back to top

Wartet nicht auf Merkel. Steht selbst auf gegen Nazis.

Kein Politiker und kein Journalist kann Deutschland vor Fremdenhass retten. Nur wir selbst können das.

Gepostet am
Matthias Rietschel / Getty Images

Wer in dieses Land kommt, weil er vor Verfolgung flieht, hat ein Recht auf Asyl. So steht es im Grundgesetz. Um herauszufinden, ob dieses Recht greift, müssen wir Menschen anhören. Auch so steht es im Gesetz. Was in Heidenau in den letzten Tagen passiert ist, ist der Versuch, diese Gesetze zu brechen. Anwohner und Neonazis haben versucht, Flüchtlingstransporte zu blockieren. Nachdem ihnen das nicht gelang, versuchten sie sich mit Gewalt durchzusetzen. Sie wollen das Faustrecht.

Marcus Golejewski / picture alliance / Geisler-Fotop

Die Geschehnisse in Heidenau sind keine Einzelfälle. In Freital gingen vor Wochen hunderte Menschen gegen Flüchtlinge auf die Straße. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht ein Anschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in diesem Land begangen wird, auch in Berlin. Das ist ohne jeden Zweifel zum Kotzen. Wenn Menschen ihre Heimat verlassen, um unter Lebensgefahr nach Deutschland zu kommen, weil sie hier auf ein besseres Leben hoffen, gibt es keinen Grund, ihnen mit einem kriegsähnlichen Vernichtungswillen entgegen zu treten.

Was derzeit in Heidenau und in vielen anderen Orten passiert, verdient unsere Verachtung.

Anzeige

Es ist nicht der ganze Osten. Aber es reicht, um Flüchtlinge zu terrorisieren.

Marcus Golejewski / picture alliance / Geisler-Fotop

Die Frage ist, wie die, die nicht so denken wie die Neonazis in Heidenau, mit diesem Vernichtungswillen umgehen sollen. Fakt ist, dass es viele Menschen in Deutschland gibt, die willens sind, Flüchtlingen zu helfen. Der Mob von Heidenau ist nicht ganz Deutschland. Und nicht jeder Ostdeutsche ist ein Neonazi. Doch um Flüchtlinge in Gefahr zu bringen, um unsere demokratische Grundordnung zu stören, reicht es, wenn einige wenige Arschlöcher sind. Auch wenige, die morden wollen, genügen, um das Leben vieler zur Hölle zu machen.

Arno Burgi / picture alliance / dpa

Wie sollen wir damit umgehen? Als Ossis? Als Deutsche? Die Antwort der Politik für Heidenau zumindest ist klar.

An dem Ort soll ein Exempel statuiert werden. Tillich und de Maizière sagen: Die Flüchtlinge sollen in Heidenau bleiben. In der Realität heißt das: Flüchtlinge sollen um jeden Preis dort untergebracht werden, wo hunderte ihnen das Leben zur Hölle machen wollen. Koste es, was es wolle.

Kein Nazi wird aufhören, zu hassen, weil Merkel ihn verurteilt.

Axel Schmidt / Reuters

Wenn die Sommerreisen der Politiker vorbei sind, die Antifa und die Bundespresse abgereist sind, dann fährt der Konflikt nicht mit ihnen mit. Er bleibt in Heidenau, er bleibt im Osten. Nazis werden nicht anfangen, umzudenken, nur weil hunderte Flüchtlinge unter Polizeischutz vor ihrer Haustür untergebracht werden. Sie werden warten, sie werden hassen und sie werden zuschlagen.

Ob es uns passt oder nicht, auch die Neonazis von Sachsen und ihre Wiedergänger in ziviler Kleidung sind Bürger dieses Landes. Sie sind Arschlöcher, aber sie sind Bürger dieses Landes. Wir würden sie gerne zu etwas anderen machen oder wenigstens zu etwas anderen erziehen. Aber ob das passiert, indem wir sie zwingen, mit denjenigen, die sie hassen, an einem Ort zu leben, ist fraglich. Das gilt auch für ein "Machtwort" der Kanzlerin, das von Politikern und auf Twitter unter #merkelschweigt gefordert wird. Kein Nazi wird sich schämen, weil die Kanzlerin ihn dazu auffordert.

Was es brächte, wenn Merkel spräche, wäre Trost für diejenigen, die angegriffen werden. Das müssen wir von Merkel erwarten können.

Noch wirksamer aber wäre, wenn wir selbst jeden Tag und in dem Bereich, den wir beeinflussen können, Solidarität mit Flüchtlingen zeigen. Warten wir nicht auf Heidenauer, die zu besseren Menschen werden. Seien wir selbst die Menschen, die wir uns in diesem Land wünschen.

Hol Dir BuzzFeed auf Facebook!

Promoted

Every. Tasty. Video. EVER. The new Tasty app is here!

Dismiss