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27 Dinge, die passieren mussten, bis die Ehe für alle in Deutschland Wirklichkeit wird

Jetzt ist sie da, aber es war ein langer Weg: Die wichtigsten Ereignisse bis zur Ehe für alle.

Gepostet am

Ende der 1980er Jahre

Sean Gallup / Getty Images

Volker Beck, Günter Dworek und Manfred Bruns veröffentlichen mehrere Papiere, in denen sie Gleichberechtigung fordern. Erstmals in der Bundesrepublik taucht darin auch ein eigenes Rechtskonstrukt für gleichgeschlechtliche Paare auf. Beck, Dworek und Bruns bewerteten das Eheverbot für Lesben und Schwule als eine schwerwiegende Diskriminierung. Sie betonen, wie wichtig es ist, lesbische und schwule Partnerschaften anzuerkennen, um homosexuelle in der Gesellschaft insgesamt breiter zu akzeptieren und ihre Emanzipation zu fördern.

Sommer 1991

Christian Marquardt / Getty Images

Der Schwulenverband in Deutschland SVD (heute LSVD) veröffentlicht zusammen mit den „Schwulen Juristen“ einen Gesetzentwurf über „die Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts".

19. August 1992

Die sogenannte Aktion Standesamt sorgt für Aufsehen. 250 schwule und lesbische Paare beantragen bundesweit das Aufgebot zum Zwecke der Eheschließung.

14. Mai 1997

Mathess / Getty Images

Erstmals findet im Rechtsausschuss des Bundestages eine offizielle Anhörung zur rechtlichen Anerkennung schwuler und lesbischer Lebensgemeinschaften statt.

27. September 1998

Stephen Jaffe / AFP / Getty Images

Bundestagswahl. Im Koalitionsvertrag der rot-grünen Regierung werden die Forderungen nach rechtlicher Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare und nach einem Antidiskriminierungsgesetz aufgenommen.

24. August 1999

Aktivisten organisieren einen schwul-lesbischen Hochzeitscorso vom Reichstag bis zum Bundeskanzleramt, um Bundeskanzler Gerhard Schröder an seine Wahlversprechen zu erinnern.

10. November 2000

Sean Gallup / Getty Images

Der Bundestag beschließt das Lebenspartnerschaftsgesetz. Für Aktivisten wie den LSVD und Politiker wie Volker Beck ist damit nach Jahren der Lobbyarbeit ein erstes Teilziel erreicht.

1. August 2001

Das deutsche Lebenspartnerschaftsgesetz tritt in Kraft. Wenige Monate zuvor hatten Bayern, Sachsen und Thüringen Verfassungsklagen eingereicht. Durch einen Eilantrag wollten sie verhindern, dass das Lebenspartnerschaftsgesetz am 1. August in Kraft tritt, scheiterten aber beim Bundesverfassungsgericht. Das gibt am 18. Juli 2001 grünes Licht für die Lebenspartnerschaft, rund zwei Wochen später tritt es in Kraft.

1. Januar 2005

Das Gesetz zur Überarbeitung des Lebenspartnerschaftsrechts tritt in Kraft. Dadurch werden u.a. die Unterschiede zwischen Lebenspartnerschaft und Ehe im Zivilrecht beseitigt, die Stiefkindadoption von leiblichen Kindern des Partners oder der Partnerin zugelassen und die Lebenspartner bei der gesetzlichen Hinterbliebenenrente mit Ehegatten gleichgestellt.

7. Juli 2009

Sean Gallup / Getty Images

Das Bundesverfassungsgericht trifft eine Grundsatzentscheidung zu Ehe, Familie und Lebenspartnerschaft und verhilft der Gleichstellung zum Durchbruch. Das Gesetz zur Erbschaftssteuerreform trat wenige Monate zuvor am 1. Januar 2009 in Kraft und brachte den eingetragenen Lebenspartnerschaften gleiche Freibeträge.

2011

Erst der Wahlsieg von Grün-Rot macht es auch im Südwesten möglich: Zehn . Jahre nach Einführung des Lebenspartnerschaftsgesetzes beschließt Baden-Württemberg als letztes Bundesland, dass eingetragene Lebenspartnerschaften überall am Standesamt geschlossen werden können.

