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Mit diesen starken Wahlplakaten kämpft eine Travestie-Partei gegen die AfD

"Wenn einer von euch die AfD wählt, schmink ich euch kaputt"

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Die Gruppe "TfD – Travestie für Deutschland" hat eine Serie von Wahlplakaten gegen Rechtspopulismus veröffentlicht und bekommt dafür eine Menge Aufmerksamkeit.

Mit der Aktion wollen sie Menschen dazu animieren, wählen zu gehen und sich zu politisieren. Travestie für Deutschland ist eine fiktive Partei, die mit einer Mischung aus Kunst und Satire arbeitet. Nicht zufällig ist Travestie für Deutschland eine Anspielung auf die Alternative für Deutschland.

Die Gruppe besteht aus der bekannten Drag-Künstlerin Jacky-Oh Weinhaus, die die Vorsitzende der TfD ist, sowie einem engen Unterstützer*innen-Kreis aus etwa zehn Personen. Zum Kernteam gehören außerdem Art Director Matthias Panitz sowie Alexander Winter, der für die Webseite der TfD verantwortlich ist. Am Telefon erklärt Winter BuzzFeed News, wie die Idee zu den Plakaten entstand.

Der zunehmende Rechtspopulismus und der Erfolg der AfD habe sie beschäftigt. "Wir haben uns im Freundeskreis gefragt, was wir tun können", so Winter. Das Format mit den Plakaten sei dann teils zufällig aus einem Fotoshooting des Fotografen Felix Grimm mit Jacky-Oh Weinhaus entstanden.

Immer wieder wird auch unter LGBT* der Vorwurf laut, Teile der Community seien zu unpolitisch oder hätten ein Rassismus-Problem. Auch das sei ein Grund für die Aktion sagt Alexander Winter von der TfD.

"Es gibt in der LGBT*-Community entpolitisierte Gruppierungen, für die Party im Vordergrund steht oder die dazu tendieren, ins Rechte zu kippen. Dann wird es antiislamisch oder flüchtlingsfeindlich", sagt Winter. "Und es gibt erschreckend viele, die die AfD mehr oder weniger offen unterstützen."

Auch die Menschen auf den Plakaten kämen vermehrt aus dem Partymilieu. Nun versuche TfD auch Brücken in die politische LGBT*-Community zu schlagen. Nach der Ehe für alle und den neuen, gestiegenen Zahlen homophober Übergriffe zeige sich, warum Engagement weiterhin wichtig sei. "Wir versuchen, alle diese Ansätze zu bündeln", sagt Winter.

Die Aktion bekommt viel Beifall

Seit der Veröffentlichung der Plakate seien sehr viele Reaktionen und Anfragen bei TfD eingegangen. "Wir sind überwältigt von dem Erfolg", sagt Alexander Winter. Die Fotoserie wurde erst am Montag veröffentlicht. Trotzdem hätten sich seitdem schon verschiedene Gruppen gemeldet, die Interesse an den Plakaten haben. Darunter sind Anti-Homophobiegruppen aus NRW, Hamburg, Rostock und Köln. Sogar die PARTEI habe Interesse bekundet.

Ziel sei es, die Plakate im öffentlichen Raum aufzuhängen. "Wir wollen das gerne auf legalem Weg machen, nicht als Guerilla-Aktion", sagt Winter BuzzFeed News. Außerdem sollen die Bilder in queeren Bars und Clubs aufgehängt werden, darunter etwa im queeren Berliner Club SchwuZ.

Der Partei Travestie für Deutschland geht es zwar um die AfD und die Bundestagswahl, aber auch um grundlegendere gesellschaftliche Veränderungen in Deutschland. So erklärt die fiktive Partei ihre Gründung auf ihrer Webseite:

Das Umgreifen der Rechtspopulisten ist unserer Ansicht nach nicht nur gefährlich und gesellschaftlich fahrlässig, sondern zudem völlig unterschätzt. Was an antihumanistischem Gift, im Besonderen: islamfeindlichen, lgbtqi*-feindlichen, frauenfeindlichen Gedanken im Umlauf ist, ist nicht nur erschreckend. Es lähmt zudem einen konstruktiven politischen Diskurs.

Bereits im vergangenen September plakatierte die TfD vor der Abgeordneten-Wahl in Berlin.

In einem weiteren Bild, das Ende Juli 2017 veröffentlicht wurde, wird das berühmte Gemälde von Eugène Delacroix von 1830 nachgestellt, dass sich auf die Juli-Revolution in Frankreich bezieht. Typischerweise wird damit auf den Kampf für Freiheit und Gleichberechtigung Bezug genommen.

Auf der Webseite heißt es dazu:

Mit dem Bild Die Freiheit führt (immer noch) das Volk wollen wir ein Zeichen dafür setzen, dass wir bereit sind für den Widerstand. Wir stehen gemeinsam gegen die Angst und für die Gelassenheit, gegen den Populismus und für die Demokratie, gegen den Terror und für den Frieden. Dafür nutzen wir unsere eigenen, künstlerischen Mittel – die Travestie ist eines davon.

Gerne würde Travestie für Deutschland nun noch weitere Plakate veröffentlichen, sagt Winter. People of Color fehlen bislang, auch Drag Kings seien bislang nicht abgebildet. "Es wäre toll, wenn wir das noch organisieren können", so Winter. Und er fügt hinzu: "Der Rechtspopulismus hört ja nach der Wahl nicht auf. Der Kampf wird auch danach weitergehen."

Juliane Löffler ist Redakteurin für LGBT* und Feminismus und lebt in Berlin. Contact this reporter at Juliane.Loeffler@buzzfeed.com

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