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So sieht der Winter in Kanada durch die Augen eines syrischen Flüchtlings aus

Hani Al Moulia und seine Familie kamen von einem Flüchtlingslager nach Regina. Sie haben gerade ihren ersten kanadischen Winter erlebt.

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2012 floh Hani Al Moulia mit seinen Eltern, vier Brüdern und seiner Schwester aus Syrien. Sie lebten in einem Flüchtlingslager im Libanon, als Al Moulia sich für einen Fotografie-Kurs anmeldete, der von der UN-Flüchtlingsbehörde angeboten wurde. Bewaffnet mit einer Kamera dokumentierte er das Leben im Lager mit einer Fotoserie, die später von Canadian Journalists for Free Expression (kanadische Journalisten für freie Meinungsäußerung) weiter verbreitet wurde. 2015 kam Familie Al Moulia nach Regina, Saskatchewan, und BuzzFeed Kanada beauftragte ihn, seinen ersten Winter zu dokumentieren.

So sieht der kanadische Winter durch seine Augen und mit seinen Worten aus.

Hani Al Moulia

Wir waren auf einem Highway nahe Regina und ich sah diesen erstaunlichen Himmel mit dem Schnee. Zu dieser Zeit das Jahres haben wir in Syrien nie Schnee gesehen. Wir hatten eine Woche lang Schnee — nicht sechs Monate! Ich finde das richtig lustig.

Hani Al Moulia

Wir waren zum ersten Mal auf einer Eisbahn in der Innenstadt von Regina zum Schlittschuhlaufen. Ich bin oft hingefallen. Es ist toll, in den Bildern zu sehen, wie so viele Menschen aus aller Welt auf traditionell kanadische Art und Weise Spaß haben.

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Hani Al Moulia

Hier ist meine Schwester Lina (19), wie sie das erste Mal beim Eislaufen ist. Zu Hause wäre es ihr peinlich gewesen, Schlittschuh zu laufen und vor allen hinzufallen. In Kanada kann sie ausprobieren, was sie will, ohne sich Sorgen zu machen.

Hani Al Moulia

Das ist mein Freund Mohisen aus Indien. Er hat von mir gelesen und sich bei mir gemeldet, weil er auch an Fotografie interessiert ist. Er ist seit fünf oder sechs Monaten in Kanada, also ist es auch sein erster Winter. Er baut sich hier eine neue Zukunft auf und hat wieder Hoffnung, so wie ich.

Hani Al Moulia

In Syrien hatte ich ein Pferd. Ein Freund hatte eine Farm mit Pferden und eines Tages sagte er, eines wäre meins und ich sollte mich darum kümmern. Der Geruch dieses Pferdes in Regina brachte all die Erinnerungen zurück. In Syrien haben wir arabische Pferde behandelt, als wären sie unsere Kinder.

Hani Al Moulia

Mein Bruder Aschraf (5) ist genauso alt wie die Revolution in Syrien. Er war nie in der Schule. Im Flüchtlingslager konnte er nicht machen, was Kinder normalerweise machen. Jetzt sind wir an einem friedlichen Ort und er macht die Dinge, die er machen will, wie malen und zeichnen.

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Hani Al Moulia

Akram (10) und ich gingen aufs Eis und er begann, um mich herum zu fahren. Früher träumte er davon, Fußballspieler zu werden. Jetzt ist es Eishockey. "Du bist noch jung und Eishockey ist hier extrem beliebt", sagte ich ihm. "Vielleicht kannst du damit etwas anfangen."

Hani Al Moulia

Nach dem Eishockeyspielen stiegen wir zu meinem Vater ins Auto. Akram war müde, aber hatte einen leidenschaftlichen Blick in den Augen. Man kann sehen, wie stolz mein Vater ist, dass Akram sich einer neuen Herausforderung gestellt hat und so gut darin ist.

Hani Al Moulia

Meine Mutter sprach über WhatsApp mit jemandem aus dem Flüchtlingslager und mein Vater schaute sich selbst im Spiegel an. Dieses Foto ist ein Kontrast zwischen unserem Leben hier und unserem Leben im Lager, und dazu, was die Zukunft bereit hält.

Hani Al Moulia

Im Flüchtlingslager arbeitete ich als Schauspiellehrer für UNICEF, um Kindern und Erwachsenen zu helfen, sich auszudrücken. Hier versuche ich es mit Ashraf. Ein Resultat des Krieges ist, dass er bei lauten Geräuschen Angst bekommt. Wir versuchen, dem mit Musik und Schauspiel entgegen zu wirken. Dieses Bild habe ich mit einem Fernauslöser über mein Handy gemacht. Das halte ich in meiner rechten Hand, außerhalb des Bildbereichs.

Hani Al Moulia

Das ist weit oben auf einem Gebäude in Regina. Als wir den Ausblick sahen, sagten wir alle sofort, dass er uns an Homs in Syrien erinnert, wo wir geboren wurden. Dort gab es ein Gebäude, von dem man bei Nacht die gleiche Aussicht hatte.

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Hani Al Moulia

Die Liebe zum Fußball ist in unserem Blut. Mein Vater möchte hier ein Team für Syrer gründen, die spielen möchten. Wir gehen zum Fußballspielen nach draußen, wann immer das Wetter gut ist — nur jetzt nennen wir es "Soccer".

Hani Al Moulia

Mohammed lebte in Homs im gleichen Viertel wie wir, aber wir haben ihn erst getroffen, als wir nach Regina kamen. Es ist sein zweiter Winter hier, aber er sagte mir, dass er sich immer noch nicht an diese Atmosphäre gewöhnt hat. Er redet viel von den alten Zeiten in Syrien

Hani Al Moulia

Mohammed war in Homs Mechaniker und hatte seine eigene Werkstatt. Er sagt, er ging abends viel weg. Es war schwer, ihn so ganz alleine sitzen zu sehen, im kalten Schnee. Die Kälte kommt nicht nur von außen, sondern auch von innen.

Hani Al Moulia

Wir sind mit Mohammed im Park spazieren gegangen. "Wir haben das noch nie gesehen", sagte mein Bruder Hussein. "Alles ist weiß." Im Gegensatz zu Mohammed hatte er keine warme Jacke.

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Hani Al Moulia

Mein Vater bringt Akram zum Eislaufen, wann immer er kann, besonders an den Wochenenden. Er bleibt bei ihm, damit Akram sich nicht einsam fühlt. Im Sommer wird er wieder zum Fußball gehen, aber vielleicht finden wir auch eine private Eisbahn, auf der er eislaufen kann.

Hani Al Moulia

Das ist meine Familie beim ersten Mal Schlitten fahren. Leute halfen uns, indem sie ihre Schlitten teilten, weil wir keine mitgebracht hatten. Da war so viel Schnee und Fröhlichkeit und es war eine sehr multikulturelle Gemeinschaft. Ich habe mich gefreut, alle zusammen zu sehen.

Hani Al Moulia

Das ist meine Familie im Wascana Centre bevor der Schnee kam. Für mich zeigt es, wie wir alles gemeinsam durchgestanden haben — unser Leben in Syrien, das Flüchtlingslager, das Elend und Leid. Jetzt sind wir hier mit einer neuen Herausforderung und wir sind immer noch zusammen.

Hani Al Moulia

Nach allem, was ich durchgemacht habe, hoffe ich jetzt, mit der Fotografie weiter zu machen, als Freiberufler oder Fotojournalist, so wie mein Lehrer Brendan Bannon. Außerdem möchte ich Leuten dabei helfen, sich so gut mitteilen zu können wie ich, weil ich glaube, dass das sehr wichtig ist.

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