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Diese schwedischen Nazis haben in Russland trainiert und dann einen Bombenanschlag verübt

Zwei schwedische Neonazis haben mit russischen Paramilitärs trainiert und dann einen Anschlag auf ein Asylbewerberheim verübt. Der Fall zeigt, wie sich der nationalistische Extremismus in Europa durch den Konflikt in der Ukraine wandelt.

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GÖTEBORG, Schweden - Als Anna Ahlberg das Heim erreicht, ist von der Explosion nur noch eine Blutlache übrig geblieben, die durch den Schnee auf den Parkplatz sickert.

Die provisorische Unterkunft in einem heruntergekommenen Motel aus Beton steht an einer wenig befahrenen Straße unweit der Autobahn, die nach Göteborg, Schwedens zweitgrößter Stadt, führt. In dem Heim leben Menschen, deren Asylantrag abgelehnt worden ist und die Schweden deshalb verlassen sollen. Etwa eine Stunde nach der Explosion eilt Ahlberg, die Leiterin der lokalen Einwanderungsbehörde, zum Tatort. Es ist der Nachmittag des 5. Januar. Als sie dort eintrifft, ist die einzige verletzte Person bereits mit einem Krankenwagen abtransportiert worden. Der Verletzte, ein Hausmeister, wurde durch mehrere Bombensplittern getroffen. Außerdem hat ihm die Explosion beide Beine gebrochen.

Ahlberg wartet eine gute Stunde in einem Polizeiwagen, bis das Bombenräumkommando das Gebäude freigegeben hat. Dann darf sie hinein, um die etwa 60 eingesperrten Asylsuchenden zu beruhigen. Sie hofft inständig, die Explosion möge von einem Feuerwerkskörper stammen. Oder von dem Propangasbehälter, mit dem ein Bewohner den Campingkocher in seinem Zimmer betreibt.

„Ich mochte nicht daran denken, dass dabei absichtlich jemand zu Schaden kommen sollte”, sagt Ahlberg gegenüber BuzzFeed News bei einem Gespräch im März in Göteborg. „Ich hatte gehofft, es würde sich um einen Unfall oder um einen dummen Zufall handeln.”

Doch eine Woche später haben sich ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Ermittler entdeckten, dass Mitglieder der „Nordischen Widerstandsbewegung” , der größten schwedischen Neonazi-Organisation, für die Explosion verantwortlich waren.

Auf den Splittern einer Bombe und an dem Fahrrad, an dem sie befestigt gewesen war, hatten die Ermittler DNA-Spuren gefunden, die zu einem 23-jährigen Mann namens Viktor Melin führten. Er war der Anführer der Göteborger Zelle der „Nordischen Widerstandsbewegung”. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen ihn sowie zwei weitere Mitglieder, den 20-jährigen Anton Thulin und den 50-jährigen Jimmy Jonasson. Der Sprengstoff war der gleiche wie der, den man im selben Winter bei zwei anderen Anschlägen benutzt hatte. Im November war vor dem Treffpunkt einer linken Organisation eine Bombe detoniert, ohne jemanden zu verletzen. Ende Januar hatte man eine vor einem Flüchtlingsheim platzierte Bombe rechtzeitig entdeckt, bevor sie explodieren konnte.

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„Ich hoffe, dass wir nicht erleben müssen, was sich in den 30er-Jahren abspielte. Aber viele Zeichen deuten darauf hin.”

Es war nicht der erste Gewaltakt gegen eine von Ahlbergs Einrichtungen. Im Jahr 2015 waren in ihrem Zuständigkeitsbereich zwei andere Gebäude kurz vor der Eröffnung beschädigt worden. Damals, auf dem Höhepunkt der EU-Flüchtlingskrise, suchten 160.000 Menschen in Schweden Asyl und etliche Einrichtungen wurden Opfer von Brandstiftung. Aber bei dem Vorfall auf dem Parkplatz hat Ahlberg erstmals von einem Bombenanschlag gehört – und fast wäre jemand ums Leben gekommen.

Als der Fall sechs Monate später vor Gericht kommt, lassen die Staatsanwälte ihrerseits eine Bombe platzen: Laut Gerichtsdokumenten, die BuzzFeed News vorliegen, hatten sich die Täter nicht einfach nur von den Ereignissen in Schweden leiten lassen. Vielmehr konnten die Staatsanwälte beweisen, dass zwei der Männer nach Russland gereist waren, um mit paramilitärischen Einheiten zu trainieren, die gemeinsam mit russischen Separatisten im Ostukraine-Konflikt gekämpft hatten.

