Paid PostPosted on 25. Okt. 2017

Die 10 krassesten wissenschaftlichen Kooperationen aller Zeiten

Wie viele Wissenschaftler braucht es, um die Welt zu verändern?

1. Internationale Raumstation

NASA / Wikimedia Commons / Via commons.wikimedia.org

Das Programm zur Internationalen Raumstation ist mit Abstand eine der bemerkenswertesten Errungenschaften der Menschheit. Es ist außerdem eine der ehrgeizigsten politischen und wissenschaftlichen Kooperationen aller Zeiten. Seit dem Start im Jahre 1998 sind Raumfahrtorganisationen aus den USA, Europa, Russland und Japan (um nur einige zu nennen), eine wechselnde Besatzung von Austronauten und Besuchern aus 18 Ländern sowie beträchtliche wissenschaftliche Expertise aus weiteren Ländern daran beteiligt. Und bei der ISS treffen nicht nur geistige Leistungen aufeinander, sondern auch materielle Komponenten. Die Teile der ISS werden rund um den Globus gefertigt und gestartet. Einige erreichen bereits den Orbit, bevor andere überhaupt entwickelt wurden. Letztendlich kommt in einer Höhe von etwa 350 km alles zusammen. Wunderschön.

2. Humangenomprojekt

lunarcaustic (CC BY-SA 2.0) / Via Flickr: lunarcaustic

Das Humangenomprojekt wurde 1990 offiziell angestoßen und seither ist in der Biologie nichts mehr so, wie es einmal war. 13 Jahre, 18 Länder und Tausende von Wissenschaftlern später ist die DNS des menschlichen Genoms sequenziert, womit wir die genetische Blaupause einer durchschnittlichen Person in Händen halten. Dank des Ehrgeizes, der Hingabe und der Zusammenarbeit aller am Humangenomprojekt beteiligten Personen kann ein vollständiges menschliches Genom heute an einem einzigen Tag und für einen Bruchteil der Kosten sequenziert werden. Es hat unser Verständnis des menschlichen Körpers und der Auswirkungen von Krankheiten auf Individuen von Grund auf verändert.

3. Millennium Seed Bank Partnership

Hiasindh (CC BY-SA 4.0) / Via commons.wikimedia.org

In den extra angefertigten -20°C-Tiefkühlkammern von Kew Gardens befindet sich die größte lebende Samenpflanzen-Biodiversität der Erde. Es ist ein Bestandslager für Forschung, Zucht und die Zukunft unseres Planeten. Denn im Falle eines Ereignisses mit apokalyptischen Auswirkungen auf die Umwelt werden Samen unsere Rettungsleine sein. Pflanzen bieten nicht nur Nahrung für Mensch und Tier, sondern auch Kleidung, Arzneimittel und Treibstoff. Prince Charles hat es sehr treffend ausgedrückt, als er im Jahr 2000 die Millennium Seed Bank eröffnete - es ist wie eine Goldreserve, in der "das Leben selbst aufbewahrt wird". Das ursprüngliche Ziel, alle im Vereinigten Königreich heimischen Samen zu sammeln, Das nächste Project: Die Konservierung von 25 % aller Pflanzenarten der Erde bis 2020. Und durch die Zusammenarbeit mit 95 lokalen Biodiversitätsprojekten in allen Teilen der Welt ist die Millennium Seed Bank auf dem besten Wege, dieses Ziel zu erreichen.

4. Europäische Organisation für Kernforschung, auch bekannt als CERN

shellac (CC BY 2.0) / Via Flickr: pldms

In der Folge eines verheerenden Krieges schloss sich eine Gruppe bahnbrechender Wissenschaftler zusammen, um die europäische Wissenschaft mit einer radikal neuen Herangehensweise wiederzubeleben. Raoul Dautry, Pierre Auger und Lew Kowarski aus Frankreich, Edoardo Amaldi aus Italien und Niels Bohr aus Dänemark waren unter den Gründungsvätern des CERN. Daraus entstand eine der längsten und erfolgreichsten Kooperationen in der Geschichte der Naturwissenschaft.

