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Rebecca Hendin / Getty / BuzzFeed

Fast 50 Bundestagskandidaten der AfD grenzen sich nicht von Rechtsextremisten ab

BuzzFeed News hat alle 396 AfD-Kandidaten durchleuchtet. Das Ergebnis: Dutzende Belege dafür, dass Rechtsextremismus in der AfD einen Platz hat.

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Die AfD hat 47 Kandidaten für den Bundestag ausgewählt, die sich in den vergangenen Monaten rechtsextrem geäußert haben oder sich nicht von Rechtsextremen abgrenzen. Das geht aus einer Analyse aller 396 AfD-Kandidaten durch BuzzFeed News hervor.

Die Analyse zeigt, dass die angebliche Abgrenzung der AfD zu Pegida und der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ in der Praxis nicht funktioniert. Zahlreiche Bundestagskandidaten der AfD pflegen Kontakte zu solchen rechten Gruppen oder haben erkennbare Sympathien für sie.

BuzzFeed News hat die Ergebnisse auch Hajo Funke zur Einschätzung vorgelegt, Extremismus-Experte und emeritierter Professor an der FU Berlin: „In vielen Äußerungen zeigt sich eine klare rechtsradikale Haltung, ein erhebliches Maß an Frauenfeindlichkeit und männlichem Chauvinismus. Außerdem eine geschichtsrührende rechtsextreme Einstellung in Bezug auf Nationalsozialismus und die Geschichte Weimars. Die Identifikation mit der Wehrmacht, die in einigen Posts deutlich wird, ist bestürzend", meint Funke, und weiter:

„Die Äußerungen sind nicht verwunderlich, da sich die De-facto-Führung der AfD – Gauland, Weidel, Meuthen, Poggenburg, Höcke – auf eine rechtsradikale Haltung geeinigt hat. Als rechtsradikale Speerspitze dominieren sie die Partei. Das wird auch auf eine mögliche Bundestagsfraktion Auswirkungen haben“, glaubt Funke.

Der Analyse von BuzzFeed News zufolge haben sich zwölf AfD-Kandidaten für den Bundestag selbst rechtsextremistisch geäußert: fünf Kandidaten trauern dem Deutschen Reich nach, sieben bedienen sich bei Vokabeln oder Symbolen des Dritten Reichs. 15 Kandidaten der AfD für den Bundestag relativieren Deutschlands Rolle im Zweiten Weltkrieg oder sehen einen Schuldkult darum. Und insgesamt 30 Kandidaten dulden rechtsextreme Freunde in ihren Profilen oder sind Mitglied in entsprechenden Gruppen. Durch Mitgliedschaften in oder Sympathien für rechte Burschenschaften fallen insgesamt 8 Bewerber auf.

BuzzFeed News hat für diese Recherche alle 16 Landeslisten der AfD sowie alle 299 Wahlkreise geprüft. Vier Reporter haben für alle Bundestagskandidaten der AfD sämtliche Äußerungen auf deren sozialen Kanälen und Webseiten sowie weitere Äußerungen in der Presse und in Videos geprüft – für die gesamten zwölf Monate vor der Bundestagswahl.

Das Ergebnis zeigt: Der allergrößte Teil der AfD-Kandidaten ist nicht offen rassistisch. Dennoch ist für Positionen von Rechtsextremisten in der AfD nicht nur in Einzelfällen Platz. Die Partei hält dutzende Menschen für tauglich, im Deutschen Bundestag zu sitzen, die sich von rechtsextremen Positionen nicht nur nicht abgrenzen, sondern diese zum Teil sogar aktiv verbreiten. „Für menschenfeindliche Gesinnung ist in der AfD kein Platz“, hatte Parteichef Jörg Meuthen im vergangenen Jahr gesagt. Diese Vorgabe ist nach Recherchen von BuzzFeed News bestenfalls Wunschdenken.

