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Das passiert, wenn Männer Bikini-Werbung nachstellen

Bist Du bereit?

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Photo by: Macey J. Foronda/BuzzFeed // Editing by: Jenna Williams/BuzzFeed / Charlotte Gomez / Beach Bunny / Victoria's Secret / H & M / BuzzFeed

Mal ehrlich: Bikini-Werbung ist eine Fantasie aus definierten Muskeln, glatter Haut, klarem Wasser und blauem Himmel. Doch es wird so richtig interessant, wenn diese Badesachen aus der Werbung von Frauen getragen werden, die keine Models sind. Auf Frauen lastet großer gesellschaftlicher Druck, ein perfekten Körper zu haben. Dieser Druck ist für Männer zwar anders – denk nur an stark ausgeprägte Muskeln und dieses V-förmige Ding am Bauch (Du weißt genau, was wir meinen) – doch der Druck existiert auch für sie.

Das brachte einige von uns zum Nachdenken: Was würden wir lernen, wenn wir als Männer versuchen würden, berühmte Bikini-Werbung nachzustellen? Würden wir besser verstehen, welchen Druck solche Werbung auf Frauen erzeugt – und würden wir vielleicht auch selbst ein wenig von diesem Druck verspüren?

Oh, und: Wir hatten auch ziemliche Schwierigkeiten, keinen Sand an Stellen zu bekommen, wo keiner sein sollte.

Was Norberto vor dem Shooting über seinen Körper dachte: Ich habe nichtmal unter normalen Umständen eine positive Haltung zu meinem Körper. Ich habe nichts Aufregendes an mir, das ich zeigen könnte. Ich bin so sexy wie ein drei-Euro-Sandwich aus der Kühlteke im Supermarkt. Ich bin dick, also wusste ich schon, dass das alles ziemlich unangenehm werden würde.

Was Norberto nach dem Shooting über seinen Körper dachte: Das alles war wirklich seltsam. Wie diese Models zu posieren ist für mich ungefähr so, als ob man Michelangelos David mit Knete nachbauen wollte. Es ist unmöglich, es ist frustrierend, und man arbeitet mit SEHR vielen, sehr instabilen Einzelteilen. Unsere Fotografin Macey sagte mir die ganze Zeit, dass ich meine Hüfte mehr zeigen sollte. Ich zeigte meine Hüfte. Aber mein tolles Hüfte-Zeigen ist überhaupt nicht zu sehen, weil so viel ~Fett~ im Weg ist. Meine Knie tun irre weh, weil das Knien im Sand sich anfühlte wie eine Million kleine Messer auf meiner Haut. Und durch mein Gewicht wurden die Schmerzen nur noch schlimmer. Diese Models haben auch so ein natürliches "sexy Gesicht" in der Werbung. Sowas hab ich nicht. Wenn ich ein "natürliches" Gesicht habe, sehe ich einfach aus wie ein sehr unangenehmer Typ mit einem mürrischen Gesicht. Das ist nicht sexy. Es ist ÜBERHAUPT nicht sexy. Notiz an mich: Geh niemals an den Strand.

Was Alex vor dem Shooting über seinen Körper dachte: Am Morgen vor dem Shooting fühlte ich mich ziemlich gut und entspannt, selbst beim Gedanken, dass das hinterher viele Leute sehen würden. Das kommt wahrscheinlich daher, dass es eine Doppelmoral für Männer und Frauen gibt. Ich bin weit davon entfernt, ein Model zu sein. Aber wenn ich über diese Aktion hier lachen und etwas Witziges für mich dabei herausziehen kann, ist es für mich ziemlich einfach, damit klarzukommen. Wäre ich eine Frau und müsste das hier machen, wäre es wahrscheinlich deutlich schwieriger. Das ist nicht fair. Klar habe ich einen Bauch und so, aber ich dachte, das würde schon kein Problem sein, weil ich das mit meinem großen Selbstbewusstsein trotzdem super hinbekommen würde – Selbstbewusstsein, das meinen gefühlvollen, intensiven Blick hervorstechen lassen würde.

Was Alex nach dem Shooting über seinen Körper dachte: Ich ging in das Foto-Shooting voller Überzeugung, dass ich ziemlich selbstsicher sein würde. Das kam dann doch etwas anders, besonders als beim Gruppenbild deutlich zu sehen war, wie stark ich meinen Bauch einzog. Tatsächlich ging ich nach diesem Tag deutlich häufiger zum Sport – einfach weil es eine gute Erinnerung daran war, dass ich eben nicht mehr den selben Körper habe wie damals, als ich Anfang 20 war. Ich war auch beim Posieren selbst ziemlich unsicher. Ich dachte die ganze Zeit daran, wie ich an jedem anderen Tag unter gar keinen Umständen so posieren würde. Ich hatte so viele Fragen im Kopf, als ich fotografiert wurde: Warum um alles in der Welt winkt meine Hand so komisch, Warum fühlt es sich an, als müsste ich meinen eigenen Bauch umarmen und "Warum kann ich meine Hüften nicht so bewegen wie das Model auf dem Bild?

