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7 Dinge, die ich gelernt habe, weil ich als Kind einen Elternteil verlor

Wenn es um meinen Vater geht, ist meine Erinnerung gleichzeitig mein größtes Gut und mein größter Feind.

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1. Menschen werden Deinen Schmerz unabsichtlich verharmlosen.

Mein Vater starb im Alter von 38 Jahren am 29. September 1999 an Bauchspeicheldrüsenkrebs, 39 Tage vor meinen 7. Geburtstag.

Ich bin immer in die Defensive gegangen, wenn Leute annahmen, dass ich damals die Tragweite des Geschehens nicht verstanden habe. Sie erzählten mir, dass ich "Glück" hatte, weil "es zumindest geschehen ist, als Du klein warst". Und ich bestand in einem vergeblichen Versuch darauf, dass ich mich an alles erinnerte, um meine eigene Erfahrung zu bestätigen. Wenn wir Leid in einer Hierarchie einordnen, machen wir uns alle schuldig: Wir gehen davon aus, dass der Tod im Schlaf nicht so schrecklich ist, wie der Tod durch Krebs. Dass der Verlust eines Großelternteils nicht so tragisch ist, wie der Verlust eines Elternteils. Und wir gehen davon aus, dass der Verlust eines Elternteils als Minderjähriger - wenn Du scheinbar nicht dazu in der Lage bist, die Situation vollständig zu begreifen - kaum schlimmer sein kann, als wenn man als Erwachsener einen Elternteil verliert. Wir wissen alle, was wir eher nehmen würden, oder?

Ich brauchte lange, um zu akzeptieren, dass obwohl ich möglicherweise zu der Zeit nicht alles bewusst erlebt habe, es nichts daran geändert hat, wie ich mich in Bezug auf das Sterben meines Vaters fühlte oder gegenwärtig fühle. Es gibt nicht den einen Weg, wie man Tod erlebt, und ob es Dir gefällt oder nicht, der Schmerz gehört Dir und niemand anderem.

2. Du wirst Deinen Verlust mit der Zeit verstehen werden.

Das Ausmaß meines Verlustes war mir nicht sofort bewusst. Als Kind habe ich den Tod meines Vaters fast gar nicht "betrauert". Ich habe ein oder zwei Mal geweint, dann habe ich weiter gemacht, war zu sehr damit beschäftigt, jung zu sein und die Liebe meiner Mutter und meiner Tante zu genießen. In Wahrheit fühlte ich mich irgendwie glücklich. Ich hatte ein gutes Verhältnis zu meiner Mutter und hatte im Allgemeinen weiterhin eine glückliche Kindheit.

Die Schwere meiner Trauer setzte in kleinen Dosen in zufälligen Abschnitten meines Lebens ein. Zum Beispiel als ich hinten im Auto einer Freundin saß und sie sich mit ihrem Vater darüber unterhielt, was sie zu Abend essen werden. Es geschah, als ich meine Klassenkameraden dabei beobachtete, wie sie ihren Müttern und Vätern am Elternabend hinterherliefen. Es geschah an mehreren Vatertagen, als ich selbstgefällig darüber Witze machte, kein Geld ausgeben zu müssen, und mich dann fragte, wie es wäre, wenn ich tatsächlich einen Vater hätte, für den ich Geld ausgeben konnte. Es geschah immer wieder. Jede Welle traf mich ein wenig härter, so oft, bis ich 13 Jahre nach dem Tod meines Vaters, auf der vorderen Bank bei der Beerdigung meines Großvaters, zu weinen anfing. Ich weinte um jeden Moment, den mein Vater und ich nie hatten, und ich begriff schließlich, wie schrecklich es wirklich war. Einen Elternteil als Kind zu verlieren bedeutet, dass Du Deinen Verlust nach und nach erfährst. Du lernst nicht nur, ohne einen Elternteil zu leben, Du lernst letztendlich auch was es bedeutet, ohne einen zu leben.

3. Du wirst lernen, die Lücken selbst zu füllen.

Meinen Vater im Alter von sechs Jahren zu verlieren bedeutete, dass ich ein fast vollständig unbeschriebenes Blatt hatte, auf dem ich ein Bild davon malen konnte, wer mein Vater war. Ich wusste, dass er studierte, um ein Anwalt zu werden, bevor er starb. Ich wusste, dass er gelegentlich rauchte, und ich wusste, dass er verdammt gut darin war, mich huckepack zu nehmen. Alles andere entnahm ich den bruchstückhaften Erinnerungen aus zweiter Hand von anderen Menschen, um zu verstehen, wer er war und um im Gegenzug zu verstehen, wer ich bin. Offenbar stammen meine Nase und meine Augen von ihm und laut meiner Mutter, sein Lächeln. Oftmals jedoch fühlt sich mein Vater eher wie ein fiktiver Charakter an und nicht wie ein echter Mensch. Jemand, dessen Fähigkeiten ich beliebig ändern kann, um mit meinen eigenen kindischen Fantasien und Launen übereinzustimmen. Mit nur drei Jahren an konkreten Erinnerungen zur Auswahl, kann mein Vater im Grunde genommen die Person sein, die ich mir wünsche.

Ehrlich gesagt bin ich ein wenig froh darüber, dass ich die Fehler meines Vaters nie selbst kennengelernt habe. Er lebte nicht lange genug, um mich zu verletzen, enttäuschen, oder mit mir zu streiten. Er ist der ideale Hauptdarsteller in meiner ausgedachten Geschichte. Meine letzte Erinnerung an ihn ist die von einem sterbenden Mann, der es trotzdem, dass er Minuten vor dem Ende seines Lebens steht, schaffte seiner 6-jährigen Tochter ein kratzendes "auf Wiedersehen" zuzusprechen, als sie zum letzten Mal das Zimmer im Krankenhaus verließ. Welchen Fehler sollte ich darin schon finden?