BuzzFeed News hat den Kandidatinnen und Kandidaten jene Belege vorgelegt, die einer Einordnung bedürfen. Wir haben die Kandidaten gefragt, ob sie etwas hinzufügen wollen, ob sie ihre Motivation für die Veröffentlichung der jeweiligen Stellen übersenden möchten und ob sie das Gefühl haben, dass die Fundstellen den zentralen Leitlinien der Partei widersprechen.

Die Mehrzahl der AfD-Kandidaten hat auf unsere Anfrage in den vergangenen Tagen nicht reagiert. Einige haben lange E-Mails geschrieben, andere haben uns beschimpft oder unsere Anfragen im Netz veröffentlicht. Einige allerdings bedankten sich auch für die Recherchen und versprachen, verdächtige Inhalte oder Freundschaften zu löschen. Alle Antworten stellen wir hier bereit. Der Bundesvorstand der AfD hat auf eine Anfrage von BuzzFeed News bis zum Redaktionsschluss nicht reagiert.

Im Folgenden haben wir alle auffälligen Kandidaten aufgelistet, die jeweiligen Screenshots als Belege veröffentlicht und die Antworten der Kandidaten angefügt – falls diese geantwortet haben. Die Kandidaten sind sortiert nach der Art ihrer Äußerungen. Die Bilderstrecken öffnen sich mit einem Klick in das Photo-Set.

30 Bewerber grenzen sich nicht glaubwürdig von Rechtsextremen ab

Die Abgrenzung zu extremen Rechten ist für die Partei eines der größten Probleme, zu Pegida, zur sogenannten „Identitären Bewegung“ oder anderen lokalen oder regionalen Bewegungen. Die AfD-Parteispitze gibt sich große Mühe, in der Öffentlichkeit auf Distanzierung zu setzen – sogar mit einem „Abgrenzungsbeschluss“.

Der Bundesvorstand stellt fest, dass es keine Zusammenarbeit der Partei Alternative für Deutschland und ihrer Gliederungen mit der so genannten 'Identitären Bewegung' gibt.

Die Realität sieht ganz offenbar anders aus, denn Dutzende der Bundestagskandidaten haben entweder Sympathien für die rechten Bewegungen – oder sogar mit ihnen zusammengearbeitet. Ein Klick in die Bilder öffnet die Fotostrecke:

Die Tatsache, dass ein Bewerber offenbar Freundschaften zu Rechtsextremen unterhält, bedeutet natürlich nicht, dass er selbst einer ist. Als Kandidat für den Deutschen Bundestag stellt sich allerdings die Frage, warum solche Freundschaften – oder auch entsprechende rechtsextreme Kommentare und Posts solcher Freunde – unwidersprochen bleiben.

Andreas Wild / Via Twitter

Andreas Wild unterstützt die Identitäre Bewegung, trotz Unvereinbarkeitsbeschluss der Partei. Wild war bis einen Tag vor Ende der Nominierungsfrist Kandidat der Berliner AfD für den Bundestag.

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Identitäre Bewegung Bayern / Via Twitter

Andreas Wild verteilt Inhalte der Identitären Bewegung, trotz Unvereinbarkeitsbeschluss der Partei. Wild war bis einen Tag vor Ende der Nominierungsfrist Kandidat der Berliner AfD für den Bundestag.

Jens Anhorn / (c) der Logos bei der jeweiligen Gruppierung / Via Facebook

Neben etlichen Militärgruppen auch Mitglied in der Gruppe "Kontrakultur Halle", die zur "Identitären Bewegung" gehört: Jens Anhorn aus Baden-Württemberg.

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(c) bei der jeweils abgebildeten Gruppierung / Via Facebook

Die Gruppen, in denen Thomas Seitz Mitglied ist. Seitz ist in Baden-Württemberg auf den recht sicheren Listenplatz 5 platziert und wird ziemlich sicher im nächsten Bundestag sitzen.

