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Diese Dokumente zeigen, wie BASF, Bayer & Co gefährliche Stoffe über Jahre verharmlost haben

US-Aktivisten haben 100.000 zum Teil vertrauliche Seiten über die Chemieindustrie veröffentlicht: die Poison Papers.

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Am 17. November 1953 geschieht bei BASF die Katastrophe. Ein Versuch gerät außer Kontrolle. Dutzende Mitarbeiter kommen mit der Substanz TCDD in Kontakt. Die Männer entwickeln eine Chlorakne, "schreckliche Hautausschläge mit nahezu blasenartigen Striemen", schreibt der medizinische Direktor des US-Chemiekonzerns Monsanto später an seine Abteilung. Sie haben "Eiter, wo sich Infektionen gebildet haben", im Gesicht, am Hals, an den Armen, am ganzen Oberkörper.

Die Symptome breiten sich schleichend aus: Nach einer Woche sind es sechs, nach zwei Monaten 16, nach einem Jahr bis zu 60 Chemiearbeiter. Sie klagen nicht nur über Pusteln, sondern auch über Schlaflosigkeit, Schwindel, Gelenkschmerzen und eine sinkende Libido.

Zehn Tage später ist das Labor noch immer eine Gefahrenzone. BASF stellt Käfige mit Versuchskaninchen hinein. Zwei Tage später lebt kein einziges der Tiere mehr. Eine Autopsie zeigt: Die meisten sind an Leberversagen gestorben.

Die Industrie hält den Gift-Unfall geheim

Der Brief des Monsanto-Mediziners wird mit einem Stempel versehen: "Confidential" – "Vertraulich". Der Brief ist Teil einer umfangreicheren Korrespondenz zwischen Boehringer Ingelheim und dem US-Chemiekonzern Dow Chemical. Obwohl der Unfall zeigt, dass TCDD hochgiftig ist, hält die Chemieindustrie diesen Vorfall geheim.

TCDD ist eine chlorhaltige Verbindung. Es entsteht, wenn sich ein Stoff namens 2,4,5-Trichlorphenol unkontrolliert erhitzt. Diesen Stoff nutzten Chemieunternehmen jahrzehntelang zur Herstellung von Pflanzenschutzmitteln. TCDD wurde weltberühmt als ungewolltes Beiprodukt von T-Säure im Entlaubungsmittel "Agent Orange", das die US-Armee massenhaft im Vietnamkrieg einsetzte. Bis heute leiden Einheimische und Soldaten an den Folgeschäden.

Die Hintergründe des lange streng geheim gehaltenen Chlorakne-Skandals sind nun erstmals weltweit einsehbar. Die Dokumente finden sich in den Poison Papers, einer öffentlich zugängigen Datenbank mit rund 20.000 Akten über die Chemieindustrie, veröffentlicht von amerikanischen Umweltaktivisten. Die Dokumente enthüllen das Zusammenspiel von Industrie, Politik und US-Militär.

20.000 Akten enthüllen Skandale der Chemieindustrie

Die Poison Papers zeigen: Einige deutsche und amerikanische Chemiekonzerne wussten schon früh, wie extrem giftig TCDD ist, hielten diese Erkenntnisse aber für Jahre unter Verschluss. Sie nahmen nicht nur verletzte Mitarbeiter in Kauf. Sie testeten das Dioxin offenbar auch an Probanden. Und sie schwiegen, obwohl der Stoff noch bis in die 1980er Jahre als Pflanzenschutzmittel auf zahlreiche Felder gesprüht wurde.

Die Poison Papers reichen zurück bis in die 1920er Jahre. Der Datensatz enthält Treffer zu allen großen deutschen Pharmakonzernen, darunter Schering, Merckle, Ratiopharm, Stada, Schwarz Pharma oder Grünenthal.

Sean Gallup / Getty Images

Bayer hat BuzzFeed News auf Anfrage Einsicht in das Unternehmensarchiv angeboten, hat aufgrund der länger zurückliegenden Ereignisse und der kurzen Antwortfrist jedoch nicht auf konkrete Fragen geantwortet.

