back to top

So sieht der Tag einer syrischen Flüchtlingsfamilie in der Türkei aus

Erst vor drei Jahren haben sie Aleppo in Richtung Südostanatolien in der Türkei verlassen.

Gepostet am

Dieser Post beschreibt einen typischen Tag im Leben einer syrischen Flüchtlingsfamilie, die aktuell in der türkischen Stadt Gaziantep wohnt. Dort leben Mohammed (40) und Fatma (39) mit ihren drei Kindern, Bushra (6), Mariam (8) und Mohammed (5) in einem neuen Zuhause.

7 Uhr: Mohammed und Fatma stehen auf.

Mohammed und Fatma trinken jeden Morgen gemeinsam einen Kaffee, bevor Mohammed sich auf den Weg zur Arbeit in einer Seifenfabrik macht. Auf dem Herd bereiten sie traditionell syrischen Kaffee in einer Ibrīq zu.

Die Arbeit in der Seifenfabrik wird stark von der Nachfrage bestimmt - mal gibt es mehr zu tun, mal weniger. Darum nimmt Mohammed jede Gelegenheit für Arbeit dankbar an, egal was es it.

9 Uhr: Die Kinder stehen auf und machen sich für ihren Tag fertig.

Die drei Kinder, Bushra, Mariam und Mohammed, schlafen zusammen in einem Zimmer auf Kissen, die überall auf dem Boden liegen. Am Morgen wird zuallererst gefrühstückt - meistens gibt es warme Milch. Ein wenig später kommen einige Verwandte vorbei, die ebenfalls in Gaziantep leben. Wenigstens drei oder vier Mal versuchen sich die Familien gegenseitig zu besuchen.

11 Uhr: Die Kinder setzen sich an ihre Hausaufgaben.

Mariam, die älteste Tochter, fängt mit ihren Hausaufgaben an - heute steht Mathe auf dem Programm. Die beiden jüngeren Kinder unterrichtet Fatma selber Zuhause, um sie bestmöglich vorzubereiten, bis auch sie zur Schule gehen dürfen.

Fatma und ihre Nichte Hiba schauen sich ein Foto an, auf dem Hiba und ihre ältere Schwester auf einer Hochzeit von Verwandten tanzen. Speziell für diesen Anlass haben ihre Eltern ihr ein brandneues T-Shirt gekauft, das Hiba nur zu ganz besonderen Anlässen anzieht.

13 Uhr: Die Familie trifft sich zum Mittagessen.

Für gewöhnlich gibt es mittags Pide-Brot, Käse und Minze. Gegessen wird auf dem Boden des Zimmers, das die Eltern nachts auch als Schlafzimmer nutzen.

Oft kauft Fatma das Essen auf einem Gemüsemarkt im Stadtzentrum, wo andere Flüchtlinge aus Aleppo kleine Stände und Geschäfte haben. In den Supermarkt geht sie nicht so gerne, denn dort kann sie sich weder mit den anderen Flüchtlingen unterhalten, noch ein bisschen um die Preise feilschen.

15 Uhr: Die Kinder gehen zum Spielen nach draußen.

Die Wohnung hat einen kleinen Garten, in dem Mohammed gerne mit seinem Fahrrad rumfährt oder alle gemeinsam „Backe, backe, Kuchen“ spielen. Ziemlich häufig treffen sie sich auch mit anderen Kindern aus der Nachbarschaft und spielen auf der Straße. In dieser Zeit kümmert sich Fatma um den Haushalt und backt Brot fürs Abendessen.

Bushra (vorne) und Mariam (hinten) sind total aus dem Häuschen, denn ihre Mutter hat die beiden mit neuen Jeans und T-Shirts in ihren Lieblingsfarben überrascht. Neue Kleidung gibt es nur sehr selten - das gilt für alle Familienmitglieder. Meistens haben sie einfach nicht genug Geld. Allerdings tauschen die Kinder manchmal ihre Klamotten mit ihren Freunden aus der Nachbarschaft.

17 Uhr: Mohammed kommt von der Arbeit zurück und alle trinken zusammen Tee.

Danach setzt er sich mit seinen Töchtern vor den Fernseher, um auf einem arabischen Sender Nachrichten aus Syrien zu gucken. Bushra und Mariam mögen es total, mit ihrem Vater fernzusehen, denn währenddessen beantwortet er ihnen alle Fragen, die sie zu den Nachrichten haben.

Mit einem Smartphone kontaktiert Mohammed außerdem jeden Tag seine Verwandten in Syrien, um Sprachnachrichten und Fotos auszutauschen. Sein Sohn mag es gar nicht, Nachrichten aus der alten Heimat zu verpassen und wartet deshalb immer ganz gespannt darauf, dass sein Vater von der Arbeit wiederkommt. Dann checken sie gemeinsam alle neuen News.

20 Uhr: Es ist Zeit fürs Abendessen.

Genauso wie zur Mittagszeit wird immer sehr darauf geachtet, dass geschlossen als Familie gegessen wird. Heute gibt es, wie fast an allen anderen Tagen auch, Reis und Auberginen als Hauptgericht. Ein Mal im Jahr schaffen sie es, genug Geld beiseite zu legen, um sich stattdessen Fleisch zu kaufen.

Manchmal kann sich die Familie allerdings kein Abendessen leisten, weil es nicht immer genügend Arbeit gibt. Dann gibt es abends gar nichts. Für Fatma und Mohammed ist es am Wichtigsten, dass alle ein Dach über dem Kopf haben, sodass sie sich sicher und geschützt fühlen - selbst wenn das bedeutet, etwas mehr Miete als üblich zu bezahlen.

22 Uhr: Die Nachbarn kommen auf einen Tee vorbei.

Es gibt noch ein paar andere syrische Flüchtlingsfamilien in der Gegend, die sich sehr gerne abends abwechselnd besuchen. In harten Zeiten unterstützt man sich gegenseitig und tauscht darüber hinaus Neuigkeiten aus der alten Heimat aus.

23 Uhr: Die Familie geht ins Bett.

Mohammed und Fatma räumen auf und erledigen alle übrig gebliebenen Hausarbeiten, sobald die Kinder sich hingelegt haben, bevor die beiden schließlich selbst schlafen gehen. In der Nacht werden die beiden Zimmer des Hauses zu Schlafzimmern umfunktioniert.

Die Europäische Union hat bisher 348 Millionen Euro für humanitäere Hilfe bereitgestellt, durch die über eine Million der besonders bedürftigen Flüchtlinge in der Türkei das Nötigste zum Leben erhalten. Zur Umsetzung des sogenannten Emergency Social Safety Net (ESSN) arbeitet das UN Welternährungsprogramm mit dem Türkischen Roten Halbmond zusammen.

Dieses Video auf YouTube ansehen

youtube.com

Schau dir dieses Video an, in dem die siebenjährige aus Syrien stammende Nour erklärt, wie genau sie mit ihrer Familie in die Türkei gekommen ist und wie ihr Alltag jetzt aussieht.

Every. Tasty. Video. EVER. The new Tasty app is here!

Dismiss