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Ich bin eine lesbische Autistin. Und nein, ich wünsche mir nicht, "normal" zu sein.

Warum sollte ich mir wünschen, auf Männer zu stehen? Warum sollte ich mir wünschen, dass mein Gehirn genau so funktioniert wie jedes andere?

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Mein Name ist Lauren. Ich bin 22 Jahre alt und seit kurzem Hochschulabsolventin. Ich bin Schriftstellerin und Aktivistin an meinen guten Tagen. Ich bin eine große Schwester und eine Freundin.

Ich bin außerdem Autistin und lesbisch. Es ist definitiv nicht leicht, aber hey, ich versuche mein Bestes. Und nein, ich wünsche mir nicht, "normal" zu sein.

Behinderung und Sexualität sind Themen, die oft auseinandergehalten werden. Autistische Menschen oder Menschen mit einer Behinderung, die auch ein Sexualleben haben, rufen bei Menschen ohne Behinderung oft Unbehagen hervor – und viele heterosexuelle Menschen können das Konzept einer schwulen, bisexuellen oder homosexuellen Identität und das Geschlechts-Konzept nicht unterscheiden.

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Einmal hat eine Kommilitonin in meinem Seminar zu Frauenforschung die Lehrbeauftrage gefragt, ob es für Menschen mit einer geistigen Behinderung möglich sei, sich zu verlieben. Obwohl ich bestürzt war, diese Frage von ihr zu hören – und ich quasi wusste, dass die Antwort Ja lautete – stelle ich mir dieselbe Frage oft selbst. Wenn die LGBT-Bewegung sich generell darauf konzentriert, verliebt zu sein, dann ist es schwer, sich nicht etwas ausgegrenzt zu fühlen.

Da ich es schwierig finde, Dating-Regeln zu verstehen und nur eine kleine Auswahl an potentiellen Partnern habe, befürchte ich manchmal, dass ich mich niemals verlieben werde. Ich bin genauso alt wie meine Mutter, als sie meinen Vater kennengelernt hat, und ich habe noch nie in eine Beziehung gehabt.

Meine Identitäten als Autistin und Lesbe sind mit dem Bestreben vieler Menschen verwoben, diese beiden Gruppen loszuwerden. Ob nun Reperativtherapie oder angewandte Verhaltensanalyse, Eltern bezahlen dafür Geld, ihre Kinder zu züchtigen, damit diese in eine Kategorie passen, welche sie als "normal" einordnen. Es gibt Eltern, die ihre Kinder lieber an einer vermeidbaren Krankheit sterben sehen würden, als sie so sein zu lassen, wie ich es bin.

Sogar in Gesprächen mit Menschen, die sich selbst als unsere Verbündeten betrachten, wird uns so oft gesagt, dass "wir uns nicht durch unsere Sexualität definieren sollten". Manche Menschen, die nicht Teil der LGBT-Gemeinschaft sind, reagieren auf unsere Bewegung mit abschätzigen Fragen wie zum Beispiel "Warum musst du dir ein Label geben? Warum können wir nicht einfach alle Menschen sein?"

Das Gleiche trifft auf die autistische Community zu, wenn manche Leute ohne Autismus darauf bestehen, dass wir uns selbst als "Menschen mit Autismus" bezeichnen – anstatt "autistisch" – da wir zunächst einmal "Menschen" sind. Als ob Autismus implizieren würde, dass es sich nicht um eine Person handelt. Wenn Menschen so etwas sagen, höre ich lediglich heraus: "Ich möchte das, was ich als dein Anderssein verstehe, einfach unter den Teppich kehren."

Neurotypische und heterosexuelle cisgender Menschen gehen häufig von der Annahme aus, dass unser Leiden aus dieser "Andersartigkeit" kommt und nicht aus einer Welt, die nicht für Menschen wie uns geschaffen wurde.

Aber warum sollte ich mir wünschen, auf Männer zu stehen? Warum sollte ich mir wünschen, dass mein Gehirn so funktioniert wie jedes andere?

Ist euch jemals in den Sinn gekommen, dass ich möglicherweise gerne anders bin, auch wenn es manchmal schmerzt? Ich liebe meine Liebe für Frauen. Ich liebe meine androgyne Erscheinung, die aus jenen Teilen von Männlichkeit und Weiblichkeit zusammengesetzt ist, die mir am besten gefallen. Ich liebe meine aktive Vorstellungskraft. Ich liebe meine Fähigkeit, Muster erkennen zu können, die andere nicht sehen, so wie auch mein Querdenkertum.

Ich werde weiterhin für mein Recht kämpfen, diese Dinge an mir selbst lieben zu dürfen, ganz egal wie viel Unbehagen dies bei anderen hervorrufen sollte. ●

Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch.