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Das passierte, als meine Mutter eine Woche lang meine Kleidung aussuchte

Würde ich am Ende in Abendkleid und Perlenschmuck ins Büro gehen?

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Ich gebe es ja zu: ich denke oft, dass ich nichts zum Anziehen habe, obwohl mein Kleiderschrank eigentlich bis oben hin voll ist. Und ich kaufe häufig die gleichen Dinge. Ich mag es, mit meinen Outfits ein bisschen zu experimentieren, aber ich brauche auch immer ein praktisches Element. Es gibt nichts Schlimmeres als flache Schuhe tragen zu müssen, nur weil man in High Heels nicht laufen kann.

Wenn man sich fühlt, als ob man sich so langsam wiederholt, kann es aber helfen, einen frischen Blick auf die Dinge und ein zweites Paar Augen zu bekommen. Ich neige dazu, neue Outfits für mein Blog zu schießen, aber in meinem Alltag kann ich völlig problemlos tagelang in der selben Jeans von zuhause aus arbeiten – und immer die selben fünf Kleidungsstücke für Meetings und Events anziehen.

Ich weiß schon, dass ich es nicht besonders gerne mag, wenn andere für mich aussuchen, was ich anziehen soll. Aber wäre es nicht auch stressfrei, jemanden zu haben, der eine Woche lang meine Outfits aussucht?

Ich kleide mich gerne eher experimentell – inklsuvie klobiger Heels, und vielseitiger Muster. Meine Mutter kleidet sich hingegen eher klassisch: mit Jacken im Chanel-Stil, eleganten Kleidern und Heels, mit denen es wirklich schwierig wäre, noch schnell die U-Bahn zu erreichen. Wir stehen uns sehr nah; dennoch hat sie eine sehr starke Meinung zu meiner Sammlung von schwedischen Holzsandalen (sie findet, dass die Sandalen Männer abschrecken) und meiner Liebe zu formlosen Kittelkleidern. Auch wenn wir beide dieselben Zeitschriften lesen und hin und wieder in denselben Shops einkaufen, kaufe ich eher legere Kleidung, während meine Mutter ein stilvolleres Aussehen bevorzugt.

Es gibt dennoch ein paar Sachen in ihrem Kleiderschrank, von denen ich mir wünschte, dass sie mir gehören würden. Aber meistens halten wir unsere Sachen ziemlich getrennt.

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Also bat ich meine Mutter, mir bei einer Veränderung meines Stils zu helfen – indem sie eine Woche lang aussucht, was ich anziehen soll.

Das Wichtigste zuerst: Ich brauchte ein Outfit für einige Drinks in einer hawaiianischen Bar anlässlich eines Geburtstags. Nachdem sie sich versichert hatte, dass ich nicht in einem Kostüm kommen sollte, entschied sich meine Ma für ein hübsches Kleid und dazu gepunktete Heels. Ich fühlte mich ganz schön aufgedonnert für einen ganz normalen Abend in London.

Ich weiß nicht wieso, aber manchmal habe ich etwas Angst, wenn ich durch die Hauptstadt gehe und mich fühle, als hätte ich zu viel Aufwand betrieben. Die Schuhe waren wunderbar, aber der dünne Absatz erinnerte mich daran, weshalb ich solche Schuhe nicht häufig trage - Ich humpelte die ganze Zeit!

An Tag zwei wählte Mama ein loses Oberteil. Ich versuchte noch, ihre Gedanken so zu steuern, dass sie mir die Denim-Shorts dazu aussucht, die ich sonst immer dazu trage. Es funktionierte nicht – Sie nahm einen Minirock dazu, der irgendwie auch passte, und dazu Heels mit Block-Absatz.

Für diesen entspannten Look wirkten die Schuhe wie eine gute Wahl, aber ich wäre mit einem anderen Outfit glücklicher gewesen.

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Ich musste etwas auf einer Marketing-Konferenz vortragen, also suchte mir meine Mutter ein weißes Kleid aus, das ich für eine besondere Gelegenheit aufbewahrt hatte. Dazu wählte sie glänzende, flache Schuhe.

Die Kombination hat tatsächlich funktioniert. Sonst fühlte das Kleid sich immer zu sehr nach einem Outfit zum Ausgehen an, um es im Alltag zu tragen – weshalb ich es bisher nur sehr selten an hatte. Ich habe viele Komplimente bekommen, besonders für die Schuhe. Dieser Tag erinnerte mich daran, wie gern ich diesen Look mit Kleid und flachen Schuhen mag. Das einzige Problem war, dass ich es geschafft habe, Schokoladen-Brownie auf den schönen weißen Stoff zu kleckern…

Da sieh an, noch ein Kleid, das ich nur einmal getragen hatte. Weil es schwarz ist, hatte ich es immer noch als Plan B für alle Fälle im Schrank. Aber ich fand es immer ein bisschen zu altmodisch, um es tatsächlich zu tragen. Mit dem Gürtel und den auffälligen Schuhen ist es ziemlich ladylike, und zwar so, dass ich es auch noch ok finde.