Thomas Seitz, Kandidat aus Baden-Württemberg / Via Facebook: Thomas.Seitz.AfD

Die sog. "Wirmer-Flagge" wurde auch von den Widerständlern um Stauffenberg genutzt und sollte nach dem geplanten Attentat auf Adolf Hitler die neue Nationalflagge werden. Seit etwa 2010 wird sie zunehmend von rechtsextremen Gruppierungen verwendet und für eigene Zwecke umgedeutet, was vielfach kritisiert wird. Sie gilt in den letzten Jahren als eindeutiges Erkennungszeichen Rechter.

(c) bei der jeweiligen Gruppierung / Via Facebook

Dirk Spaniel, AfD-Bewerber aus Stuttgart, und die Gruppen, in denen er Mitglied ist. Darunter auch die Gruppe "Es braust unser Panzer im Sturmwind dahin".

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Montage: BuzzFeed News / (c) beim jeweiligen Urheber auf Facebook / Via Facebook

Einige der Freunde, mit denen Thomas Damson, Kandidat aus Rheinland-Pfalz, auf Facebook befreundet ist.

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(c) bei der jeweiligen Gruppierung / Via Facebook

Die Gruppenmitgliedschaften von Brigitte Fischbacher aus Bayern - inklusive "Viktor Orbán Fanclub" und "Identitäre Patrioten".

(c) beim jeweils abgebildeten Profilinhaber / Montage: BuzzFeed News / Via Facebook

Einige der Bilder, die die Facebook-Freunde von Laleh Hadjimohamadvali teilen. Hadjimohamadvalitritt im Saarland an. Gegen sie läuft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Volksverhetzung und Beschimpfung von Religionsgemeinschaften.

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(c) beim jeweils abgebildeten Profilinhaber / Montage: BuzzFeed News / Via Facebook

Profilbilder der Facebook-Freunde von Carsten Paul Hütter, den die AfD Sachsen ins Rennen um ein Bundestagsmandat schickt.

(c) beim jeweils abgebildeten Profilinhaber / Via Facebook

...genau so wie Pierre Jung aus Nordrhein-Westfalen. Bei ihm auch dabei: der "Verein Recht und Freiheit", der für die AfD Wahlkampf und Öffentlichkeitsarbeit macht.

Montage: BuzzFeed News / (c) beim jeweils abgebildeten Profilinhaber / Via Facebook

Fünf von vielen: nur einige der Profile, mit denen Kandidaten befreundet sind, die die AfD Bayern gern im Bundestag sehen würde.

(c) beim jeweils abgebildeten Profilinhaber / Montage: BuzzFeed News / Via Facebook

Wolfgang Kräher ist AfD-Kandidat aus Rheinland-Pfalz, und das sind vier seiner Facebook-Freunde...

(c) beim jeweils abgebildeten Profilinhaber / Montage: BuzzFeed News / Via Facebook

...gefolgt von vier weiteren Facebook-Freunden von Wolfgang Kräher, der in Rheinland-Pfalz von der AfD aufgestellt wurde. "Mein Kampf" war die Programmschrift von Adolf Hitler, in der er die Grundlage für seine nationalsozialistische Politik darlegen wollte. "Meine Ehre heißt Treue" war der Leitspruch der SS.

(c) beim jeweiligen Profilinhaber. Montage: BuzzFeed News / Via Facebook

Blick in die Freundesliste von Jens Maier aus Sachsen. Maier ist auf dem sicheren Listenplatz 2, wird also ziemlich sicher in den Bundestag einziehen. Der Richter war zuvor auch schon mit einem NPD-freundlichen Urteil aufgefallen und hatte "Verständnis" für den Massenmörder Anders Breivik geäußert.

(c) beim jeweiligen Profilinhaber / Montage: BuzzFeed News / Via Facebook

Jürgen Pohl wird recht sicher aus Thüringen in den Bundestag einziehen. Dies sind nur einige seiner Facebook-Freunde...