Die US-Umweltbehörde EPA antwortete bislang nicht auf Anfragen von BuzzFeed News. Die Firmen Bayer und BASF sagten, dass sie eine solch umfangreiche Anfrage zu historischen Vorgängen nicht kurzfristig nachrecherchieren könnten. Boehringer Ingelheim antwortete nach Veröffentlichung des Artikels, jedoch nur zu Fragen rund um „Agent Orange".

Die großen Konzerne wussten Bescheid

BASF bestätigte aber, dass es bei dem TCDD-Unfall 1953 Hauterkrankungen bei Mitarbeitern gab. Noch im gleichen Jahr habe der Konzern die Produktion von Trichlorphenol in Ludwigshafen eingestellt. Ob BASF danach auch andere Firmen, Behörden, Forschungslabore oder Institute informierte, beantwortete das Unternehmen nicht.

Aus den Boehringer-Dow-Chemical-Akten geht auch hervor, dass sich Monsanto für den Unfall interessierte, weil der Konzern 1949 selbst Ähnliches erlebt hat – "den Ausbruch einer Chlor-Akne epidemischen Ausmaßes".

Die Vertreter der betroffenen Firmen Monsanto und BASF treffen sich im Juni 1956 mit Forschern des amerikanischen Kettering-Labors an der Universität in Cincinnati, Ohio. Ein Monsanto-Vertreter führt Protokoll, die Briefe gehen direkt an den ärztlichen Direktor Kelly. Die Hochschule in Ohio habe zu Chlorakne bereits "Menschen- und Tierversuche" gemacht, heißt es darin. Das Problem: In keinem der Tests an Kaninchen, Ratten, Katzen, Hunden und Schweinen konnte Chlorakne sichtbar gemacht werden. Also einigen sich die Anwesenden darauf, "menschliche Freiwillige zu finden".

Versuche mit hochgiftigem TCDD – an Menschen

Laut dem Protokoll wurde das auch tatsächlich umgesetzt: Einige Probanden mussten regelmäßig eine Salbe mit Trichlorphenol auf den Unterarm auftragen. Die Vergleichsgruppe trug Halowax 1014 auf, ein damals schon bekannter, akneerregender Stoff. Ärzte konnten keine Veränderungen an der Leber feststellen, aber einige Testpersonen entwickelten lokale Akne. Auf die Frage, ob BASF damals Trichlorphenol und seinen Abbaustoff TCDD an Menschen getestet habe, antwortete der Konzern nicht.

Bei dem Treffen in Ohio notiert der Monsanto-Mann, dass die sehr frühe Einnahme "massiver Dosen" von Vitamin A die Chlorakne erfolgreich reduzieren könne. Bei den schweren Monsanto-Fällen von 1949 sei das jedoch erfolglos gewesen. Schließlich berichtet der BASF-Forscher, dass in Experimenten vier toxische Stoffe isoliert wurden. Der letzte Stoff – TCDD – passe am besten; der Vertreter, so heißt es im Protokoll, "ist überzeugt, dass das der gesuchte Wirkstoff ist".

Die Papiere zeigen, dass auch andere Unternehmen früh Probleme mit Chlorakne hatten. So berichtet ein Teilnehmer, dass auch Boehringer Ingelheim "seit vielen Jahren viele Chlorakne-Fälle hatte". Der Protokollführer notierte in Klammern: "Auch habe ich bei Bayer erfahren, dass bei der Herstellung von Trichlorphenol ebenfalls Fälle von Chlorakne aufgetreten sind; aber nun haben sie ‚das Problem geregelt‘."

Ob, wann und wie viele derartige Unfälle es gab, konnte die Bayer-Pressestelle bis Redaktionsschluss nicht herausfinden, bot BuzzFeed News aber den Zugang zum Unternehmensarchiv an.

1957 hätte das Mittel vom Markt verschwinden müssen

Die Firma Boehringer Ingelheim informierte ein Jahr später – 1957 – verschiedene Chlorhersteller über ihre Erkenntnisse, wie die New York Times Anfang der 80er Jahre berichtete.

Spätestens seit diesem Zeitpunkt hätte das Pflanzenschutzmittel mit Trichlorphenol also vom Markt verschwinden müssen. Das geschah aber nicht. Bei Dow Chemical in Midland, Michigan, kam es 1964 zu einem erneuten Ausbruch von Chlorakne. Bis zu 70 Personen waren betroffen, wieder diese Pickel.

Dow Chemical hatte den Brief Boehringers aus dem Jahr 1957 offenbar vergessen oder ignoriert, denn das Unternehmen ließ sich aus Ingelheim zahlreiche Dokumente liefern. Darunter Ergebnisse von frischen Kaninchenversuchen. Diese zeigten, dass man dem Problem mit Wasser und Seife nicht beikommt. Das Fazit, in fetten Lettern und unterstrichen: "völlig ineffektiv als Präventionsmaßnahme".

Am 19. Dezember 1964 schreibt Boehringer Ingelheim zu einer TCDD-Analyse: "Bis jetzt haben wir die Inhalte dieses Berichts gegenüber niemandem außerhalb unserer Firma offengelegt, und wir sehen hierin einen besonderen Wert, denn die außergewöhnliche Gefahr von Tetrachlordibenzodioxin ist nicht allgemein bekannt."

Offenbar hatten die Chemieunternehmen kein Interesse, die hochgiftige Wirkung von TCDD transparent zu machen. Stattdessen berieten sie sich lieber untereinander, wie die Poison Papers verraten.

Im Januar 1965 schalten sich Vertreter von Dow Chemical und Boehringer Ingelheim in eine Telefonkonferenz. Dow Chemical erkundigt sich nach einer Geheimhaltungsvereinbarung. Ein Vertreter von Boehringer beteuert, er werde das sofort prüfen. Er sei sich sicher, dass die Papiere bereits "ausgestellt und verschickt" worden seien. Der US-Kollege freut sich, dass die Deutschen so „unglaublich kooperativ“ und "wirklich besorgt über unser Problem" seien. Zwei Monate später schließen die beiden Firmen einen Liefervertrag. Boehringer Ingelheim wird die Substanz, von der beide Firmen wissen, dass sie hochgiftig ist, von nun an in die USA liefern.

Keine Informationen an Behörden oder Öffentlichkeit

Der deutsche Chemiekonzern aus Ingelheim gibt Informationen über die giftige Substanz daraufhin an die amerikanischen Dioxinhersteller weiter. Aber nicht an die Aufsichtsbehörden oder die Öffentlichkeit.

So brisant sind die Informationen, dass sich Dow Chemical, Diamond Alkali, Hercules Power und die Hooker Chemical Corporation noch im gleichen Monat, am 24. März 1965, zu einem "Chlorakne Problem Meeting" treffen. Das Protokoll wird fünf Tage später aufgesetzt: Der Hooker-Vertreter berichtet, dass betroffene Angestellte sogar noch dreißig Jahre nach einem Kontakt mit TCDD Symptome entwickelt hätten. Es habe sich "eher um Brandwunden oder Beulen als um Mitesser" gehandelt. Die Firmen wissen offenbar schon seit Jahrzehnten, dass ihr Produkt giftig ist.

Eine der teilnehmenden Firmen hat scheinbar Gewissensbisse: Hercules glaube wohl, dass das Gesundheitsamt sicher "sehr glücklich wäre, im Bilde zu sein", schreibt später der medizinische Direktor von Monsanto, Dr. R. Emmet Kelly. Er selbst stimme da jedoch nicht zu. "Wir sollten schauen, ob wir erst unsere Analysemethoden verbessern können und dann Wege finden, wie wir die Präsenz dieses Chlorstoffes verhindern können." Es handele sich hier offenbar um ein "wirkmächtiges Karzinogen", also um einen stark krebserregenden Stoff. Man wisse nicht, "wann wir wieder so eine Epidemie bekommen."

Monsanto fälschte Studien zu hochgiftigem TCDD

Monsanto verhinderte nicht nur, dass die Öffentlichkeit von diesem stark krebserregenden Stoff erfährt. Der Konzern fälschte auch aktiv Studien zu dem Thema. 1985 erklärte Monsanto-Chefbetriebsarzt George Roush unter Eid, dass er von solchen Manipulationen gewusst habe, wie aus einer anderen Poison-Paper-Akte hervorgeht. Demnach wurden die Krebserkrankungen von 27 Beschäftigten, die den Dioxinen ausgesetzt waren, aus einer wissenschaftlichen Studie herausgenommen.