Photo by: Macey J. Foronda/BuzzFeed // Editing by: Jenna Williams/BuzzFeed

Was Sam vor dem Shooting über seinen Körper dachte: Ich ging dieses Shooting an wie eine Prüfung an der Uni: In der Nacht vorher ging ich früh schlafen, ich trug bequeme Sachen und ich lernte viel – und mit "lernte" meine ich, dass ich mich an den drei Tagen vor dem Shooting praktisch nur noch von Grünkohl und griechischem Joghurt ernährte. Ja, ich fühlte mich unter Druck, gut auszusehen, aber wem würde das nicht so gehen? Ich habe oft genug America's Next Top Model gesehen, um zu wissen, dass das alles nicht gerade einfach werden würde (danke, Tyra Banks). Und ich fühlte mich, als ob ich an der "Jetzt versuch mal, sexy zu gucken"-Olympiade teilnehmen würde – und Chancen auf eine Medaille hatte ich eher nicht. Man geht ja auch zur Entspannung an den Strand, und nicht, um sich in eine sexy aussehende menschliche Brezel zu verwandeln.

Was Sam nach dem Shooting über seinen Körper dachte: Trotz der ganzen Algen und dem Salzwasser, mit denen ich zu kämpfen hatte (igitt), liebe ich mein Bild. Und es ist witzig, dass das überhaupt nichts mit meiner Pose zu tun hat. Ich gebe zu, dass ich ziemlich zufrieden mit meinem Körper bin (das macht es mit einem, ein Jahrzehnt lang Wettkampf-Schwimmen zu betreiben und dafür ständig öffentlich in einer Badehose herumzulaufen). Ich hatte dabei wirklich Spaß, und ich glaube, das sieht man – mein Blick ist GENAU RICHTIG. Ganz ehrlich: ich bin ein körperlich fitter, weißer Mann. Damit habe ich Eigenschaften, die die Medien offenbar bevorzugen. Und trotzdem spüre ich immer noch Druck, ein ganz bestimmtes Aussehen zu haben, BESONDERS in diesen Zeiten, in denen wir alles online dokumentieren, was wir tun. Doch am Ende des Tages ist es viel wichtiger, sich eine Scheibe davon abzuschneiden, was Beyoncé und Nicki Minaj uns zeigen: wir sollten uns gut mit uns selbst fühlen. Ach ja: und ich finde *IMMER NOCH* Sand an Stellen, die Du Dir nicht vorstellen kannst. Sorry, falls Du das gar nicht so genau wissen wolltest.

Was Javi vor dem Shooting über seinen Körper dachte: Ich war super nervös. Ich habe meinen Körper nie gemocht und fühlte mich auch nie wirklich wohl damit. Das Schönheits-Ideal für Männer ist ein sportliches Aussehen mit einem Sixpack. Das ist für die meisten Männer unmöglich, es sei denn, man diszipliniert sich wirklich dazu. Selbst wenn ich irgendwann mal dachte, dass ich ganz ok aussehe, war ich nie wirklich zufrieden mit meinem Körper. Ich habe dann zähneknirschend zugestimmt, hier mitzumachen, aber bis zum letzten Moment dachte ich darüber nach, doch noch auszusteigen. Ich hatte immer schon Schwierigkeiten mit meinem Körper, zum Beispiel damit, dass er nicht sportlich oder definiert genug ist. Allein der Gedanke daran, so entblößt zu sein, macht mir große Angst."

Was Javi nach dem Shooting über seinen Körper dachte: Während dem Shooting fand ich es einfach nur furchtbar. Ich sonst nur so wenig an, wenn ich bei mir zuhause herumlaufe. Aber es war toll, am Strand zu sein, und nach einer Weile habe ich mich so langsam daran gewöhnt. Doch als es vorbei war, kam sofort die Angst zurück. Zu wissen, dass Tausende Fremde den eigenen Körper so sehen können, macht mich ziemlich fertig. Ich hatte Panik vor dem Tag, an dem ich die Bilder von mir sehen würde.

Nicht zu vergessen wäre auch, dass Javi vielleicht die schwierigste Pose von allen hatte. Aber es war ihm überhaupt nicht anzumerken:

Charlotte Gomez / Thinkstock

Norberto: Puh. Das war echt nicht einfach. Wenn es nach mir ginge, würde ich auf den Bildern VIELE SCHICHTEN schwarzer Kleidung tragen. Ich hätte die Bilder in einer Gegend mit viel Holz gemacht. Und bei Nacht, in völliger Dunkelheit. Und ich hätte mich selbst durch einen Welpen ersetzt. Denn, seien wir mal ehrlich: ich würde lieber ein Bild von einem Welpen sehen als meine rausgestreckten Männer-Brüste.

Es ist albern, von Frauen zu erwarten, dass sie wie die Models in dieser Werbung aussehen. Versteh mich nicht falsch, diese Models arbeiten sehr hart und geben so viel dafür. Und ihre Arbeit ist vorbildlich. Doch es gibt auch einen riesigen Zirkus hinter den Kulissen: Fotografen, Maskenbildner, Beleuchter, Stylisten, Photoshop – sie alle arbeiten zusammen, um gemeinsam sehr realitätsfremde Bilder von Frauen zu erschaffen. Und diese Bilder sind ÜBERALL… und das ist richtig fies. Als Mann stehe ich vielleicht nicht unter dem selben gesellschaftlichen Druck wie Frauen. Doch ich kann mitfühlen, wie es ihnen damit gehen muss. Und das ist etwas, das alle Männer tun sollten.

Alex: Das alles sind großartige, wunderschöne Frauen. Doch davon abgesehen finde ich es krass, wie unnatürlich diese Bilder aussahen, die wir nachstellen wollten und an denen wir schlussendlich scheiterten. Wenn ich am Strand wäre und eine Frau in irgendeiner dieser Posen sehen würde, ohne dass eine Kamera in der Nähe ist, würde ich ziemlich sicher danach meinen Freunden davon erzählen. Ich denke, was damit verkauft wird, ist nicht der Bikini selbst. Es geht vielmehr um das sinnliche Aussehen, mit dem man für potenzielle Partner attraktiv sein könnte, wenn man nur ~den richtigen~ Bikini kauft. Es scheint eine erfolgreiche Art der Werbung für Unternehmen zu sein, aber mir kommt es vor, als ob sie fast schon bestimmt wäre, Käuferinnen am Ende zu enttäuschen. Selbst wenn eine Frau den perfekten Bikini findet, wäre es wirklich schwierig, darin auch noch wie in der Werbung zu posieren, ohne ziemlich verwirrte Blicke auf sich zu ziehen.

Sam: Meine größte Erkenntnis aus diesem Shooting ist, wie weit entfernt Werbung von der Realität ist – besonders die Darstellung von Frauen in der Werbung. Ja, diese Werbung zeigt echte Frauen. Aber was Du nicht siehst ist alles, was HINTER den Kulissen passiert, damit diese Bilder entstehen können – das harte Training, die irren Posen, die Belichtung, die Reisen, die Bildbearbeitung. Und ja, ich denke, dass wir als Gesellschaft ganz gut darin sind, uns einzureden, dass Frauen zwar nach diesen Schönheits-Idealen und diesen Körpern streben sollten, aber trotzdem nur die wenigsten jemals so aussehen werden. Das Problem ist aber: da diese Bilder so allgegenwärtig sind, zählt das nicht mehr, und in der Folge florieren diese wahnsinnigen Ideale.

Und keine Sorge, Mama und Papa – ich schmeiß erstmal nicht meinen Job hin, um Model zu werden.

Javi: Dieses Erlebnis war ein Weckruf für mich in Bezug darauf, wie Frauen in den Medien gezeigt werden. Die Posen sind super unrealistisch, und niemand macht sowas wirklich am Strand – meistens wenigstens. Das zeigte sich auch darin, dass wir während dem Shooting von Leuten ausgelacht wurden, die an uns vorbeiliefen. Wenn man darüber nachdenkt, ist das erstmal nicht schlimm. Aber wir werden mit dieser Art von Bildern JEDEN TAG bombardiert. Ich mochte NICHTS daran, in dieser Pose fotografiert zu werden – ich fühlte mich entblößt und, ehrlich gesagt, auch ziemlich blöd. Das ist die selbe Einstellung, die ich haben werde, wenn ich in Zukunft wieder eine solche Anzeige sehe.

Als die Bilder fertig waren, vermied ich zwei Tage lang, sie mir anzuschauen – bis ich all meinen Mut zusammen nahm und es doch tat. Danach mochte ich immer noch nicht, was ich sah. Ich sah die Speckrollen, die ich zugelegt habe. Ich bin zwar nach dieser Erfahrung etwas zufriedener mit mir, aber ich will immer noch daran arbeiten, besser zu werden.

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