pascale.mueller@buzzfeed.com

    Contact Pascale Müller at pascale.mueller@buzzfeed.com.

    Stefania Prandi is an award-winning journalist and photographer. She reported for example from Ethiopia, Argentina, Morocco, Spain and Italy – and published among others with Vice, Al Jazeera and El País. In April 2018 she published her first book in Italian, Oro rosso.

    Contact Stefania Prandi at prandi.stefania@gmail.com.

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