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Diese Frauen zeigen mit ihrer Kampagne, wie frauenfeindlich die AfD wirklich ist

"Die stärkste Waffe gegen die AfD sind ganz normale Frauen von der Straße."

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Kurz vor der Bundestagswahl macht eine Social Media Kampagne im Netz gegen die AfD mobil. Die "Frauen* gegen die AfD" darüber aufklären, wie frauenfeindlich die Politik der AfD ist. Zwei Wochen vor der Wahl wollen sie den Endspurt des Wahlkampfs dafür nutzen, möglichst große Aufmerksamkeit zu bekommen.

"Das Problem ist, dass sich niemand die Wahlprogramme durchliest", sagen zwei Mitorganisatorinnen des Bündnisses, die anonym bleiben möchten, gegenüber BuzzFeed News am Telefon. "Es fehlt Wissen über die Fakten."

Deshalb hat das Bündnis seit Anfang des Jahres recherchiert: im Wahlkampfprogramm, in Landtagsprogrammen, in AfD-Reden. Mit Zitaten ihrer Recherche sind sie auf die Straße gegangen und haben Frauen damit konfrontiert, in Hamburg, Köln, Rostock und Bielefeld. Das Ergebnis: "Viele Frauen waren wirklich überrascht. Jeder weiß, dass die AfD rechtsradikal ist. Aber niemand weiß, was sie sonst so macht."

Die AfD fordert etwa die Abschaffung der Gleichstellungsbeauftragten an Universitäten, setzt sich gegen das Recht auf Abtreibung ein und bezeichnet den "Equal Pay Day" für gleiche Bezahlung von Männern und Frauen in ihrem Wahlprogramm als "Propagandaaktion".

Diese und andere Themen gehören zu den Inhalten, über die das Bündnis im Netz aufklären möchte.

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... und das sind ihre Antworten: "Wir lassen uns nicht vorschreiben, wie viele Kinder wir zu kriegen haben!"

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Ziel der Kampagne ist es, vor allem Nicht-Wählerinnen anzusprechen. Denn wenn viele Menschen nicht wählen gehen, hilft das der AfD, anteilig mehr Sitze im Bundestag zu bekommen. "Die stärkste Waffe gegen die AfD sind ganz normale Frauen von der Straße", erklärt das Bündnis am Telefon. Es ginge dabei übrigens nicht ausschließlich um Frauen, weshalb man auch einige Statements von Männern eingeholt habe. "Das betrifft uns alle." Jeder Mann, so der Gedanke dahinter, hat schließlich auch Mütter, Töchter, Freundinnen und Kolleginnen.

Organisiert wird "Frauen* gegen die AfD" von einer Kerngruppe aus rund 15 Frauen im Alter von Ende zwanzig bis Mitte 50. Sie wollen anonym bleiben, um sich vor Hass zu schützen. Ihr Vorbild ist die Kampagne "Frauen gegen Hofer" aus Österreich, mit der die Organisator*innen für die Vorbereitung in Kontakt standen.

Die Kampagne läuft auf Twitter, Facebook und Youtube. Innerhalb von 48 Stunden haben rund 1.500 Personen die Facebookseite abonniert. Unterstützt wird die Kampagne auch von prominenten Personen wie der Autorin Simone Buchholz, Journalist Michalis Pantelouris oder Frank Spilker, Autor und Sänger der Band "Die Sterne".

Autorin Simone Buchholz: "Ich kann euch mal eine Geschichte erzählen".

.@ohneKlippo ist für Gleichstellungsbeauftragte. Wir auch. Die AfD nicht. Frauen* gegen die AfD! #noAfd #fgdafd https://t.co/Zep5YmavVP

Musiker Frank Spilker: "Mich wundert, dass das legal ist."

Frank Spilker hat eine ganz klare Meinung zur geplanten Frauen- und Familienpolitik der AfD! #noAfD #fgdafd #BTW2017 https://t.co/AaioCeBxOx

Nach aktuellen Umfragen wird die AfD in den Bundestag einziehen, eventuell sogar als drittstärkste Partei. Ob die Aktivistinnen wirklich glauben, das noch verhindern zu können? Das vielleicht nicht, aber es gehe auch darum, auf grundsätzliche, langfristige Veränderungen in der Politik aufmerksam zu machen, sagen zwei Organisatorinnen am Telefon. "Die AfD zerstört eine fortschrittliche Politik, allein schon durch die Anträge, die sie einbringt. Das zersetzt die konstruktive politische Debatte."

Ein Warnsignal sei die Wahl in den USA gewesen. Danach sei sie sehr frustriert gewesen, erzählt eine der Organisatorinnen am Telefon. "Da kann man sich nicht einfach zurücklehnen und hoffen, dass alles gut läuft. Frauen haben so viele Stimmen und sie können etwas verändern."

Vor wenigen Wochen hatte der Deutsche Frauenrat einen Gleichstellungscheck veröffentlicht und ausgezählt, wie viel Raum die Parteien der Gleichstellungspolitik für Frauen in ihren Wahlprogrammen geben. Die AfD kam auf Null Prozent.

Auch eine Umfrage zur Bundestagswahl unter prominenten Feministinnen und Feministen in Deutschland von BuzzFeed Deutschland zeigte erst kürzlich, dass viele gegen die AfD sind.



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Juliane Löffler ist Redakteurin für LGBT* und Feminismus und lebt in Berlin. Contact this reporter at Juliane.Loeffler@buzzfeed.com

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