4. Du wirst Dich vor dem einen Tag fürchten, an dem Du Dich nicht mehr an sie erinnerst.

Nachdem mein Vater starb, spielte ich immer ein Spiel, bei dem ich auf dem Bett saß und mich selbst testete. Ich wollte sehen, wie gut ich mich an sein Gesicht erinnerte. Ich dachte an seine Augen, seine Nase, und stellte mir vor, wie ich mit meinen Händen über jede Falte seiner Stirn fuhr. Im Laufe der Jahre spielte ich das Spiel immer seltener und fing an, mich an immer weniger zu erinnern. Die Einzelheiten seines Gesichts wurden weniger deutlich; ich erinnerte mich nicht mehr an die Klangfarbe seiner Stimme. Das Abbild meines Vaters verwandelte sich von einem knackigen Standbild in ein verschwommenes Aquarell, und ich fürchtete, dass ich ihn vergaß.

Wenn Du als Kind einen Elternteil verlierst, besitzt Du nicht viele Erinnerungen, aus denen Du wählen kannst. Du klammerst Dich an die wertvollen wenigen, die Du besitzt. Und dann gerätst Du in Panik, wenn die Erinnerungen immer mehr verschwimmen. Ich habe eine riesige Angst davor, meinen Vater vollständig zu vergessen. Ich stelle mir vor auf einer geschäftigen Straße an ihm vorbeizugehen und ich frage mich, ob ich ihn überhaupt erkennen würde. Wenn es um meinen Vater geht, ist meine Erinnerung gleichzeitig mein größtes Gut und mein größter Feind geworden.

5. Es ist vielleicht das erste Mal, dass Du lernst, dass Menschen nicht immer ihr Wort halten.

An viele Dinge von der Beerdigung meines Vaters kann ich mich nicht erinnern. Aber so wie es üblicherweise jedes Kind macht, erinnere ich mich an die Versprechungen. Ich werde in Kontakt bleiben; ruf mich jederzeit an; Du kannst mich um alles bitten. Die Worte, die sich aus den Mündern von vielen ergossen, die meine Mutter und mich mit Mitleid ansahen. Es dauerte nicht lange, bis wir ganz alleine waren, und ich sah die meisten dieser Leute nie wieder.

Menschen sagen viele Dinge, die sie in Wahrheit nicht meinen, wenn Du ihnen leid tust. Sie versprechen die Welt und kriegen kaum einen Telefonanruf hin, in Unkenntnis über die Auswirkung, welche diese Art von gebrochenem Versprechen auf ein Kind hat. Ich gewöhnte mich daran wenig zu erwarten, was die Enttäuschung leichter und die angenehmen Überraschungen noch besser machte. Es war meine allererste Lektion in Skepsis und eine, die ich viel zu oft machte.

6. Es wird sehr wenige Menschen geben, die Dich kannten, als Du zwei Elternteile hattest.

Ich habe genau eine Freundin, die meinen Vater kennengelernt hat. Nur eine. Sie kam nach der Schule zu mir nach Hause und er trat ins Wohnzimmer, als wir auf dem Sofa saßen. Sie machte eine Bemerkung darüber, wie groß er war und ich erinnere mich daran, wie ich mit Stolz erfüllt war. Sie ist einer der wenigen Menschen, die mich sowohl davor als auch danach kannten. Seitdem kennt mich jeder neu gewonnene Freund als ein Mensch mit nur einem Elternteil, und es ist ein bestimmendes Merkmal meiner Identität geworden. Wenn ich mich selbst in einem Satz vorstellen müsste, würde ich sagen: "Hi, ich heiße Gena-Mour, ich bin ein Skorpion, und - wir stellen das jetzt mal klar - mein Vater ist tot."

Gelegentlich fühle ich mich so, als würde ein kleiner Teil von all meinen Freundschaften fehlen, als würde man ein Buch anfangen, bei dem das erste Kapitel rausgerissen ist. Egal wie gut mich jeder kennenlernt, sie werden mich nie gekannt haben, als ich einen Vater hatte. Sie spüren, wie ich, nur seine Abwesenheit. Ich bin dankbar für die eine Freundin, die meinen Vater an einem grauen Nachmittag kennengelernt hat. Sie ist die ideale Gedächtnisstütze daran, dass es eine Realität gab, in der meine beiden Eltern zur selben Zeit gelebt haben.

7. Du wirst schließlich lernen mit den Karten umzugehen, die Dir das Leben ausgeteilt hat.

Wenn Du als Kind ein Elternteil verlierst, kannst Du nur hoffen, dass da ein lebendiger Mensch ist, der Dich ausreichend liebt, damit sich Dein Verlust ein bisschen weniger tragisch anfühlt. In den vergangenen 17 Jahren gab es meine Mutter und mich. Die Leere, die mein Vater hinterließ, schaffte Raum für uns, um als zweiköpfiges Team zu gedeihen, als Überlebensmechanismus zusammenzuhalten gegen die gelegentlichen Grausamkeiten des Lebens, und sich so nahe zu sein, wie eine Mutter und eine Tochter es sein können.

Ich stelle mir gerne vor, dass mein Vater uns beide, meine Mutter und mich, jetzt sehen könnte. Und er würde sehen, dass es uns gut geht, und ich vermute, dass er sehr stolz wäre. Solange wir beide hier sind, wird alles gut sein. Und vielleicht noch besser als das, am Ende ist es möglicherweise wirklich gut.

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