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„House of Cards“- Autor Beau Willimon beantwortet die wichtigsten Fragen zu Staffel 3

Der Produzent und Show-Runner der Serie erklärt, was es mit den spektakulärsten Szenen der neuen Staffel auf sich hat. Achtung! Massive Spoiler für Staffel 3!

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Staffel 3, Folge 1: Kapitel 27

"Zuerst einmal ist eine der großen Fragen am Ende von Staffel 2, ob Doug [Michael Kelly] noch am Leben ist. Nicht alle Zuschauer haben das so gesehen, aber man sieht Frank auf einen Friedhof gehen und es liegt nahe, dass er Dougs Grab besucht... Für manche Zuschauer ist dadurch die Spannung noch ein bisschen erhalten geblieben. Doch dann erfahren wir, es ist gar nicht das Grab von Doug. Zu diesem Zeitpunkt weiß der Zuschauer zwar immer noch nicht, ob Doug noch lebt oder nicht, aber es ist immerhin klar, dass es nicht sein Grab ist.

Der zweite Punkt ist die Frage des politisches Vermächtnisses, die für Frank im Verlauf seiner Präsidentschaft eine wichtige Stellung einnimmt. Der Begriff "Vermächtnis' taucht hier nicht direkt auf. Aber das Thema klingt eindeutig an, wenn er sagt, "Wenn ich beerdigt werde, dann werden die Menschen Schlange stehen, anders als auf Deiner Beerdigung, bei der außer mir kein Mensch war, Du Loser von einem Vater."

Und wir haben zusammen mit Frank unseren Spaß, wenn auch vielleicht etwas respektlos. Mir war bewusst, dass diese Staffel vom Ton und vom Stil her anders sein würde. Wir wollten das Schwergewicht auf die emotionale Entwicklung der Figuren legen, und auf die dramatischen Dinge, die in ihrem Leben passieren. Am Anfang wollte ich dem Zuschauer erst mal etwas Witziges bieten, ein bisschen Komödie, bevor wir dann für die nächsten 25 Minuten in die ziemlich düstere Geschichte um Doug Stamper einsteigen. Mir war außerdem klar, dass wir Francis, bis auf kurze TV-Spots, 25 Minuten lang nicht zu sehen bekommen würden. Und ich wollte, dass die Zuschauer ein Gefühl für Frank bekommen, so dass man weiß, dass man ihn in dieser Episode noch mal zu sehen kriegt, auch wenn es eine ganze Weile dauert."

Staffel 2, Folge 1: Kapitel 27

"Als wir in die 2. Staffel eingestiegen sind, haben wir einen Moment lang mit dem Gedanken gespielt, dass er stirbt. Wir diskutierten damals über Dougs Entwicklung in der 2. Staffel und uns war bewusst, dass Rachel Posner [Rachel Brosnahan] ein Problem war. Uns hat diese absurde Beziehung zwischen den beiden interessiert, bei der man nicht leicht sagen kann, was es eigentlich ist: Eher etwas Sexuelles? Etwas Väterliches? Geht es um Einsamkeit? Oder ist eine Mischung aus allen drei Elementen? Im Grunde hatten wir keine Antwort auf das Problem Rachel. Und wir wissen ja, wie die Underwoods, und damit auch Doug Stamper, mit solchen Problemen umgehen.

Es war also eigentlich ganz klar, das Doug Rachel am Ende von Staffel 2 umbringen würde. Doch wenn man so eine dramatische Entwicklung plant, ist mein erster Impuls immer zu fragen: "Was ist das Gegenteil von dieser Idee? Ist das entgegengesetzte Pendant dazu erst recht schlimm oder ist es vielleicht sogar noch dramatischer?' Das Gegenteil war, dass Rachel Doug umbringt. Wir wussten nicht, wie das gehen sollte und aus welchem Motiv heraus, aber als ich diese Idee vorbrachte – und es war ein echtes Sakrileg, so etwas für eine Figur vorzuschlagen, die der totale Sympathieträger ist – fiel allen die Kinnlade runter und für ein paar Sekunden herrschte absolute Stille im Raum. Es war so eine Provokation, dass ich sagte: "Ihr wisst, was das heißt, Leute? Sie muss sterben. Wir müssen das umsetzen. Wenn uns das dermaßen beeindruckt, allein schon die Vorstellung, stellt euch die Wirkung auf dem Bildschirm vor!'