Nicht nur die US-Umweltbehörde EPA habe diese manipulierte Studie genutzt, um den Umgang mit Dioxin zu regulieren, erklären die Poison-Paper-Aktivisten. Die Fälschung diente den Konzernen auch in Prozessen, die Agent-Orange-Geschädigte gegen sie führten.

Weder die EPA noch Monsanto nahmen auf mehrfache Anfrage von BuzzFeed News zu den Vorwürfen Stellung.

Vietnamkrieg sorgt für reichlich Absatz

Auch Boehringer Ingelheim dürften diese manipulierten Studien geholfen haben. Der deutsche Konzern lieferte dem Spiegel zufolge ab 1967 die Komponenten für Agent Orange an Dow Chemical. Laut einem Spiegel-Bericht freute sich der deutsche Pharmakonzern über den Großauftrag: "Solange der Vietnamkrieg andauert", hieß es in einem Schreiben an den Produktionschef, "sind keine Absatzschwierigkeiten zu erwarten." Nach dem Krieg erklärte Boehringer, nicht direkt an der Entlaubungsaktion mitgewirkt zu haben. Als Zulieferer sei man nicht für die Entscheidungen der US-Armee verantwortlich.

In einer E-Mail schreibt Boehringer nach Veröffentlichung dieses Artikels, der Konzern habe "weder direkt noch indirekt, beispielsweise durch Know-how oder Grundstoffe, zur Herstellung von „Agent Orange“ (und Einsatz im Vietnamkrieg) beigetragen" – und widerspricht damit den Recherchen des Spiegel.

"Solange der Vietnamkrieg andauert, sind keine Absatzschwierigkeiten zu erwarten." – Boehringer Ingelheim

Die Massenqualen in Vietnam führten aber nicht zum Stopp der Trichlorphenol-Produktion, im Gegenteil. In den USA wird der Agent-Orange-Stoff weiter als Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt.

Den Poison Papers zufolge erfährt das National Institute of Health, das dem US-Gesundheitsministerium untersteht, erst im Februar 1970 von der Dioxin-Gefahr. In einem Brief an Dow Chemical bedankt sich der Forschungsdirektor der Abteilung Gesundheit, Bildung und Wohlfahrt für den Hinweis durch den Konzern. Die Daten über die Giftigkeit seien "ziemlich erstaunlich und sehr informativ für uns".

In den USA versuchte die Firma Dow Chemical auch Jahre später noch, ein Verbot der gefährlichen Stoffe herauszuzögern. In der internen Jahresplanung von 1979 spricht das Unternehmen davon, die – so wörtlich – Zusammenarbeit mit der Umweltbehörde EPA fortzusetzen. So will das Unternehmen dem Protokoll zufolge die Behörde etwa bei der Analyse von Muttermilch auf TCDD unterstützen. Den Poison Papers zufolge wurden Rückstände von TCDD in Muttermilch gefunden. Doch die US-Umweltbehörde EPA habe die Studien dazu "unter Verschluss gehalten und fälschlicherweise diskreditiert", heißt es in einem Kommentar der Initiatoren des Datenprojekts.

In Europa schloss derweil eine der letzten Fabriken weltweit, die noch Trichlorphenol hergestellt hatte. Nördlich von Mailand war 1976 TCDD aus einer Chemiefabrik ausgetreten; rund 200 Menschen in Seveso und weiteren Gemeinden erkrankten an Chlorakne.

1984 endete auch für Boehringer Ingelheim die unheilvolle Dioxin-Geschichte. Ein Chemiewerk in Hamburg, das ein Insektengift produzierte, wurde geschlossen. Prüfer hatten TCDD in Rückständen des Pestizids gefunden.

Ob, wann und falls ja wie deutsche Chemiehersteller jemals von sich aus die Behörden oder die Öffentlichkeit über die Erkenntnisse informiert haben, haben die entsprechenden Unternehmen trotz mehrfacher Nachfrage nicht beantwortet.

Eines der größten Leaks der Chemiegeschichte

Die Poison Papers dürften eines der größten Leaks der Chemiegeschichte sein, ausgelöst von der 76-jährigen Autorin und Aktivistin Carol Van Strum. Sie hortete rund 100.000 Seiten Papier in einer windschiefen Hütte im Nordwesten der USA, im Siuslaw National Park in Oregon, wie das Portal "The Intercept" berichtete. Van Strump prozessierte seit Mitte der 1970er wegen der T-Säure gegen die Chemieriesen, forderte bei der US-Umweltbehörde EPA Akteneinsicht.

