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Diese Band singt über ermordete Trans-Personen, damit die Gewalt gegen sie öffentlich wird

Heute ist Transgender Day of Remembrance.

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Trans-Personen sind besonders stark von Gewalt betroffen – daran erinnert der heutige Transgender Day of Remembrance. 325 Morde an trans- und gender-diversen Menschen wurden im letzten Jahr weltweit bekannt, über 2.300 zwischen 2008 und 2017. Doch die Dunkelziffer liegt um ein vielfaches höher. Zu diesem Ergebnis kommt das Trans Murder Monitoring Projekt.

Häufig sind die Opfer Sexarbeiter*innen, die meisten der Opfer werden erschossen, erstochen oder zu Tode geprügelt. 2016 sorgte ein besonders brutaler Fall für internationales Aufsehen: In der Türkei wurde die transsexuellen Aktivistin Hande Kader ermordet, ihre verstümmelte und verkohlte Leiche wurde in einem wohlhabenden Stadtteil von Istanbul gefunden. Nur wenige Wochen zuvor war in der Türkei die Leiche eines syrischen, homosexueller Flüchtlings gefunden worden - er war geköpft worden. Hunderte Menschen demonstrierten daraufhin für den Schutz von LGBT*-Personen.

Jährlich wird deshalb mit einem internationalen Gedenktag den Mordopfern von Transhass gedacht. Die Berliner BOIBAND hat nun einen Song veröffentlicht, der an die Mordopfer erinnert, damit ihre Namen nicht vergessen werden: „Wir wollten an die toten Schwestern_und_Brüder erinnern“, sagen sie. „Wir wollen alle erreichen. Wir machen ja auch Popmusik. In den einschlägigen Musikportalen können uns alle finden, es gibt da keine Heten-Blockade oder sonst was.“

BOIBAND

Die Künstler* Hans Unstern und Tucké Royale gründeten Anfang 2016 zusammen mit Produzent Black Cracker die BOIBAND. 2017 veröffentlichten sie ihr Debut Album „The Year I Broke My Voice“. Mit ihrer Band und ihren Songs wollen sie das „Mannsein als Penis-Talent“ problematisieren.

Kritisch sehen sie nicht nur die Gewalt, sondern wie insgesamt im Alltag und Politik mit Transgendern und Transsexuellen umgegangen wird. Selbst im Tod, so die Band, werden Trans-Personen noch diskriminiert. „Die Polizeimeldungen und mitunter die Grabsteine setzen die Gewalt an den Körpern fort, wenn sie mit bürgerlichen Namen genannt und misgendert werden“, schreibt die Boiband BuzzFeed News.

Sie wollen ihnen zum Transgender Day of Remembrance einen letzten Dienst erweisen: „Als sie selbst sichtbar und als Lied erinnert zu sein.“

Der Song „Stone Butch Blues“ soll an ermordete Trans-Personen erinnern

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Der Titel bezieht sich auf den Roman „Stone Butch Blues“ der US-Autorin* und Trans-Ikone Leslie Feinberg.

Transsexuelle müssen sich in Deutschland nicht mehr zwangssterilisieren lassen, wenn sie ihren Geschlechtseintrag ändern wollten. Das entschied 2011 das Bundesverfassungsgericht. „Dahingegen ist angeordnete psychiatrische Doppelbegutachtung bislang noch nicht abgeschafft“, schreibt BOIBAND. Transgender würden damit für psychisch gestört erklärt. Die Band bezeichnet das als eine Form von staatlicher Hassgewalt.

„Liebe Schwester“, beginnt der Song, und es folgt eine musikalische Aufreihung von Namen ermordeter Trans-Personen. Darunter befinden sich auch die Stonewall-Pionierinnen Marsha P. Johnson und Silvia Riviera, auch ermordete junge Frauen aus Istanbul oder Indien und auf der ganzen Welt.

Auch wenn über zwei Drittel dieser Hassverbrechen in Lateinamerika stattfinden, ist Europa nicht frei von Transphobie. 117 der dokumentierten Morde zwischen 2008 und 2017 fanden in Europa statt. Zum jährlichen Gedenktag äußern sich auch in Deutschland Fachverbände und Politiker zu dem Thema.

Leon Harun Witzel, im Vorstand der Bundesvereinigung Trans* (BVT*) mahnte an, dass die Hassverbrechen gegen Trans- und gender-diverse Menschen oft besonders brutal seien und häufig nicht angezeigt würden.

Ulle Schauws und Sven Lehmann von den Grünen fordern, Deutschland müsse zu einem sicheren Hafen für verfolgte Trans-Flüchtlinge werden. „Schutz vor Übergriffen in Asylunterkünften muss gewährleistet sein.“ Länder, in denen Trans-Personen verfolgt werden, dürften nicht als sichere Herkunftsländer gelten.

Auch das Bundesfamilienministerium kristisiert das geltende Transsexuellengesetz.

Das Bundesfamilienministerium fordert, dass Transsexuellengesetz zu ersetzen.

Der Transgender Day of Remembrance erinnert an Menschen, die aufgrund von Hass und Ablehnung gegenüber ihrer geschl… https://t.co/X1ABtcySNl

Ines Karl, Staatsanwältin für gleichgeschlechtliche Lebensweisen in Berlin, bestätigt BuzzFeed News im Interview: „Die meiste Gewalt erfahren Trans-Frauen“. 32 transphobe Straftaten gegen gingen bei ihr dieses Jahr ein (Stand: 12. Oktober 2017) – das entspricht rund 17 Prozent der bei ihr registrierten Straftaten.


Juliane Löffler ist Redakteurin für LGBT* und Feminismus und lebt in Berlin. Contact this reporter at Juliane.Loeffler@buzzfeed.com

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