Wir haben dann einen halben Tag lang hin und her diskutiert. Können wir das wirklich bringen? Geht es uns gut damit, können wir es verantworten? Stimmt es für die Geschichte? Die Idee war eine Provokation, aber wir wollten sie nicht nur aus Effekthascherei umsetzen. Als nächstes kamen wir darauf, dass eigentlich beides passieren könnte. Wir bauten die Geschichte so, dass Doug Rachel umbringen möchte, und sie dreht den Spieß um. Er bleibt scheinbar tot zurück, aber wir haben die Szene so geschrieben, dass er am Leben ist, wenn Staffel 3 beginnt. Und so haben wir es auch tatsächlich gemacht. Es war die optimale Lösung, weil wir so alles machen konnten, was wir uns vorgestellt hatten."

Staffel 3, Folge 1: Kapitel 27

"Dazu kann ich aus eigener Erfahrung etwas sagen, nicht weil ich auf diese Weise selbst mal Bourbon getrunken hätte, sondern als trockener Alkoholiker. Ich rühre seit 15 Jahren keinen Alkohol an, aber die Kontrolle über die Sucht wird immer ein Teil meines Lebens bleiben. Und Kontrolle spielt ja in Dougs Leben sowieso eine große Rolle. Loyalität und Kontrolle sind die beiden Dinge, die ihm Stabilität geben. Und nun steht er vor einer Entscheidung, die ihn wieder zur Flasche greifen lässt. Er ist dabei, 15 Jahre Abstinenz zu ruinieren und das geht nur, wenn er es vor sich selbst sinnvoll rechtfertigen kann. Deshalb legt er die Menge genau fest, benutzt eine Spritze, statt direkt aus der Flasche zu trinken, und gibt obendrein die Spritze in die Hände einer anderen Person ... Das ist verdreht und bizarr, aber damit kann er sich einreden, dass es etwas Medizinisches ist. Eine Art Behandlung seiner Schmerzen, die nichts mit Trinken zu tun hat. Um den Moment des Absturzes irgendwie erträglich zu machen, ist einem jede Taktik recht, ob rational oder irrational."

Staffel 3, Folge 2: Kapitel 28

"Es ist das erste Mal, dass man die Underwoods beim Sex sieht. Sie hatten natürlich vorher schon Sex, aber bisher gab es keinen Anlass, sie in einer solchen Szene zu zeigen. Generell bauen wir Sexszenen nur dann ein, wenn sie die Geschichte voranbringen und etwas über die Figuren vermitteln, was bis dahin verborgen geblieben ist. Das hat nichts mit Prüderie zu tun, sondern wir möchten einfach keine Szenen schreiben, die nur Effekthascherei sind.

Frank ist in der Szene psychisch sehr angegriffen und fühlt sich extrem verletzlich. Wir haben ihn noch nie so gesehen. Claire dagegen kommt in der gesamten Folge als jemand selbstbewusst, entschlossen und stabil rüber. Als sie Frank findet, könnte der Unterschied zwischen den beiden in ihrem Umgang mit den bevorstehenden Herausforderungen kaum größer sein. Ein bisschen flapsig ausgedrückt, war das für uns die Szene, in der Claire Frank durch Sex wieder Zuversicht gibt.

Auch beim Sex geht es, wie bei allen Dingen, in gewisser Weise um ein Geschäft. Ich spreche oft von Liebe als einem Geschäft, und die Leute verziehen das Gesicht. Sie finden, dass meine Auffassung von Liebe zu kalt und nüchtern sei, dabei sehe ich das gar nicht so. Aber wenn ich jemandem meine Liebe schenke, erbitte ich gleichzeitig Liebe zurück. Zeige ich mich verletzlich, dann tue ich das in der Hoffnung, dass der andere mir im Gegenzug Kraft gibt – und umgekehrt. Man schließt jedes Mal einen Pakt. Wenn beide Seiten gleich viel Liebe geben, und der eine so viel Verletzlichkeit zeigt, wie der andere an Kraft gibt, dann funktioniert das Ganze. Das sind dann die schönen Momente. Aber wenn das Gleichgewicht nicht stimmt, dann gibt's Probleme.

