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Warum Marine Le Pen doch noch entschieden hat, als Frau zu kandidieren

Die Geschlechter-Karte hat der Front-National-Chefin dabei geholfen, das rassistische Image ihrer Partei aufzuweichen. Und ironischerweise auch, gegen Sexismus vorzugehen. Im Fernsehen hat das gut funktioniert, aber wird es bei den Wahlen am Sonntag funktionieren?

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PARIS — Es beginnt alles wie so oft im Fernsehen.

Marine Le Pen zeigt sich sanft, lächelnd, fast sorgenfrei — eine ungewöhnliche Haltung für eine Politikerin, die den Großteil ihres Lebens in der Defensive verbracht hat. Sie ist eine Frau, die eine antifeministische Rechtsaußen-Partei leitet. Sie ist die Tochter eines politischen Parias. Und sie kämpft seit einem Jahrzehnt dafür, eine faschistische Randbewegung in eine disziplinierte, politische Maschine zu verwandeln. Eine Maschine, die ihr die Möglichkeit schafft, französische Präsidentin zu werden.

Im Oktober setzt sich Le Pen für eine halbe Stunde mit Karine Le Marchand zusammen, der französischen Oprah Winfrey. Le Pen gibt ein Interview, das man in dieser Form noch nicht gesehen hatte – zumindest nicht in Frankreich. Das Publikum bekommt weichgezeichnete Bilder und einfache Fragen zu sehen. Alles mit dem Ziel, einen angeblichen Blick hinter die Fassade zu werfen und die „authentische“ Person hinter der Politikerin zu zeigen.

Die Szenerie gleicht einer Gartenparty in einem Puppenhaus. "Marine Le Pen liebt Gartenbau, also pflanze ich ein paar Blumen", sagt Le Marchand einleitend und setzt eine lila Glockenblume in einen Pflanzentopf. Während die Gastgeberin die Erde betätschelt, schreitet Le Pen aus dem Hintergrund hinein. Dunkelblauer Anzug, offenes Jackett, hellgelbes Top, zugleich lässig und autoritär, fast wie in einer TV-Werbung für teure Klamotten.

"Nehmen Sie Platz", sagt Le Marchand. "Fühlen Sie sich ganz wie zu Hause."

Die Frauen sitzen auf quadratischen Korbstühlen, Wein und Gebäck auf einem Kaffeetisch zwischen ihnen. Blumen ragen aus Töpfen links, rechts und in der Mitte. Dazu gerahmte Portraits einer blauäugigen, blonden kleinen Marine.

"Sie mögen Gartenbau?", fragt Le Marchand.

"Ja! Ich bin ein totaler Fan", erwidert Le Pen.

Le Pen hatte zuvor ihren Nachnamen zugunsten der kürzeren, unbedrohlichen Vertrautheit ihres Vornamens in den Wind geschossen. Sie hatte den Ruf einer politischen Partei aufgeweicht, die vorher nur für ihren Antisemitismus bekannt war. Sie hatte Homosexuelle und Farbige in den Reihen ihrer Front National willkommen geheißen. Doch dieses TV-Interview war für Le Pen wichtiger als all das.

Dieses TV-Interview gab ihr die bislang größte Chance, ihre Wählerbasis zu erweitern. Und einen neuen Kurs für ihre Kampagne zu setzen. "Dieses Interview sorgte für Begeisterung. Das hat ihr Image komplett verändert", sagt Valérie Igounet, eine Historikerin, die seit mehr als 20 Jahren über die Front National schreibt. "Sie war so entspannt, wie sie einfach auf dem Sofa saß und Tee trank ... und dabei gezeigt hat, dass sie Mrs. Anybody sein kann."

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youtube.com / Via youtube.com

Ein Clip aus dem TV-Interview, das Marine Le Pen nutzte, um doch noch als Frau in den Wahlkampf zu ziehen.

Eine Frau zu sein ist normalerweise ein Problem für Politikerinnen. Hillary Clinton wurde oft von ihrem Ehemann überschattet. Manche US-Zeitungen druckten Bilder von Bill Clinton obwohl die dazugehörige Story davon berichtete, dass Hillary offiziell um die Präsidentschaft kämpft. Während der französischen Präsidentschaftswahl 2007 bekam Ségolène Royal eine Menge Aufmerksamkeit dafür, dass sie eine Frau war – aber nicht für ihre Rolle als Politikerin. Und das, obwohl sie die erste weibliche Kandidatin war, die es in die in Frankreich entscheidende Stichwahl schaffte. Das Gerede über ihre Röcke und ihren Gang und ihre vier unehelichen Kinder mit François Hollande halfen ihr nicht. Die nächste Wahl, im Jahr 2012, gewann dann Hollande.

Aber Marine Le Pen setzt in diesem Jahr trotzdem darauf, sich als Frau aus dem Volk zu präsentieren. Ihr Frausein ist angemessen matriarchalisch und das "aus dem Volk" macht sie unbedrohlich.

