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So (un)realistisch werden psychische Krankheiten in TV-Serien dargestellt

Im Fernsehen sieht es witzig aus, wenn Monk eine Zwangsstörung hat und wir fiebern mit Carrie aus Homeland, die unter manischen Depressionen leidet. Aber wie ist es, wirklich mit diesen Problemen zu leben?

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Zwangsstörungen kennst Du aus dem Fernsehen von Monk. Aber Jara leidet im echten Leben daran.

Screenshot Youtube / Jara Dea / Via youtube.com

Was ist eine Zwangstörung?

Dr. Niklas Gebele, Diplompsychologe und psychologischer Psychotherapeut, sagt: „Bei Zwangsstörungen können Zwangsgedanken, Zwangshandlungen oder beides auftreten. Meist treten sogenannte Zwangsrituale in den Vordergrund. Zum Beispiel das symmetrische Anordnen von Gegenständen.”

Auf ihrem YouTube-Channel stellt Jara ihren Tag für Dich nach:

"Zwangsstörungen können bei jedem anders sein."

"Viele Leute können sich gar nicht vorstellen, wie es ist mit einer Zwangsstörung zu leben."

"Bestes Beispiel Zähneputzen: Ich denke, dass auf meiner Zahnbürste Dinge sind, die mich krank machen. Das heißt, dass ich meine Zahnbürste extrem oft ausspülen muss, damit ich das Gefühl habe, dass sie sauber ist."

"Ich habe einen Waschzwang."

"Ich habe ein Händewaschritual."

"Ich wasche immer erst die linke Hand und dann die rechte."

"Ich habe es mit Zahlen. Ich wasche immer dreimal, dann zweimal und noch zweimal."

"Beim Duschen habe ich Angstgefühle."

"Ich habe Angst, nicht sauber zu sein."

"Dieses Gefühl ist wie so ein Druckgefühl, das zunehmend schlimmer wird und wie ein körperlicher Schmerz wirken kann."

"Man fühlt sich damit völlig alleine."

"Ein Zwang ist etwas furchtbares für denjenigen der ihn hat, weil er den ganzen Alltag bestimmen kann."

Und so stellt sich Hollywood eine Zwangsstörung vor: Adrian Monk ist der Hauptcharakter der Krimi-Serie Monk und hat Zwangsstörungen.

Universal Cable Productions

Was haben Monk und Jara Dea gemeinsam?

Monk und Jara Dea haben Angst vor Schmutz. Monk hüllt seine Möbel in eine Schutzfolie und Jara Dea muss ihre Zahnbürste ewige Zeiten ausspülen oder ihre Hände ständig waschen.

Monk und Jara Dea bekommen Panikzustände. Monk bekommt alleine beim Gedanken an einen Zahnarztbesuch Herzrasen. Und auch Jara Dea kennt große Ängste. Sie wacht morgens mit ihnen auf und Angst vorm Duschen oder davor, nicht sauber zu sein.

Worin unterscheiden sich Monk und Jara Dea?

Monk scheint nicht unter seinen Zwängen zu leiden. Bei Jara Dea sieht das ganz anders aus. Sie sagt, dass ein Zwang wie ein körperlicher Schmerz wirken kann.

Der Tod seiner Frau hat bei Monk die Zwangsstörungen und Ticks erst richtig verstärkt. Oftmals führen schon Kleinigkeiten zu solchen Zwängen, aber Jara Dea erzählt zumindestens auf YouTube nichts von einer dramatischen Vorgeschichte.

Monk muss Gegenstände symmetrisch anordnen. Im Gegensatz dazu hat Jara Dea einen Waschzwang. Denn nicht immer muss eine Zwangsstörung auch dazu führen, dass eine Person einen Ordnungs-Tick bekommt.

Monk hasst Staub. Er hat eine Besensammlung. Jara Dea hat zwar ein Sauberkeits-, aber kein spezielles Staubproblem.

Sowohl bei Monk als auch bei Jara Dea drückt sich die Zwangsstörung in sichtbaren Handlungen aus. Dies muss nicht bei allen Betroffenen der Fall sein.