Hier in der Situation sind Claire und Frank im Gleichgewicht. Er fühlt sich schwach, sie fühlt sich stark. Durch die körperliche Vereinigung gibt sie ihm in dem Moment die Kraft, die er dringend braucht. Das mag manchen etwas harsch erscheinen, aber darin liegt, zumindest in meiner verdrehten Sichtweise, auch etwas wunderbar Zärtliches und Schönes. Kann gut sein, dass nicht jeder Zuschauer die Szene so auffasst, aber auf jeden Fall ist es das, worauf wir hinauswollen."

Staffel 3, Folge 3: Kapitel 29

"Es ist jetzt über ein Jahr her, seit wir mit dem Schreiben von Staffel 3 angefangen haben. Meine größte Sorge war damals, dass sich niemand mehr über Russland Gedanken macht, weil es nicht mehr in den Nachrichten sein würde. Deshalb wollte ich den internationalen Teil der Handlung an Russland aufhängen, aber damals waren nur die Olympischen Winterspiele in Sotschi in den Medien. Der Handlungsstrang, den wir im Kopf hatten, beinhaltete eine starke Figur und eine zugkräftige Geschichte, deshalb sind wir bei Russland geblieben. Die Story war schon voll entwickelt, lange bevor der Konflikt mit der Ukraine und die Krim ausbrach. Wie sehr die Story jetzt den tatsächlichen Ereignissen ähnelt, dass ist ein grotesker und wirklich gespenstischer Zufall.

Die Geschichte mit dem Jordantal und dass russische Truppen ohne jede Berechtigung den Teil eines Land besetzen – also ganz ähnlich wie das, was jetzt tatsächlich in der Ukraine passiert – das entsprang alles unserer Fantasie. Wir sind nicht durch reale Ereignisse darauf gekommen. Das Gesetz gegen "homosexuelle Propaganda" hingegen, das gibt es in Russland wirklich – ein total schwammig formuliertes, seltsames Gesetz, mit dem die Regierung quasi alles als Propagierung von Homosexualität vor Kindern auslegen und damit verbieten kann. Was das eigentlich genau heißt, ist völlig unklar und genau darin liegt das Problem, denn das Gesetz wird so zu einem Mittel der Repression. Für uns passt so ein Gesetz genau zu der Art von autoritärem Regime, das Petrov [Lars Mikkelsen] führt – damit wollen wir kein Urteil darüber fällen, was in der Welt passiert, aber diese Haltung passt zu der Geschichte, die wir erzählen.

Wir fanden außerdem die Idee interessant, dass Petrov dieses Gesetz nicht erlässt, weil er damit seinen persönlichen Überzeugungen folgt, sondern weil er es als politisches Instrument nutzen will. Das bekommt eine sehr interessante Dynamik, denn mit dem Gesetz kann er einen Amerikaner verhaften lassen, als Schachzug für politisch viel wichtigere Dinge.

Die eigentliche Debatte zwischen Francis und Petrov in der 6. Folge dreht sich nicht um das Gesetz. Es geht um viel größere Dinge, das neue Gesetz ist nur ein Teil des Plans. Für Claire und für Michael Corrigan [Christian Camargo] dagegen geht es nur um das Gesetz, weil der Mann im Gefängnis sitzt und nur dann eine Chance hat, wieder rauszukommen, wenn er alles verrät, woran er glaubt. Genau deshalb verfolgen wir diese Geschichte, weil wir nur so diese komplexe Dynamik darstellen können."

Staffel 3, Folge 3: Kapitel 29

"Es war überraschend einfach. Ich war auf einer PEN-Gala, auf der Pussy Riot geehrt wurde, und bin einfach frech auf sie zugegangen. Ich saß schon an der Entwicklung dieser neuen Storyline und als ich sie sah, dachte ich, vielleicht gibt es da für Pussy Riot eine Rolle. Wir hatte schon eine Folge mit einem Staatsbankett geplant, und ich wollte noch etwas, was das Bankett stören würde. Dieser Moment des Chaos war mir wichtig. Und als ich die beiden sah, wusste ich sofort, dass sie die perfekte Besetzung dafür waren.

