Updated on 11. Sept. 2020. Posted on 27. Aug. 2020

    Riverdale-Star Lili Reinhart sagt, sie werde vielleicht „keine Teenager mehr spielen“

    „Ich weiß nicht, wie viel länger ich das noch machen werde, aber ich bin dankbar, dass ich sie spielen konnte.“

    Wenn du wissen willst, wie sehr sich Popkultur in den letzten 20 Jahren verändert hat, dann vergleiche einfach die Teenie-Filme der Nullerjahre mit denen, die jetzt rauskommen – was einst ein für Slapstick-Komödien bekanntes Genre war, hat sich zu einer realistischen und sogar düsteren Darstellung der Teenagerzeit entwickelt.

    Lili Reinhart, bekannt aus Riverdale, ist Hauptdarstellerin des neuen Dramas Unsere verlorenen Herzen (Original: Chemical Hearts). Sie sagt, sie könnte mit dieser Entwicklung nicht zufriedener sein.

    Steve Granitz / WireImage

    „Teen Dramas waren nichts, das mir schon immer gefallen hat, weil ich ihnen nichts abgewinnen konnte“, erzählt sie BuzzFeed in einem exklusiven Telefoninterview.

    Das klingt erstmal paradox, da sie schließlich mit Riverdale ihren Durchbruch hatte. Das Genre sei ihr einfach zu unrealistisch gewesen. „Es war nur Unterhaltung und ich habe nichts aus ihnen gelernt“, erklärt sie.

    Ihr neuester Film, in dem sie an der Seite von Austin Abrams spielt, ist besonders heftig. Ohne spoilern zu wollen: Lili spielt Grace Town, eine intelligente Schülerin, die die Aufmerksamkeit ihres Klassenkameraden Henry Page auf sich zieht, aber schwerwiegende Trauer und Trauma verarbeiten muss. Der Film handelt von den Herausforderungen der Jugend und davon, welche Schwierigkeiten Teenager manchmal durchleiden.

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    „Es geht nicht nur um die Schule. Es geht nicht nur darum, dass du traurig bist und deine Mutter dir sagt, dass alles gut wird“, erklärt die 23-Jährige. „Nein, Sorgen von Teenagern sind etwas sehr Echtes und oft werden sie von Erwachsenen oder Gleichaltrigen nicht richtig ernst genommen.“

    Im BuzzFeed-Interview enthüllt Lili, wie sie für die Rolle Inspiration aus ihrer eigenen Trauer und den Verlusten in ihrem Leben geschöpft hat. Sie spricht darüber, wie sie inneren Frieden findet, und warum sie Teenager-Rollen künftig vielleicht hinter sich lässt.

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    In Unsere verlorenen Herzen hat Grace einen sicheren Ort, an den sie geht und Kois füttert. Hast du so einen Ort in deinem Leben?

    Ich glaube, mein sicherer Ort ist gar kein Ort. Ich schreibe meiner Mutter. Aber oft gehe ich ans Meer – oder einfach in die Natur. Während dieser Pandemie bin ich mit meinem Hund in diesen einen Park gegangen, um ihn dort mit seinem Ball spielen zu lassen. Ich habe gelernt wertzuschätzen, wie viel inneren Frieden die Natur mir gibt. Ich kann Grace also verstehen. Sie ist in einem Gebäude, aber sie interagiert mit einem Fisch und das erdet sie. Wenn du in der Natur bist, zum Beispiel im Wald oder am Strand, siehst du diese Dinge, die dich dazu bringen weiterzumachen. Es sind wunderschöne Teile unserer Welt ganz ohne Angst, die nichts mit der ganzen Scheiße zu tun haben. Es erdet dich wirklich.

    Hilft dir das Schreiben ebenfalls, dich selbst mental ins Gleichgewicht zu bringen?

    Ja, durchaus. Ich habe eine Menge Tagebuch geschrieben. So kann ich meine Gefühle verarbeiten. Ich fang an zu schreiben, wenn ich Angstzustände habe. Wenn ich Angst habe, weiß ich, dass ich in mein Tagebuch schreiben muss. Will mir eine Formulierung oder ein Gespräch nicht aus dem Kopf, dann schreibe ich das auf. Während ich schreibe, füge ich die Teile zusammen. Ich finde das sehr befreiend.

    Ich bin wie Henry in der Hinsicht, dass ich mich selbst beim Reden nicht besonders wortgewandt finde. Erst während ich rede, füge ich alles zusammen und versuche es noch zu verstehen, während es über meine Lippen kommt. Ich muss die Dinge aufschreiben und anschauen und verarbeiten.

    Lili Reinhart as Grace Town and Austin Abrams as Henry Page in CHEMICAL HEARTS
    Courtesy of Amazon Studios

    Von dir wird bald ein Gedichtband veröffentlicht und natürlich sind Gedichte – insbesondere die von Pablo Neruda – von zentraler Bedeutung für diesen Film. Wie sehr haben sich deine eigenen Gedichte und diese Rolle überschnitten?

