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BuzzFeed zeigt den Brief, mit dem CDU-Politiker zu einem Ja für die Ehe für alle mobilisieren

Die "Wilde 13", eine Gruppe progressiver Unions-Mitglieder, ermutigt "noch einmal aus ganzem Herzen, am Freitag für die Öffnung der Ehe zu stimmen".

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Nach außen ärgern sich CDU und CSU über den Vertrauensbruch der SPD, intern gibt es eine ganze Reihe Abgeordneter, die sich über die Abstimmung freuen. Und die auf solch eine Chance seit Jahren warten. BuzzFeed News veröffentlicht einen Brief des CDU-Bundestagsabgeordneten Stefan Kaufmann an eine Gruppe von Parlamentariern, die sich intern "Die Wilde 13" nennen. Kaufmann ermutigt darin seine rund 40 Kolleginnen und Kollegen "noch einmal aus ganzem Herzen, am Freitag für die Öffnung der Ehe zu stimmen".

Anders als prominente Unionspolitiker wie Volker Kauder oder Horst Seehofer ist für Kaufmann die Zeit für die Ehe für alle längst gekommen. "In den vergangenen Jahren hatten wir vielfach die Gelegenheit, über das Für und Wider in dieser für hunderttausende homosexuelle Menschen in unserem Land höchst bedeutsamen Frage zu streiten", schreibt Kaufmann an seine Mitstreiter der Wilden 13. "Aus meiner Sicht sind die Argumente in einer Vielzahl von Debatten erschöpfend ausgetauscht worden."

Kaufmann bittet seine Kollegen, dem Druck der nun aus der Union gegen die Abstimmung ausgeübt wird, zu widerstehen – und spricht von "massenhaft eingehenden Protestmails".

"Wir haben gemeinsam einen wichtigen Beitrag dazu leisten können, dass das Thema Gleichstellung und Öffnung der Ehe für homosexuelle Partnerschaften gegen teils heftigen Widerstand – auch aus den eigenen Reihen – mehr Akzeptanz innerhalb der CDU/CSU-Fraktion und in den Unions-Parteien erfahren hat", schreibt Kaufmann.

Der CDU-Politiker sieht die Abstimmung für seine Partei als Chance "mit einem Ja ein ganz persönliches Zeichen zu setzen für eine moderne, tolerante und jede bzw. jeden einbindende Politik".

Die Gruppe der Wilden 13 ist ein Kreis von Bundestagsabgeordneten von CDU und CSU. Sie haben sich zusammengeschlossen, um rechtliche Verbesserungen insbesondere für homosexuelle Menschen in Deutschland zu erreichen.

Zur Wilden 13 gehören mittlerweile mehr als 40 Abgeordnete aus unterschiedlichen Politikfeldern, darunter Rechtspolitiker, Familienpolitiker, Bildungspolitiker und Europapolitiker.

Über die am Freitag stattfindende Abstimmung über die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare hat es keine Vorabstimmung innerhalb der Wilden Dreizehn gegeben. Es ist also unklar, ob die Mitglieder geschlossen dafür stimmen werden.

2012 fand die Gruppe zusammen, um für die steuerliche Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Paare zu kämpfen. Jens Spahn, einer der prominentesten Mitglieder zu Beginn des Zusammenschlusses, sagte damals dem Deutschlandfunk: "Worum es uns im Kern geht ist, dass die Union nicht ständig vom Verfassungsgericht getrieben wird, was umzusetzen, sondern tatsächlich auch in Sichtweite von absehbaren Urteilen selbst proaktiv Dinge umsetzt."

Vor 2013 waren gleichgeschlechtliche Paare weder steuerlich gleichgestellt, noch stand ihnen die Möglichkeit der Sukzessivadoption für ein gemeinsames Kind offen. In beiden Fällen änderte sich das erst nach einem jeweiligen Urteil des Bundesverfassungsgerichtes.