Die Beweise, welche die Staatsanwaltschaft dem Richter vorlegte, könnten weitreichende Folgen für ganz Europa haben. Sie zeigen nämlich, wie ein fast vergessener, viele hundert Kilometer weit entfernter Krieg mit Tausenden von Toten radikale Nationalisten mitten in der EU dazu ermutigt, Netzwerke aufzubauen, die bis nach Russland reichen.

Sicherheitsexperten befürchten, dass der Ukraine-Konflikt einen Wandel innerhalb der rechtsextremen Gruppierungen Westeuropas anstacheln könnte.

„Es gibt einen staatlichen Akteur – beziehungsweise Vertreter eines staatlichen Akteurs –, der diese Netzwerke unterstützt. Das ist eine neue Qualität”, sagt Alina Poljakowa, Leiterin der Abteilung für Europa- und Eurasienforschung beim Atlantic Council. „Ich halte das für ein Problem.”

Einige Sicherheitsexperten glauben, dass der Krieg in der Ukraine den Nationalismus im Westen auf eine Weise verändert hat, die an einen anderen von Extremismus angestachelten Konflikt weltweit erinnert: der Krieg in Irak und Syrien.

Kaum jemand erforscht so intensiv, wie die Krise in der Ukraine ausländische Kämpfer angelockt hat, wie die Wissenschaftler des slowakischen Thinktanks Globsec, der sich mit Sicherheitsfragen befasst. Ján Cingel, Globsec-Spezialist für Ost- und Südeuropa, findet, dass die Dynamik, die der Konflikt dem rechten Rand Europas verleiht, „dem Prozess der Radikalisierung junger westeuropäischer Muslime sehr ähnlich” ist.

„Für uns Mitteleuropäer ist die Ukraine gewissermaßen unser Syrien”, so Cingel. „Der einzige Unterschied ist, dass sie [die europäischen Nationalisten] sich nicht in die Luft sprengen. Aber sie trainieren im Wald mit Gewehren, die bei der Armee Standard sind. Das ist die Situation – und wir wissen nicht, was sie vorhaben.”

Cingel und andere Experten sind der Ansicht, dass der Ukraine-Konflikt den nationalistischen Bewegungen Westeuropas frischen Wind verschafft, weil er ihnen neue Möglichkeiten gibt, sich zu Kämpfern in einem weltweiten Krieg der Kulturen zu stilisieren.

Russland – nachdem es sich jahrelang als eine traditionell antiwestliche Macht profiliert hat – annektierte 2014 die zur Ukraine gehörende Halbinsel Krim und unterstützte separatistische Rebellen im Osten der Ukraine, nachdem EU-freundliche Kräfte den prorussischen ukrainischen Präsidenten entmachtet hatten.

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Zugleich führen die Russen und ihre Verbündeten einen weltweiten Propagandafeldzug, um die Intervention als „antiimperialistische” Maßnahme gegen eine expansionistische EU zu rechtfertigen, die darauf aus sei, die Homo-Ehe zu verbreiten und nationale Werte zu zerstören. In fast jeder wichtigen Sprache tauchten Seiten mit Fake News auf, in den sozialen Netzwerken wurden unzählige Falschmeldungen verbreitet. Die Urheber sind in Russland zu suchen. Dazu gehören etwa dern Fernsehsender Russia Today oder die Webseite Sputnik. Gelegentlich entsprechen die Online-Allianzen den Bündnissen der realen Welt, die entweder direkt durch Verbündete des russischen Präsidenten Wladimir Putin oder indirekt durch Hunderte von ausländischen Kämpfern in der Ukraine gestärkt wurden.

Die Beispiele reichen von direkter Hilfe für nationalistische Parteien, etwa für den französischen Front National oder die italienische Lega Nord, bis hin zur Unterstützung von Internet-Trolls, die zu Straßenaktivisten werden. Als ab 2015 Flüchtlinge in großer Zahl nach Europa kamen, haben russische Kanäle die EU und die NATO attackiert, migrantenfeindliche Ressentiments geschürt und Verschwörungstheorien über liberale Eliten gespeist, die angeblich die Immigration fördern, um die europäische Urbevölkerung auszurotten. In einigen Fällen stellen russische Medien das nationalistische Personal im Ausland gleich mit – wie in Österreich, wo es sich bei dem Leiter eines rechtsgerichteten Wiener Thinktanks um einen Sputnik-Reporter handeln soll.

Leute mit direkter Verbindung nach Russland sind keineswegs das einzige Problem, das der Ukraine-Konflikt dem Westen beschert hat. Er hat auch eine ganze Reihe von neuen Narrativen hervorgebracht, denen zufolge die EU und liberale Regimes das eigene Volk mitsamt seinen Werten verraten würden. Das gibt nationalistischen Organisationen Auftrieb. Vor diesem Hintergrund werden die extremsten Gruppierungen zunehmend militant. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg gewinnen nationalistische Bewegungen in westlichen Demokratien bedeutend an Macht.

Anna Carlstedt, nationale Beauftragte gegen gewaltbereiten Extremismus in Schweden, ist von dieser Entwicklung alarmiert:

„Ich hoffe, dass wir nicht erleben müssen, was sich in den 30er-Jahren abspielte. Aber viele Zeichen deuten darauf hin.”

Einige Ausländer sahen sich durch dieses Weltbild veranlasst, freiwillig in den Ukraine-Krieg zu ziehen. Neben den schätzungsweise mehr als 15.000 russischen Zivilisten, die freiwillig an dem Konflikt teilnehmen, sind auch über 2.000 ausländische Kämpfer aus 55 Ländern in die Ukraine gereist, weiß Kacper Rękawek, der ebenfalls Globsec-Analytiker ist.

Durch die Ukraine-Krise hätten Nationalisten gelernt, „wie man aus dieser Ideologie eine Waffe machen kann”. Dies führe dazu, dass sich „die großen tektonischen Platten der europäischen Politik nach rechts verschieben”. Mit seiner Sammlung Not Only Syria? hat Rękawek eine der ausführlichsten Untersuchungen zu ausländischen Kämpfern im Ukraine-Konflikt vorgelegt.

Sicherheitsexperten betonen im Gespräch mit BuzzFeed News, dass – anders als der IS – militante Kräfte mit Kontakten nach Russland bislang nicht zu direkten Attacken gegen EU-Länder aufgerufen haben. Alex Niculae, Sprecher der EU-Polizeibehörde Europol, schreibt jedoch in einer E-Mail: „Das Training in paramilitärischen Einheiten ebnet den Weg für eine weitere Radikalisierung.”

Durch die Ukraine-Krise haben Nationalisten gelernt, „wie man aus dieser Ideologie eine Waffe machen kann”.

Der Fall in Schweden zeigt, welche unvorhersehbaren und gefährlichen Folgen die Existenz dieser neuen, internationalen Netzwerke hat. Den Beweismitteln zufolge reisten Viktor Melin und Anton Thulin zum Trainieren nach Russland, weil sie die Anführer ihrer schwedischen Neonazi-Organisation als zunehmend lasch empfanden.

Die nationale Führung der „Nordischen Widerstandsbewegung” hatte seit 2015 versucht, sich und die Organisation von ihrer Skinhead-Vergangenheit zu distanzieren. Auf diese Weise, hofften die neuen Anführer, würde man von der wachsenden Migrantenfeindlichkeit profitieren und könnte trotz des offiziellen Bekenntnisses zum Nationalsozialismus eine Rolle im politischen Mainstream spielen. Der Chef des „parlamentarischen Arms” der Organisation wurde als erstes Mitglied überhaupt in ein politisches Amt gewählt und konnte einen Sitz im Rat einer Kleinstadt gewinnen. Auch die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten gab der Gruppe Auftrieb. Im November kamen 700 Menschen zu einem Feiermarsch – dem größten seit Jahren.

Dieser Wandel war ganz und gar nicht nach Thulins und Melins Geschmack. Das geht aus den Skype-Chatprotokollen hervor, die das Gericht von den Staatsanwälten vorgelegt bekam.

„Ich war so verdammt sauer”, schrieb Thulin am 8. November 2016 an Melin, nachdem er sich einen Podcast von führenden Mitgliedern der Gruppe angehört hatte. Thulin und Melin spotteten über einen Beitrag auf der Webseite der Organisation, in dem der Kommentator seine Hoffnung ausdrückte, „der Nationalsozialismus möge die Religion der Beschnittenen – Judentum und Islam – friedlich und demokratisch besiegen”.

„Ekelhaft”, war Melins Antwort.

Zwei Wochen nach dieser Unterhaltung tauchte in dem russischen sozialen Netzwerk VK ein Foto auf, das die beiden Männer nebeneinander mit Maschinengewehr und Uniform zeigt. Jemand hatte das Bild über den Account des paramilitärischen Trainingsprogramms „Partizan” in Sankt-Petersburg gepostet. Wahrscheinlich umfasste der Kurs eine Waffenausbildung und simulierte militärische Übungen mit sogenannten Softairwaffen. Die Staatsanwaltschaft sagte außerdem, dass die Männer laut den Handy-Standortdaten 11 Tage in Russland verbracht hätten – genug Zeit, um den Kurs zu absolvieren. Zudem habe die Polizei beim Durchsuchen von Melins Wohnung Notizen in russischer Sprache auf Waffen und Sprengstoffen sichergestellt.

Die Gruppe „Partizan” wurde von dem russischen Nationalisten Denis Gariew gegründet. Gariew stellte die selbsternannte „Kaiserliche Legion” auf, ein Freiwilligen-Bataillon, das 2014 von Russland aus in die Ukraine reiste, um die Separatisten im Kampf zu unterstützen. Der paramilitärische Arm einer Gruppe, die sich „Kaiserlich Russische Bewegung” nennt, verkündet auf seiner Webseite das Ziel, Russland wieder zu einem „monoethnischen Staat” zu machen. Obwohl die Gruppe erklärt, sie wolle, dass Putins Herrschaft beendet und durch eine „autokratische russische Monarchie” (vorzugsweise unter einem Romanow-Erben) ersetzt wird, darf sie in Russland ungehindert agieren und ausländische Kontakte knüpfen.

(Gariew gab in einem Telefoninterview mit BuzzFeed News an, keine Verbindung zur „Kaiserlich Russischen Bewegung” zu haben – dabei ist er auf der Webseite der Organisation und auf Videos im Netz klar als Anführer des militärischen Arms der Gruppe zu erkennen. Er bestritt auch, Thulin und Melin ausgebildet zu haben. Das Foto der beiden schien aus dem VK-Account von Partizan gelöscht worden zu sein, nachdem die Staatsanwälte einen Screenshot erstellt hatten. Offenbar wurden alle im Monat November veröffentlichten Fotos aus den Social-Media-Accounts von Partizan entfernt.)

Es war anfangs keineswegs selbstverständlich, dass die russischen Nationalisten und die beiden schwedischen Neonazis Stubengenossen werden. Die ukrainische Seite hatte bereits ein eigenes Kontingent ausländischer Kämpfer rekrutiert, von denen viele mit Neonazi-Gruppen in Verbindung standen. Aber als der Konflikt sich abkühlte, entdeckten die „Nordische Widerstandsbewegung” und die „Kaiserlich Russische Bewegung” ihre gemeinsamen Interessen.

Im September 2015 empfing die „Nordische Widerstandsbewegung” Stanislaw Worobjow, ein führendes Mitglied der „Kaiserlich Russischen Bewegung”, zu einem Fest mit „Aktivitäten und Lesungen im Freien”.

An jenem Wochenende hielt Worobjow eine Rede, die Zusammenfassung wurde auf der Webseite der „Nordischen Widerstandsbewegung” veröffentlicht. Demnach war es Worobjow wichtig, die beiden Gruppen als „im Kampf vereint” darzustellen. Er spendete der „Nordischen Widerstandsbewegung” sogar Geld.

Auf der Webseite heißt es weiter, Worobjow habe vor einem umfassenden Krieg gewarnt, der aktuell gegen die traditionellen Werte geführt werde, die angeblich die westliche Zivilisation ausmachen. Die „Kaiserlich Russische Bewegung” habe ihre paramilitärischen Verbände entsandt, um die „jüdischen Oligarchen in der Ukraine” zu bekämpfen. Worobjow brachte den Kampf der Gruppen auch in Verbindung mit einer antisemitischen Verschwörungstheorie, welche die Juden für die muslimische Einwanderung nach Europa verantwortlich macht. Die „zionistische Strategie” im Nahen Osten werde künftig dazu dienen, Europa zu spalten und über die europäischen Nationen zu herrschen. Als Beispiel im Nahen Osten nannte er den „Islamischen Staat” (IS).

Aus den Gerichtsunterlagen, die BuzzFeed News vorliegen, ist zwar nicht genau ersichtlich, wie Melin und Thulin von dem Partizan-Kurs erfahren haben, aber Worobjows Besuch könnte den Ausschlag für ihre Reise im Herbst 2016 gegeben haben. Als die Anklagepunkte vor dem Richter vorgetragen wurden, beteuerten sie ihre Unschuld – wie auch der dritte wegen der Bombenanschläge angeklagte Mann. Doch das Gericht verurteilte sie am 7. Juli zu Haftstrafen zwischen 18 Monaten und achteinhalb Jahren.

Schweden ist in diesem Monat nicht das einzige europäische Land, das einen Fall verhandelt hat, bei dem Verbindungen nach Russland und in die Ukraine eine Rolle spielten.

