Er wollte bei JD Sports arbeiten - doch der Filialleiter will angeblich keine Schwarzen einstellen

    „Dass ich so abgelehnt werde, habe ich noch nie erlebt.“

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    Update: Inzwischen hat das Unternehmen JD Sports auf Facebook Stellung bezogen:

    facebook.com

    Eigentlich wollte Landu João in einer Filiale des Sportmodenhändlers JD Sports in Köln zur Probe arbeiten. Dann hieß es angeblich, Schwarze seien grundsätzlich nicht erwünscht.

    Am vergangenem Wochenende ging eine Videoaufnahme eines WhatsApp-Chats viral, in der eine Stimme im Hintergrund erklärt, „Wir nehmen keine Schwarzen mehr an.“

    Let me bring you on some new Bullshit @JDSportsDE Wuz good???

    Dem Anschein nach erklärt jemand per Sprachnachricht, dass Schwarze Mitarbeiter in der Vergangenheit geklaut hätten. In dem Screenshot ist von dem Absender außerdem ein Bild Adolf Hitlers zu sehen.

    Dieser Screenshot stammt laut dem 27-Jährigen Kölner Landu João aus dem Nachrichtenverlauf mit einem Bekannten.

    Facebook: 1394319766

    Dieser hatte für ihn einen Termin arrangieren sollen, um bei einer JD Sports-Filiale in Köln zur Probe zu arbeiten, erklärt João in einem Live-Video auf Instagram.

    Der Filialleiter habe ihn jedoch abgelehnt, ohne vorher ihn oder seine Bewerbungsunterlagen gesehen zu haben – wegen seiner Hautfarbe.

    „Er hört nur, dass ich Schwarz bin, und daraufhin sagt er, ich soll nicht kommen, und schickt noch so ein beschämendes Bild?“ Das habe er nicht auf sich sitzen lassen wollen, weshalb er einen Freund kontaktiert hätte, der ebenfalls in dieser Filiale angestellt sei. Dieser habe den Screenshot weiter verbreitet, wodurch sowohl das Bild, als auch die Sprachnachricht viral gingen.

    Er habe sich wie „minderwertige Ware“ gefühlt, sagt João in dem Video unter Tränen.

    „Dass ich so abgelehnt werde, habe ich noch nie erlebt“, erklärt er gegenüber BuzzFeed Deutschland.

    Auf Instagram zeigt er sich dankbar gegenüber all jener, die ihm ihre Unterstützung ausgesprochen hätten. Dennoch hätten ihm andere vorgeworfen, sich die ganze Sache ausgedacht zu haben, was João vehement abstreitet.

    Landu João sagt gegenüber BuzzFeed, er habe nun Strafanzeige wegen Beleidigung und der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen erstattet. Die Beamten hätten die Sache sehr ernst genommen, sagt er gegenüber BuzzFeed: „Da hat man sich stärker gefühlt.“

    Vanessa A.*, die ebenfalls in der Filiale arbeitet, und sich nach Veröffentlichung des Screenshots bei João gemeldet hatte, hat ihn zum einen zur Polizeiwache begleitet und zum anderen eine Internetpetition gestartet. Sie fordert eine Suspendierung des Filialleiters und seines Stellvertreters.

    Im Gespräch mit BuzzFeed wirft die JD Sports-Mitarbeiterin den beiden vor, Bewerber bereits öfter wegen ihrer Hautfarbe aussortiert zu haben. „Ich habe das vorher schon mitbekommen. Bei Leuten, die zur Probe arbeiten möchten, wird im Vorfeld gefragt, ob sie Schwarz sind.“ Sie habe den Leiter der Filiale darauf angesprochen. „Er meinte, er sei nicht rassistisch und hat sich rausgeredet, von wegen, er habe nur schlechte Erfahrungen gemacht,“ so A.

    Da der Kontakt zur Personalabteilung nur über den Filialleiter zustande käme, sei es schwierig, diese Vorwürfe der Unternehmensleitung zu kommunizieren.

    *Vanessa A. möchte nicht ihren vollen Namen nennen, weil sie noch in dem Unternehmen arbeitet

    Der Vorfall hat auf Instagram große Wellen geschlagen. Rapper Xatar und auch Rapperin Nura haben das Thema in ihren Insta-Storys aufgegriffen. Aminata Belli, Moderatorin bei MTV und beim ZDF, hat sich dazu ebenfalls geäußert.

    „So ein Typ muss gefeuert werden, das ist das Mindeste, was ich erwarte,“ so João in seinem Live-Video.

    Allerdings betonte er, er befürworte keine Gewalt oder irgendwelche Aktionen, die sich gegen den beschuldigten Filialleiter richten.

    BuzzFeed gegenüber hat João angekündigt, sich bei einer Antidiskriminierungsstelle beraten lassen zu wollen.

    „Ich möchte die richtigen Schritte gehen, damit das Unternehmen zur Verantwortung gezogen wird. Es geht nicht nur um mich, sondern um Leute, die dort aktuell arbeiten.“

    Bisher habe JD Sports nur mit einer standardisierten E-Mail auf ihn und andere reagiert, die sich in der Sache bei dem Unternehmen beschwert hatten. Auf Instagram hatte João bereits betont, er fordere eine persönliche Entschuldigung – nicht nur bei ihm, sondern auch bei Mitarbeiter*innen, die Rassismus in dem Unternehmen erfahren hätten.

    „JD Sports muss für alle Leute gerade stehen, die sie repräsentieren.“

    BuzzFeed Deutschland hat JD Sports kontaktiert. Dort heißt es, der Fall sei bekannt und werde aktuell noch geprüft.

    BuzzFeed Daily

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