Justin hat das Asperger-Syndrom und erzählt auf YouTube, wie es sein Leben bestimmt.

Screenshot Youtube / Justin Müller / Via youtube.com

Was ist das Asperger-Syndrom?

Das Asperger-Syndrom ist eine Form von Autismus, einer Entwicklungsstörung. Zu den Symptomen gehören laut Psychiatern und Psychotherapeuten Mangel an Empathie, Schwierigkeiten im Umgang und der verbalen Kommunikation mit anderen Menschen, Spezial-Interessen, begrenzte Phantasie und motorisches Ungeschick.

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Auf YouTube erzählt Justin, wie Asperger seinen Alltag beeinflusst:

"Ich unterbreche Gespräche aus Versehen ohne es überhaupt zu merken und ich gehe anderen damit auf die Pelle und nerve sie."

"Handwerklich kann ich nichts."

"Das Feinmotorische fällt mir sehr schwer."

"Ich esse oft immer die selben Sachen zur selben Uhrzeit. Für mich heißt das: Morgens Schinkenwurst, mittags Schinkenwurst, abends Schinkenwurst."

"Auf Menschen zuzugehen, fällt mir sehr schwer."

"Schule war ein absoluter Alptraum. Ich wurde gemobbt."

"Meine Wahrnehmung beim Hören und Riechen ist höher als bei anderen. Ich rieche intensiver und höre Geräusche, die andere nicht (...) warnehmen."

"Ich habe eine schnelle Auffassungsgabe."

"Ich lasse andere Menschen nicht zu Wort kommen."

"Es ist hart ein Autist zu sein, ich komme damit zu recht, aber man muss es auch wollen."

Und so sieht Autismus bei Sheldon Cooper aus, wenn man von der Deutung von Dr. Niklas Gebele ausgeht.

CBS

Was haben Sheldon und Justin gemeinsam?

Sheldon hält sich an seine festgelegten Abläufe: Das Zubereiten von Hühnersuppe, Einreiben der Brust und das Singen des Katzentanzlieds. Justin sagt, er esse morgens, mittags und abends nur Schinkenwurst.

Sheldon fehlt Empathie. Selbst ein kleiner Smalltalk mit Penny fällt ihm schwer. Aber er versucht ein besseres Verhätnis zu ihr zu entwickeln. Justin hatte ebenfalls Probleme auf andere Menschen zuzugehen. Aber das entwickle sich so langsam, sagt er.

Sheldon ist ein Genie. Justin hat eine schnelle Auffassungsgabe und ist, wie er sagt, sehr gut in Mathematik.

Worin unterscheiden sich Sheldon und Justin?

Sheldon versuchte bereits als Kind „komplexe Geräte, wie ein Röntgengerät, einen akustischen Todesstrahl, einen Kernreaktor und einen Hochleistungsofen zu bauen.” Im echten Leben hat Justin Probleme mit seiner Feinmotorik.

Sheldon fühlt sich allen überlegen und denkt, dass ihm nur Stephen Hawking das Wasser reichen kann. Justin ist bescheiden.

Sheldon ist zu selbstbewusst, um gemobbt zu werden und schloss schon mit 14 Jahren das College ab. Justin sagte „Schule war mein absoluter Alptraum.”

Sheldon ist pedantisch und hält an bestimmten Gewohnheiten und Regeln, wie der Mitbewohnervereinbarung fest. Justin hat von nichts dergleichen erzählt.

Jasmin Christin leidet unter ADS und spricht darüber auf YouTube.

Screenshot Youtube / Jasmin Christin / Via youtube.com

Was ist ADS?

Ausgeschrieben heißt es Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom.

Erkennbar unter anderem an diesen Symptomen: Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwächen, Impulsive Verhaltensweisen und Ausgeprägte Unruhen, sagen Psychiater und Psychotherapeuten. Wichtig ist, dass diese Symptome bei vielen Kindern und Jugendlichen in der Entwicklung vorkommen können. Aber wenn die Symptome anhalten und stärker werden, geht es in den Bereich einer psychischen Erkrankung.

