Diese Ärztin fordert die Presse dazu auf, realistische Bilder von Abtreibungen zu zeigen

    „Das ist eine Fruchtblase in der siebten Woche.“

    Die Frauenärztin Kristina Hänel hat die Presse für ihren Umgang mit Bilder von Abtreibungen kritisiert. „Wir möchten die Presse bitten, dazu beizutragen, dass realistische Bilder in die Öffentlichkeit kommen“, sagte sie vor Journalistinnen und Journalisten am Dienstag in Berlin.

    Zuvor hatte Kristina Hänel dem Bundestag 150.000 Unterschriften übergeben, welche die Abschaffung des Paragrafen 219a fordern. Der Paragraf schreibt ein Werbeverbot für Abtreibung fest. Kristina Hänel war deshalb am 24. November verurteilt worden und hatte damit eine bundesweite Debatte ausgelöst.

    Problematisch, so Hänel, sei dass in der Medienberichterstattung immer wieder „Bilder aus Archiven genommen werden, die Schwangerschaften in der 14, 16 oder 18 Woche zeigen.“ Das entspräche nicht der Realität. Schwangerschaftsabbrüche würden in ihrer Arztpraxis typischerweise in der siebten oder achten Woche vorgenommen. Sie habe deshalb das Bild einer Fruchtblase mitgebracht, was sie der Deutschen Presseagentur (dpa) zur Verfügung stellen wolle.

    Kristina Hänel zeigt der anwesenden Presse am Dienstag das Bild einer Fruchtblase.

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    So sieht die entfernte Fruchtblase in der 7. Schwangerschaftswoche aus.

    Verena Deutschmeyer/Kristina Hänel/dpa

    „Das ist kein Zellhaufen“, sagte Hänel über das Bild, das ein entfernte und gewaschene Fruchtblase zeigt. „Da ist ein Embryo angelegt und man sieht einen Herzschlag im Ultraschall. Was man sieht, wenn es rauskommt, ist das. Das ist unser realistisches Bild.“

    Jede vierte Schwangerschaft gehe bis zur zwölften Schwangerschaftswoche ab, so Hänel. Das sei von der Natur so angelegt. „Eine Frau, die eine Fehlgeburt hat, würde es in der siebten Woche wahrscheinlich gar nicht merken“.

    Sie sprach auch die sogenannten Lennart Nilsson Bilder an, die oftmals verwendet werden. Die seien wunderbar für eine Frau, die gewollt schwanger sei, aber „nicht unbedingt das, was eine Frau sehen will“, wenn sie ungewollt schwanger sei. „Und sie entsprechen auch nicht der Realität“, so Hänel.

    Mary Evans/Picture Library/dpa

    Vor 50 Jahren zeigte das amerikanische Magazin „Life“ erstmals Fotos von Embryonen. Der schwedische Fotograf Lennart Nilsson machte die sehr detailgenauen Aufnahmen. Es handelt sich dabei auch um Embryonen aus abgebrochenen Schwangerschaften.

    Ein Bericht der Oberhessischen Presse zum Thema Abtreibung.

    Screenshot / Via op-marburg.de

    Besonders problematisch sei, so Hänel, dass Bilder zum Thema Schwangerschaftsabbruch oft von Abtreibungsgegnern besetzt würden.

    Auf Webseiten wie etwa „Babykaust“ wird Abtreibung als „Steigerung des Holocaust“ bezeichnet. Um gegen Abtreibungen zu kämpfen, werden dort verstörende Bilder von angeblichen Schwangerschaftsabbrüchen gezeigt.

    Die Seite Babykaust.

    Screenshot: Webseite „Babykaust“

    Auch während der Petitionsübergabe durch Kristina Hänel an Abgeordnete des Bundestages demonstrierten rund ein Dutzend Abtreibungsgegnerinnen und -gegner vor dem Reichstag.

    Kristina Hänel mit Unterstützerinnen und Unterstützern vor dem Reichstag.

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    Nur wenige Meter entfernt demonstrierten Abtreibungsgegnerinnen und -gegner.

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    Hänel enthüllte in der Pressekonferenz am Dienstag außerdem, dass sie 1994 unter einem Pseudonym ein Buch über Abtreibung geschrieben habe. Sie sei die Autorin des Buches „Die Höhle der Löwin. Geschichten einer Abtreibungsärztin“. Es geht darin auch darum, wie man als Abtreibungsärztin mit den ständigen Diffamierungen umgehe.

    Kristina Hänel wurde bereits vor ihrer Verurteilung mehrfach angezeigt. Aufgrund des Werbeverbots für Abtreibung, dem Paragrafen 219a, habe sie das Buch damals nicht unter Klarnamen veröffentlichen können. Derzeit, so Hänel, schreibe sie an einem neuen Buch. Der Titel werde lauten „Die Katze auf dem Dach“. Der Untertitel laute voraussichtlich: „Als der Paragraf 219 fiel“.

    Sie bedankte sich außerdem, dass das Thema Schwangerschaftsabbruch auch durch die Presse enttabuisiert und „aus der Schmuddelecke“ geholt wurde.

    Dieses Buch konnte Kristina Hänel wegen des Werbeverbots für Abtreibung nicht unter ihrem Klarnamen veröffentlichen.

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    Die Ärztin verkündete außerdem ihren Rückzug aus der Öffentlichkeit. Sie werde fortan nicht mehr für Interviews zur Verfügung stehen. Nun sei die Politik am Zug. „Wir haben unsere Schuldigkeit getan“, sagte sie.

    Kristina Hänel auf der Pressekonferenz am 12.12.2017

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    Senior Reporterin BuzzFeed News

    Contact Juliane Loeffler at juliane.loeffler@buzzfeed.com.

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