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Rechtskonservative machen eine Deutschlandtour gegen LGBT*s und die Menschen gehen dagegen auf die Straße

„Eure Kinder werden so wie wir“

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So hatten sich das die rechtskonservativen Aktivisten wohl nicht vorgestellt: Pfiffe, Buhrufe und alles voller Regenbogenflaggen. Ihre Aktion gegen die Rechte von LGBT*-Menschen, die am heutigen Freitag in Berlin zu Ende geht, war ein voller Misserfolg.

Mit einer Bustour durch Deutschland wollten die Aktivisten ein Zeichen gegen die Ehe für alle setzen, zehn Tage, zehn Städte und am Ende hoffentlich die konservative Erleuchtung. So hatten es die erzkatholische Veranstalterin Hedwig von Beverfoerde und der Aktivist Eduard Pröls geplant – und dafür einen „Bus für die Meinungsfreiheit“ gebucht.

Der „Bus für die Meinungsfreiheit“

Foto: Demo für alle/ Flickr (cc)

„Lass Dich nicht verunsichern“ steht auf dem Bus, der seit dem 6. September zehn Tage durch Deutschland fuhr, jeden Tag in einer anderen Stadt. Die Tour richtet sich gegen die Ehe für alle, gegen Aufklärung zu sexueller Vielfalt an Schulen und gegen „Zweigeschlechtlichkeit“, also Trans* und Intersexuelle.

Doch schon der Auftakt in München am 9. September ging schief. Der Auftritt auf dem Karlsplatz musste vorzeitig abgebrochen werden. Zu viel Gegenprotest, zu wenig Interessierte. So ging es weiter, in Stuttgart, Karlsruhe, Wiesbaden. Höchstens einige Dutzend Interessierte kamen vorbei, auf den Fotos auf Facebook stehen oft nur zwei Handvoll Personen vor dem Bus und strecken ihre Daumen in die Höhe. In Köln schaffte es der Bus ob des massiven Widerstands nicht einmal bis zu seinem Zielort auf die Domplatte – hunderte Gegendemonstrierende hatten den Zugang blockiert.

Als in Deutschland am 30. Juni 2017 die gleichgeschlechtliche Ehe beschlossen wurde, wurde gefeiert statt protestiert. Und nun versucht das Bündnis unter dem Namen ”Demo für alle“ Widerstand zu entfachen. Vorbild ist zum Beispiel Frankreich, wo die konservativ-katholischen Bewegung La Manif pour tous ("Demo für alle") im Herbst 2016 mit Teilen des Front National Zehntausende auf die Straße holte – obwohl die gleichgeschlechtliche Ehe bereits 2013 beschlossen wurde. Gezündet hat diese Idee hier bislang nicht. Was also wollen die Menschen in dem orangefarbenen Bus von Deutschland?

Verantwortlich für die Tour sind Hedwig von Beverfoerde und Eduard Prösl. Hedwig von Beverfoerde ist für die Webseite „Demo für alle“ verantwortlich, die sich gegen ”Gender-Ideologie“, gegen das Recht auf Abtreibung und gegen Bildung über sexuelle Vielfalt an Schulen einsetzt.

Prösl ist der deutsche Sprecher der aus Spanien initiierten Plattform Citizen Go, die auf der Webseite behauptet, mehr als sieben Millionen Mitglieder zu haben. Auf Citizen Go läuft derzeit eine Petition gegen die Ehe für alle in Deutschland, die mittlerweile fast 200.000 Unterschriften hat und beim letzten Stopp in Berlin am 15. September Angela Merkel übergeben werden sollen – wobei unklar ist, wie das gehen soll, dann das Kanzleramt ist auf Grund eines Staatsbesuches geschlossen.

Gemeinsames Ziel: Vielfalt verhindern

So hatten sich das die rechtskonservativen Aktivisten wohl nicht vorgestellt: Pfiffe, Buhrufe und alles voller Regenbogenflaggen. Ihre Aktion gegen die Rechte von LGBT*-Menschen, die am heutigen Freitag in Berlin zu Ende geht, war ein voller Misserfolg.

Mit einer Bustour durch Deutschland wollten die Aktivisten ein Zeichen gegen die Ehe für alle setzen, zehn Tage, zehn Städte und am Ende hoffentlich die konservative Erleuchtung. So hatten es die erzkatholische Veranstalterin Hedwig von Beverfoerde und der Aktivist Eduard Pröls geplant – und dafür einen „Bus für die Meinungsfreiheit“ gechartert.

