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Wir haben mit den Männern gesprochen, die als erstes homosexuelles Paar in Deutschland ein Kind adoptiert haben

„Wir sind eine vollwertiges Ehepaar und wir nutzen jetzt unsere Rechte.“

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Das Ehepaar Korok ist eines der ersten homosexuellen Paare in Deutschland, dass gemeinsam ein Kind adoptiert hat.

„Wir unterscheiden uns in gar nichts von heterosexuellen Paaren“ erzählt Michael Korok (41) BuzzFeed News am Telefon. „Wir haben ein spießiges Leben. Haus, Garten. Ich bin in Elternzeit und mache den Alltag – den Kindern die Haare waschen, aufräumen, was man halt so macht. Mein Mann Kai arbeitet als Hausarzt. Ganz klassisch. Ich bin der Papi, mein Mann ist der Papa.“

Gemeinsam mit seinen drei Pflegekindern lebt das Paar Korok in einem Berliner Vorort. Jana, die älteste, ist neun, Jérome sechs. Ihr jüngster, Maximilian, ist zwei – und seit gestern offiziell Adoptivsohn des Paares.

Mit der Ehe für alle ist es homosexuellen Paaren seit dem 1. Oktober erlaubt, gemeinsam Kinder zu adoptieren. Einen Tag nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes heiratete das Paar Korok und reichte direkt darauf die Ehe-Urkunde beim Familiengericht ein. Nur eine Woche später kam gestern der Brief aus dem Amtsgericht Tempelhof-Kreuzberg: Die Adoption ist bewilligt.

„Das war großartig. Wir haben uns gefreut wie ein Kullerkeks.“, erzählt Michael Korok am Telefon. „Ich habe das Gefühl, an einem historischen Moment teilzuhaben. Wir setzen ein Zeichen. Wir sind ein vollwertiges Ehepaar und wir nutzen unsere Rechte.“

Bisher hatten homosexuelle Paaren in Deutschland nur die Möglichkeit einer Sukzessivadoption. In langwierigen, oft jahrelangen Verfahren konnte dann der oder die zweite Partnerin das gemeinsame Kind nach-adoptieren – eine gemeinsame Adoption war nicht möglich. Das gemeinsame Adoptionsrecht war der zentrale rechtliche Unterschied zwischen der eingetragenen Lebenspartnerschaft und der gleichgeschlechtlichen Ehe.

Kai und Michael Korok mit Pflegetochter Jana bei ihrer Eheschließung am 2. Oktober 2017

Foto: LSVD

Michael Korok (41) ist Mitglied im Vorstand des LSVD, Verband der Lesben und Schwulen in Deutschland.

„Eine Sukzessivadoption kam für uns nicht in Frage“, erzählt Michael Korok. „Das haben wir nicht eingesehen. Es gibt keinen Grund, uns da anders zu behandeln. Es geht um Gerechtigkeit.“ Außerdem, so Korok weiter, hätten sie mit einem Adoptionsverfahren die gemeinsame Pflegelternschaft für die Kinder aufgeben müssen. „Was, wenn in dieser Zeit dem Adoptivvater etwas passier? Dann ist das Kind Vollwaise.“, so Korok.

Ohnehin habe er nie verstanden, warum sie als homosexuelles Paare ohne Probleme gemeinsam Pflegekinder bekommen konnten, die Adoption ihnen aber verboten war. Schließlich gehe es vor allem darum, ob das Kind gut aufgehoben sei.

„Wir wären dagegen vor das Bundesverfassungsgericht gezogen. Den ersten Termin beim Amtsgericht hatten wir schon“, erzählt Korok.

Die Sorge über das Kindeswohl war eine häufig genanntes Argument von Gegnerinnen und Gegnern der gleichgeschlechtlichen Ehe. Auch Angela Merkel argumentierte 2013 in der ARD-Wahlarena gegen die gleichgeschlechtliche Ehe: "Ich sage Ihnen ganz ehrlich, dass ich mich schwertue mit der kompletten Gleichstellung. (...) Ich bin unsicher, was das Kindeswohl anbelangt." Die SPD warf ihr daraufhin Diskriminierung von Homosexuellen vor.

Auch als sie am 26. Juni 2017 auf einer Podiumsdebatte der „Brigitte“ die Abstimmung zur Ehe freigab, war für Merkel das Kindeswohl ausschlaggebend: nachdem sie ein lesbisches Paar mit mehreren Pflegekindern kennengelernt hatte. Wenn das Jugendamt meine, man könne einem solchen Paar Kinder zur Pflege geben, dann könne man nicht mehr „ganz so einfach mit der Frage Kindeswohl argumentieren", sagte Merkel.

Der Moment, in dem Angela Merkel ihr Umdenken bei der Ehe für alle verkündete.

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Dieses lesbische Paar brachte Angela Merkel angeblich zum Umdenken beim Thema Adoption und Ehe für alle.

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Rechtlich sind Kai und Michael Korok mit der Adoption nun finanziell voll für Maximilian verantwortlich, außerdem ist ihr Sohn erbberechtigt. Dafür kann den Eltern nicht mehr so einfach das Sorgerecht entzogen werden und Alltagsgeschäfte können viel unbürokratischer erledigt werden. Für ihre Pflegekinder muss das Paar außerdem jährliche Berichte an das Familiengericht schreiben – auch das entfällt für Sohn Maximilian.

Die neue Situation haben Michael und Kai Korok ihren Kindern gegenüber noch nicht thematisiert. „Für die verändert sich ja erst mal nichts. Aber für Maximilians Zukunft wird das wichtig.“, sagt Korok. „Das wichtigste für Kinder ist diese Sicherheit. Den rechtlichen Rahmen dafür haben wir. Jetzt geht es darum, ihn auch mit Leben zu füllen und das tun wir. Und es tut sehr gut zu sehen, dass uns diese neuen Rechte wirklich unhinterfragt zustehen.“

Glücklich ist Michael Korok jetzt auch, weil er sich Veränderungen für die kommenden Generationen erhofft.

„Als ich mein Coming Out hatte, war klar, ich werde keine Familie haben und nie heiraten. Jetzt kam alles anders und ich hoffe diese Unklarheit wird den kommenden Generationen erspart bleiben. Das ist ein wichtiges Zeichen, auch gegen die latente Homophobie in unserer Gesellschaft. Wir zeigen damit jungen Menschen dass sie ihr Leben nicht anders gestalten müssen, als Heterosexuelle.“





Juliane Löffler ist Redakteurin für LGBT* und Feminismus und lebt in Berlin. Contact this reporter at Juliane.Loeffler@buzzfeed.com

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