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Myanmar verlegt Landminen auf Flüchtlingswegen, sagt Amnesty International

Mehr als 270.000 Rohingya-Muslime fliehen vor der organisierten Gewalt gegen sie.

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Myanmars Sicherheitskräfte haben Landminen an der Grenze zu Bangladesch ausgelegt, während Hunderttausende muslimische Flüchtlinge aus dem Land fliehen. Das schreibt Amnesty International in einem aktuellen Bericht. Die Flüchtlinge gehören der Minderheit der Rohingya an.

Die Minen haben laut Amnesty bisher drei Leute ernsthaft verstümmelt, darunter zwei Kinder. Außerdem wurde in der vergangenen Woche ein Mann von den Minen getötet.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind wegen Berichten über Massentötungen und brennende Dörfer mehr als 270.000 Rohingya in den vergangenen Wochen aus Myanmars nördlichem Bundesland Rakhine geflohen.

Die Krise in Rakhine wird international scharf verurteilt. Die Kritik richtet sich auch gegen die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die De-facto-Regierungschefin von Myanmar. Aung San Suu Kyi behauptet, ihre Regierung schütze bereits die Rechte der Rohingya.

Rohingya-Milizen hatten am 25. August zwölf Sicherheitsmitarbeiter getötet. Myanmars Regierung sagt nun, dass die "Terroristen" für die daraus resultierende Gewalt verantwortlich sind – und damit auch für die Flucht vieler Rohingya aus Myanmar.

Der Vertrag über die Ächtung von Landminen von 1997 untersagt, Tretminen zu verwenden, mit ihnen zu handeln und sie zu lagern. Doch Myanmar hat diesen Vertrag nicht unterzeichnet. Auch Israel und Russland haben den Vertrag nicht unterschrieben. Diese beiden Länder haben Waffen an Myanmar geliefert. Tretminen – oder offiziell: Antipersonenminen – wurden speziell entwickelt, um Soldaten zu verstümmeln und ihre Einheiten zu verlangsamen. Wenn Zivilisten auf sie treten, verlieren sie häufig ihre Füße oder Beine.

Die Fotos der Minen scheinen aus Russland stammende PMN-1-Tretminen zu zeigen. Die Fotos konnten von BuzzFeed News nicht unabhängig verifiziert werden. Diese Art von Minen wurde konzipiert, um ein Bein oder beide Beine einer Person zu zerstören. Es ist unklar, wo Myanmar die Minen gekauft hat oder ob sie im Land hergestellt wurden.

Befürworter von verstärkter Rüstungskontrolle sagen, dass nicht explodierte Minen noch lange nach dem Ende von Konflikten ein große Risiko für die Zivilbevölkerung sind – es sei denn, Minenräumteams räumen diese ab.

Der Bericht und die Fotos von Amnesty bestätigen Berichte über die Verwendung von Landminen, die seit Tagen im Umlauf sind – sowohl von Flüchtlingen als auch von Beamten aus Bangladesch.

Viele Flüchtlinge gehen mehrmals hin und zurück über die Grenze, um Hilfsgüter zu retten oder andere Menschen nach Bangladesch zu führen, sagt Amnesty International. Die Aktivisten von Amnesty fanden nach eigener Aussage "mehrere Augenzeugen", die berichteten, dass sie gesehen hätten, wie Myanmars Militär und Grenzpolizei in der Nähe der Grenze Minen verlegten.

Auf Grundlage von Interviews mit Augenzeugen und Analysen eigener Waffenexperten dokumentiert Amnesty International offenbar eine gezielte Nutzung von Landminen entlang eines schmalen Abschnitts der nordwestlichen Grenze des Bundeslandes Rakhine. Dort sind in den vergangenen beiden Wochen nach Schätzungen der Vereinten Nationen 270.000 Menschen vor einer groß angelegten Militäroperation geflohen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch.

Megha Rajagopalan is the Asia correspondent at BuzzFeed News.

Contact Megha Rajagopalan at megha.rajagopalan@buzzfeed.com.

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