Also ging ich zu ihnen hin, stellte mich vor und sagte: "Ich mache die Fernsehserie House of Cards'. Wie sich herausstellte, waren sie Fans unserer Serie und hatten sich etliche Folgen auf dem Flug in die USA angeschaut. Ich sagte: "Könnt ihr euch vorstellen, zu uns in den Writers' Room zu kommen? Ich würde gerne hören, was ihr von der Geschichte haltet, die wir gerade schreiben. Und ich fände es toll, wenn ihr in der neuen Staffel in einer Folge einen Auftritt habt.' Sie waren sofort voll dabei. Sie kamen zu uns in die Drehbuchentwicklung, wir unterhielten uns vier Stunden lang, sind die komplette Geschichte durchgegangen, und alles war geritzt. Die beiden Frauen sind absolut beeindruckend. In der Folge geht es zum Teil lustig zu, aber die beiden waren zwei Jahre lang im Gefängnis und haben mehrere Hungerstreiks durchgestanden. Nur wenige Menschen bringen den Mut auf, sich so einzusetzen, wie die beiden es getan haben."

Staffel 3, Folge 5: Kapitel 31

"Wir haben wochenlang recherchiert und uns mit vielen Experten unterhalten – Ökonomen, Professoren, politischen Entscheidungsträger, Kongressmitarbeitern. Langsam aber sicher kristallisierte sich dann ein Plan heraus, wie man so eine Idee umsetzen kann. In der Staffel sieht man nur die Spitze des Eisbergs. Wir wollten uns auf keinen Fall zu sehr in die Details verstricken, weil das der Handlung den Schwung nimmt. Unser Ziel war es, nur so viel wie nötig zu erklären, damit man als Zuschauer versteht, was Frank vorhat und welche Dimension dieses Programm hat. Doch damit man die Eisbergspitze richtig verstehen kann, mussten wir uns mit den anderen neun Zehnteln unter der Oberfläche wirklich gut auskennen.

Wir wollten, dass Francis einen kühnen Plan fasst, er sollte etwas richtig Großes versuchen. Mein Vorbild dafür war Roosevelts New Deal aus den 1930er Jahre. Der New Deal war das wahrscheinlich größte innenpolitische Gesetzesvorhaben, das die USA jemals auf die Beine gestellt haben, abgesehen von Lincolns Emanzipationserklärung zur Befreiung der Sklaven. Etwas in dieser Größenordnung erschien uns für Frank Underwood absolut angemessen. Und es sollte etwas klar Verständliches sein, etwas, was seit langem die Gemüter erregt. Wie zum Beispiel die Gesundheitsreform, über die in den USA seit Jahrzehnten debattiert wird. Am Anfang sammelten wir sämtliche Ideen, egal wie bombastisch oder absurd sie waren. Danach redeten wir dann mit den Experten und formten etwas Realistisches daraus.

Natürlich würde man eine Regierungsinitiative von diesem Ausmaß praktisch nie durch den Kongress bekommen. Aber Francis erweist sich immer wieder als jemand, der sagt: "Sie halten das für unmöglich? Passen Sie mal auf!' Übrigens gibt es durchaus Leute, die Pläne für so etwas wie America Works in der Schublade haben. Als Ansatz zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit ist es ziemlich radikal. Aber wir dachten, es wäre interessant, Elemente eines ausgesprochen konservativen Programms (Ansprüche der Bürger an den Staat ruinieren uns finanziell, Sozialleistungen müssen daher neu austariert oder drastisch reduziert werden) mit einer geradezu marxistischen Vorstellung (die Regierung sorgt dafür, dass alle, die Arbeit wollen, sie auch bekommen) zusammenzumixen und beide Denkweisen für ein gemeinsames Ziel einzusetzen. Es gibt Elemente, mit denen jeder ein Problem hätte, aber es gibt auch Punkte, die überall mehr oder weniger gut ankommen. Das ist genau die Art von Situation, die Underwood hervorragend zu nutzen weiß."

Staffel 3, Folge 7: Kapitel 33

"Frank und Claire müssen etwas tun, wenn sie ihre Ehe retten wollen. Sie beschließen deshalb, sich erneut gegenseitige Treue zu schwören. Claire wechselt zu ihrer natürlichen Haarfarbe zurück – die Haarfarbe, mit der sie Frank geheiratet hat. Sie versichert sich selbst damit, wie wichtig diese Zeit in ihrem Leben war. Ein paar Folgen später sagt der Wahlkampfmanager zur ihr: "Als Blondine haben Sie den Leuten in Iowa besser gefallen'. Dieser Satz fällt, als sie gerade als UN-Botschafterin zurückgetreten ist und noch völlig durch den Wind ist. Und er reduziert sie auf ihre Haarfarbe.

Natürlich soll keine der Figuren in House of Cards wirkliche Personen darstellen. Trotzdem gibt es hier eine Analogie zum realen Leben, die für mich eine weiterreichende Bedeutung hat. Wer sich erinnert – während der ersten Amtszeit ihres Mannes wollte Hillary Clinton das Thema Krankenversicherung anpacken. Viele Leute haben sie dafür angegriffen: Sie hätte nicht die Erfahrung, sie nutze ihre persönlich Beziehung zum Präsidenten aus, sie habe kein Recht dazu. Und es sei unverantwortlich, dass der Präsident dies bei einem so wichtigen Thema zulasse. Am Ende konnte sie ihre Pläne nicht durchsetzen. Direkt danach wurde eine Kampagne lanciert, die Hillary als First Lady zeigte, als Hausfrau und Mutter. Es wurden Bilder veröffentlicht, auf denen man sie beim Plätzchenbacken sah. Dabei hatte sie sich noch kurz vorher einer Aufgabe gewidmet, an der ein halbes Dutzend Präsidenten vor Clinton gescheitert waren.

Darin liegt die Eigenart dieser Position in der amerikanischen Politik: Die First Lady hat quasi automatisch sehr viel Macht und Einfluss, aber gleichzeitig wird von ihr erwartet, dass sie sich wie eine Dame verhält. Wie sie in der Öffentlichkeit auftritt, wird genauestens beobachtet und kommentiert. Die Presse berichtet ausführlich darüber, welche Kleidung die Präsidentengattin trägt und was für eine Frisur sie hat. Es ist fast schon absurd. Stellen Sie sich vor, wie sich das anfühlen muss: Sie wollen in der Politik groß rauskommen und etwas Bedeutendes leisten, müssen aber feststellen, dass die Leute sich nur für Ihre Haarfarbe interessieren. Claire hatte sich aus einem sehr persönlichen Grund für eine andere Haarfarbe entschieden, und jetzt muss sie das rückgängig machen, weil die Welt es von ihr erwartet. Wir können uns die Haare schneiden lassen oder einen neuen Pullover anziehen, wann immer wir Lust darauf haben. Aber in der Politik, besonders wenn man First Lady ist, haben Frauen diese Freiheit nicht."

Staffel 3, Folge 10: Kapitel 36
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"Wir lassen ungern unaufgelöste Handlungsstränge zurück, selbst wenn es sich um Meerschweinchen handelt. Außerdem vermissen wir Cashew genau so wie die Zuschauer. Wir haben jedes Szenario durchgespielt, auf allen Ebenen. Eine Frage war: Was passiert mit Cashew, wenn Gavin [Jimmi Simpson] sich aus dem Staub macht? Meiner Meinung nach geht es bei der Szene aber nicht nur um das oberflächliche Vergnügen, dass wir uns fühlen, wenn wir Cashew für einen Moment sehen. Es ist auch ein bestimmender Moment für die Figur. Schon die Tatsache, dass Gavin auch nur darüber nachdenkt, Cashew zurückzulassen und ihn in die Obhut einer fremden Person zu geben, sagt etwas über seinen Charakter aus."

Staffel 3, Folge 10: Kapitel 38

"Dazu sage ich jetzt nichts. Ich glaube, es ist für den Zuschauer viel interessanter, darüber zu spekulieren. Soviel kann ich sagen: Jeder, der einmal im Oval Office war – und ich war mal da – und den Stuhl dort betrachtet hat, der fragt sich, wie es sich wohl anfühlt, auf diesem Platz zu sitzen. Ich habe mich gefragt, wie es ist, das Gewicht der gesamten Welt auf den eigenen Schultern zu tragen. In der 1. Staffel kriegen wir mit, wie Jim Matthews [Dan Ziskie] in das Oval Office eintritt und sich verstohlen für einen Moment auf den Präsidentenstuhl setzt. Wer würde das nicht tun? Dass die Zuschauer sich auch solche Fragen stellen, ist völlig klar, und genau so einleuchtend ist, dass sie vermuten, dass Claire dieser Gedanke durch den Kopf geht."

11. Weil man nur das Ohr sieht, wurde online darüber spekuliert, ob die junge Frau, die Doug beerdigt, gar nicht Rachel ist. Können Sie bestätigen, dass wirklich Rachel in dem Grab liegt?

