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Sexual Pay Gap – Eine neue Studie zeigt, dass bi- und homosexuelle Männer weniger verdienen

Bessere Bildung, aber weniger Gehalt.

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Heterosexuelle Männer verdienen deutlich mehr, als schwule und bisexuelle Männer – obwohl diese deutlich höhere Bildungsabschlüsse haben. Das zeigt eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Studie spricht von einem Sexual Pay Gap. Die Befragung ergab zudem, dass Schwule, Lesben und Bisexuelle rund doppelt so oft an Depression erkranken, wie Heterosexuelle.

Die Untersuchungs des DIW, die heute in Berlin vorgestellt wird, liefert erstmals seit Jahrzehnten Daten über die Lebenssituation von Schwulen, Lesben und Bisexuellen (in der Studie LGB genannt). Die Studie zeigt, dass LGB in Deutschland tatsächlich strukturell benachteiligt werden. Dafür haben die Wissenschaftler das Einkommen, das soziales Umfeld und die Lebenszufriedenheit untersucht.

BuzzFeed News hat für euch die wichtigsten Ergebnisse der Studie in neun Punkten zusammengefasst.

1. Sexuality Pay Gap: LGBs verdienen weniger

Bist du ein Homo- oder bisexueller Mann? Dann verdienst du durchschnittlich 2,64 Euro weniger pro Stunde*, als deine heterosexuellen Kollegen. So groß ist die Differenz des Brutto-Stundenlohns der Studie zufolge.

Unter Frauen gibt es diese Differenz nicht: Homosexuelle Frauen verdienen zwar rund zwei Euro mehr als heterosexuelle Frauen. Bezieht man jedoch Faktoren wie Teil- und Vollzeitbeschäftigung ein, gibt es keinen statistisch signifikanten Unterschied.

Und noch etwas ist erstaunlich: Durch die Benachteiligung homo- und bisexueller Männer verdienen LGB Frauen und Männer etwa gleich viel. Den Gender Pay Gap gibt es unter LGBs faktisch also nicht – streng genommen haben sogar die Frauen ein bisschen die Nase vorn.

*Die 2,64 € sind die angepasste Differenz unter Kontrolle von Alter, Stellung im Beruf, Branche, Vollzeit/Teilzeit, Vollzeit-/Teilzeit-Erfahrung und Qualifikation.

Bruttostundenlöhne in Euro

BuzzFeed News

2. LGBs haben höhere Bildungsabschlüsse

Schwule, Lesben und Bisexuelle haben im Durchschnitt eine höhere Schulbildung. Sie haben häufiger ein Abitur, ein Fachabitur oder einen Hochschulabschluss. Trotzdem sind sie häufiger arbeitslos und haben ein geringeres Durchschnittseinkommen als Heterosexuelle.

Bildungsabschlüsse im Vergleich LGBs/Heterosexuelle

3. LGBs sind häufiger depressiv

LGBs berichten doppelt so oft wie Heterosexuelle, dass bei Ihnen schon einmal eine depressive Erkrankung diagnostiziert wurde.

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BuzzFeed News

Wer geoutet ist, dem geht es übrigens besser. In der Studie heißt es:

Dagegen findet sich ein positiver Zusammenhang mit dem Ausmaß an „outness“, das heißt der Übereinstimmung zwischen dem tatsächlichem, homosexuellen Selbstbild und dem nach außen, der Gesellschaft, präsentiertem Bild.

LGBs gaben in der Befragung eine geringere Lebenszufriedenheit an und inbesondere schwule und bisexuelle Männer gaben eine höhere psychische Belastung an. Diese Befunde deckten sich mit anderen internationalen Untersuchungen, so die Studie.

4. Politische Einstellung von LGBs

LGBs sind häufiger an Politik interessiert als Heterosexuelle. Außerdem binden sie sich länger an Parteien. Wie würde die Wahl ausgehen, wenn nur LGBs wählen würden? Die Grünen wären mit 27 Prozent stärkste Partei.

