back to top

1Live Lässt eine Lesbe und eine Homo-Gegnerin diskutieren und wow, das ging wirklich schief

Der Sender hat ein Video veröffentlicht, in dem Homosexualität als Krankheit bezeichnet wird.

Gepostet am

Der Radiosender 1Live hat ein Video veröffentlicht, in dem eine Lesbe auf eine Frau trifft, die Homosexualität für eine Sünde und für eine Krankheit hält.

Es ist der Start einer neuen Reihe mit dem Titel „Ausgepackt“, der Titel der ersten Folge ist: „Lesbe trifft Homo-Ehe-Gegnerin“. Die Idee des Experiments wird auf der Webseite so angekündigt: „Was passiert, wenn zwei Menschen mit komplett konträrer Meinung aufeinander treffen?“

Auf Facebook und Youtube sind seit der Veröffentlichung hunderte von wütenden Kommentaren zu lesen. Der Großteil der Menschen versteht weder die Haltung der Homo-Ehe-Gegnerin, noch die Entscheidung des Senders, ihr eine Plattform zu bieten.

Auf Nachfrage schickte der Sender BuzzFeed News ein Statment, in dem er sich entschuldigte:

„1LIVE bekennt sich ausdrücklich zur Toleranz gegenüber Homosexuellen. Wer unser Programm verfolgt, der weiß das. Sollten sich jemand durch die Äußerungen der Protagonistinnen verletzt fühlen, dann tut uns das ausdrücklich leid.“

Christin Julia wurde nach Angaben des Reporters Jörn Behr auf einer „Demo für alle“ aus Wiesbaden für die Sendung gecastet. Das erzählt Behr in einem Podcast, der Teil des neuen Formats von 1Live ist. „Ich hasse, was der Sünder tut“, sagt die junge Frau bezogen auf Homosexuelle in einem Mitschnitt von der Demonstration.

Die „Demo für alle“ kämpft gegen Lehrpläne, welche die Akzeptanz von Vielfalt fördern wollen. Viele AfD-Mitglieder unterstützen diese Forderung. Vorsitzende des zugehörigen Trägervereins Ehe-Familie-Leben e.V. ist laut Impressum Hedwig von Beverfoerde.

Auf Facebook ärgern sich Nutzerinnen und Nutzer über das neue 1Live-Format. Von den fast 800 Kommentaren (Stand: 29. August, 18 Uhr), sind die meisten fassungslos und verärgert. Über 200.000 mal wurde das Video bereits angeschaut.

Anzeige
Anzeige

Der Beitrag beginnt mit zwei Videos, in denen die beiden Frauen über Homosexualität sprechen. Julia erklärt in ihrem Video, warum sie Homosexualität für eine Sünde und eine Krankheit hält.

„Ich bin gegen Homosexualität, aus dem einfachen Grund, dass Gott uns geschaffen hat als Mann und Frau.“ Gott gebe den Plan vor, wie er sich die Menschen gedacht hat, erzählt sie weiter.

„Ich würde das Verlangen zum gleichen Geschlecht nicht als Sünde bezeichnen, aber das Ausleben dessen.“

„Ich würde Homosexualität sehen wie eine andere Krankheit. Vielleicht keine körperliche, sondern eher eine psychische. Eine Störung in der Wahrnehmung oder eine Störung wie man sich selber sieht.“

Izzy erzählt in ihrem Video davon, wie sie diskriminiert wurde. „Teilweise wurde man auf der Straße angesprochen, was das denn soll, wie eklig das doch ist.“ Sie erzählt auch, dass sie für ihre Homosexualität schon geschubst oder geschlagen wurde.

Im Anschluss sieht der Nutzer die beiden, wie sie gemeinsam in einem Raum sitzen und mit den Videos des jeweils anderen konfrontiert werden. Beide wussten zuvor nicht, dass es in ihrem Treffen um Homosexualität gehen würde.