(c) beim jeweiligen Profilinhaber / Montage: BuzzFeed News / Via Facebook

...und dies sind weitere Facebook-Freundschaften von Jürgen Pohl, der mit hoher Wahrscheinlichkeit im nächsten Bundestag sitzen wird.

(c) beim jeweiligen Profilinhaber / Montage: BuzzFeed News / Via Facebook

Freunde, Gruppen und "Gefällt Mir"-Angaben von Stephanie Scharfenberg aus Niedersachsen zum Zeitpunkt unserer Recherche. Scharfenberg antwortete uns, sie habe sich nach unserer Recherche von dem verdächtigen Profil getrennt und wolle die Identitäre Bewegung nur beobachten.

(c) beim jeweiligen Profilinhaber / Montage: BuzzFeed News / Via Facebook

Uwe Scheidemann aus Sachsen-Anhalt hat unter anderem diese Freunde auf Facebook. Darunter: der "Arbeitskreis NSU" und diverse Pegida-Gruppen.

(c) beim jeweiligen Profilinhaber / Montage: BuzzFeed News / Via Facebook

Zwei der Freunde von Herbert Sobierei auf Facebook. Er wurde von der AfD Niedersachsen ins Rennen geschickt.

Stefan Zuehlke / Via Facebook

Stefan Zuehlke von der AfD Nordrhein-Westfalen verteilt Inhalte der "Identitären Bewegung" - obwohl die Partei bezüglich der Identitären einen "Unvereinbarkeitsbeschluss" gefasst hat.

Bündnis gegen Rassismus & Weser-Kurier / Via Twitter

Auch Robert Teske aus Bremen tritt mit der Identitären Bewegung gemeinsam auf - trotz Unvereinbarkeitsbeschluss der Partei.


15 Bewerber äußern sich homophob oder diskriminierend

Johannes Normann / Facebook / Via Facebook: johannes.normann.3

Lehnt die Ehe für alle nicht nur ab, sondern nutzt mit "Umvolkung" und "Herrenmenschen" auch NS-Vokabular dafür: Johannes Normann, Bewerber der AfD in Bayern.

Dass Homosexualität für die AfD ein Problem ist, wird von der Partei mit einem einfachen Argument bestritten: Alice Weidel, Spitzenkandidatin im Bundestagswahlkampf, lebt selbst mit einer Frau zusammen. Das Klima in der Partei allerdings scheint das nicht exakt wiederzugeben. Ein Klick in die Bilder öffnet die Fotostrecke:

Die einzelnen Funde aus dem Bereich Diskriminierung. Für größere Darstellung auf die Bilder klicken und ggf. nach rechts wischen.

15 Bewerber reden von einem angeblichen Schuldkult oder relativieren Deutschlands Rolle im Zweiten Weltkrieg

Friedbert Müller / Geschichte der Wehrmacht - Like von Kandidat Schwaebsch / Via Facebook

Aus Baden-Württemberg nominiert für den Deutschen Bundestag – und "gefällt mir" für den Mythos der "sauberen Wehrmacht": Walter A. Schwaebsch.

Die Rolle der deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg ist unter Historikern unumstritten: Die Legende von der „sauberen Wehrmacht“ ist ein Mythos. Natürlich war nicht jeder Soldat gleich ein Kriegsverbrecher – aber er war Teil eines Systems, das Kriegsverbrechen ermöglichte. Die Wehrmacht behandelte Gegner systematisch nicht nach Kriegsrecht. Sie ermordete Zivilisten. Sie bereitete den Gräueltaten der SS den Boden.

Schon 1983 stellte das Militärgeschichtliche Forschungsamt der Bundeswehr fest, es sei ein „Zerrbild der Wirklichkeit, dass nur die SS den Todesstoß gegen das Wahnbild des 'jüdischen Bolschewismus' geführt und die Wehrmacht sich auf die Führung der Operationen beschränkt habe.“

Rechtsextremisten wollen das nicht wahrhaben. Dieses nachträgliche Verharmlosen deutscher Taten nennt sich Geschichtsrevionismus. Und mehr noch: Sie sehen einen angeblichen Schuldkult um die Frage nach der deutschen Verantwortung und fordern einen Schlussstrich darunter. All das ist auch unter Kandidaten der AfD zu finden – und das macht sie für Rechtsextremisten wählbar. Ein Klick in die Bilder öffnet die Fotostrecke:

Walter A. Schwaebsch / Via bzfd.it, Wilhelm von Gottberg / Ostpreußenblatt / Via archiv.preussische-allgemeine.de, Eugen Ciresa / Via Facebook: eugen.ciresa, Dubravko Mandic / Via Facebook: dubravkomandicafd, Andreas Wild / Via Twitter: @AndreasWildAfD

Für größere Darstellung auf die Bilder klicken und ggf. nach rechts wischen.

Auch Alexander Gauland, Spitzenkandidat der Partei im Bundestagswahlkampf, findet: "Man muss uns diese 12 Jahre jetzt nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr". Und darum, so Gauland unter dem Jubel seiner Zuhörer auf dem "Kyffhäusertreffen", haben Deutsche "das Recht Stolz zu sein, auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen."

14 Bewerber vergleichen unsere Lebenswelt heute mit früheren Diktaturen – und sehen sich selbst hierbei in der Opferrolle

Alexandra Witt / Retweet von Harald Laatsch / Via Twitter: @AlexiaStellar

Ein Motiv, dass unter AfD-Mitgliedern und Bewerbern häufig geteilt wird: Angeblich sei die Situation von AfD-Parteimitgliedern heute vergleichbar mit der für Menschen jüdischen Glaubens ab 1933.

Die AfD sieht sich als Opfer. Die Partei werde von den Medien wahlweise ignoriert oder falsch wiedergegeben und von der Öffentlichkeit mit Rede- oder gar Denkverboten belegt. Einge AfD-Bundestagskandidaten gehen sogar noch einen Schritt weiter und behaupten, ihre Situation sei vergleichbar mit der Verfolgung der Juden unter der Nazi-Herrschaft nach 1933. Ein Klick in die Bilder öffnet die Fotostrecke:

Harald Laatsch / Via Twitter: @AlexiaStellar, Andreas Wild / Via Twitter: @AndreasWildAfD, Reimond Hoffmann / Via Facebook: reimond.hoffmann, Martina Böswald / Via Facebook: martina.boswald, Heike Siebold / Via Facebook: nadine.siebold.9

Für größere Darstellung auf die Bilder klicken und ggf. nach rechts wischen.

12 Bewerber fordern oder verharmlosen Polizeigewalt

Screenshot BuzzFeed News

Eine Nutzerin bringt nach einer Vergewaltigung Kastration als Strafe ins Spiel, setzt dabei Menschen mit Tieren gleich - und wird von Sascha Ulbrich, Kandidat aus NRW, weiter verbreitet.

Die Kandidaten verlangen zum Teil ein illegales Durchgreifen der Polizei, wünschen sich in bestimmten Fällen die Aufgabe des Rechtsstaates oder verharmlosen die Opfer von Polizeigewalt. Ein Klick in die Bilder öffnet die Fotostrecke:

11 Kandidaten bedienen sich bewusst bei Vokabeln, Symbolen und Anspielungen auf das Dritte Reich

Dubravko Mandic / Via Facebook: dubravkomandicafd

Der "Reichsarbeitsdienst" war im Dritten Reich ein Pflichtdienst für junge Männer und Frauen, der später auch kriegsvorbereitend und -unterstützend gestaltet war. Geflüchteten, traumatisierten, vertriebenen Menschen helfen ist für Dubravko Mandic aus Baden-Württemberg scheinbar etwas vergleichbares.