Wieder bekomme ich Komplimente für meine Kleidung. Vielleicht sollte ich mich öfter von meiner Mutter stylen lassen?

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Da die 70er gerade ihre große modische Rückkehr erleben, habe ich eine Schlaghose gekauft, die ich noch ändern ließ, damit sie besser zu meinen Proportionen passt. Meine Mutter wählte zu dieser Hose ein weißes T-Shirt, das seit Ewigkeiten ganz unten in meiner Schublade lag, und Plateau-Sandalen, bei denen ich erst etwas Angst hatte, darin zu laufen.

Überraschenderweise bin ich nicht hingefallen und habe mir auch nicht den Knöchel gebrochen. Nächstes Mal würde ich statt dem T-Shirt ein Top tragen, das besser zu meiner Figur passt (ja, es hat auch ein bisschen gedauert, bis ich mit dem Bild für diesen Tag zufrieden war).

Die meiste Zeit arbeite ich von zu Hause. Deshalb ist dieses Outfit eine etwas durchdachtere Version davon, was ich sonst tragen würde. Die Teile habe ich alle im Schlussverkauf gekauft. Was bedeutet: auch wenn ich sie nie wirklich trage, fühle ich mich verpflichtet, sie zu behalten, weil es so viel Aufwand war, sie zu bekommen (merke: für Angebote anstehen müssen führt zu nichts Gutem).

Es sah okay aus, aber ich hatte den Gedanken, dass ich die Jeans doch bald auf den Second-Hand-Shop-Haufen werfen sollten. – Erst recht, nachdem mein Mitbewohner mich nichtmal 30 Sekunden lang darin gesehen hatte und schon einen Kommentar darüber machte, was sich bei dieser Hose alles abzeichnen würde.

Dies war ohne Zweifel mein liebstes Outfit. Da es ein Einteiler war, war es auch ziemlich einfach mit Schuhen zu kombinieren – ein Thema, bei dem wieder ganz schön viel hätte schiefgehen können.

Doch meine Mutter wählte ein Paar flache, hellrote Sandalen, um das Outfit entspannt aussehen zu lassen. Gut gemacht, Mum!

Das war nicht einmal annähernd so beängstigend wie ich befürchtet hatte. Jetzt, wo ich auf die Dreißig zugehe, sind meine Mum und ich uns auch nicht mehr so ganz uneinig, wenn es um Kleidung geht (in meiner Grunge-/lächerliche-Schlaghosen-Phase trug ich einige wirklich seltsame Outfits). Ich habe auch gemerkt, dass es nicht notwendigerweise schlecht ist, wenn ein Elternteil Dein Outfit korrigiert.

Alles, was sie ausgewählt hatte, hing bis dahin nur ungeliebt in meinem Kleiderschrank. Mit ein paar Optimierungen werde ich diese Sachen wohl doch öfter tragen. Es ist immer gut, hin und wieder eine neue Perspektive zu bekommen. So konnte ich auch sehen, wie viel Kleidung ich über die Zeit angehäuft hatte, und nahm das dann auch zum Anlass für eine große Aufräum-Aktion. Wirklich: niemand braucht so viele Jeans.

Es hat geholfen, dass meine Mum meinen Stil recht gut kannte und berücksichtigen konnte, was ich sonst so trage.

Der größte Unterschied zwischen meiner Mutter und mir ist, dass sie alles schick macht, und ich das Gegenteil tun würde. Ich tendiere dazu, eher "süß" zu wirken als "elegant" - da kann man einfach nichts machen. So wie ich es sehe, wird irgendwann auch meine Zeit für elegantere Kleidung kommen. Aber jetzt gerade bin ich glücklich mit meinen Holzschuhen und irgendwelchen Shirts mit Aufdrucken.

Meine Mutter ist definitiv einmalig. Ich bin es gewohnt, dass sie manchmal auch ein bisschen mit dem Klischee spielt (einmal trug sie einen Burberry-Laufsteg-Look, als wir uns trafen). Und ich bewundere, wie ihr der Alltag Anlass genug ist, sich sehr hübsch anzuziehen. Ich bin mit ihren Zeitschriften, ihrer 80er-Jahre-Kleidung und ihrer Wahlt gemusterter Kleidung aufgewachsen, und das hat ohne Zweifel auch meine Berufswahl beeinflusst. Vielleicht haben wir etwas unterschiedliche Meinungen zu Trends (sie ist wahrscheinlich die einzige Mutter, die die abgetragene Kleidung ihrer Tochter trägt). Aber ich will auf jeden Fall wie sie sein, wenn es darum geht, Spaß mit Kleidung zu haben und sich nicht darum zu kümmern, was andere denken.

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