„Krass“, sagt Izzy. Christin Julia möchte erst einmal klarstellen: „Ich habe nichts gegen Homosexuelle.“ Es ginge ihr nur um das Ausleben von Homosexualität.

„Aber was stört dich daran, wenn ich zu Hause mit meiner Freundin auf der Couch liege?“, fragt Izzy. „Ich lass dir deinen Glauben, warum lässt du mich nicht meine Sexualität ausleben?“

„Genau wie ein Alkoholiker“

„Gott sagt: So waren wir Menschen nicht gedacht“, antwortet Julia und argumentiert mit dem Sündenfall. Sie glaubt, dass man Homosexualität möglicherweise ändern könne.

„Für mich klingt das so, als ob ich mich ändern könnte? Dass Du sagst, wenn ich zum Glauben finde, dass ich sozusagen hetero werden könnte“, sagt Izzy. Julia antwortet: „Ja, so ungefähr wahrscheinlich schon.“

Sie kenne Menschen, die sich dagegen entschieden hätten, ihre Sexualität auszuleben. „Genau wie ein Alkoholiker.“ Ein Alkoholiker entscheide sich auch gegen Alkohol, obwohl er Alkohol ihn glücklich mache und er eine Sehnsucht danach habe.

Izzy kann das nicht verstehen. „So ein Leben möchte doch keiner führen.“

Auf Youtube hat das Video über 1.300 Kommentare (Stand: 29. August, 18 Uhr), auch hier reagieren die meisten Menschen entsetzt und wütend über die Meinung von Christin Julia und die Ausstrahlung des Senders.

Das ist das ganze Video auf Youtube.

Dieses Video auf YouTube ansehen

youtube.com

Eine weitere Moderation oder Einordnung von Seiten der Redaktion gibt es in den Videos auf Facebook und YouTube und auf der Webseite von 1Live kaum, lediglich einen Kommentar auf Facebook zur Verwendung des Wortes Lesbe, sowie ein kurzes Statement auf Youtube. Dass Homosexualität keine Krankheit und somit nicht behandelbar ist, wird innerhalb der Videos und dem Podcast nicht weiter erläutert.

Von 1Live sind noch weitere Sendungen im Format „Ausgepackt“ geplant, etwa ein ein Grillmeister im Gespräch mit einer "Hardcore-Veganerin" und eine Feministin mit einer Anti-Feministin. Im Laufe der Staffel komme es "zu vielen tiefgehenden und anregenden Diskussionen", sowie um "Akzeptanz, Toleranz und Offenheit, heißt es auf der Webseite des WDR.

Auf Nachfrage schickte 1Live BuzzFeed News ein ausführliches Statement, in dem der Sender sich entschuldigte:

Ziel der Reihe „Ausgepackt“ ist es, unterschiedliche Meinungen gegenüberzustellen. Ohne eine zusätzliche Kommentierung sollen sich die User ihr eigenes Urteil bilden können. Nach unseren Programmgrundsätzen und nach unserem Selbstverständnis ist aber auch klar, dass wir für Toleranz einstehen – für alle Menschen und Lebensformen. 1LIVE bekennt sich ausdrücklich zur Toleranz gegenüber Homosexuellen. Wer unser Programm verfolgt, der weiß das.

In dieser neuen Serie geht es darum, offen und transparent mit einem breiten Spektrum an Meinungen und Ansichten umzugehen. Die vielen auch positiven Kommentare unserer User und die rege Diskussion um das Format zeigen uns, wie wichtig es ist, für Themen, die viele Menschen bewegen, Gesprächszeit anzubieten. Sollten sich jemand durch die Äußerungen der Protagonistinnen verletzt fühlen, dann tut uns das ausdrücklich leid.

Juliane Löffler ist Redakteurin für LGBT* und Feminismus und lebt in Berlin. Contact this reporter at Juliane.Loeffler@buzzfeed.com

Contact Juliane Loeffler at juliane.loeffler@buzzfeed.com.

Got a confidential tip? Submit it here.