In einem gemeinsamen Appell forderte die Wilde 13 im August 2012 die steuerliche Gleichstellung für gleichgeschlechtliche Paare. "Wir sprechen uns dafür aus, nun endlich auch die steuerliche Gleichstellung von eingetragenen Lebenspartnerschaften als unsere eigene politische Entscheidung umzusetzen", erklärte die Gruppe. Auf dem CDU-Parteitag im Dezember 2012 wollten sie dies als Antrag einbringen. Das wurde von der Parteispitze jedoch verhindert und führte zu einer kontroversen Debatte.

Als jedoch die Grünen im März 2013 einen Entwurf für die völlige Gleichstellung bei der Adoption gleichgeschlechtlicher Paare im Bundestag einbrachten, stimmten Mitglieder der Wilden 13 mit Nein.

Die wichtigsten Köpfe der Wilden 13

Stefan Kaufmann

Stefan Kaufmann ist Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages. Kaufmann ist Sprecher der Gruppe. Auf Facebook und Twitter zeigt er sich sichtlich emotional und glücklich über die kommende Abstimmung zur Ehe für alle. Kaufmann will am Freitag mit Ja stimmen.

Eine denkwürdige Fraktionssitzung! Ich bin aufgewühlt. Ich bin glücklich. Ich bin froh. Ich bin dankbar. Die Eheöffnung kommt. @cducsd

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Jens Spahn

Jens Spahn ist Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen. Spahn ist zwar für die rechtliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare, hat sich aber in der Vergangenheit wiederholt gegen die Öffnung der Ehe für alle ausgesprochen. Nun kritisiert er vor allem das unabgesprochene Vorgehen der SPD. Spahn will am Freitag mit Ja stimmen.

@Meyermit_ey Geht's billiger? Ich werde für Öffnung d Ehe stimmen. Und finde doch das Verfahren unwürdig und dem Bu… https://t.co/ikCi8E89Qx

Schlappe 38 Min Debatte Freitagmorgens um 8 Uhr - unwürdiger kann man DIE gesellschaftspolitische Entscheidung d Jahrzehnts kaum abhandeln..

Jan-Marco Luczak

Jan-Marco Luczak ist Mitglied des Deutschen Bundestags und stellvertretender rechtspolitischer Sprecher der CDU/CSU. Er fordert schon länger die Ehe für alle, auch wenn viele Mitglieder seiner Partei nach wie vor dagegen sind. Luczak will am Freitag mit Ja stimmen.

Gesetzentwurf Öffnung Ehe passiert Rechtsausschuss- Freitag dann Gewissensentscheidung im Plenum! #JAzurEhe kommt!👍😊 @BILD @SPIEGELONLINE

Wieso Wahlkampf über #Öffnung der Ehe führen? Wir können diese Woche noch darüber abstimmen! @tagesspiegel… https://t.co/8Rrrg9KYkE

CDU/CSU-Obmann @JM_Luczak: "Ich werde am Freitag mit einem klaren Ja stimmen" #Ehefueralle

Auch der Bundesverband LSU mobilisiert

Auch der LSU, der Bundesverband der Lesben und Schwule in der Union, mobilisiert jetzt für ein Ja in der Abstimmung am Freitag. Der LSU-Vorsitzende Alexander Vogt begrüßte Angela Merkels Äußerungen als "Paradigmenwechsel" und sagte gegenüber AFP: "Jetzt gibt es kein Zurück mehr".

Dieser Termin könnte dieses Jahr besonders stimmungsvoll werden. @LSU_Bund #EhefuerAlle

Das denken die Wählerinnen und Wähler

Laut einer aktuellen Umfrage des Instituts Insa sprechen sich drei Viertel der deutsche Bevölkerung für die Öffnung der Ehe aus, 20 Prozent sind dagegen. Bei den Wählerinnen und Wählern der Union sind 73 Prozent für die Ehe für alle. Bei den Grünen sind es 93 Prozent, bei der SPD 87 Prozent und bei der Linkspartei 84 Prozent. Lediglich bei der AfD sind es nur 40 Prozent.

Juliane Löffler ist Redakteurin für LGBT* und Feminismus und lebt in Berlin. Contact this reporter at Juliane.Loeffler@buzzfeed.com

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