Am 14. Juli verurteilte ein Gericht im englischen Manchester den 41-jährigen Benjamin Stimson zu fünf Jahren Haft, weil er nach Moskau und von dort in die Ostukraine gereist war, um sich russischen Separatisten anzuschließen. Stimson wurde wegen Terrorismus angeklagt, obwohl er kein Kämpfer gewesen war, sondern Ambulanzwagen gefahren hatte.

Er ist bislang der einzige Brite, der für seine Teilnahme an dem Konflikt angeklagt wurde. In anderen Ländern entschieden sich weit mehr Menschen, in den Kampf zu ziehen. Die größte Gruppe von Kämpfern aus EU-Ländern – mindestens 100 – stammt aus Deutschland. Das geht aus einem Papier hervor, das ein polnischer Wissenschaftler verfasst hat. Es ist Teil der von Globsec-Analytiker Kacper Rękawek herausgegebenen Sammlung Not Only Syria?. Eine Gruppe von 50 Kämpfern, so die Ergebnisse der Recherche, stammte aus Frankreich. 25 Personen kamen aus den USA.

Diese ehemaligen Kämpfer, so scheint es, bereiten den staatlichen Behörden nicht allzu große Sorgen. Ein Amerikaner, der mit russischen Separatisten gekämpft hatte, schaffte es nach seiner Rückkehr sogar, in die US-Armee einzutreten. Sprecher des FBI, des Außen- und Verteidigungsministeriums sowie der Heimatschutzbehörde sagten dazu, es finde keine Überwachung von US-Bürgern statt, die sich an dem Konflikt beteiligt haben.

Anfangs hatte es auch bei Europol geheißen, die Behörde zähle nicht, wie viele EU-Bürger in der Ukraine gekämpft haben. Man gehe aber davon aus, dass es „Dutzende, nicht Hunderte” seien, wie ein Sprecher mitteilte. Als BuzzFeed News der Behörde Presseberichte und die Ergebnisse der Globsec-Wissenschaftler vorgelegt hat, sagte Europol-Sprecher Alex Niculae, die höheren Zahlen „könnten stimmen”.

Ein Zwischenfall, der sich im vergangenen Herbst in dem Balkanstaat Montenegro ereignet hatte, veranschaulicht auf dramatische Weise, welches Potenzial Veteranen des Ukraine-Konflikts haben, wenn es um die Destabilisierung von europäischen Ländern geht. Die Behörden des NATO-Beitrittskandidaten Montenegro verhafteten damals eine Gruppe von Nationalisten aus dem benachbarten Serbien. Den Männern wurde vorgeworfen, sie hätten am Wahltag das Parlament stürmen, den Ministerpräsidenten ermorden und eine prorussische Regierung einsetzen wollen.

Anführer des Kommandos soll Aleksandar Sindjelić gewesen sein, ein serbischer Nationalist, der in der Ukraine gekämpft hatte. Nach seiner Verhaftung soll er der Staatsanwaltschaft erzählt haben, „zwei Nationalisten aus Russland” hätten ihn für das Komplott angeheuert, als er an der Seite russischer Separatisten kämpfte. Die Staatsanwälte gehen jedoch von einer direkteren Verbindung zum Kreml aus. Im Februar sagten sie, russische Staatsorgane seien „in einem hohen Maß eingebunden” gewesen – ein Vorwurf, den ein Sprecher Putins als „absurd” zurückwies.

Raffaello Pantucci leitet die Abteilung für internationale Sicherheitsstudien am Royal United Services Institute in London. Er sagt, er sei nicht sonderlich besorgt, was die Bedrohung durch die in der Ukraine-Krise radikalisierten Menschen betrifft – jedenfalls noch nicht. Er meint, die russische Regierung werde nicht so weit gehen, Gewaltakte innerhalb eines EU-Landes direkt zu unterstützen, denn dies könne als kriegerischer Akt gewertet werden.

Pantucci sagt aber auch, es gebe Anzeichen dafür, dass ultranationalistische Gruppierungen europaweit in einem nie dagewesenen Ausmaß Bündnisse schmieden und so „eine Umgebung schaffen, aus der eine gewaltbereite Rechte hervorgehen kann.”

„Sie sind sehr zahlreich. Ich glaube, sie werden wiederkommen, und wie durch Zauberhand wird es irgendwo jemanden geben, der ein Problem darstellt”, so Pantucci. „Wir sehen neuerdings Indizien, die ziemlich besorgnisserregend sind. Ich bezweifle nicht, dass es uns überraschend in Form irgendeiner Gräueltat treffen wird.”

Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch.

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J. Lester Feder is a world correspondent for BuzzFeed News and is based in Washington, DC. His secure PGP fingerprint is 2353 DB68 8AA6 92BD 67B8 94DF 37D8 0A6F D70B 7211

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