Updated on 31. März 2020. Posted on 27. März 2020

    Warum es gar nicht so einfach ist, mehr Menschen auf das Coronavirus zu testen

    Die Bundesregierung will deutlich mehr Corona-Tests. Auch Forschungsinstitute öffnen jetzt ihre Labore. Doch das allein reicht nicht – der Engpass liegt bei den Test-Kits.

    In Deutschland könnten bald zahlreiche zusätzliche Labore COVID19-Tests durchführen. Nach Recherchen von BuzzFeed News Deutschland sind etliche Bundesländer dazu mit Forschungseinrichtungen in Kontakt. Der Engpass aber liegt anderswo: Bei den Test-Kits und den dafür benötigten Chemikalien.

    Dennoch drängt die Bundesregierung darauf, deutlich mehr Menschen zu testen. Wie NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung berichten fordert ein bislang unveröffentlichtes Strategiepapier, die bisherige Methode „Wir testen, um die Lage zu bestätigen“ abzulösen durch den Ansatz „Wir testen, um vor die Lage zu kommen“. Bald schon sollen 200.000 Tests am Tag möglich sein – bislang sind laut Robert-Koch-Institut rund eine halbe Million Tests ingesamt durchgeführt worden. Auch die BILD zitiert aus einem Beschluss, in dem Kanzleramt und Staatskanzleien der Länder beschließen, „die Kapazitäten zur Testung auf das neue Corona-Virus deutlich zu erhöhen.“ Und eine aktuelle Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften empfiehlt eine Ausweitung der Testsysteme, um unnötige Quarantänemaßnahmen zu vermeiden.

    Immer wieder wird dabei auf Südkorea verwiesen, wo neben strenger Überwachung von Ausgangssperren vor allem auf Massentests gesetzt wurde. Dort führten die vielen Tests zu einem erheblichen Rückgang der Neu-Infektionen. Stefan Willich, Direktor des Instituts für Epidemiologie an der Berliner Charité, forderte im Tagesspiegel eine solche konsequente Infektionstestung auch für Deutschland: „Nur so sind die Anzahl der Infektionen und die Immunitätslage zuverlässig einzuschätzen. Wenn wir nicht breit testen, laufen wir Gefahr, schnell wieder vor der gleichen unklaren Gefährdungssituation zu stehen wie jetzt. (...) Es wäre eine prioritäre Aufgabe aller Beteiligten, hier Kapazitäten zu schaffen.“

    Dass mehr Tests bei der Bewältigung helfen können, bezweifelt kaum jemand – die Frage ist eher, ob das so ohne Weiteres machbar ist und ob es schnell genug geht. Denn die Infektionszahlen steigen exponentiell: alle paar Tage verdoppelt sich die Zahl der Infizierten, der Verlauf beschleunigt sich also. Testkapazitäten lassen sich aber bestenfalls linear steigern.

    Nach Recherchen von BuzzFeed News wird bei den Bundesländern schon seit Tagen an einer Erhöhung der Testkapazitäten gearbeitet. Doch es gibt eine Reihe von Hürden. Dazu zählen einerseits rechtliche und bürokratische Hürden für neue Labore. Andererseits stellt sich die Frage, ob es überhaupt genügend Personal für die vielen Tests gibt. Vor allem aber fehlt es an Test-Kits und den dafür benötigten Chemikalien.

    Unterdessen hat das Robert-Koch-Institut seine Kriterien für die Frage, wer getestet werden soll, noch einmal überarbeitet, bleibt aber dabei: Wer lediglich Symptome hat, aber nicht aus einem Risikogebiet kommt oder nachgewiesen Kontakt mit einem Infizierten hatte, der soll auch weiterhin nicht getestet werden. Alles andere würde die vorhandene Testkapazität sprengen, zitiert der SPIEGEL den Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen: „Die Testkapazitäten sind in Deutschland sehr groß, aber dennoch natürlich endlich.“

    Machen die Labore der Forschungsgesellschaften den Unterschied?

    Bislang sind größtenteils Uni-Kliniken und Landesuntersuchungsämter für die Tests verantwortlich. Doch das soll nicht so bleiben, erklären etliche Bundesländer auf Anfrage von BuzzFeed News.

    In Baden-Württemberg und Niedersachsen werden die veterinärmedizinischen Institute zeitnah Tests aufnehmen. Rheinland-Pfalz hat die Kapazitäten am Blutspendedienst aufgestockt. In Schleswig-Holstein wurden an zehn verschiedenen Standorten im Land diagnostische Zentren aufgebaut, zu denen Risikopersonen einbestellt werden; weitere Zentren seien im Aufbau. Bremen, Hamburg und das Saarland haben Kapazitäten unter anderem mit privaten Laboren aufgestockt. Auch in Thüringen, wo im Moment 1.400 Tests am Tag möglich sind, wurden sieben private Labore aktiviert.

    Große Hoffnungen liegen außerdem auf den vier großen Forschungsgesellschaften und ihren Laboren.

    Bei der Leibniz-Gemeinschaft gebe es „eine ganze Reihe von Leibniz-Instituten, die (...) prinzipiell in Frage kommen könnten“, so ein Sprecher. Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg beispielsweise habe am Donnerstag ein mobiles Labor nach Bayern verlegt, um die dortigen Testkapazitäten auszuweiten. Das Deutsche Primatenzentrum in Göttingen und das Leibniz-Institut für Infektionsbiologie in Jena arbeiten mit den örtlichen Universitäten zusammen, zum Beispiel durch „Ausleihe“ von qualifiziertem Personal und geeigneten Geräten.

    Auch das Leibniz Lungenzentrum in Borstel bestätigte BuzzFeed News auf Anfrage, man sei schon länger in Gesprächen mit der Weltgesundheitsorganisation und der Bundesregierung. Noch seien zahlreiche Fragen zu klären: „Es geht um die Versorgung mit Verbrauchsmaterialien, Reagenzien und Schutzausrüstung sowie um die Frage wie Testinstrumente, die für andere Fragestellungen, z.B. zur Tuberkulosediagnostik genutzt werden, auch für SARS-Cov-2 Testungen verfügbar gemacht werden können“, so Florian Maurer, Ärztlicher Leiter für Diagnostische Mykobakteriologie.

    Das Deutsche Rheuma-Forschungszentrum (DRFZ) in Berlin hingegen könnte nicht nur Nachweistests, sondern auch Antikörpertests durchführen. Nur wer Antikörper gebildet hat, hat die Infektion verlässlich überstanden – entsprechende Tests sind also zentral, um zu wissen, wie viele Menschen in Deutschland inzwischen immun sind. Der Direktor des DRFZ, Andreas Radbruch, aber betont, sein Institut sei „bisher nicht angefragt worden und hat auch keine Testmaterialien für Covid-19 und Schutzausrüstungen vorrätig. In Abstimmung mit der Senatsverwaltung Berlin operiert das DRFZ zudem zur Zeit im "Präsenznotbetrieb". Für eine Einbindung des DRFZ in die Corona-Testung müsste dieser Betrieb wieder hochgefahren, und auf Covid-19 Testung eingestellt werden. Alles möglich, aber zur Zeit nicht angedacht.“

    Auch eine Sprecherin der Max-Planck-Gesellschaft bestätigte BuzzFeed News, der Verwaltungsrat habe schon am vergangenen Donnerstag einen entsprechenden Beschluss gefasst: „Der Verwaltungsrat hat der unverzüglichen Umsetzung von Maßnahmen zugestimmt, damit die MPG schnell und unbürokratisch helfen kann, wenn Anfragen von Dritten (z.B. Krankenhäuser, Gesundheitsämter, forschende Unternehmen) nach wissenschaftlichen Leistungen, nach personellen und sachlichen Ressourcen oder nach Dienstleistungen (z.B. Tests) an die Max-Planck-Institute herangetragen werden.“ Man prüfe gerade, wo das in welcher Größenordnung möglich sei. Einige Institute hätten darüber hinaus schon technisches Personal an Kliniken abgegeben.

    Für Tests könnten zum Beispiel das Max-Planck-Institut (MPI) für Psychiatrie in München, das MPI für Biochemie in Martinsried, das MPI für Neurobiologie, ebenfalls in Martinsried und das MPI für Evolutionsbiologie in Plön in Frage kommen. An allen Instituten hieß es, das sei zwar bislang nicht der Fall, man befinde sich aber in Gesprächen mit der Politik.

    Besonderes Augenmerk dürfte auch auf dem Leipziger Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie liegen. Es verfügt über mehr als 1.200 Quadratmeter Laborfläche für molekularbiologische Untersuchungen. Zur Ausstattung gehören auch zahlreiche sogenannte Thermocycler: Das sind Geräte, die selbstständig eine Polymerase-Kettenreaktion, kurz: PCR, durchführen können. Diese Methode wird auch für COVID19-Nachweis benutzt.

    Getty Images

    Warum mehr Labore allein nicht ausreichen

    Doch das allein reicht nicht. Es braucht eine schnellere Methode, Echtzeit-Polymerase-Kettenreaktion genannt. Dabei wird schon gemessen und analysiert während die Polymerase Kettenreaktion abläuft und nicht erst danach.

    Nicht jedes Labor, dass PCR-Untersuchungen durchführen kann, ist auch für Echtzeit-PCR ausgerüstet. Auch hier wird derzeit versucht, Ausrüstung von Laboren, die bislang nicht testen, dorthin zu bringen, wo COVID19-Tests durchgeführt werden.

    So hat beispielsweise die TU Braunschweig dem Klinikum Braunschweig vier Echtzeit-PCR-Geräte zur Verfügung gestellt und so dort die technischen Voraussetzungen geschaffen, die Testmöglichkeiten um das 2,5-fache zu erhöhen, wie das Niedersächsische Wissenschaftsministerium BuzzFeed News auf Anfrage mitteilte. Im nächsten Schritt werde nun die Entsendung von Fachpersonal vorbereitet, um die Tests auch zeitgerecht durchzuführen. Auch Thüringen prüft „aktuell verschiedene Möglichkeiten, wie die Testkapazitäten weiter ausgebaut werden können“, so ein Sprecher.

    Doch in den Planungsstäben der Ministerien wurde in den letzten Tagen immer deutlicher: Mehr Labore allein reichen nicht. Beinahe alle von BuzzFeed News angefragten Institute, Forschungsgesellschaften und Ministerien benannten drei große Hürden, die einer schnellen Aufstockung der Testkapazitäten im Wege stehen. Erstens: Wie sicher ist die mittel- und langfristige Versorgung mit den für die Tests benötigten Chemikalien am Weltmarkt? Zweitens: Wie viel Personal ist dauerhaft für Tests verfügbar? Und Drittens: Wie sieht es mit der nötigen Schutzausrüstung aus?

    In Nordrhein-Westfalen seien derzeit mit rund 20.000 Tests am Tag die Kapazitätsgrenzen erreicht. Auf Anfrage von BuzzFeed News macht das Gesundheitsministerium klar, dass dafür noch keine Lösung in Sicht ist: „Wir führen dazu gerade intensive Gespräche insbesondere zur Organisation und Logistik an vielfältigen Stellen. Da die Voraussetzungen für jede einzelne Untersuchung nicht nur aus den Geräten, sondern auch aus Testkits, Verbrauchsmaterialien und vielem mehr bestehen, die zur Zeit durch Lieferengpässe noch verschärft werden, können aktuell noch keine Aussagen über die konkrete Kapazitätserhöhung getroffen werden.“

    Erschwerend komme hinzu, dass die Länder sich alle am gleichen Markt versorgen müssen: „Je mehr Labore in die Testung einbezogen werden, desto höher ist die Konkurrenz um die nötigen Materialien. Diese große Nachfrage sprengt derzeit den Markt“ heißt es aus dem Sozialministerium in Baden-Württemberg.

    Problem Nr. 1: Bürokratische Hürden

    Da sind zunächst all die formalen, juristischen und bürokratischen Hürden. Sie sind seit Tagen in der Diskussion, weniger in den Laboren, sondern vor allem in den Ministerien. Haben die Räume eine Zulassung als humanmedizinisches Labor? Liegt eine Akkreditierung vor? Sind die Maschinen für die Testreihen geeignet und zugelassen?

    Antworten darauf werden gerade gesammelt, doch noch ist nicht einmal klar, wer dann für eine Zulassung oder Akkreditierung überhaupt zuständig wäre. Denn welches Labor wozu befähigt ist, war bislang nirgends zentral erfasst. „Diese Frage kann erst beantwortet werden, wenn klar ist, wie die Bewertung des „Angebotes“ rechtlich und inhaltlich ausgeht.“, hieß es aus aus dem sächsischen Gesundheitsministerium.

    Was einer solchen Zulassung hingegen nicht im Wege stehen dürfte, sind die Sicherheitsrichtlinien für die Labore. Weltgesundheitsorganisation, das US-Gesundheitsministerium, die deutsche Bundesanstalt für Arbeitsschutz, sie alle schreiben in ihren Richtlinien die Sicherheitsstufe S2 vor – insgesamt gibt es vier biologische Sicherheitsstufen. S2 gilt beispielsweise auch für HIV-Tests und müsste durch in Rede stehenden Labore wohl ohnehin erfüllt werden.

