Die spanische Politik reagiert auf unsere Recherchen zu Missbrauch von Erntehelferinnen

    Eine linke Politikerin befragt die Regierung zu den Missständen. Agrarverbände und Gewerkschaften drohen BuzzFeed News mit einer Klage.

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    Die spanische Politik reagiert auf Recherchen von BuzzFeed News zu Missbrauch und Vergewaltigung von Erntehelferinnen.

    „Welche Maßnahmen sieht die Regierung angesichts der dramatischen Situation der Gastarbeiterinnen in ländlichen Gebieten vor, um die Arbeiterinnen in Huelva zu unterstützen?“, fragte Isabel Salud, Abgeordnete des linken Bündnisses „Izquierda Unida“ im Unterhaus des spanischen Parlaments. Weiterhin wollte sie wissen, welche Daten der Regierung zu den Missständen vorlägen und ob es Untersuchungen der Vorfälle in der Region Huelva gebe.

    BuzzFeed News hatte gemeinsam mit dem gemeinnützigen Recherchebüro Correctiv vor wenigen Wochen aufgedeckt, dass Erntehelferinnen auf spanischen Feldern von ihren Vorgesetzten missbraucht und vergewaltigt werden. Die Erdbeeren, die sie ernten, werden auch in deutschen Supermärkten verkauft – unter anderem bei LIDL.

    Agrarverbände und Gewerkschaften wehren sich

    Spanische Agrarverbände und die zwei größten spanischen Gewerkschaften (CCOO und UGT) weisen die Vorwürfe dagegen in einer gemeinsamen Pressemitteilung zurück.

    „Wir haben keinerlei Kenntnisse von Anzeigen oder juristischen Verfahren in Zusammenhang mit mutmaßlichen sexuellem Missbrauch auf den Erdbeerfeldern“, heißt es in der Erklärung vom Dienstag.

    Die Recherche hatte gezeigt, dass betroffene Frauen sich aus Angst und aufgrund von fehlenden Sprachkenntnissen nicht an die Behörden wenden. Daher sind nur wenige Fälle aktenkundig und das Ausmaß der Probleme ist schwer einzuschätzen. Die Recherche in Spanien beruht auf Gesprächen mit Dutzenden Erntehelferinnen, viele von ihnen aus Marokko.

    „Es gibt Menschen, die das Problem direkt vor sich haben und nicht in der Lage sind, es zu sehen.“

    Auf den fehlenden Zugang dieser Frauen zur spanischen Justiz gehen Agrarverbände und Gewerkschaften nicht weiter ein. Stattdessen sorgen sich die Organisationen um den Ruf der für die Region wirtschaftlich wichtigen Erdbeerproduktion. „Wir können daher nicht akzeptieren, dass der ganze Sektor verallgemeinert dargestellt wird, was selbstverständlich einen Schaden für die Gesamtheit von Personen, Arbeitern, Produzenten, Händler, Transporteure verursacht, die ihn bilden. Und der auf dem Markt mit den Erdbeeren anderer Länder konkurriert", heißt es dort.

    Auch spanische Medien greifen die Recherche auf, zum Beispiel die Zeitung „La Mar de Onuba“. Die Zeitung zitiert Pastora Cordero, eine Gewerkschafterin aus Andalusien. Sie sagte der Zeitung: „Es gibt Menschen, die das Problem direkt vor sich haben und nicht in der Lage sind es zu sehen. Denn um es zu sehen, bedarf es Geschlechtersensibilität“.

    Die Gewerkschafterin will bei der Gewerkschaft CCOO in der Provinz Huelva das Thema jetzt auf die Agenda setzen.

    Die Zeitung verweist allerdings auch auf Stimmen, die die Veröffentlichung als Teil einer Schmutzkampagne gegen die Region sehen. Hinter den Recherchen von BuzzFeed News sollen angeblich Organisationen stecken, „die daran interessiert sind, auf dem internationalen Markt mit den Erdbeeren aus Huelva zu konkurrieren“.

    Marokkanische Regierung reagiert auf Recherche

    Auch in Marokko gibt es eine Reaktion auf die Recherche: Das marokkanische Arbeitsministerium teilte in einer Pressemitteilung mit, dass eine spanisch-marokkanische Delegation in der vergangenen Woche die Arbeitsbedingungen der marokkanischen Erntehelferinnen in Huelva untersucht hat. BuzzFeed News hat das Ministerium nach den Ergebnissen dieses Besuchs gefragt, bisher jedoch noch keine Antwort erhalten.

    Marokko ist selbst Exporteur von Obst und Gemüse nach Europa. In der wichtigsten Anbauregion im Süden des Landes, Souss-Massa, werden Kirschtomaten vor allem für den Export angebaut. Auch hier ist den Recherchen von BuzzFeed News zufolge der sexuelle Missbrauch von Frauen verbreitet. Anders als in Spanien setzen sich Gewerkschaften jedoch für die Frauen auf den Feldern ein. BuzzFeed News hat das Arbeitsministerium auch hierzu um Stellungnahme gebeten. Antworten tragen wir gegebenenfalls nach.

    Hier lest ihr mehr über die Recherche:

    Vergewaltigt auf Europas Feldern

    Wie wir mit 100 Erntehelferinnen über Vergewaltigung gesprochen haben, obwohl es die auf den Farmen angeblich nicht gibt

    One Of The World’s Leading Food Certifiers Will Investigate The Alleged Sexual Abuse Of Women Farmworkers

    Pascale Müller ist Reporterin für Politik und sexualisierte Gewalt. Kontakt: Pascale.mueller@buzzfeed.com

    Contact Pascale Müller at pascale.mueller@buzzfeed.com.

    Stefania Prandi is an award-winning journalist and photographer. She reported for example from Ethiopia, Argentina, Morocco, Spain and Italy – and published among others with Vice, Al Jazeera and El País. In April 2018 she published her first book in Italian, Oro rosso.

    Contact Stefania Prandi at prandi.stefania@gmail.com.

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