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Und: Wenn Le Pen eine "Frau aus dem Volk" ist, dann ist sie gleichzeitig nicht die Tochter von Jean-Marie Le Pen, dem wahrscheinlich bekanntesten lebenden Rassisten Europas. 1972 startete er die Front National und besetzte sie mit Nazi-Sympathisanten — manche waren einfach überzeugte Faschisten, manche waren ehemalige SS-Offiziere und wieder andere waren Kollaborateure der Hitler gegenüber freundlichen Vichy-Regierung des Zweiten Weltkrieges. Seine politischen Erfolge verdankt Vater Le Pen großteils seinen Provokation: Er wurde mehrfach für rassistische Äußerungen verurteilt und dafür, dass er den Holocaust geleugnet hat. Angeklagt wurde er zudem, weil er eine Politikerin angegriffen hatte.

Le Pen senior wollte ein Provokateur sein, doch seine Tochter Präsidentin. Sie wusste, dass der Weg ihres Vaters nicht an die Macht führen würde. 2007 wurde sie seine Stellvertreterin, 2011 übernahm sie das Zepter – und wenig später brach sie den Kontakt mit ihm ab. Sobald sie das Sagen hatte, machte sie sich daran, das öffentliche Image der Front National zu säubern. Eine Mission, welche die Partei "Entdämonisierung" nennt. Kritiker sagen jedoch, dass die Partei ihre Islamophobie kaum verbirgt. Und dass sie durch ihre gnadenlose Haltung zu Immigration und Flüchtlingen nach wie vor einer Menge Dämonen eine Heimat gibt.

Marine Le Pen verwies die Antisemiten der Partei — darunter auch ihren Vater Jean-Marie, den sie 2015 formell aus der Partei entfernte — und milderte die Holocaust-Leugnung (korrigierte sie aber nicht vollständig). Sie setzte immer stärker auf populistische Töne, zum Teil durch fast schon sozialistische Vorschläge.

Diese Aktionen machen ihre Partei salonfähiger und helfen ihr dabei, neue Wähler zu gewinnen. Doch in einem unerwartet wechselhaften Wahljahr hat Le Pen etwas gelernt, das sie vielleicht nicht erwartet hätte.

Dies ist die Wahl, bei der Le Pen verstanden hat, dass es gut ist, eine Frau zu sein.

Bei ihr ist es nicht die klassische Erkenntnis , dass — wer hätte es gedacht — Frauen ein wesentlicher Wählerblock sind. Bei Le Pen ist es die nächste Stufe einer Erkenntnis, die sie bereits 2012 hatte. Damals erreichte die Front National etwas, das zuvor keine rechtsradikale Partei in Europa je geschafft hatte: Sie erhielt quasi dieselbe Anzahl an Stimmen von Frauen wie von Männern.

Europäische Rechtsaußen-Parteien haben traditionell mehr Zuspruch von Männern. Das ist keine große Überraschung: Was Frauen angeht, so ist ihr Programm zutiefst konservativ — Feministinnen würden sagen frauenfeindlich, Sympathisanten würden sagen "traditionell". 2012 verdoppelte der Front National seinen Stimmanteil beinahe, auch wenn Le Pen nur Dritte im Präsidentschaftsrennen wurde. Dieser Erfolg kam zum Teil, weil die Partei die Lücke zwischen Wählern und Wählerinnen schließen konnte, so Nonna Mayer, Forschungsleiterin für Europastudien an der Sciences Po, einer Top-Universität in Paris. "Natürlich stimmen Frauen für diese Parteien, aber [normalerweise] sind es fünf bis sieben Prozent weniger Stimmen als bei den Männern", so Mayer.

Wenn Le Pen diesen Erfolg wiederholen und ausweiten kann, hat sie eine echte Chance auf die Präsidentschaft. "Das ist bei diesen Wahlen das Kernanliegen von Marine Le Pen — Wählerinnen", so Igounet.

Die meisten Wählerinnen, die 2012 erstmals für die Front National stimmten, hatten schlechtbezahlte Jobs mit vielen Stunden und wurden scheinbar vor allem von den wirtschaftlichen Botschaften der Partei motiviert, nicht ihrer Haltung zu Frauenthemen, so Mayer. Tatsächlich behielt die Front National 2012 ihre konservative Haltung zu Frauenthemen bei. Damals unterstützte Le Pen Maßnahmen zur Begrenzung von Abtreibungserstattungen und wollte ein "Elterngehalt" durchsetzen, das einem Elternteil, das nicht arbeiten geht, 80 Prozent des Mindestlohns sichern sollte. Viele Feministinnen sahen den Plan als einen Weg, Frauen zu bestechen, die Arbeiterschaft zu verlassen. Französische Frauen verdienen etwa 30 Prozent weniger als ähnlich qualifizierte Männer.

Die Le Pen von 2017 erscheint und klingt ganz anders. Sie redet nicht mehr von staatlichen Zuschüssen für Mütter, die zu Hause bleiben, oder der Begrenzung von Geldern für Abtreibung. Und seit dem Interview mit Le Marchand erkennt sie ihr Geschlecht — oder vielmehr eine bestimmte, kalkulierte Weiblichkeit — als politisches Werkzeug an.