    Problem Nr. 2: Das richtige Personal

    Die nächste Frage ist dann: Wie steht es um das Personal? In den Ministerien herrschen mitunter Bedenken, ob das Personal aus Forschungseinrichtungen auch humanmedizinische Routinediagnostik kann.

    Ein Sprecher des Sozialministeriums Baden-Württemberg bestätigte BuzzFeed News: „Berufsrechtliche Regelungen (Befundung von humanmedizinischen Laborbefunden sind danach nur durch Humanmediziner möglich) stellen ebenfalls ein großes Hindernis dar.“ Eine Möglichkeit für Labore ohne Facharzt mit entsprechender berufsrechtlicher Berechtigung könne demnach die Kooperation mit einem humanmedizinischen Labor darstellen.

    Auch Florian Maurer vom Leibniz Lungenzentrum mahnt: „Auch in einer Pandemiesituation sollten bestimmte Kriterien für eine fachgerechte humanmedizinische Laboranalytik gewahrt bleiben.“ Dazu gehöre etwa, dass ein Labor fachärztlich geleitet wird, dass die Laboranalytik durch medizinisch-technische Assistentinnen durchgeführt wird, dass Befunde nach dem Vier-Augen-Prinzip begutachtet und die Ergebnisse dann sicher und anonym übermittelt werden.

    Problem Nr. 3: Engpässe bei Chemikalien und Test-Kits

    Die größten Hürden dürften allerdings im logistischen Bereich zu finden sein. Neben den naheliegenden Fragen – Wo werden die Proben gesammelt? Wie kommen sie in die Labore? Wie kommen die ausgewerteten Proben samt Ergebnis wieder zurück? – sind es vor allem zwei Punkte, die den zuständigen Ministerien im Moment Kopfzerbrechen bereiten: Die benötigten Chemikalien und die Test-Kits.

    Es nütze wenig, wenn ein Labor zwar jetzt gut mit den benötigten Chemikalien ausgestattet sei, dieser Vorrat aber nach wenigen Tagen erschöpft sei und am Weltmarkt momentan kein Nachschub verfügbar ist.

    Das gleiche Problem habe man derzeit mit den Test-Kits. Sollen die Ergebnisse der Tests vergleichbar sein, müssten hier einheitliche Testverfahren angewendet werden: „Da ändern sich dann auch wieder die Zahlen und die Kapazitäten. Weil Corona-Test ist nicht gleich Corona-Test. Da gibt es verschiedene Technologien. Und wir sind hier gerade dabei, einheitlich auf eine Technologie einzuschwenken, dass alle Labore die gleichen Rahmenbedingungen und Voraussetzungen haben“, sagt ein Sprecher des sächsischen Wissenschaftsministeriums in einem Telefonat. Folglich sei das, was ein Labor theoretisch leisten kann, dann nicht die Größenordnung, die man auch praktisch umsetzen könne.

    Zudem seien die Test-Kits gerade nur schwer zu besorgen: „Der Engpass besteht momentan gar nicht so sehr an Laborkapazitäten selber, also Räumlichkeiten und technischen Geräten und Fachpersonal, sondern der Engpass ist tatsächlich, dass es nicht genügend Test-Kits gibt, die ausgewertet und analysiert werden können. Dafür muss, und das wäre die wirtschaftliche Seite und in dem Fall wahrscheinlich auch die privatwirtschaftliche Seite, die schiere Zahl der Test-Kits einfach erhöht werden. Und auch da wieder: Das ist eine weltweite Frage – das ist tatsächlich schwierig“, sagt der Sprecher weiter.

    Roche, Bosch & Co.: Bringen neue Geräte den Durchbruch - und zu welchem Preis?

    Schon jetzt gelangen manche Labore an ihre Grenzen und müssen Proben ablehnen. Große Hoffnungen ruhen daher jetzt auch auf der Industrie. Bosch beispielsweise hat angekündigt, ab April ein Testsystem für COVID-19-Tests verfügbar zu machen.