Der „Bus für die Meinungsfreiheit“

Foto: Demo für alle/ Flickr (cc)

„Lass Dich nicht verunsichern“ steht auf dem Bus, der seit dem 6. September zehn Tage durch Deutschland fuhr, jeden Tag in einer anderen Stadt. Die Tour richtet sich gegen die Ehe für alle, gegen Aufklärung zu sexueller Vielfalt an Schulen und gegen „Zweigeschlechtlichkeit“, also Trans* und Intersexuelle.

Doch schon der Auftakt in München am 9. September ging schief. Der Auftritt auf dem Karlsplatz musste vorzeitig abgebrochen werden. Zu viel Gegenprotest, zu wenig Interessierte. So ging es weiter, in Stuttgart, Karlsruhe, Wiesbaden. Höchstens einige Dutzend Interessierte kamen vorbei, auf den Fotos auf Facebook stehen oft nur zwei Handvoll Personen vor dem Bus und strecken ihre Daumen in die Höhe. In Köln schaffte es der Bus ob des massiven Widerstands nicht einmal bis zu seinem Zielort auf die Domplatte – hunderte Gegendemonstrierende hatten den Zugang blockiert.

Als in Deutschland am 30. Juni 2017 die gleichgeschlechtliche Ehe beschlossen wurde, wurde gefeiert statt protestiert. Und nun versucht das Bündnis unter dem Namen „Demo für alle“ Widerstand zu entfachen. Vorbild ist zum Beispiel Frankreich, wo die konservativ-katholischen Bewegung La Manif pour tous ("Demo für alle") im Herbst 2016 mit Teilen des Front National Zehntausende auf die Straße holte – obwohl die gleichgeschlechtliche Ehe bereits 2013 beschlossen wurde. Gezündet hat diese Idee hier bislang nicht. Was also wollen die Menschen in dem orangefarbenen Bus von Deutschland?

Verantwortlich für die Tour sind Hedwig von Beverfoerde und Eduard Prösl. Hedwig von Beverfoerde ist für die Webseite „Demo für alle“ verantwortlich, die sich gegen „Gender-Ideologie“, gegen das Recht auf Abtreibung und gegen Bildung über sexuelle Vielfalt an Schulen einsetzt.

Prösl ist der deutsche Sprecher der aus Spanien initiierten Plattform Citizen Go, die auf der Webseite behauptet, mehr als sieben Millionen Mitglieder zu haben. Auf Citizen Go läuft derzeit eine Petition gegen die Ehe für alle in Deutschland, die mittlerweile fast 200.000 Unterschriften hat und beim letzten Stopp in Berlin am 15. September Angela Merkel übergeben werden sollen – wobei unklar ist, wie das gehen soll, dann das Kanzleramt ist auf Grund eines Staatsbesuches geschlossen.

Die Welt, die sie auf ihrer Bustour bewerben, sieht so aus: Vater, Mutter, zwei Kinder. Jungen sind Jungen, Mädchen sind Mädchen. Alles dazwischen ist Ideologie, die verboten und abgeschafft gehört. Vor allem an den Schulen und Universitäten.

Dass dieser Blick auf das Leben keinen gesellschaftlichen Konsens mehr findet, lässt sich an der gescheiterten Bustour erkennen. Die Menschen applaudieren, wenn der Bus abfährt, nicht wenn er ankommt. Und Sprechchöre sind zu hören, in denen Menschen singen: „Eure Kinder werden so wie wir“ und „Ihr seid so lächerlich“.

So wird von Beverfoerde in Köln ausgespfiffen.

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„Eure Kinder werden so wie wir“ – Gegenprotest in Stuttgart.

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Umstimmen lassen sich von Beverfoerde und Prösl davon nicht und zeichnen einfach ein eigenes Bild. Auf ihrer Facebook-Seite schreibt die „Demo für alle“ von einem „klasse Nachmittag in Hannover“ und „tollen Gesprächen“. Gleichzeitig nutzen sie die Gegenproteste, um sie zum Feindbild zu stilisieren, gegen das es anzukämpfen gilt.

Man lasse sich „nicht einschüchtern“, steht auf Facebook. Eduard Pröls vergleicht die Gegenproteste in Stuttgart mit der Reichskristallnacht. Und in einem Video auf Facebook sagt Hedwig von Beverfoerde, der Protest in Köln sei eine abgestimmte Aktion zwischen Politik, Polizei und Linksradikalen gewesen.

Hier beschuldigt von Beverfoerde Polizei und Politik, sie hätten gemeinsam ihren Auftritt in Köln verhindert.