Nachdem man jahrzentelang die Ideen und Kosten miteinander teilte, dominiert Europa nach wie vor das Feld der Teilchenphysik mit dem leistungsstärksten Hochenergieteilchenbeschleuniger der Welt - dem Large Hadron Collider - und hat die Existenz des Higgs-Bosons nachgewiesen. Wofür ist das CERN außerdem verantwortlich? Ach, nichts Besonderes ... Nur eine kleine Erfindung namens World Wide Web. Sir Tim Berners-Lee erfand es, um die Zusammenarbeit mit seinen Kollegen am CERN zu erleichtern.

5. Synchrotron-light for Experimental Science and Applications in the Middle East, auch bekannt als SESAME

IAEA Imagebank (CC BY 2.0) / Via Flickr: iaea_imagebank

Das SESAME ist ein neues kooperatives Forschungszentrum in Jordanien nach dem Vorbild des CERN. In diesem Teil der Welt, der von politischen Spannungen geprägt ist, ist Jordanien das einzige Land, das mit allen übrigen Gründungsmitgliedern - Bahrain, Zypern, Ägypten, Iran, Israel, Pakistan, dem Palästinensischen Autonomiegebiet und der Türkei - durchgehend freundschaftliche Beziehungen pflegt. SESAME ist eine andere Art der Zusammenarbeit. Es nutzt Wissenschaft, um den Frieden im Nahen Osten zu fördern. Gemeinsam nutzen Wissenschaftler aus der gesamten Region ihre neuen super-intensiven Lichtstrahlen, um die Eigenschaften der Materie zu untersuchen, indem sie gemeinschaftlich Experimente auf verschiedenen Gebieten von der Physik über die Medizin bis hin zur Archäologie durchführen.

6. International Cancer Genome Consortium

S. Gschmeissner, K. Hodivala-Dilke & M. Stone / Wellcome Images / Via wellcomeimages.org

Krebs stellt sich in jedem Körper anders dar. Die einzigartige Zusammenstellung unserer Gene bewirkt, dass die gesunden Zellen der einen Person zu Krebszellen mutieren, während die Zellen einer anderen Person dies nicht tun. Durch die Sequenzierung der DNS von Zellen in verschiedenen Stadien des Lebenszyklus eines Tumors will das International Cancer Genome Consortium die genetischen Auswirkungen von 50 häufigen Krebsarten aufzeichnen - um eines Tages endlich herauszufinden, wie und warum es zu Krebs kommt. Es ist eines der ehrgeizigsten biomedizinischen Forschungsvorhaben aller Zeiten und eines mit echten Auswirkungen auf unsere Welt. Bei diesem riesigen globalen Vorhaben arbeiten Institutionen von Saudi Arabien bis Spanien zusammen an jeder Krebsart. Falls wir diese schreckliche Krankheit jemals besiegen, müssen wir womöglich dem ICGC dafür danken, dass es den Kampf gegen den Krebs wahrhaft demokratisiert hat.

7. Kernspaltung - Lise Meitner, Otto Frisch, Otto Hahn und Fritz Strassmann

Wikimedia Commons / Via commons.wikimedia.org

Damals im Dezember 1938 vereinigten diese Angehörigen verschiedener Forschungsgebiete ihr umfangreiches Fachwissen in Physik und Chemie an der Stelle, wo sich beide überschneiden - Atome. Nach ihrer Flucht vor dem Nazi-Regime nach Stockholm schafften die Physikerin Lise Meitner und ihr Neffe Frisch einen Durchbruch. Ihr guter Freund Otto Hahn, ein Nuklearchemiker, hatte ihr einen Brief geschickt, in dem er die unerklärten Beobachtungen beschreibt, die er und Strassmann gemacht hatten, als sie Uran mit Neutronen beschossen. Meitner und Frisch erkannten, dass sich die Beobachtung der beiden Chemiker dadurch erklären ließ, dass sich ein Teil der Masse eines Atoms bei seinem Zerfall in Energie umwandelt. Sie bezeichneten diesen Vorgang als Kernspaltung. Obwohl ihre Entdeckung den Weg für die atomare Kriegführung ebnete, sagte Meitner bekanntermaßen: "Mit einer Bombe will ich nichts zu tun haben".

8. Human Cell Atlas

ZEISS Microscopy (CC BY 2.0) / Via Flickr: zeissmicro

Wie würde eine Karte von allen Zellen im menschlichen Körper aussehen? Diese Frage möchte der Human Cell Atlas beantworten. An diesem neuen Projekt ist eine Kooperation führender Wissenschaftler unter der Leitung der Computerbiologin Dr. Aviv Regev und der Zellgenetikerin Dr. Sarah Teichmann beteiligt. Bisher weiß man nicht einmal genau, wie viele verschiedene Zelltypen es überhaupt gibt - vermutlich Tausende -, daher kann man mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass dieses Projekt erst in einigen Jahrzehnten abgeschlossen sein wird. Aber wenn es soweit ist, werden die Daten dank der Chan-Zuckerberg-Initiative (ja, der Zuckerberg) online für jeden frei zugänglich sein. Der Human Cell Atlas wird eine umfassende Enzyklopädie mit Daten zu jedem einzelnen Aspekt jedes einzelnen Zelltypus sein. Die Auswirkungen, die das auf alle Bereiche der Medizin haben wird, kann man sich kaum ausmalen.

9. LIGO Wissenschaftliche Kooperation

NASA / Ames Research Center / C. Henze / Wikimedia Commons / Via commons.wikimedia.org

Das LSC wurde 1997 als Organisationskomitee für die LIGO-Observatorien gegründet - vor allem in den USA, Italien und Deutschland. LIGO steht für „Laser-Interferometer Gravitationswellen-Observatorium". Oder, für unsereins: „Wissenschaftler, die kosmische Gravitationswellen nachweisen, die die Raumzeit kräuseln und durch die Kollision von Milliarden von Lichtjahren entfernten Schwarzen Löchern entstehen". Einfach unglaublich ...

Rainer Weiss, Barry Barish und Kip Thorne wird die offizielle Entdeckung von Gravitationswellen zugeschrieben, wofür das Trio 2017 mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Was ist daran so besonders? Nun können wir tief in das Universum "hineinhören". Wir müssen es nicht sehen. Außerdem wurde dadurch die letzte verbleibende Vorhersage in Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie bestätigt. Soetwas schafft man nur durch internationale Zusammenarbeit. Der letzten Statistik nach hat das LSC insgesamt 1167 Mitarbeiter von 103 Einrichtungen aus 18 Ländern.

10. Das International Brain Laboratory

Helmut Januschka / Wikimedia Commons / Via commons.wikimedia.org

Es klingt wie aus einem dystopischen SciFi-Roman, aber das International Brain Laboratory löst eines der größten Rätsel der modernen Wissenschaft. Obwohl es gerade erst gegründet wurde, versprechen seine Entdeckungen, unser Verständnis vom Gehirn und der Entscheidungsfindung zu revolutionieren. Das ursprüngliche Projekt des virtuellen Labors erscheint trügerisch simpel - die Untersuchung der Aktivität einzelner Neuronen eines Mäusehirns, das grundlegende Funktionen erfüllt. Da es sich dabei aber um bis zu 75 Millionen Neuronen handelt, nehmen 21 Gruppen weltweit führender neurowissenschaftlicher Labors die Aufgabe in Angriff, wobei sie mit 10 Millionen Pfund vom Wellcome Trust und der Simons Foundation gefördert werden. Das ist eine ernstzunehmende Kooperation.

Internationale Kooperationen sind heute mehr denn je unerlässliche Voraussetzung für Wissenschaft und Innovation. Forscher erreichen mehr, wenn sie zusammenarbeiten. Lies mehr darüber und folge Together Science Can auf Twitter unter @togetherscican.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch.