15. März 2019

    Diese Frau bewirbt sich um einen Job und wird vom Personaler als „Schwabbel“ bezeichnet

    „Ich musste die Mail erst drei Mal lesen und dachte einfach nur: Das hat der jetzt nicht wirklich geschrieben“

    Das ist Jasmin aus NRW. Die 25-Jährige sucht gerade einen neuen Job als Kauffrau für Büromanagement. Bei einer Firma habe sich ein nettes Telefonat ergeben, erzählt sie uns. Sie verschickte nach dem Telefonat ihre Bewerbungsunterlagen per Email und bekam kurz darauf eine Antwort, mit der sie nicht gerechnet hatte.

    BuzzFeed News zur Verfügung gestellt von @JasmiinHx3

    Wie Jasmin auf Twitter schrieb, wollte der Mitarbeiter ihre Unterlagen dem Geschäftsführer per Mail weiterleiten, drückte aber allerdings offenbar nicht den „Weiterleiten“-, sondern „Antworten“-Knopf. Jasmin bekam dann diese Email:

    Ich wurde heute Mittag telefonisch um eine Zusendung meiner Bewerbung gebeten. Gesagt, getan. Der MA wollte diese dann wohl mit diesem netten Kommentar an den GF schicken. Doof wenn sie bei mir ankommt. Ja, ich sehe nicht aus wie Heidi Klum. Und? Diese Vorurteile KOTZEN MICH AN!

    Jasmin fügte ihrem Tweet noch hinzu:

    Auf Twitter reagieren viele Menschen fassungslos. Sie sprechen Jasmin Mut zu:

    „Was für ein geistiger Kleingärtner“, antwortete ein Nutzer:

    Der Tweet von Jasmin bekam auf Twitter innerhalb weniger Tage mehr als 5000 Likes und Retweets. Und ganz viele Antworten wie diese:

    ✊✊✊✊

    „Ich musste die Email erst drei Mal lesen und dachte einfach nur: Das hat der jetzt nicht wirklich geschrieben“, sagt Jasmin gegenüber BuzzFeed News am Telefon.

    BuzzFeed News zur Verfügung gestellt von @JasmiinHx3

    Die 25-jährige erzählt uns, dass sie bereits in früheren Jobs Erfahrungen mit Mobbing machen musste. Dass sich dieser Job nun für sie erledigt hat, nimmt sie gelassen: „Normalerweise lernt man ja das wahre Gesicht von Mitarbeitern erst kennen, wenn man schon in der Firma drin ist. In diesem Fall zeigte jemand einfach schon vorher, was er wirklich denkt“, sagt sie am Telefon.

    Jasmin geht offen damit um, dass sie „keine Heidi Klum ist“, wie sie selber sagt.

    „Ich werde oft darauf reduziert wie ich aussehe, aber niemand kennt oder erkundigt sich nach der Geschichte dahinter. Das nervt mich sehr.“

    Im Gespräch mit BuzzFeed News sagt sie, dass sie eine schwierige Phase in ihrem Leben hatte, als sich ihre Eltern trennten. Da war sie circa 6 Jahre alt. Essen habe ihr damals Trost gespendet.

    Nach einem Wechsel auf eine neue Schule habe sie dann ein neues Selbstbewusstsein entwickelt. „Neue Leute, eine neue Umgebung – da darfst du keine Schwäche zeigen, dann kann dir auch niemand etwas tun.“

    Ihren Tweet veröffentlichte Jasmin, um darauf aufmerksam zu machen, was Menschen wie sie im Alltag erleben, erzählt sie uns. „Es gibt wahrscheinlich viele Leute, denen es genau so geht, die dann aber nicht darüber sprechen. Aber du bist nicht alleine.“

    Ihr ist wichtig, dass Menschen nicht auf ihr Äußeres oder Vorurteile reduziert werden. „Warum müssen sich Menschen immer dafür rechtfertigen, wie sie sind: Ob zu groß, zu klein, zu dick, zu dünn, schwul, lesbisch, im Rollstuhl sitzend. Lasst die Leute doch einfach so leben, wie sie sind.“

    Den Job will Jasmin nicht mehr haben, erzählt sie BuzzFeed News. Obwohl sie nun in einer weiteren Mail des Unternehmens zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch eingeladen wurde.

    In den vergangenen Tagen hat Jasmin so viele ermutigende Nachrichten bekommen, dass sie sich dafür bedankt hat:

    BuzzFeed News liegt der Email-Verkehr zwischen Jasmin und der Firma vor und hat die Firma um ein Statement gebeten. Die Firma sagt, sie wolle den Fall nun prüfen.

    BF

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    Karsten Schmehl ist Reporter für Social News und Desinformation bei BuzzFeed News und lebt in Berlin.

    Contact Karsten Schmehl at karsten.schmehl@buzzfeed.com.

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