Der krebserregende Stoff TCDD wird in den 70er- und frühen 80er-Jahren auch im Siuslaw National Forest in Oregon gesprüht, rund um das Haus von Van Strum. Ihre Kinder entwickeln Nasenbluten, Durchfall, Kopfschmerzen; in der Nachbarschaft häufen sich die Fehlgeburten. Es werden blinde Elche, Enten mit verdrehten Füße, Vögel mit gekrümmten Schnäbeln entdeckt. Hunde und Katzen bluten aus den Augen.

Carol Van Strum reichte 1977 ihre erste Klage ein. Da brannte ihr Haus bis auf die Grundmauern ab. Bei der Tragödie verlor sie alle vier Kinder. Obwohl die Feuerwehr als Ursache für den allzu schnellen Brand laut The Intercept auf einen Brandanschlag tippte, wurde der Fall nie untersucht. Erst 1983 stoppte die Nationalparkverwaltung den Einsatz von möglicherweise krebserregendem Pflanzenschutzmittel.

Jonathan Latham, Direktor des "Bioscience Resource Projekts" in New York, und das "Center for Media and Democracy" haben große Teile von Van Strumps Akten gerettet und für die Poison Papers digitalisiert. Im Gespräch mit Buzzfeed News Deutschland erzählt Latham: "Es ging uns darum, zu zeigen, dass die Behörden die Industrie sehr oft nicht reguliert, sondern geschützt haben." Van Strums Dokumente belegen Latham zufolge erstmals, "dass Gefahren hochgiftiger Stoffe über Jahrzehnte vertuscht und kleingespielt wurden".

UPDATE

(von Daniel Drepper, Chefredakteur BuzzFeed Deutschland)

Der Pressesprecher von Bayer, Christian Maertin, hat sich am Tag nach der Veröffentlichung per E-Mail und bis in die Nacht auch auf Twitter über die Formulierungen in diesem Text zu Bayers Pressearbeit geärgert. Maertin kritisierte, dass BuzzFeed News für lange zurückliegende Ereignisse nur 24 Stunden Antwortfrist angeboten habe und diesen Text dann aus redaktionellen Gründen erst 14 Tage später veröffentlicht hat. Zudem habe Bayer Zugang zum eigenen Archiv angeboten. BuzzFeed News hat daraufhin die Formulierungen zu Bayers Pressearbeit im Text angepasst.

Außer Acht lässt Maertin bei seiner Kritik, dass BuzzFeed News in seiner Anfrage aufgrund der Kürze der Zeit angeboten hat, Antworten nachzureichen, die BuzzFeed dann entsprechend nachtragen würde. Diese Möglichkeit hat Bayer bislang nicht wahrgenommen. Zudem ist eine eigene Recherche in Bayers Unternehmensarchiv mit ungleich höherem Aufwand verbunden. Die Aufgabe einer Pressestelle ist es, genau diese Recherche zu machen – und diese Arbeit (so freundlich das Angebot auch ist) nicht reflexhaft auf Journalisten abzuwälzen.

Interessant ist zudem, dass in der Reaktion von Bayer-Sprecher Christian Maertin der Fokus auf der Darstellung seiner Pressearbeit liegt – und nicht auf dem Inhalt der Recherche, dem jahrelangen Verschweigen von Erkenntnissen zu hochgiftigem Dioxin durch Bayer.

UPDATE

In einer früheren Version dieses Textes hatten wir geschrieben, dass Boehringer-Ingelheim sein Werk in Hamburg 1978 geschlossen hat. Boehringer-Ingelheim hat uns darüber informiert, dass dieses Werk erst 1984 geschlossen wurde.



In einem zweiten Text zu den Poison Papers zeigen Recherchen von BuzzFeed News, dass Monsanto nicht sagen kann, ob der Glyphosat-Unkrautvernichter Roundup Krebs verursacht.

Petra Sorge ist freie Journalistin in Berlin, berichtet über Politik, Wirtschaft, Medien und liebt investigative Geschichten.

Contact Petra Sorge at info@petra-sorge.de.

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