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Das sagt Jasmin Christin über ihr Leben mit ADS:

"Ich habe in der Schule Probleme mit der Aufmerksamkeit gehabt."

"In meinen Zeugnissen stand drin, dass ich viel mit meiner Nachbarin spreche und viel träume."

"Ich habe früher auch viel gekifft. Ich konnte meinen Kopf abschalten und musste nicht immer nachdenken. Ich habe mich dadurch entspannt."

"Ich schweife immer ab."

"Ich habe mich immer gefragt, warum kann ich nicht auch so locker und frei sein wie die anderen."

"Besonders gespürt habe ich die Erkrankung, als ich Mutter geworden bin."

"Es ging mir schlechter, ich bekam Depressionen."

"Der Stress schreiender Babys und diese Überforderung (...) haben bei mir zu Panikattacken geführt."

"Es ging mir sehr schlecht."

Jesse Pinkman aus der Serie Breaking Bad fällt es oft schwer, sich zu konzentrieren und auf spezielle Dinge zu fokussieren. Dr. Niklas Gebele erkennt darin Symptome von ADHS. Das ist ein ADS, zu dem Hyperaktivität kommt.

Sony Pictures Television / AMC

Was haben Jesse Pinkman und Jasmin Christin gemeinsam?

Jesse und Jasmin Christin hatten Probleme in der Schule. Jesse, weil er schon damals mit Meth dealte und von der Schule flog. Jasmin Christin, weil sie Probleme hatte dem Unterricht zu folgen.

Jesse kann sich nie ausschließlich auf das Meth-Kochen konzentrieren. Immer ist er abgelenkt, immer wartet irgendwo ein anderes großes Ding auf ihn. Jasmin Christin hat in der Schule lieber mit ihrer Freundin gequatscht, als im Unterricht aufzupassen.

Jesse leidet genau wie Jasmin Christin aus Stressgründen immer wieder an Depressionsschüben. Bei Jesse werden sie allerdings durch Drogensucht und das brutale Drogengeschäft beeinflusst. Jasmin Christin bekam Depressionen, weil sie von ihren schreienden Babys überfordert war.

Beide haben Gras geraucht, um sich zu entspannen und den Kopf frei zu kriegen.

Worin unterscheiden sich Jesse Pinkman und Jasmin Christin?

Dr. Niklas Gebele vermutet, dass Jesse hyperaktiv ist, da er ständig unruhig und angespannt wirkt. In dieser Deutung hat Jesse ADHS und nicht "nur" ADS. Jasmin Christin legt auf YouTube Wert darauf, dass sie nicht unter Hyperaktivität leidet und ADS, aber kein ADHS hat.

Jesses gesamtes Leben gerät aus den Fugen, weil er oft so unkonzentriert handelt, dass er entweder fast draufgeht oder die Polizei ihn schnappt. Zum Beispiel vergisst er immer wieder Beweisstücke verschwinden zu lassen. Jasmin Christin hat ihre Probleme in den Griff bekommen und klärt auf YouTube über ADS auf. Ihr Leben ist kein Chaos.

In Homeland hat CIA-Agentin Carrie Mathison manische Depressionen. Alex kennt diese Erkrankung von seinem Vater. Auf YouTube berichtet er, wie das Leben mit einem manisch depressiven Menschen wirklich ist.

Screenshot Youtube / EinfachAlex / Via youtube.com

Was heißt eigentlich depressiv sein?

Eine Depression ist eine weit verbreitete psychische Störung, die durch Traurigkeit, Interesselosigkeit und Verlust an Genussfähigkeit, Schuldgefühle und geringes Selbstwertgefühl, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und Konzentrationsschwächen gekennzeichnet sein kann, sagt die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Was ist eine Manische Depression, auch bipolare Störung genannt?

Dr. Niklas Gebele sagt dazu: „Die Bezeichnung bipolar bezieht sich darauf, dass das Hauptmerkmal der Störung ein Wechsel zwischen den beiden Extrempolen affektiven Erlebens, Manie und Depression, ist.”

Alex erzählt in einem Youtube-Video, über sein Leben mit einem bipolaren Vater.

"Manische Depression ist eigentlich wie eine Depression, nur dass vor der Depression so eine Hochphase kommt."

"In dieser manischen Phase, denkt man, dass man der Krasseste ist."

"Alles ist extrem."

"Man erinnert sich gar nicht an Dinge, die man noch vor fünf Minuten gesagt hat."

"Alles ist so schnell und verrückt."

"Mein Vater dachte, er wäre der Größte."

"Er dachte, dass die Merkel ihn mit einer Limousine abholt, weil er so wichtig ist."

"Als es bei meinem Vater anfing, waren wir gerade in den USA."

"Plötzlich kam er an mit einer Corvette an, die er gekauft hat."

"Er war agressiver und nicht mehr derselbe."

"Er hat eine Mutter und meinen Bruder nur noch beleidigt."

"Er hat mich nur noch angeschrien."

"Kontakt hatten wir nur noch über E-Mails."

"Das hat mich alles runtergezogen."

"Das war die Phase, in der ich dachte: Vielleicht wird ja alles besser, wenn ich gehe!"

"Der Moment, in dem Du realisierst, dass Dein Vater, (...) gar nicht mehr da ist, ist eine der schlimmsten Erfahrungen, die ich je gemacht habe."

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Agentin Carrie Mathison aus Homeland leidet unter manischen Depressionen bzw. einer bipolaren Störung.

Fox 21 Television Studios

Was haben Carrie und Alex' Vater gemeinsam?

Carrie leidet unter einer bipolaren Störung. Der Vater von Alex ebenfalls. Beide leiden unter sogenannten depressiven Episoden.

Carries Depression belastet nicht nur sie, sondern auch ihr Verhältnis zu anderen Menschen. Alex kennt das nur zu genau. Die Erkrankung des Vaters hat seine ganze Familie belastet. Alex selbst mied zeitweise jeden Kontakt zum eigenen Vater, wie er erzählt.

Carrie hat Probleme, ihre Gefühlswelt zu regeln. Immer pendelt sie zwischen großartigen Gefühlen, Manie und Depression. Alex erzählt, dass auch sein Vater diese Probleme hatte. „Mein Vater dachte, er wäre der Größte. Er dachte, dass die Merkel ihn mit einer Limousine abholt, weil er so wichtig ist.” Später, so Alex, zog er sich zurück und „Kontakt hatten wir dann nur noch über E-Mails.”

Worin unterscheiden sich Carrie und Alex´ Vater?

Carrie überkompensiert ihre Einsamkeit und Depression mit Affären und Sex. Alex' Vater begann sich mit seiner ganzen Familie zu zerstreiten.

Carrie verschweigt ihrer Umwelt, dass sie krank ist. Alex' Vater ließ sich behandeln. Alex spricht im Video davon, dass die Krankheit 2004 bei seinem Vater „diagnostiziert” wurde.

Carrie handelt berechnend und geht nur Beziehungen ein, die ihr Vorteile versprechen. Hinter jeder Affäre steht eine Information und Carrie lebt von Informationen. Davon erzählt Alex nichts. Im Gegenteil, sein Vater brach Kontakte ab und entfremdete sich von den Personen zu denen er die engste Verbindung hatte.

Wenn Du mehr Informationen oder Hilfe zu den Themen Autismus, Zwangsstörung, ADS oder Depressionen suchst, dann könnten Dir diese markierten Links weiterhelfen.

Danke an den Psychotherapeut Dr. Nikals Gebele, der auf seinem Blog die psychischen Probleme Deiner Serienstars anaylsiert.

Wende Dich immer an Deinen Hausarzt, wenn es um Deine Gesundheit und Dein persönliches Wohlergehen geht. BuzzFeed-Posts dienen nur zur Information, sind aber auf keinen Fall ein Ersatz für medizinische Diagnosen, eine Behandlung oder professionellen medizinischen Rat.

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