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Dieser Tweet zeigt, wie oft Frauen von Partnern als psychisch krank dargestellt werden

Die Antworten machen deutlich, wie häufig Frauen einfach mit etwas „diagnostiziert“ werden, um ihre Reaktionen abzuwürgen.

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Nicole Schöndorfer ist eine Journalistin, die sich intensiv mit dem Thema häuslicher Gewalt und den davon Betroffenen auseinandersetzt. Sie hat sich vor Kurzem mit einer Aufforderung an Frauen auf Twitter gewendet:

Auslöser sei der Fall von Roman Rafraider. Der österreichische Moderator wurde kürzlich von seiner Exfreundin wegen Körperverletzung und gefährlicher Drohung angezeigt. Er hat sich in Interviews lang und breit zu den Vorwürfen geäußert.„Ich war fassungslos darüber, wie er sich darin über diverse psychische Probleme der Betroffenen äußert“, so Schöndorfer gegenüber BuzzFeed.
Twitter: @nicole_schoen

Auslöser sei der Fall von Roman Rafraider. Der österreichische Moderator wurde kürzlich von seiner Exfreundin wegen Körperverletzung und gefährlicher Drohung angezeigt. Er hat sich in Interviews lang und breit zu den Vorwürfen geäußert.

„Ich war fassungslos darüber, wie er sich darin über diverse psychische Probleme der Betroffenen äußert“, so Schöndorfer gegenüber BuzzFeed.

Sie spricht von „Gaslighting“, was eine Form des emotionalen und psychischen Missbrauchs ist. Dabei wird eine Person gezielt so verunsichert, dass sie ihrer eigenen Wahrnehmung nicht mehr traut.

Oft würden dabei Gender-Stereotype bemüht, also „Hysterie“ und Emotionalität. Von “Nein, das bildest du dir ein!” über “Das habe ich niemals gesagt!” zu“Du übertreibst!”, erklärt Schöndorfer.

„Damit wird auch eine emotionale Abhängigkeit erzeugt, weil man als Betroffene das Gefühl hat, dass man selbst etwas falsch gemacht und dem ,Täter' Unrecht getan hat. Das macht einen kaputt. Besonders dann, wenn man ein großes Harmoniebedürfnis hat.“

Auch in ihrem persönlichen Umfeld begegnen Schöndorfer ähnliche Geschichten.

„Eine Freundin hat gerade ihren Ex angezeigt. In seiner Aussage bei der Polizei hat er ihr sämtliche Krankheiten attestiert.“ So sei sie auf ihr kleines „Twitter-Experiment“ gekommen. Schöndorfer sagt, sie habe weitaus mehr Retweets als Favs erwartet, betont allerdings, dass viele der Favs von Männern stammen, „entweder, weil sie es gut gemeint haben, oder einfach das Ergebnis verzerren wollten und nicht akzeptieren konnten, dass sie hier nicht gefragt wurden.“

Ihr Aufruf hat neben hunderten von Retweets und Favs auch für etliche Antworten gesorgt.

Und einige davon sind wirklich unfassbar ...

Sie zeigen, wie häufig Frauen einfach mit irgendetwas „diagnostiziert“ werden, um ihre Reaktionen abzuwürgen.

Die Begründungen sind meistens sehr seltsam.

Und irgendwie kommt einem das alles bekannt vor.

Über die Resonanz ist die Journalistin sehr froh.

„Die Reaktionen sind großartig. Traurig und furchtbar und belastend, aber großartig in dem Sinne, dass sie geteilt wurden. Es ist alltäglich für Frauen, dass ihre Reaktionen, Gefühle und Entscheidungen pathologisiert werden.“ Ihnen würden psychische Krankheiten aller Art unterstellt, um sie weniger glaubwürdig zu machen und sie abzuwerten.

Auch in Beziehungen erlebe sie immer wieder Gaslighting, so Schöndorfer. „Eigentlich so gut wie alle Frauen, die ich kenne. Und ja, viele wissen nicht, dass das psychischer Missbrauch ist. Sollten sie aber.“

Das Thema passt zu Natalie Portmans viel gefeierter Rede bei der Veranstaltung "Power of Women" des Magazins Variety. Dort rief sie dazu auf, die Art zu ändern, wie wir über Frauen sprechen.

„Wenn ein Mann über eine Frau sagt, sie sei schwierig oder verrückt, frage ihn: ,Was hast du ihr angetan?‘.“

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„Das sind Codewörter, um ihrer Reputation zu schaden.“

Saba MBoundza ist Senior Publishing Strategist bei BuzzFeed und lebt in Berlin.

Contact Saba MBoundza at saba.mboundza@buzzfeed.com.

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