Facebook: video.php

„Dort [in Köln] hat die Stadtpolizei auf ganzer Linie versagt. Und nicht nur das. Sie hat unter einer Decke gesteckt offensichtlich mit der städtischen Politik, mit der SPD-Abgeordneten Sho Anwerpes [...] und die uns blockiert hat zusammen mit vielen Linksradikalen, mit Linken, Grünen, Antifa, alles zusammen [...].“

Der Gegenprotest scheint unterdessen eher zu wachsen. In den verschiedenen Städten war vor allem das Aktionsbündnis 'Vielfalt statt Einfalt' aktiv, auch lokale CSD-Vereinen riefen zur Gegendemo auf. Für den letzten Stopp der Tour heute in Berlin rufen 20 Gruppen gemeinsam auf, auf die Straße zu gehen – darunter Vertreterinnen und Vertreter der SPD, Linken, Grünen, FDP und dem CSD Deutschland e.V. Es dürfte der größte Gegenprotest der gesamten Tour werden.

Dass die Aufmerksamkeit für die Thesen der ”Demo für alle“ gerade kurz vor der Wahl wächst, dürfte auch an den aktuellen Umfragwerten liegen. Die AfD liegt aktuell bei 11 Prozent. Und sie vertritt die gleichen Positionen, wie die Demo für alle. Auch die AfD spricht sich in ihrem Wahlprogramm gegen Abtreibung aus und will Akzeptanzförderung streichen, Aufklärung oder Forschung über LGBT*s verhindern.

Die stellvertretende Bundesvorsitzende der AfD Beatrix von Storch betonte mehrfach, sie sei nicht an der Organisation der „Demo für alle“ beteiligt. Überscheidungen zwischen der Gruppierung und rechtskonservativen Parteien gibt es dennoch. Zu Bustour in Düsseldorf kamen der AfD-Landesvorsitzende aus NRW Marcus Pretzell, Annette Schultner von der "Bundesvereinigung 'Christen in der AfD' sowie Andreas Keith, der im AfD-Landesvorstand von NRW ist. In Stuttgart sprach auch der CDU-Politik Karl-Christian Hausmann, welcher die ”Demo für alle“ seit vielen Jahren unterstützt. Proteste der ”Demo für alle“ wurden in der Vergangenheit von der Initiative Familienschutz organisiert, welche durch Sven von Storch, dem Mann von Beatrix von Storch vertreten wird.

Andreas Keith (AfD): ”Eine Ehe besteht aus Mann und Frau. Weder aus Baum und Frau noch aus Hund und Katze.“

Facebook: Andreas.Keith.AfD

Es gibt eine weitere Verbindung, die über Deutschland hinausgeht. In Spanien tourte bereits im März ein orangener Bus durch das Land. Organisiert wurde sie von der Gruppe Hazte Oír. Die Wortwahl ähnelt sich: Hazte Oír kämpft gegen eine „Genderdiktatur“, gegen Abtreibung und Schulaufklärung über sexuelle Vielfalt. „Jungen haben Penisse, Mädchen eine Vulva. Lass dich nicht hereinlegen“ steht auf dem spanischen Bus. Der Gründer von Hazte Oír, Richter Ignacio Arsuaga, ist im im Stiftungsrat der Plattform Citizen Go, die in Deutschland von Eduard Prösl vertreten wird. Hazte Oír hat nach eigenen Angaben rund 7000 Mitglieder.

Die Gruppe Hazte Oír teilte einen Tweet der Kampagne ”Bus für die Meinungsfreiheit“

El #HOBus prosigue su gira alemana entre el apoyo de manifestantes profamilia y los ataques de radicales LGTBI: https://t.co/LcaurL7kI8

Der Widerstand in Spanien hingegen ist um einiges deutlicher als in Deutschland – auch in der Politik. In Madrid etwa stoppte die Bürgermeisterin Manuela Carmen den Bus und verbot weitere Auftritte in der Innenstadt. Sie begründete dies mit einer Verletzung der städtischen Werbeverordnung und einem möglichen Hassdelikt.

Proteste gegen Hazte Oír in Sevilla

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In Deutschland haben sich bisher keine prominenten Politikerinnen oder Politiker zur Kampagne der ”Demo für alle“ geäußert. Marcus Pauzenberger, Sprecher der SPD queer aus Berlin, sagte gegenüber BuzzFeed News: “Man muss erwarten, dass die SPD sagt: Das geht so nicht.“

Am Samstag wird sich die „Demo für alle“ erneut versammeln, um mit einem „Marsch für das Leben“ gegen Abtreibung zu demonstrieren. Letztes Jahr kamen rund 5000 Abtreibungsgegnerinnen und -gegner zusammen. Auch dieses Jahr wird eine Gegendemo mit hunderten Menschen stattfinden.

Juliane Löffler ist Redakteurin für LGBT* und Feminismus und lebt in Berlin. Contact this reporter at Juliane.Loeffler@buzzfeed.com

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