Ein paar Monate nach dem Interview, im Februar, hat Le Pens Propagandamaschine das Frausein zu einer radikalen Kampagnenstrategie gemacht, indem sie eine dreiseitige Broschüre veröffentlichte, die Le Pens Geschlecht zum Zentrum ihrer politischen Identität machte. "FRAU MIT LEIB UND SEELE: Hinter der politischen Frau — eine Mutter, eine Schwester", posaunt die Broschüre. "Eine Frau in der Politik zu sein, ist ein Vorteil, kein Handicap."

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In dieser Aussage steckte mehr Wahrheit, als von Le Pen möglicherweise geplant. Ihr Geschlecht "sorgt für ein weicheres Image der Partei", so Mayer, und das hat die Front National salonfähiger gemacht. Tatsächlich ist Le Pens Gender-Strategie ein Schlüsselelement dieser Aufweichung, die der Front National ihre erste echte Chance auf eine Präsidentschaft gebracht hat. Zum Teil ist das einem glücklichen Timing geschuldet: Genauso wie viele Bürger in den USA und Großbritannien haben die Franzosen den Hals von der "Elite" voll und Wähler des gesamten politischen Spektrums drücken ihren Frust gegenüber Vetternwirtschaft und Korruption aus. Es ist nicht so, dass Le Pen diesen Punkten gegenüber immun wäre: Sie hat ihre politische Position immerhin geerbt und ihre Partei wird auf Betrug und Veruntreuung staatlicher Zuschüsse für politische Kampagnen untersucht. Aber in einem überfüllten Rennen mit 11 Teilnehmern haben diese Details ihr keinen Rückschlag versetzt.

"Wir haben das Ende des französischen politischen Systems erreicht", erklät Claire Serre-Combe, Sprecherin von Osez le Féminisme, einem nationalen feministischen Netzwerk. "Wir haben so viele Kandidaten. Wir haben TV-Debatten, die Stunden dauern, aber wir reden [immer noch] nicht über die echten, tiefgreifenden Probleme. Wir haben vielleicht ein Problem mit unserer Verfassung, mit der Fünften Republik", dem politischen System aus der Nachkriegszeit, das heute in Frankreich gilt.

"Wir suchen nach einem Oberhaupt, einem Helden, aber es ist das Ende des Systems", sagt sie.

In der Zwischenzeit hat jeder führende Kandidat es mit einem großen Skandal oder etwas ähnlichem zu tun gehabt. François Fillon wurde vorgeworfen, seine Frau mit Staats-geldern für emploi fictif, oder "fiktive Arbeit", zu bezahlen. Emmanuel Macron, der Fillon als nächster wahrscheinlicher Sieger ablöste, hat für die Auswahl eines gesundheits-politischen Beraters einstecken müssen, der jahrelang von einem Pharmaunternehmen bezahlt wurde, das als fahrlässig im Bezug auf medikamenten-bedingte Todesfälle befunden wurde. Der Berater trat zurück, nachdem an die Öffentlichkeit kam, dass der Konzern ihm die Teilnahme an mehreren Konferenzen finanziert hatte — allerdings nicht bevor Macron eine Pro-Pharma-Rede gehalten hatte.

"Momentan kann alles passieren", so Marie-Pierre Badré, Präsident des Französischen Zentrums für Männer- und Frauengleichheit im Centre Hubertine Auclert in Paris.

Nicht jeder kauft Le Pen ihre weibliche Führung ab. Front-National-Experten nennen die feminine Haltung, die sie seit Kurzem zeigt, eine Marketingmasche. (Florian Philippot, Le Pens Chefstratege hat auf eine Bitte um Stellungnahme nicht geantwortet.)

"Nur weil wir eine Vagina haben, sind wir noch keine Feministinnen", so Caroline de Haas, ehemalige Beraterin des Frauenministeriums und nun linke Kandidatin in einer von Paris' kommunalen Wahlen. "Feminismus ist Kopfsache."

Le Pens eigenes Abstimmungsverhalten ist alles andere als feministisch. In ihren zehn Jahren als Mitglied der Europäischen Parlaments — eine Institution, gegen die sie nun Menschenmassen versammelt — stimmte sie nicht für die Prävention von Gewalt gegen Frauen, das Ende von Gehaltsdiskriminierung und die Unterstützung von Unter-nehmerinnen. Sie stimmte auch gegen die Verbesserung der Arbeitsbedingungen schwangerer Frauen und neugewordener Mütter, rechtliche und soziale Anerkennung von Pflegekräften und Hausangestellten und größere Aufmerksamkeit für Online-Missbrauch und anderer Formen von Geschlechterungleichheit im Cyberspace.

"Marine Le Pen ist eine Faschistin, bevor sie eine Frau ist. Das ist alles. Basta", so Sarah, Mitglied des feministischen Kollektivs 52, das Kampagnenposter mit Stickern "verunstaltete", die präsidiale Slogans in Botschaften der Geschlechtergleichheit verwandeln. (Mitglieder der Gruppe werden nur mit Vornamen genannt.)

Es ist der Faschismus, so sagen manche, der Le Pen Oberwasser gegen den Sexismus verschafft, der politische Kandidatinnen normalerweise in Frankreich und auf der ganzen Welt verfolgt. "Sie präsentiert sich als starke Frau", so Mayer von der Sciences Po. "Sie hat eine Art, den Raum einzunehmen, die der ihres Vaters sehr ähnlich ist ... Sie ist keine schwache, kleine Frau, deren Stimme von den anderen Männern im Raum übertönt wird. Und sie weiß, wie man die Medien einsetzt."

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Le Pens öffentliche Präsenz unterscheidet sich sehr vom letzten Mal, als eine Frau so weit im Rennen kam. "Vor zehn Jahren redeten die Medien im Fall von Ségolène Royal, der Kandidatin der sozialistischen Partei, nur davon, dass sie eine Frau war. Die ganze Debatte ging um ihr Geschlecht — darüber, wie sie sich anzog und verhielt. Nun gibt es effektiv gar nichts davon", so Serre-Combe von Osez le Féminisme.

Sexismus reicht in Frankreich viel tiefer als oberflächliche Kommentare über Kleidung. Blogs sind voller anonymer Geschichten über Sexismus, von täglichen Begegnungen auf der Straße bis hin zu Belästigung in lokalen und nationalen Machtzentralen.

Auch Zeitungen sind voll mit diesen Geschichten. Am bekanntesten ist vielleicht Dominique Strauss-Kahn, der ehemalige Geschäftsführer des Internationalen Währungsfonds (IFW), der 2011 in New York City wegen angeblicher Vergewaltigung angeklagt wurde; französische Staatsanwälte ermittelten im Laufe der folgenden vier Jahre im Rahmen von drei weiteren Fällen von Vergewaltigung oder sexuellem Missbrauch gegen ihn. Die Details, die in diesen Fällen ans Licht kamen, enthüllten eine tief verwurzelte Frauenfeindlichkeit in den Reihen der französischen politischen Elite.

2015 schrieben 40 französische Politikjournalistinnen einen offenen Brief in Frankreichs Tageszeitung Libération und schilderten den Sexismus, den sie während ihrer Arbeit erlebt haben. Letztes Jahr brach ein Skandal aus, als einem politischen Parteichef sexuelle Gewalt und Belästigung vorgeworfen wurde, nachdem er mehr als 100 anzügliche Nachrichten an eine Mitparlamentarierin geschickt hat, in denen er ihr Komplimente für ihre überkreuzten Beine gemacht und Fantasien über Analverkehr mit ihr gebeichtet hatte. Als Reaktion darauf veröffentlichten 17 ehemalige Ministerinnen ein "Statement gegen Sexismus", in dem sie gegen sexuelle Belästigung und Geschlechter-diskriminierung in der Politik protestierten.

Es ist ein Problem, von dem die französische politische Klasse weiß, dass sie es hat. 2000 verabschiedete das Land ein Geschlechtergleichheitsgesetz, das von politischen Parteien fordert, genauso viele weibliche wie männliche Kandidaten zu listen oder eine Strafe zu zahlen. 2012 sagte Badré: "Alle Parteien beschlossen: 'Wir bezahlen einfach die Strafe. Ist uns egal; wir wollen lieber Männer auf der Liste.'"

Dieses Jahr fällt die Strafe doppelt so hoch aus, aber Badré sagt, das wird das Problem nicht wirklich lösen: Wenn Frauen auf die Kandidatenlisten kommen, dann werden sie in Bezirken nominiert, von denen die Partei weiß, dass sie dort verlieren wird. Genauso wie die US-Democrats zum Beispiel wissen, dass sie niemals in Idaho gewinnen werden. "Sie drängen Frauen ins Versagen", so Badré.

Marine Le Pen hingegen vermeidet all das. "Sie ist die Tochter ihres Vaters, die Erbin seiner Partei", so Serre-Combe. "In der Politik wird sie nicht als Frau betrachtet. Sie wird als Brand, als Marke gesehen."

Badré, ein Mitglied der Mitte-rechts-Partei der Republikaner denkt, Le Pens hartes politisches Programm schützt sie gegen die Art sexistischer Projektionen, die oft von den Medien oder Politikern bemüht werden. "Ihr Programm ist so hart, so extremistisch, dass sie im Vergleich immer weicher wirkt", so Badré. "Es gibt eine bestimmte Art von Zerbrechlichkeit bei anderen Kandidatinnen [so nimmt man an], aber Le Pen hat das nicht. Ihr Programm erlaubt ihr das nicht. Es erlaubt es ihr auf diese Weise nicht, menschlich zu sein."

Rebecca Amsellem, die den wöchentlichen feministischen Newsletter Les Glorieuses leitet, der mehr als 40.000 Abonnenten hat, sagt, dass das so ist, weil Le Pen ihre Gender-Strategie mit einem der großen politischen Mythen Frankreichs verbunden hat. "Marine Le Pen präsentiert sich nicht als Frau, sie präsentiert sich als Mutter. In einem Kampagnenvideo sagte sie, dass sie die 'Mutter Frankreichs' sein will. Ich denke, das ist eine de-Gaulle-Strategie", so Amsellem im Bezug auf Charles de Gaulle, der die Fünfte Republik gründete.

Was es auch ist, es funktioniert. Le Pen hat sich von der Tochter eines Rassisten in die Mutter einer Nation gewandelt. Und es hat ihr dabei geholfen, dieselben Diskussionen um ihre Weiblichkeit zu vermeiden, die Royal vor einem Jahrzehnt begegnete — oder Hillary im vergangenen Jahr. Doch Le Pen hat es geschafft, ihr Geschlecht zu benutzen, um ihre Partei auf subtile Weise als seriös darzustellen, und das bringt ihr viele Anhänger und hohe Umfragewerte.

Tatsächlich könnte ihr das mehr — weibliche — Stimmen bringen, als wir wissen.

"Ich denke, die meisten Frauen werden nicht sagen, dass sie für sie stimmen werden. Sie halten es geheim. Es wird nicht als feministisch, nicht als Ausdruck von Geschlechter-gleichheit gesehen, also sagen Frauen nicht, dass sie es tun werden", so Badré. "Exakt so habt ihr Donald Trump bekommen. Exakt so."

Le Pens Haltung als eine Frau in der Politik war immer mit ihrer Islamophobie verknüpft. Eine Kolumne von 2016 in L'Opinion, einer konservativen französischen Zeitung, kennzeichnet das erste Mal, dass sie sich selbst politisch als Frau positionierte. Sie zitierte sogar die ikonische französische Feministin Simone de Beauvoir, ein Schachzug, den Frauenrechtlerinnen als zynisch betrachteten. Die Kolumne folgte einem massenhaften sexuellen Übergriff in Köln und Le Pen nutzte ihr Geschlecht, um ihre Stärke darzustellen — ihr rhetorischer und politischer Mut — während sie gleichzeitig die Verwundbarkeit der Frauen, die sie angeblich beschützen will, aufzeigte. "Ich richte mich heute sowohl als politische Führerin, als auch als Frau an das französische Volk. Als freie französische Frau, die in der Lage war, ihr ganzes Leben lang die wertvollen Freiheiten zu genießen, für die unsere Mütter und Großmütter lange kämpften, möchte ich Sie über eine neue Form des sozialen, menschlichen und moralischen Rückschritts warnen, den die Flüchtlingskrise uns aufbürdet", schrieb sie. "Ich fürchte, dass die Flüchtlingskrise den Anfang vom Ende der Frauenrechte kennzeichnet."

Es war der erste Entwurf eines Arguments, das stärker wurde, als Le Pens Kampagne ins Rollen kam. "Es ist klar zu sehen, dass ihr Feminismus — auch wenn es mir sehr wehtut, dieses Wort in ihrem Zusammenhang zu nutzen — zutiefst rassistisch ist", so Serre-Combe. "Sie spricht nur von sexueller Gewalt, wenn die Angreifer Ausländer sind."

Von den 144 "Geboten" in Le Pens Parteiprogramm handelt nur eines von Frauenrechten. Auch wenn es drei Teile hat — inklusive einer vagen Anmerkung, Arbeitslosigkeit bekämpfen zu wollen und einem Hinweis bezüglich der Wichtigkeit von Lohngleichheit — redet Le Pen ausschließlich über einen: Ihren Plan, "Frauenrechte gegen Islamismus zu verteidigen, der Frauen ihre grundsätzlichsten Freiheiten wegnehmen würde".

Aber es ist der mittlere Teil — der über Lohngleichheit — über den einige muslimische Frauen am meisten nachdenken. In Interviews mit mehr als einem halben Dutzend Frauen auf einer jährlichen Versammlung französischer Muslime in den Pariser Vororten wurde Lohndiskriminerung als Kernproblem genannt. Wie es auch bei einigen Le-Pen-Anhängerinnen 2012 war, hätte das wirtschaftliche Interesse die Stimme französischer Muslimas beeinflusst haben können — wäre die diesjährige Wahl nicht auch zu einer Art Referendum über den Hijab geworden.

Das ist nicht nur Le Pens Werk. Ein anderer Kandidat, der ehemalige Premierminister François Fillon, beschrieb "Islamismus" als Nazi-artige "totalitäre" Kraft und lud Russland ein, dagegen vorzugehen. Der aktuelle Präsident François Hollande nannte den Islam "ein Problem" und machte die Muslime, "die Radikalisierung nicht denunzieren würden", dafür verantwortlich.

Aber der maßgebliche Kampfschrei der Islamophobie, der durch den französischen politischen Diskurs fegt, kommt von Le Pen, die das Ganze als Frauenrechte verpackt hat. In der Rede vom Februar, mit der ihre Kampagne begann, verunglimpfte sie, was sie die "Geschlechterdiskriminierung des Islam" nannte und behauptete, dass Muslimas keine Jobs haben und nicht in die Öffentlichkeit gehen dürfen. "Keine Frau, der etwas an ihrer Freiheit und Würde liegt, kann das akzeptieren", sagte sie.

Die Ignoranz dieser Haltung ist für einige französische Muslimas ermüdend. Die Politik des Schleiers, die Le Pen mit ihrer Rede anfachte, kostete Malika, 51, einen gutbezahlten Job — also genau das, von dem Le Pen fälschlicherweise behauptete, dass muslimische Frauen wie Malika es laut ihren Ehemännern nicht haben dürfen. "Ich habe in der Versicherungsbranche gearbeitet", sagt sie. "Doch ich musste meinen Job wegen des Schleiers aufgeben. Also wurde ich Kindermädchen. Entweder das oder Putzfrau" — beides Jobs, gegen deren Schutzvorkehrungen am Arbeitsplatz Le Pen letztes Jahr im Europäischen Parlament stimmte.

Ophia, eine ältere Frau, die ursprünglich aus Tunesien kommt (und wie auch andere interviewte Frauen ihren Nachnamen aus den Medien halten wollte) erinnert sich an einen schmerzlichen Fall der französischen Heuchelei. Als sie sich um eine Einbürgerung bewarb, wurde sie das erste Mal abgelehnt — nicht wegen den Einzelheiten ihrer Situation, sondern weil es Bedenken gab, ihr Vater und ihr Ehemann würden "gute französische Werte" nicht vertreten.

"Ich weinte stundenlang", erinnert sie sich. Sie war nicht nur enttäuscht darüber, abgelehnt zu werden; sie war wütend, dass das freie und gleiche Frankreich sie nur als Erweiterung ihrer männlichen Angehörigen sah — genau das, wofür Le Pen heute den Islam denunziert.

Es ist schwer zu sagen, wie viel Islamophobie Le Pen kreiert und wie viel sie schlichtweg ausgenutzt hat. Säkularität, oder laïcité auf Französisch, ist in Frankreich ein heiliger kultureller und politischer Wert mit Wurzeln, die noch älter als die Fünfte Republik sind. Frauen mit Hijab — ironischerweise so auffällig in ihrer angeblichen Unterdrückung — sind ein leichtes Opfer für Le Pen, die ihre säkulare Vertrauenswürdigkeit jedes Mal steigert, wenn sie gegen den Schleier wettert.

Agnès De Féo, eine Filmemacherin, die seit 2010 das Leben von Frauen dokumentiert, die sich dazu entscheiden, den Niqab, oder die "Vollverschleierung", zu tragen, sagt, dass die Öffentlichkeit den Grundgedanken nicht versteht. Le Pen redet pausenlos von Frauen, die von ihren Männern oder der Religion dahingehend "unterdrückt" werden, Hijab oder Niqab zu tragen. Doch "die Mehrheit aller Frauen [mit Niqab] sind ledig", so De Féo. Oft suchen sie nach einem Ehemann; manchmal sind sie traumatisiert. Viele tragen Niqab trotz der 150 Euro Strafe (und Unterrichtseinheiten zur französischen Staatsbürgerschaft), die ihnen für das Missachten von Frankreichs Verbot der Vollverschleierung blühen. "Ein Teil von ihnen trägt den Schleier, weil sie sich dadurch sicherer fühlen, vor allem vor Belästigung", sagt De Féo. "Das spiegelt eigentlich wider, wie sexistisch die französische Gesellschaft ist. Es besteht keinerlei Verbindung zu diesem imaginären Charakter einer unterwürfigen, verheirateten Frau, den wir haben."

Zumindest fühlten sich die Frauen, mit denen De Féo spricht, mit dem Niqab sicherer, der für gewöhnlich in der Öffentlichkeit getragen und im Privaten abgelegt wird. Im heutigen Klima, so De Féo, tragen Frauen den Niqab üblicherweise in der Nähe ihres Zuhauses, doch legen ihn ab, wenn sie weiter weg müssen, denn sie fürchten durch Nichtmuslime bepöbelt zu werden.

Ela, eine 30-jährige Frau aus Straßburg, sagt, dass eine andere Art von Belästigung ein großer Grund für sie ist, den Hijab zu tragen. "Wenn ich den Schleier trage, dann werde ich als Person und nicht als Objekt oder Körper gesehen. Wenn ein Mann mit mir redet, dann weiß ich, dass er mich nicht anmachen will", sagt sie. "In Frankreich wird so viel über Frauenrechte geredet — die nackten Körper von Frauen sind in der Werbung zu sehen und Leute sagen, dass das Freiheit ist. Für mich ist das Objektivierung. Und wenn wir sagen, dass wir frei sind, weil das Kopftuch unsere eigene Wahl ist, dann glauben uns die Leute nicht."

Die Hijab-Debatte ist geradezu subtil im Vergleich zum letztjährigen "Burkini-Verbot". Nach einem terroristischen Angriff auf eine Parade am Nationalfeiertag verboten mehrere Städte entlang der Französischen Riviera die Ganzkörper-Schwimmanzüge, die muslimische Frauen am Strand trugen; die Polizei verlangte Geldstrafen oder zwang Frauen teilweise, sich zu entkleiden, da sie keine Kleidung trugen, die "guten Sitten" und der "Laizität" entsprechen, so stand es auf dem Strafzettel einer Frau. (Das Verbot wurde vor Gericht nach einigen Wochen entkräftigt.)

Trotz ihrer selbsternannten Pflicht, "den Stummen eine Stimme zu geben", ist Le Pen nicht an den Stimmen unabhängiger mulimischer Frauen interessiert. An ihrer Rhetorik lässt nur weniges darauf schließen, dass sie deren Existenz anerkennt. Kein großer Kandidat kämpft wirklich um ihre Stimmen. "Wir hätten gerne einen Kandidaten gehabt, aber Kandidaten interessieren sich nicht für die muslimische Community", sagte Karma, eine Frau mittleren Alters, die im Zentrum von Paris lebt.

Und darin liegt vielleicht die größte Ironie von allen: Frankreich hat die größte muslimische Community in der EU und viele Muslime teilen dieselbe Ernüchterung gegenüber gängigen Parteien wie andere französische Wähler. Sie haben den Hals so voll, dass sie ihr Stimmverhalten ändern. Fatima Khemilat von Sciences Po in Aix meint, das mache sie zu einem Wählerblock, der nur darauf wartet, beansprucht zu werden.

Es wird eine große Sache aus Le Pens Geschick gemacht, die ehemaligen Feinde ihrer Partei in Verbündete umzumünzen. Sie umwirbt die Community der Homosexuellen sowie Frauen und Mitglieder anderer Minderheiten. Doch Frankreichs annähernd 5 Millionen Muslime — von denen die meisten kein Teil der aktuellen Flüchtlings- und Migrantenwelle sind — sind wohl doch zu viel. Oder anders gesagt: Ihre "anti-islamistische" Haltung, wie sie sie nennt — eine Formulierung, die viele als rhetorischen Kniff interpretieren — ist zu wichtig für ihre Vision und Werte, um sie aufzugeben.

"Wenn man die Angelegenheit rund um den Schleier ignoriert, stehen einige Muslime Le Pen in anderen Angelegenheiten sehr nahe: Sie sind protektionistisch, anti-amerikanisch, gegen Abtreibung, gegen Homosexualität, gegen die EU", so Khemilat. "Doch sie stimmen aufgrund der Islamophobie ihrer Position nicht für sie."

Wenn es ein Gegenstück zu Le Pen in Frankreich gibt, dann ist es Samia Orosemane. Sie ist die, in Frankreich geborene Tochter tunesischer Eltern. Sie ist Muslima. Sie ist Schauspielerin und eine laute, strahlende Person, sowohl wörtlich als auch im übertragenden Sinne. Sie trägt grelleLidschatten-Töne, selbst hinter den Kulissen, und Oberteile mit farbenfrohen, afrikanischen Mustern in Kombination mit einem passenden Turban.

Der Turban ist eigentlich ihr Hijab, den Orosemane erstmals vor 13 Jahren trug. Sie fing mit einem Kopftuch an, doch hasste die Art und Weise, mit der die Leute darauf reagierten. "Leute schauten mich sehr ernst an. In Frankreich ist es eine politische Handlung, einen Hijab zu tragen. Kennst du den Film Nicht ohne meine Tochter? Jeder dachte, ich wäre wie Sally Field", sagt sie und spielt auf die Verfilmung des Bestsellers an, in der es um eine weiße amerikanische Frau geht, die einen Iraner heiratet und während eines Trips nach Teheran von ihrem Mann als Geisel gehalten wird. "Sie halten dich nicht nur für eine verletzliche Frau ... [oder] eine Frau, die unterwürfig ist. Sie halten dich für eine ignorante und dumme Person."

Es ist schwer zu sagen, wie viel Islamophobie Le Pen kreiert und wie viel sie schlichtweg ausgenutzt hat.

Auch Muslime mochten den Look ihres Hijabs nicht, sagte sie, da sie ihn nicht mit den klassischen langen, weiten Roben verknüpfte. Nachdem eine weitere muslimische Frau sie in einem Bus beleidigte, weil sie den Hijab "falsch" tragen würde, hatte Orosemane genug. "Von da an entschied, ich dass es keinen etwas angeht", sagt sie. "Ich trage es so, und keiner weiß, was es ist. Gott weiß es, und das zählt für mich.

Sie hat ihren alternativen Hijab in ihre One-Woman-Show eingebaut, eine witzige einstündige Tour durch Geschichten, die es nicht in den französischen Mainstream schaffen. In einem Land, das von Angst erfasst ist — auf der einen Seite vor Terrorismus, auf der anderen vor Le Pen — regiert Orosemane über einen ungeahnten Raum sozialer Zusammengehörigkeit, einem Raum, der ohne die momentane politische Krise vielleicht nichts Besonderes wäre. Es ist ein Raum mit weißen Menschen und People of Color, wo Paare auf Dates gehen und Teenager die Osterferien verbringen. Sie lachen, wenn Orosemane Witze darüber macht, wie langsam Leute aus der Elfenbeinküste sprechen und wie schnell muslimische Frauen — eigentlich alle Frauen — nach der Heirat dazu gedrängt werden, Kinder zu bekommen.

Es gibt in Frankreich nicht viele Orte, wo Muslime und Nichtmuslime so gemischt dabei zu finden sind, wie sie so direkt — und gesellig — sichtbare Differenzen angehen, die Politiker in soziale Spaltungen verwandeln würden. Orosemanes Geschichten über ihre eigene komplizierte Identität widerlegen Le Pens Vision von muslimischen Frauen — und machen es vielleicht schwerer, Le Pens Islamophobie aufrechtzuerhalten.

"Ich erzähle einfach die Geschichten des heutigen Frankreichs, Geschichten, die manche Leute vielleicht gar nicht kennen" sagte sie. "Ich habe kein politisches Ziel."

Vierhundert Kilometer entfernt geht ein ganz anderes Theater vonstatten, eines mit einem hochgradig politischen Ziel.

Leute sagen, dass eine Marine-Le-Pen-Kundgebung wie ein Rockkonzert ist, und es stimmt, auch wenn sie vor Heuballen steht.

Um die Ballen herum stehen robust aussehende Maschinen — Ein Heuwender mit monströsen, gewundenen Klauen; ein massiver grüner Traktror. Die Ballen sind etwa 3 Meter hoch gestapelt und mit Plastikflaggen und einigen Papierbällen im Rot-Weiß-Blau der französischen Tricolore abgesteckt. Vor dieser Mauer aus Heu steht ein Podium auf einer Traktorladefläche mit sachte absteigenden Holzpaletten als Treppen. Das Ganze fühlt sich an wie ein spontan veranstalteter Sadie-Hawkins-Tanz, bis eine Aufnahme von Marine Le Pen durch die Lautsprecher dröhnt. Leise, spannende Musik ertönt unter ihren Worten, deren Ton irgendwie sowohl unumstößlich stark als auch unwiderstehlich wohltuend ist.

Dann passieren drei Dinge auf einmal: Die Musik bricht mit Trommeln aus. Das Publikum jubelt wild. Marine Le Pen betritt die Bühne.

"Die meisten Frauen werden nicht sagen, dass sie für sie stimmen werden. ... "Exakt so habt ihr Donald Trump bekommen. Exakt so."

Was auch immer du intellektuell von Marine Le Pen hältst — was auch immer du über die Spaltung der EU denkst, über die Ablehnung von Flüchtlingen, über Islamophobie — es ist fast unmöglich, diesem Crescendo von Ton und Action zu widerstehen, unmöglich, nicht dieselben sentimentalen Gefühle zu verspüren, die du auch am Ende eines Filmes hast, wenn der Winzling im Football-Team den meisterschaftsgewinnenden Touchdown erzielt oder der Orca, endlich frei, durch den Ozean springt, perfekt getimed mit diesem Beckenschlag. Es ist schwer, nicht der Spannungskurve zu verfallen, die in diesen Moment gebaut wurde, selbst wenn du glaubst, dass alles davor und danach eine furchtbare Idee ist. Schwer, nicht so dämlich zu sein.

Das Publikum, bereits von ihren Ideen bearbeitet, wurde von einem Audioclip zum Applaudieren kommandiert — getestet, auf eine Fokusgruppe abgestimmt und im Voraus aufgenommen, um einen verlässlichen und konstanten Hit zu landen, egal wie müde oder neben der Spur die echte Marine Le Pen live erscheint, wenn sie auf die Bühne kommt. Es ist fast egal, was sie sagt, wenn sie dann endlich spricht; später gehst du mit der netten Bestätigung deiner eigenen Voreingenommenheit.

Zumindest war das so bei einigen dieser Leute: Der Typ mit dem "Like it or leave"-Hut. Die Frau, bei der die Freundin der Mutter einmal "einen Flüchtling um ein Auto hat laufen sehen und man konnte einfach erkennen, dass er etwas stehlen wollte". Die laute Bohnenstange von einem Mann, die, als Le Pen sagt, sie wolle die Grenzen verstärken, zurückruft, dass sie diese einfach mit Schweinefleisch absichern könne.

Marine Le Pen betritt die Bühne. Französische Flaggen, beim Eingang kostenlos verteilt, wehen wild. Ein paar hundert Stimmen vereinen sich und rufen "Marine Présidente! Marine Présidente!"

Marine Le Pen hat noch kein Wort gesprochen, aber ihre Arbeit ist getan.

Annabelle Azadé steuerte zur Berichterstattung bei.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch.


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Jina Moore is the global women's rights correspondent for BuzzFeed News and is based in Berlin.

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