    Ehe ich diesen Film gedreht habe, bin ich in einen winzigen Buchladen gegangen und habe einen Gedichtband über Trauer und Verlust mitgenommen. Den hatte ich jeden Tag am Set dabei, um mich auf die Rolle vorzubereiten. Weil ich mich so leicht in der Lyrik verlieren kann, fand ich dadurch, dass ich das Buch ständig bei mir hatte, in den richtigen Gemütszustand. Außerdem habe ich während des Drehs Gedichte geschrieben. Ich hatte meinen Laptop dabei und wenn mir am Ende des Tages danach war, habe ich geschrieben. Das sind traurige Gedichte. Es geht um Kummer, denn das war das stärkste Gefühl, als ich Grace gespielt habe. Aus dieser Erfahrung sind viele gute, herzzerreißende Gedichte entstanden.

    Gab es ein Gedicht, das du am häufigsten gelesen hast?

    Ich glaube nicht. Ich habe Seiten markiert, aber ich habe sie nicht nochmal gelesen. Aber ich habe einen Gedichtband von Pablo Neruda gekauft und ein bestimmtes Gedicht ziemlich oft gelesen. Ich habe während des Drehs auch eine Menge echt deprimierender, heftiger Filme geschaut, um in die richtige Stimmung zu kommen.

    Lili Reinhart as Grace Town and Austin Abrams as Henry Page in CHEMICAL HEARTS
    Cara Howe / Courtesy of Amazon Studios

    Welche Filme hast du geschaut?

    We Need to Talk About Kevin, Love von Gaspar Noé, The Florida Project, Manchester by the Sea und Blau ist eine warme Farbe. Die sorgen zuverlässig für eine eher düstere Stimmung.

    Interessant, dass du das Wort „düster“ benutzt hast, denn im Laufe ungefähr des letzten Jahrzehnts haben sich Filme über Teenager sehr verändert. Sie sind inzwischen trauriger oder schlicht realistischer.

    Ich liebe das. Teen Dramas waren nichts, was mir schon immer gefallen hat, weil ich ihnen nichts abgewinnen konnte. Sie waren nicht realistisch. Es war nur Unterhaltung und ich habe nichts aus ihnen gelernt. Meine Lieblingsfilme sind solche, die mich emotional berührt haben, so in der Art von: „Oh, das bedeutet mir etwas.“ Sie haben in mir länger als fünf Minuten nach Ende nachgeklungen.

    Darum weiß ich es wirklich zu schätzen, dass Filme über Teenager inzwischen realistischer darstellen, was es bedeutet, jung und verliebt zu sein, denn es geht nicht nur um die Schule. Es geht nicht nur darum, dass du traurig bist und deine Mutter dir sagt, dass alles gut wird. Nein, Sorgen von Teenagern sind etwas sehr Echtes und oft werden sie von Erwachsenen oder Gleichaltrigen nicht richtig ernst genommen.

    Den größten Herzschmerz, den du je durchmachst, passiert, wenn du jung bist, denn dann erlebst du ihn zum ersten Mal und darum ist alles neu. Du weißt nicht, wie du damit umgehen sollst und wie du dafür sorgst, dass es dir wieder besser geht. Wenn du diese Seiten des Jungseins zeigst, macht es das Teenager-Dasein leichter. Sagen zu können: „Es ist okay, dass ich mich so fühle. Ich brauch jetzt niemanden, der mir sagt, ich solle mich zusammenreißen. Denn das ist hier nicht die Lösung.“ Du solltest zu 100 Prozent fühlen können, was du fühlst.

    Ich bin ein großer Fan von Suds und Henrys Beziehung in dem Film, denn sie sagt ihm nicht, er solle sich nicht so anstellen. Sie sagt ihm, was in seinem Kopf vorgeht, auch wenn er es nicht hören will. Sie sagt einfach: „Hey, es wird wirklich besser und ich war genau da, wo du warst.“ Das rührt von Verständnis her, nicht davon, eine Lektion erteilen zu wollen.

    Absolut. Du beschreibst sehr gut, wie Gefühle sich für Teenager viel stärker anfühlen, weil sie sie zum ersten Mal empfinden. Wie war das für dich damals?

    Ich hing bis vor Kurzem in diesem Schwebezustand. Das war schwer für mich ... im Unklaren zu sein ist für mich ein Gefühl, als ständen meine Füße nie fest auf dem Boden. Ich habe mich selbst nie ganz wohlgefühlt mit meinem Platz im Leben und mit mir selbst, besonders als Teenager. Als ich 16 war, musste ich aus meiner Heimatstadt wegziehen, in der ich geboren und aufgewachsen bin. Ich musste also mein vertrautes Leben zurücklassen und das hat mich komplett aus der Bahn geworfen. Ich habe eine schreckliche Depression durchgemacht, in der ich die ganze Zeit das Gefühl hatte: „Wer zur Hölle bin ich? Jage ich dem richtigen Traum hinterher? Werde ich die richtigen Ziele haben? Warum habe ich nicht so viele Freunde?“

    Es gab eine Menge Fragen, die ich mir gestellt habe und von denen ich erwartete, dass die Welt sie mir beantwortet. Ich habe die Dinge nicht einfach so akzeptiert, wie sie waren. Ich habe darauf gewartet, dass sie besser werden. Ich denke, dass ist keine gute Art, das Leben anzugehen. Du lebst ständig in Ungewissheit, wenn du nach jemandem suchst, der kommt und deine Probleme löst. Das ist etwas, das ich erst kürzlich verstanden habe.

    Da gibt es diesen klischeehaften Rat: „Du findest das Glück in dir selbst.“ Aber das stimmt wirklich. Mit 16 habe ich darauf gewartet, dass meine Karriere durchstartet und ich glücklich werde. Ich habe auf all diese Dinge gewartet, um glücklich zu sein, statt das Glück tatsächlich in mir selbst zu finden. Aber nur so geht es. Du kannst nicht auf einen Märchenprinzen warten, der kommt und dein Leben besser macht. Viel mehr findet ein Prozess in dir selbst statt. Ich denke, in dieser Teenager-Phase geht es darum, das zu verstehen.

    Lili Reinhart as Grace Town in CHEMICAL HEARTS
    Linda Kallerus / Courtesy of Amazon Studios

    Deine Antwort liefert echt gute Ratschläge. Was diese Rolle angeht und natürlich Riverdale, was magst du am meisten daran, Teenager zu spielen?

    Dass Betty ein sehr gefühlvoller Mensch ist, weiß ich wirklich zu schätzen. Ich weine in dieser Serie ziemlich oft und zeige eine Menge Gefühle. Natürlich war ich als Teenager ein sehr gefühlvolles Wesen und bin es immer noch.

    Ich glaube, ich werde womöglich keine Teenager mehr spielen. Ich weiß nicht, wie viel länger in meinem Leben ich das noch machen werde, aber ich bin dankbar, dass ich sie spielen konnte. Ich liebe es, herüberzubringen, dass du gefühlvoll und verletzbar bist. Bei Grace mochte ich, dass sie nicht so stylisch, nicht beliebt und nicht glamourös ist. Sie lebt einfach als Außenseiterin in ihrer eigenen Welt und weiß nicht, wo sie hingehört, jetzt, da sie die Person verloren hat, die sie liebt. Es ist schön, die Verwirrung und den Schmerz zu spielen, den du als Teenager durchmachst, denn es fühlt sich echt an.

    Erschöpft es dich manchmal, das jeden Tag durchzumachen?

    Als ich Unsere verlorenen Herzen gedreht habe, war das für mich ehrlich die schönste Zeit. Ich habe die Momente, in denen ich geschluchzt und geweint habe und emotional war, trotzdem genossen. Denn wie könntest du deine Gefühle besser ausdrücken als durch Kunst? Wenn du mich weinen siehst, weine ich über etwas Echtes. Ich verarbeite meine eigenen Erfahrungen, wenn ich spiele. Manche Leute machen das nicht. Sie finden, du sollst deine eigenen Erfahrungen nicht ins Spiel bringen – das ist einfach ihre Methode.

    Aber ich habe das immer gemacht. So bringe ich echte Gefühle hervor. Ich nutze meine Trauer, meine Verluste. Das kann also eindeutig erschöpfend sein, aber es ist auch befreiend und wohltuend. Ich weine gern. Danach fühle ich mich besser. Ich denke fast, dass du jedes Mal, wenn du weinst, einen Teil der Traurigkeit loslässt, die in dir war. Ich finde das also heilsam. Für Szenen, in denen ich weinen muss, bin ich immer zu haben. Sie sind furchterregend, aber auch sehr befriedigend, wenn du auf dieses Gefühl stößt, nach dem du gesucht hast.

    Austin Abrams as Henry Page and Lili Reinhart as Grace Town in CHEMICAL HEARTS
    Courtesy of Amazon Studios

    Hast du eine Traumrolle für die Zukunft?

    Mein Traum ist es, in einem Historiendrama mitzuspielen. Ich würde nichts mehr lieben, als jemanden im 19. oder 20. Jahrhundert zu spielen. Ich glaube, das wäre so cool. Ich habe Historiendramen wie Marie Antoinette immer geliebt.

    Ich hoffe, dass dieser Traum für dich wahr wird.

    Ich auch, wirklich.

    Unsere verlorenen Herzen ist auf Amazon Prime verfügbar.

    Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch.

    BuzzFeed Daily

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