BuzzFeed News

5. Es gibt viel mehr LGBs

Für das Jahr 2015 erfasste das statistische Bundesamt 94.000 Paare, die in einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft leben, das entspricht 0,46 Prozent der Bevölkerung. Die DIW-Analyse kalkuliert 0,7 bis 1,1 Prozent – also weitaus mehr.

Singles oder Paare, die nicht zusammen leben, werden nicht als Lebensgemeinschaft erfasst. Da viele LGBT* nicht geoutet leben, gibt es keine verlässlichen Zahlen über den Anteil von LGBT* in der Gesellschaft.

Auf Grund freiwilliger Selbstauskünfte schätzt die DIW-Analyse, dass 1,9 Prozent der erwachsenen Personen in Deutschland sich als homo- oder bisexuell identifizieren. Es handelt sich dabei jedoch nur um eine Schätzung für geoutete Personen. Eigentlich dürfte es sehr viel mehr homo- und bisexuelle Menschen in Deutschland geben, heißt es in der Studie. Der Lesben und Schwulenverband (LSVD) geht von etwa 10 Prozent LGBT* in Deutschland aus.

6. Berlin ist wirklich die Regenbogenhauptstadt.

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Mehr als die Hälfte der Lesben, Schwulen und Bisexuellen in Deutschland lebt in Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern. Spitzenreiterin ist Berlin.

LGBs wohnen häufiger in Großstädten

BuzzFeed News

2015 wurden in Berlin wurden 5,7 Prozent aller eingetragenen Lebenspartnerschaften von gleichgeschlechtlichen LebenspartnerInnen geschlossen. Die Stadt ist damit Spitzenreiter, gefolgt von Köln (5,0), Frankfurt (5,0), München (4,6) und Hamburg (3,8).

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Lebenspartnerschaften von LGBs in den großen Städten

BuzzFeed News

7. Für LGBs sind Freunde wichtiger

LGBs leben seltener in einer Partnerschaft als Heterosexuelle. Und auch in Partnerschaften leben sie häufiger in getrennten Haushalten. Sie geben in der Studie deutlich häufiger an, dass Freunde und Bekannte zu ihren Vertrauenspersonen gehören – anstelle von Familienmitgliedern. Bei Heterosexuellen ist das anders.

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8. Kaum Unterschiede in der Persönlichkeitsstruktur

In der Persönlichkeitsstruktur wurde mit einer sogenannten Fünf-Faktoren-Struktur gearbeitet. Das Ergebnis: es gibt kaum signifikante Unterschiede bei den Männern und überhaupt keine bei den Frauen. Schwule und bisexuelle Männer berichteten von einer etwas geringeren emotionalen Stabilität sowie von einer höheren Offenheit.

9. Politische Forderungen

Im Fazit der Studie sehen die Autorinnen und Autoren Handlungsbedarf. Die Studie könne bei der Bekämpfung von Diskriminierung helfen:

Politisch ergibt sich aus den hier präsentierten Befunden, insbesondere aus den berichteten Lohndifferenzen, die sich nicht aus unterschiedlichen Qualifikationen, Erfahrungen, Branchen oder Arbeitszeitmodellen erklären lassen, Handlungsbedarf für mehr Gleichstellung zwischen LGBs und Heterosexuellen.

Hier findet ihr die gesamte LGB-Studie

DWI e.V.

Von Martin Kroh, Simon Kühne, Christian Kipp und David Richter

Die Analyse beruht auf den Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) am DIW Berlin. Das SOEP ist eine der wenigen bevölkerungsrepräsentativen Befragungen in Deutschland, in der Angaben zur sexuellen Orientierung der StudienteilnehmerInnen erhoben werden. Für die Analysen wurden die Jahre 2010 bis 2016 betrachtet.

UPDATE


Juliane Löffler ist Redakteurin für LGBT* und Feminismus und lebt in Berlin. Contact this reporter at Juliane.Loeffler@buzzfeed.com

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