    Schon in der vergangenen Woche machte der Pharmakonzern Roche auf sich aufmerksam, der für sein sogenanntes cobas-System eine Notzulassung der amerikanischen Gesundheitsbehörde erhalten hatte. Dieses System testet vollautomatisch: Wie auf einer Produktionsstraße werden große Mengen Tests durch die Maschine der Reihe nach entgegengenommen, zu den Testeinheiten bewegt, vorbereitet, analysiert und ausgewertet – Schritte, die in den meisten Labors händisch gemacht werden müssen.

    Was das bringen könnte, zeigt sich am Beispiel Sachsen-Anhalts. 2400 Tests werden laut Gesundheitsministerium dort derzeit pro Tag durchgeführt. 3600 wären mit den jetzigen Kapazitäten noch zu schaffen. 4600 könnten es pro Tag, wenn ein derzeit im Testbetrieb laufendes cobas-System nur noch für Corona-Tests eingesetzt würde.

    Doch es gibt auch skeptische Stimmen, vor allem, was die Kosten bei diesen Verfahren betrifft. „Super wären diese Maschinen, weil die einfach so viel mehr Durchsatz haben, als wenn Sie es händisch machen. Aber das ist wie beim Espresso: Sie haben eine günstige Maschine, und dann brauchen Sie auch die Kapseln“, sagt eine ranghohe Mitarbeiterin aus einer der vier großen Wissenschaftsgesellschaften „Und das ist das, was die Hersteller tun – weil sie dann beide Geschäfte machen: Über die Technik und über das Kit.“

    „Das ist wie beim Espresso: Sie haben eine günstige Maschine, und dann brauchen Sie auch die Kapseln.“

    BuzzFeed News wollte von Roche wissen, wie sich die Test-Kits preislich zu den bisherigen Lösungen verhalten. Doch mehr als „Wir geben keine Auskünfte zu Preisangaben“ war von einer Sprecherin des Konzerns dazu nicht zu erfahren. Bosch wollte überhaupt keine Fragen zu seinem System oder den Preisen für Test-Kits beantworten.

    Dazu kommen auch hier logistische Fragen. So sind die für die neuen Maschinen benötigten Test-Kits von Roche in den USA zu bekommen. Dabei wird ein Teil der dafür benötigten Stoffe sogar in Deutschland hergestellt, muss dann aber erst in die USA gebracht und dort zu Test-Kits konfektioniert werden: „Im Test-Kit sind mehrere Lösungen und Reagenzien enthalten, die für die Durchführung notwendig sind. Der Standort Penzberg stellt einen Teil der biologischen und chemischen Einsatzstoffe (Reagenzien, Enzyme, Puffer etc.) dafür zur Verfügung“, bestätigte eine Sprecherin von Roche gegenüber BuzzFeed News.

    Mittlerweile übersteige die Nachfrage nach den Kits das Angebot, so dass der Konzern derzeit selbst über Zuteilungen entscheiden kann. Selbst wenn deutsche Gesundheitsbehörden oder Firmen die neuen Maschinen nun bestellen, ist eine schnelle Lieferung Roche zufolge also nicht gesichert: „Aufgrund der hohen Nachfrage nach Reagenzien und Verbrauchsmaterialien kann die Versorgungssituation kurzfristig in einigen Fällen schwierig sein.“

    Sean Gallup / Getty Images

    Solange alle diese Engpässe nicht überwunden sind, bleibt es also nicht nur schwierig, den Verlauf der Pandemie genau zu verfolgen. Es wird auch kaum möglich, zu wissen, wann genug Menschen in Deutschland die Infektion schon durchgemacht haben und immun sind.

    Sorgen, die die 3000-Einwohner-Gemeinde Vò Euganeo im Nordosten Italiens nicht mehr hat. Für eine Pilot-Studie hatte man dort alle Bewohner getestet, egal ob sie Symptome hatten oder nicht. Keine 14 Tage später war die Ausbreitung des Virus gestoppt.

    „Wir müssen die finden, die das Virus haben, und sie isolieren“, so WHO-Direktor Mike Ryan in der BBC. Sonst bestünde die Gefahr, dass die Fälle wieder ansteigen, sobald Ausgangssperren wieder gelockert werden. „Wir müssen aktiv nach dem Virus suchen und wir müssen jeden Verdachtsfall testen. Wir müssen nicht jeden testen. Aber jeden, der das Virus haben könnte.“


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    Marcus Engert ist Senior Reporter bei BuzzFeed News Deutschland. Verschlüsselter Kontakt per Mail mit PGP-Key: bzfd.it/PGP-engert / Signal oder WhatsApp: bzfd.it/engert / Threema-ID: F8H994R7

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