back to top

12 Fakten über Gentrifizierung, die Dich überraschen werden

Wer hat's erfunden? Englische Landadlige!

Gepostet am

1. Englische Landadlige sind für sie verantwortlich.

BBC / Via Giphy

Zumindest für den Begriff. Denn "gentry" heißen in England die Landadligen. Seit dem 18. Jahrhundert zogen diese vom Land in die Städte und konkurrierten dort mit Ärmeren um den begrenzten Wohnraum. Daran fühlte sich die Stadtsoziologin Ruth Glass erinnert, als sie sich in den 1960er Jahren mit dem Londoner Stadtteil Islington beschäftigte. Dort verdrängten Mittelschichtsfamilien die Arbeiter. Das nannte sie "Gentrifizierung."

3. Sie sorgt für Durchmischung.

Hubert Link / picture-alliance/ ZB

Zumindest in ihrer ersten Phase. Das zeigt das Beispiel des Berliner Stadtteils Prenzlauer Berg.

Nach dem Fall der Mauer zogen viele Künstler und Studenten in das Viertel, in dem bislang vorwiegend sozial Schwache wohnten. Angelockt wurden diese "Pioniere" von niedrigen Mieten in verfallenen Altbauten und der zentralen Lage. Sie eröffneten Cafés, Bars und Galerien; ein Nacht- und Kulturleben entstand. Der Kiez wurde somit bunter.

Anzeige

4. Sie verdrängt irgendwann die Verdränger.

Jens Kalaene / picture-alliance/ ZB

Dies sind die gleichen Häuser wie im Bild zuvor, nur 20 Jahre später. In der Zeit dazwischen sind die Pioniere selbst verdrängt worden. Denn nachdem sie den Prenzlauer Berg zum Szenekiez gemacht hatten, wollten auch Besserverdienende dort wohnen - jedoch nicht in einem besetzten Haus mit Ofenheizung. Dafür waren sie bereit, mehr zu bezahlen als die Pioniere. Also wurden die Häuser saniert und die Mieten stiegen. Irgendwann konnten sich weder Altbewohner noch Pioniere diese leisten. Sie mussten wegziehen.

5. Wer eine Bar eröffnet oder ein Haus besetzt, kann Gentrifizierung auslösen.

Jens Kalaene / picture alliance / ZB

Das ist die Logik dieses Prozesses. Auch wenn die unangepassten Künstler, die in den frühen 1990er Jahren in Prenzlauer Berg Häuser besetzten, beim Anblick der Porsche Cayennes, die heute dort parken, sagen: Das haben wir nicht gewollt!

6. In Neukölln ist sie nicht zu finden.

Jens Kalaene / picture alliance / ZB

Mittlerweile wird schon von Gentrifizierung gesprochen, wenn in einem abgehängten Viertel ein Café eröffnet. Das Wesen der Gentrifizierung besteht aber darin, dass größere Teile der Bevölkerung ausgetauscht und der Baubestand sichtbar aufgewertet werden.

In Berlin-Neukölln, das gerne als Beispiel für aktuelle Gentrifizierungsprozesse herangezogen wird, ist das nach Meinung von Experten bislang nicht der Fall. Sie nennen es "symbolische Gentrifizierung", wenn das Image eines Viertels schon eine Aufwertung suggeriert, die real noch gar nicht stattgefunden hat. Dort besteht noch die Möglichkeit, die Verdrängung aufzuhalten.

7. Mit viel Geld kann man versuchen, sie aufzuhalten.

Wohnungssuche in #Pankow. Nur ein Traum oder doch realistisch? http://t.co/sk4OyBba90

In Prenzlauer Berg kann eine Wohnung mittlerweile 18 Euro pro Quadratmeter kosten. Menschen mit weniger Geld können dort nur wohnen bleiben, wenn sie in staatlich geförderte Wohnungen ziehen. Das kostet jedoch den Staat viel Geld. Außerdem kommt eine solche Förderung nur für wirklich Bedürftige in Frage.

Daher versucht die Politik darüber hinaus, die Mieten mit Mitteln wie der Mietpreisbremse oder dem Verbot von Luxussanierungen unten zu halten. Das funktioniert jedoch nur begrenzt.

8. Es wird viel Geld ausgegeben, um sie zu fördern.

Hubert Link / picture-alliance / ZB

Bevor der Staat viel Geld ausgibt, um der Gentrifizierung entgegen zu wirken, investiert er oft, damit sie in Gang kommt. In Prenzlauer Berg sind zum Beispiel viele Millionen Euro Steuergeld geflossen, weil die Politik das heruntergekommene Altbauviertel aufwerten wollte. Es war auch gewollt, dass dort Menschen mit mehr Geld hinziehen.

Viele Städte investieren bewusst in die Infrastruktur und befördern die Ansiedlung von Künstlern, um ein Quartier aufzuwerten. Die Gefahr besteht darin, dass der Prozess eine Eigendynamik entwickelt und außer Kontrolle gerät.

Anzeige

9. Ohne Deindustrialisierung und steigendes Umweltbewusstsein wäre sie nicht möglich.

Manfred Krause / picture alliance / zb

Meist sind es alte Arbeiterbezirke, die heute gentrifiziert werden. Dort verpesteten früher Fabriken die Luft. Wer sich etwas Besseres leisten konnte, wohnte wo anders. Erst mit der Schließung der Fabriken und steigenden Umweltstandards änderte sich das.

10. In Hochhäusern ist man vor ihr sicher.

Schoening / picture alliance / Arco Images

Großwohnsiedlungen am Stadtrand wie das Märkisches Viertel oder Marzahn gelten als nicht gentrifizierbar - zumindest bislang.

11. Sie hat eine große Schwester namens Super-Gentrifizierung.

Picasa

Wenn die Preisschraube so stark überdreht ist, dass sich nur noch Oligarchen und Ölscheichs Wohnungen leisten können, nennt man es Super-Gentrifizierung. In Manhattan oder der City of London ist das der Fall.

12. Niemand weißt, was nach ihr kommt.

Schoening / picture alliance / Arco Images

Wie es nach der Gentrifizierung und der Super-Gentrifizierung weitergeht, ist bislang unklar. Manche glauben, dass sehr stark aufgewertete Viertel irgendwann wieder an Attraktivität verlieren. Bislang gibt es solche Fälle jedoch noch nicht.

Hol Dir BuzzFeed auf Facebook! Like uns hier.

Every. Tasty. Video. EVER. The new Tasty app is here!

Dismiss