Staffel 3, Folge 13: Kapitel 39

"Ja klar, jetzt können sich alle die Szene Standbild für Standbild ansehen und spekulieren. Vielleicht liegt es daran, dass ich unsere Absicht kenne, aber für mich ist eindeutig, dass die Frau im Grab Rachel ist. Doug schaufelt Erde in das Gesicht einer jungen Frau. Mal angenommen, es wäre nicht Rachel. Dann hätte er an ihr vorbeifahren müssen, hätte eine uns unbekannte Frau getroffen, sie aus unbekannten Gründen umgebracht und verscharrt... So ein absurdes Szenario wäre, glaube ich, die einzige Möglichkeit gewesen, wie Rachel hätte weiterleben können. Ich denke, es ist ziemlich klar, dass das nicht der Gang der Ereignisse ist, für den wir uns entschieden haben.

[Mit dem Mord an Rachel] habe ich mich die ganze Staffel hindurch schwergetan. Eine ganze Zeit lang wollte Doug Stamper sie gehen lassen. Sie war dabei, ihn davon überzeugen, dass sie wirklich keine gefährliche Hypothek für ihn wäre, dass er ihr vertrauen könne, und dass sie einfach verschwinden würde. Dann kamen wir immer näher an diesen Punkt und filmten mehrere Szenen, in denen Stampers menschliche Seite zum Vorschein trat. Wir bekamen ganz neue Facetten seiner Persönlichkeit zu sehen. Er war nicht mehr nur der getreue, kaltblütige Handlanger. Rachel zu diesem Zeitpunkt gehen zu lassen, hätte überhaupt nicht zu seinem Charakter gepasst. Denn seine Geschichte in Staffel 2 war letzten Endes die Rückkehr in den Schoß der Familie, sozusagen. Allerdings musste er sich die Position erst wieder verdienen. Und das konnte er nur dadurch erreichen, indem er mitschuldig wurde an den Bluttaten seines Chefs ."

Staffel 3, Folge 13: Kapitel 39

"Ich kann nur soviel sagen: Im Zentrum der Serie hat immer die Ehe der Underwoods gestanden. Und diese Ehe ist jetzt in der prekärsten Situation, in der sie jemals war. Sie ist vielleicht sogar vorbei. Wenn die Geschichte weitergehen soll, ergeben sich folgende Fragen: Schaffen die beiden es, sich allein im Leben zurechtfinden? Werden sie wieder zusammenkommen? Welche Konsequenzen hat es, wenn die Underwoods nicht mehr zusammenstehen? Wenn das die Fragen sind, die sich die Zuschauer stellen, dann haben wir exakt das erreicht, was wir erreichen wollten.

Als Show-Runner sehe ich mir immer mal wieder Berichte über Zuschauerreaktionen an. Interessanterweise scheint diese Staffel in ihrer Wirkung eher polarisierend zu sein. Ein Teil des Publikums vermisst offenbar die politischen Machenschaften und Frank und Claire als das unbesiegbare Duo, als das man sie kennt. Das ist vollkommen verständlich. Die Leute möchten gerne das sehen, was sie schon kennen und was ihnen gefällt. Wir wollten aber etwas Neues, etwas Anderes ausprobieren. Wir wollten stilistisch und vom Ton der Serie her neue Wege beschreiten, auch um so das Gefühlsleben der Figuren genauer zu ergründen. Wir sahen das als eine große Gelegenheit, die wir auf keinen Fall verpassen wollten. Ich persönlich denke, dieses Experiment waren wir uns selbst und unserem Publikum schuldig. Das Interessante daran ist, dass die Entscheidung genau den Kern dessen betrifft, was diese Serie eigentlich ausmacht. In Staffel 3 stellt sich heraus, dass es im Grunde die Geschichte dieser Ehe ist, es geht gar nicht so sehr um Politik. Diese Entwicklung führt uns zu viel interessanteren Storys, falls die Serie weitergeht, und wir hoffen, dass uns die Zuschauer genau deshalb treu bleiben. "

House of Cards Staffel 1, 2 und 3 laufen auf Sky bzw. auf Netflix.

In einer früheren Version der Geschichte wurde Michael Kelly irrtümlicherweise als Matthew bezeichnet.

Aus dem Englischen Übersetzt von Michael Wachholz.

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