2012

Das Verfassungsgericht urteilt bei der Grunderwerbsteuer und dem Familienzuschlag zugunsten der Gleichstellung von Lebenspartnerschaften.

Februar 2013

Das Bundesverfassungsgericht beurteilt das für eingetragene Lebenspartnerschaften geltende Verbot der Co-Adoption eines adoptierten Kindes (Sukzessivadoption) als verfassungswidrig.

Die Begründung: "Unterschiede zwischen Ehe und eingetragener Lebenspartnerschaft, welche die ungleiche Ausgestaltung der Adoptionsmöglichkeiten rechtfertigen könnten, bestehen nicht."

6. Juni 2013

Das Bundesverfassungsgericht veröffentlicht sein Urteil zum Ehegattensplitting für eingetragene Lebenspartnerschaften. Es verlangt die steuerrechtliche Gleichstellung und ordnet eine rückwirkende Änderung zum 1. August 2001 an. Der Gleichbehandlungsgrundsatz gilt für alle Bürgerinnen und Bürger, unabhängig von der sexuellen Identität.

9. September 2013

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In der ARD-Wahlarena sagt Angela Merkel zum Thema volles Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare: "Ich sage Ihnen ganz ehrlich, dass ich mich schwertue mit der kompletten Gleichstellung (...) Ich bin unsicher, was das Kindeswohl anbelangt."

12. Januar 2017

Die Mehrheit der Bevölkerung ist für die #Ehefüralle. Für eine sofortige Abstimmung ohne Fraktionszwang im Deutsche… https://t.co/BVfbCjnLJG

Der gesellschaftliche Wandel geht weiter. Laut einer Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes sind mittlerweile 83% der Bürgerinnen und Bürger für die Eheöffnung.

17. Juni 2017

Bundestagswahl: Grüne machen #Ehefüralle zur Koalitionsbedingung https://t.co/2fdcIbpSKI

Auf ihrem Parteitag machen die Grünen die Ehe für alle zur Koalitionsbedingung.

24. Juni 2017

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner sagt der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung: "Ich werde meiner Partei empfehlen, die Ehe für alle als Koalitionsbedingung für die Bundestagswahl festzuschreiben."

25. Juni 2017

Wir werden die Ehe für alle beschließen. Diese Woche.

Auf dem SPD-Parteitag verpflichtet sich Kanzlerkandidat Martin Schulz. "Ich werde keinen Koalitionsvertrag unterschreiben, in dem die Ehe für alle nicht verankert ist."

26. Juni 2017

Kanzlerin Merkel schlägt auf einer Podiumsdiskussion die Freigabe der Abstimmung im Parlament als Gewissensfrage für die Abgeordneten vor.

27. Juni 2017

Angela Merkel hat für die von der SPD verlangte Abstimmung über die #Ehefüralle den Fraktionszwang in der Union aufgehoben.

CDU und CSU heben den Fraktionszwang auf. Die Abgeordneten können individuell abstimmen.

28. Juni 2017

+++ Breaking +++ Ja zur Ehe für Alle im Rechtsausschuss des Bundestages. https://t.co/c7ib0YZ3C1

Der Rechtsausschuss des Bundestages empfiehlt mehrheitlich, dass die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet werden soll.

30. Juni 2017

Bundestag stimmt mit Ja: Homosexuelle Paare dürfen bald auch in Deutschland heiraten. https://t.co/4G8QNtFpaf #EheFuerAlle

Der Bundestag stimmt für die Ehe für alle. Und stimmt dafür. Nun wird die Ehe für alle zum Gesetz. Lediglich der Bundesrat muss am 7. Juli 2017 noch zustimmen. Diese Zustimmung gilt als sicher. Danach unterzeichnet Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und noch im Herbst können die ersten homosexuellen Paare in Deutschland heiraten.

Vielen Dank an den LSVD für die Bereitstellung der Informationen.

Contact Juliane Löffler at juliane.loeffler@buzzfeed.com.

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