Es ist der am häufigsten vorgebrachte Vorwurf gegen die AfD: die Unterstellung, die Partei beherberge Nazis. Das versucht die AfD zu entkräften, seit es sie gibt – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Ein knappes Dutzend der Kandidaten für den Deutschen Bundestag aber scheint Referenzen auf das Dritte Reich gar nicht so problematisch zu finden – und nutzt ganz ohne Not und vollkommen freiwillig solche Anspielungen. Ein Klick in die Bilder öffnet die Fotostrecke:

Dubravko Mandic / Via Facebook: dubravkomandicafd

Für größere Darstellung auf die Bilder klicken und ggf. nach rechts wischen.

10 Bewerber verurteilen alle Muslime pauschal

Andreas Wild / Via twitter

Andreas Wild war lange Zeit Direktkandidat der AfD in Berlin. Einen Tag vor Ende Nominierungsfrist zog die Partei seine Nominierung dann zurück. Zuvor hatte Wild unter anderem das gepostet: die Frage, ob "mit Moslems" gemeinsames Lernen überhaupt möglich sei.

Dass die AfD der Einwanderung und Integration von Flüchtlingen kritisch gegenübersteht, ist kein Geheimnis. Doch manchen der Kandidaten ist das offenbar nicht genug: Sie sehen die Verantwortung für Verbrechen nicht bei einzelnen Tätern, sondern bei allen Angehörigen einer Religionsgemeinschaft. Ein Klick in die Bilder öffnet die Fotostrecke:

Andreas Wild / Via Twitter: @AndreasWildAfD, Stefan Thien / Via Twitter: @ThienStefan, Stefan Thien / Via Twitter: @ThienStefan, Dietmar Friedhoff / Via Facebook: dietmar.friedhoff

Die einzelnen Funde aus dem Bereich Islamophobie. Für größere Darstellung auf die Bilder klicken und ggf. nach rechts wischen.

8 Bewerber sind Mitglied bei oder sympathisieren mit rechten oder radikalen Burschenschaften

Berichte, wonach sich im Hintergrund der AfD schon länger Netzwerke aus rechten, extrem rechten oder national-patriotischen Burschenschaften bilden, gibt es schon länger: von einer Kaderschmiede schreibt die Huffington Post, von einer politischen Heimat der Spiegel.

Auch unsere Analyse zeigt: Die AfD hat ein Problem mit Burschenschaftlern. Nicht, weil die studentischen Verbindungen per se problematisch oder allesamt rechts sind. Sondern, weil sich unter den bei AfD-Kandidaten beliebten Burschenschaften auffällig viele stramm rechte Verbindungen finden. Viele Burschenschaftler geben sich nach außen verschlossen und im Inneren radikaler. Wenn ein relevanter Teil der AfD sich hierhin verbunden fühlt, heißt das auch: Burschenschaftler könnten Einfluss auf die Politik der AfD bekommen. Das sollten Wähler wissen.

Auch unter den Bundestagskandidaten finden sich etliche mit guten Verbindungen in Burschenschaften, die nicht selten auch zum als äußerst rechts geltenden Dachverband der "Deutschen Burschenschaft" gehören. Ein Klick in die Bilder öffnet die Fotostrecke:

(c) für Grafik und Logo der Burschenschaften bei der jeweils abgebildeten Verbindung / Via Facebook

Die einzelnen Funde aus dem Bereich Burschenschaften. Für größere Darstellung auf die Bilder klicken und ggf. nach rechts wischen.

8 Bewerber bedrohten Journalisten und politische Gegner

Häufig gerieten AfD-Vertreter in der Vergangenheit mit Presse und Medien aneinander. Die Vorstellung, es gäbe korrekte Fragen auf der einen Seite und eine angebliche Lügenpresse auf der anderen, zieht sich durch das Verhältnis der jungen Partei zu Journalisten. Mitunter werden Interviews dann abgebrochen oder unterbrochen. Einige Kandidaten würden mit kritischen Rückfragen von Journalisten und anderen politischen Positionen gerne noch rabiater umgehen. Ein Klick in die Bilder öffnet die Fotostrecke: