Posted on 12. Sept. 2017

    Fast 50 Bundestagskandidaten der AfD grenzen sich nicht von Rechtsextremisten ab

    BuzzFeed News hat alle 396 AfD-Kandidaten durchleuchtet. Das Ergebnis: Dutzende Belege dafür, dass Rechtsextremismus in der AfD einen Platz hat.

    Die AfD hat 47 Kandidaten für den Bundestag ausgewählt, die sich in den vergangenen Monaten rechtsextrem geäußert haben oder sich nicht von Rechtsextremen abgrenzen. Das geht aus einer Analyse aller 396 AfD-Kandidaten durch BuzzFeed News hervor.

    Die Analyse zeigt, dass die angebliche Abgrenzung der AfD zu Pegida und der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ in der Praxis nicht funktioniert. Zahlreiche Bundestagskandidaten der AfD pflegen Kontakte zu solchen rechten Gruppen oder haben erkennbare Sympathien für sie.

    BuzzFeed News hat die Ergebnisse auch Hajo Funke zur Einschätzung vorgelegt, Extremismus-Experte und emeritierter Professor an der FU Berlin: „In vielen Äußerungen zeigt sich eine klare rechtsradikale Haltung, ein erhebliches Maß an Frauenfeindlichkeit und männlichem Chauvinismus. Außerdem eine geschichtsrührende rechtsextreme Einstellung in Bezug auf Nationalsozialismus und die Geschichte Weimars. Die Identifikation mit der Wehrmacht, die in einigen Posts deutlich wird, ist bestürzend", meint Funke, und weiter:

    „Die Äußerungen sind nicht verwunderlich, da sich die De-facto-Führung der AfD – Gauland, Weidel, Meuthen, Poggenburg, Höcke – auf eine rechtsradikale Haltung geeinigt hat. Als rechtsradikale Speerspitze dominieren sie die Partei. Das wird auch auf eine mögliche Bundestagsfraktion Auswirkungen haben“, glaubt Funke.

    Der Analyse von BuzzFeed News zufolge haben sich zwölf AfD-Kandidaten für den Bundestag selbst rechtsextremistisch geäußert: fünf Kandidaten trauern dem Deutschen Reich nach, sieben bedienen sich bei Vokabeln oder Symbolen des Dritten Reichs. 15 Kandidaten der AfD für den Bundestag relativieren Deutschlands Rolle im Zweiten Weltkrieg oder sehen einen Schuldkult darum. Und insgesamt 30 Kandidaten dulden rechtsextreme Freunde in ihren Profilen oder sind Mitglied in entsprechenden Gruppen. Durch Mitgliedschaften in oder Sympathien für rechte Burschenschaften fallen insgesamt 8 Bewerber auf.

    BuzzFeed News hat für diese Recherche alle 16 Landeslisten der AfD sowie alle 299 Wahlkreise geprüft. Vier Reporter haben für alle Bundestagskandidaten der AfD sämtliche Äußerungen auf deren sozialen Kanälen und Webseiten sowie weitere Äußerungen in der Presse und in Videos geprüft – für die gesamten zwölf Monate vor der Bundestagswahl.

    Das Ergebnis zeigt: Der allergrößte Teil der AfD-Kandidaten ist nicht offen rassistisch. Dennoch ist für Positionen von Rechtsextremisten in der AfD nicht nur in Einzelfällen Platz. Die Partei hält dutzende Menschen für tauglich, im Deutschen Bundestag zu sitzen, die sich von rechtsextremen Positionen nicht nur nicht abgrenzen, sondern diese zum Teil sogar aktiv verbreiten. „Für menschenfeindliche Gesinnung ist in der AfD kein Platz“, hatte Parteichef Jörg Meuthen im vergangenen Jahr gesagt. Diese Vorgabe ist nach Recherchen von BuzzFeed News bestenfalls Wunschdenken.

    BuzzFeed News hat den Kandidatinnen und Kandidaten jene Belege vorgelegt, die einer Einordnung bedürfen. Wir haben die Kandidaten gefragt, ob sie etwas hinzufügen wollen, ob sie ihre Motivation für die Veröffentlichung der jeweiligen Stellen übersenden möchten und ob sie das Gefühl haben, dass die Fundstellen den zentralen Leitlinien der Partei widersprechen.

    Die Mehrzahl der AfD-Kandidaten hat auf unsere Anfrage in den vergangenen Tagen nicht reagiert. Einige haben lange E-Mails geschrieben, andere haben uns beschimpft oder unsere Anfragen im Netz veröffentlicht. Einige allerdings bedankten sich auch für die Recherchen und versprachen, verdächtige Inhalte oder Freundschaften zu löschen. Alle Antworten stellen wir hier bereit. Der Bundesvorstand der AfD hat auf eine Anfrage von BuzzFeed News bis zum Redaktionsschluss nicht reagiert.

    Im Folgenden haben wir alle auffälligen Kandidaten aufgelistet, die jeweiligen Screenshots als Belege veröffentlicht und die Antworten der Kandidaten angefügt – falls diese geantwortet haben. Die Kandidaten sind sortiert nach der Art ihrer Äußerungen. Die Bilderstrecken öffnen sich mit einem Klick in das Photo-Set.

    30 Bewerber grenzen sich nicht glaubwürdig von Rechtsextremen ab

    BuzzFeed News / Facebook / Via facebook.com

    Bilder aus der Facebook-Freundesliste von Dietmar Friedhoff, AfD-Bundestagskandidat aus Niedersachsen.

    Die Abgrenzung zu extremen Rechten ist für die Partei eines der größten Probleme, zu Pegida, zur sogenannten „Identitären Bewegung“ oder anderen lokalen oder regionalen Bewegungen. Die AfD-Parteispitze gibt sich große Mühe, in der Öffentlichkeit auf Distanzierung zu setzen – sogar mit einem „Abgrenzungsbeschluss“.

    Der Bundesvorstand stellt fest, dass es keine Zusammenarbeit der Partei Alternative für Deutschland und ihrer Gliederungen mit der so genannten 'Identitären Bewegung' gibt.

    Die Realität sieht ganz offenbar anders aus, denn Dutzende der Bundestagskandidaten haben entweder Sympathien für die rechten Bewegungen – oder sogar mit ihnen zusammengearbeitet. Ein Klick in die Bilder öffnet die Fotostrecke:

    Die Tatsache, dass ein Bewerber offenbar Freundschaften zu Rechtsextremen unterhält, bedeutet natürlich nicht, dass er selbst einer ist. Als Kandidat für den Deutschen Bundestag stellt sich allerdings die Frage, warum solche Freundschaften – oder auch entsprechende rechtsextreme Kommentare und Posts solcher Freunde – unwidersprochen bleiben.

    Andreas Wild / Via Twitter

    Andreas Wild unterstützt die Identitäre Bewegung, trotz Unvereinbarkeitsbeschluss der Partei. Wild war bis einen Tag vor Ende der Nominierungsfrist Kandidat der Berliner AfD für den Bundestag.

    Identitäre Bewegung Bayern / Via Twitter

    Andreas Wild verteilt Inhalte der Identitären Bewegung, trotz Unvereinbarkeitsbeschluss der Partei. Wild war bis einen Tag vor Ende der Nominierungsfrist Kandidat der Berliner AfD für den Bundestag.

    Martina Böswald / Via Facebook: martina.boswald

    Auch Martina Böswald, Kandidatin aus Baden-Württemberg, verbreitet die Inhalte der "Identitären Bewegung".

    Jens Anhorn / (c) der Logos bei der jeweiligen Gruppierung / Via Facebook

    Neben etlichen Militärgruppen auch Mitglied in der Gruppe "Kontrakultur Halle", die zur "Identitären Bewegung" gehört: Jens Anhorn aus Baden-Württemberg.

    Dubravko Mandic / Montage: BuzzFeed News / Via Facebook: dubravkomandicafd

    "Es ist mir egal, was die NPD sagt", schreibt der Rechtsanwalt Dubravko Mandic, der in Baden-Württemberg antritt.

    Dubravko Mandic / Via Facebook: dubravkomandicafd

    Um das "Leben im Widerstand" erträglich zu machen, verteilt Dubravko Mandic auch Musiktipps - von Martin Sellner, dem Chef der "Identitären Bewegung" in Österreich.

    Montage: BuzzFeed News / (c) beim jeweiligen Nutzer / Via Facebook

    Ein Blick in die Freundes- und "Gefällt Mir"- Liste von Martin Rothweiler, Kandidat in Baden-Württemberg.

    (c) bei der jeweils abgebildeten Gruppierung / Via Facebook

    Die Gruppen, in denen Thomas Seitz Mitglied ist. Seitz ist in Baden-Württemberg auf den recht sicheren Listenplatz 5 platziert und wird ziemlich sicher im nächsten Bundestag sitzen.

    Thomas Seitz, Kandidat aus Baden-Württemberg / Via Facebook: Thomas.Seitz.AfD

    Die sog. "Wirmer-Flagge" wurde auch von den Widerständlern um Stauffenberg genutzt und sollte nach dem geplanten Attentat auf Adolf Hitler die neue Nationalflagge werden. Seit etwa 2010 wird sie zunehmend von rechtsextremen Gruppierungen verwendet und für eigene Zwecke umgedeutet, was vielfach kritisiert wird. Sie gilt in den letzten Jahren als eindeutiges Erkennungszeichen Rechter.

    (c) bei der jeweiligen Gruppierung / Via Facebook

    Dirk Spaniel, AfD-Bewerber aus Stuttgart, und die Gruppen, in denen er Mitglied ist. Darunter auch die Gruppe "Es braust unser Panzer im Sturmwind dahin".

    Takahiro Gotoh / Via Facebook: 1782455828654395

    Auszug eines Kommentars in der Gruppe "Es braust unser Panzer im Sturmwind daher". Mitglied in dieser Gruppe: Dirk Spaniel, Bundestags-Kandidat aus Stuttgart.

    Montage: BuzzFeed News / Via Facebook

    Auszüge aus der Freundes-Liste von Wilfried Biedermann, der in Bayern antritt.

    Compact Online / Via compact-online.de

    Christof Rausch teilt Inhalte, die sich bei der rechtsextemen "Identitären Bewegung" bedanken.

    Montage: BuzzFeed News / (c) beim jeweiligen Urheber auf Facebook / Via Facebook

    Einige der Freunde, mit denen Thomas Damson, Kandidat aus Rheinland-Pfalz, auf Facebook befreundet ist.

    Wolfgang Dörner & Identitäre Bewegung / Via Facebook

    Wolfgang Dörner aus Bayern wünscht sich eine Wiederholung einer Aktion der "Identitären Bewegung".

    Wolfgang Dörner / Via Facebook

    Auch die "Identitären Mädels und Frauen" stoßen bei Wolfgang Dörner , Kandidat aus Bayern, auf Interesse.

    (c) bei der jeweiligen Gruppierung / Via Facebook

    Die Gruppenmitgliedschaften von Brigitte Fischbacher aus Bayern - inklusive "Viktor Orbán Fanclub" und "Identitäre Patrioten".

    Montage: BuzzFeed News / Via Facebook

    Bilder aus der Facebook-Freundesliste von Dietmar Friedhoff, AfD-Bundestagskandidat aus Niedersachsen.

    (c) beim jeweils abgebildeten Profilinhaber / Via Facebook

    Blick in die Freundesliste von Günter Strassberger aus Bayern - Teil 1...

    (c) beim jeweils abgebildeten Profilinhaber / Via Facebook

    ...und Teil 2 der Freundesliste von Günter Strassberger aus Bayern.

    (c) beim jeweils abgebildeten Profilinhaber / Montage: BuzzFeed News / Via Facebook

    Einige der Bilder, die die Facebook-Freunde von Laleh Hadjimohamadvali teilen. Hadjimohamadvalitritt im Saarland an. Gegen sie läuft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Volksverhetzung und Beschimpfung von Religionsgemeinschaften.

    (c) beim jeweils abgebildeten Profilinhaber / Montage: BuzzFeed News / Via Facebook

    Profilbilder der Facebook-Freunde von Carsten Paul Hütter, den die AfD Sachsen ins Rennen um ein Bundestagsmandat schickt.

    "Freundeskreis / Thügida" / Via Facebook: volksbewegungnds

    Denny Jankowski, AfD-Kandidat aus Thüringen, mit zwei Vorstandsmitgliedern des Pegida-Ablegers "Thügida".

    (c) beim jeweils abgebildeten Profilinhaber / Via Facebook

    Auch Jessica Malisch, AfD-Kandidatin aus Düsseldorf, vergibt für die "Identitäre Bewegung" ein "Gefällt mir"...

    (c) beim jeweils abgebildeten Profilinhaber / Via Facebook

    ...genau so wie Pierre Jung aus Nordrhein-Westfalen. Bei ihm auch dabei: der "Verein Recht und Freiheit", der für die AfD Wahlkampf und Öffentlichkeitsarbeit macht.

    (c) beim jeweils abgebildeten Profilinhaber

    Auch etliche Pegida-Gruppierungen haben ein "Gefällt mir" von Pierre Jung, Kandidat in NRW, bekommen.

    Montage: BuzzFeed News / (c) beim jeweils abgebildeten Profilinhaber / Via Facebook

    Fünf von vielen: nur einige der Profile, mit denen Kandidaten befreundet sind, die die AfD Bayern gern im Bundestag sehen würde.

    (c) beim jeweils abgebildeten Profilinhaber / Montage: BuzzFeed News / Via Facebook

    Wolfgang Kräher ist AfD-Kandidat aus Rheinland-Pfalz, und das sind vier seiner Facebook-Freunde...

    (c) beim jeweils abgebildeten Profilinhaber / Montage: BuzzFeed News / Via Facebook

    ...gefolgt von vier weiteren Facebook-Freunden von Wolfgang Kräher, der in Rheinland-Pfalz von der AfD aufgestellt wurde. "Mein Kampf" war die Programmschrift von Adolf Hitler, in der er die Grundlage für seine nationalsozialistische Politik darlegen wollte. "Meine Ehre heißt Treue" war der Leitspruch der SS.

    (c) beim jeweiligen Profilinhaber. / Via Facebook

    Blick in die "Gefällt mir"-Liste von Rainer Kraft, Bewerber aus Bayern - Teil 1.

    (c) beim jeweiligen Profilinhaber. / Via Facebook

    Blick in die "Gefällt mir"-Liste von Rainer Kraft, Bewerber aus Bayern - Teil 2.

    (c) beim jeweiligen Profilinhaber. Montage: BuzzFeed News / Via Facebook

    Torsten Ludwig, Bewerber aus Thüringen, ist auf Facebook mit diesen Profilen befreundet.

    (c) beim jeweiligen Profilinhaber. Montage: BuzzFeed News / Via Facebook

    Blick in die Freundesliste von Jens Maier aus Sachsen. Maier ist auf dem sicheren Listenplatz 2, wird also ziemlich sicher in den Bundestag einziehen. Der Richter war zuvor auch schon mit einem NPD-freundlichen Urteil aufgefallen und hatte "Verständnis" für den Massenmörder Anders Breivik geäußert.

    Johannes Normann / Via Facebook

    Johannes Normann aus Bayern kommentiert eine Aktion des rechten, Identitären-nahen Bündnisses "Ein Prozent"...

    (c) beim jeweiligen Profilinhaber. Montage: BuzzFeed News / Via Facebook

    ...und vergibt gleich mehrfach ein "Gefällt mir" für die "Identitäre Bewegung".

    (c) beim jeweiligen Profilinhaber / Montage: BuzzFeed News / Via Facebook

    Jürgen Pohl wird recht sicher aus Thüringen in den Bundestag einziehen. Dies sind nur einige seiner Facebook-Freunde...

    (c) beim jeweiligen Profilinhaber / Montage: BuzzFeed News / Via Facebook

    ...und dies sind weitere Facebook-Freundschaften von Jürgen Pohl, der mit hoher Wahrscheinlichkeit im nächsten Bundestag sitzen wird.

    (c) beim jeweiligen Profilinhaber / Montage: BuzzFeed News / Via Facebook

    Freunde, Gruppen und "Gefällt Mir"-Angaben von Stephanie Scharfenberg aus Niedersachsen zum Zeitpunkt unserer Recherche. Scharfenberg antwortete uns, sie habe sich nach unserer Recherche von dem verdächtigen Profil getrennt und wolle die Identitäre Bewegung nur beobachten.

    (c) beim jeweiligen Profilinhaber / Montage: BuzzFeed News / Via Facebook

    Uwe Scheidemann aus Sachsen-Anhalt hat unter anderem diese Freunde auf Facebook. Darunter: der "Arbeitskreis NSU" und diverse Pegida-Gruppen.

    (c) beim jeweiligen Profilinhaber / Montage: BuzzFeed News / Via Facebook

    Zwei der Freunde von Herbert Sobierei auf Facebook. Er wurde von der AfD Niedersachsen ins Rennen geschickt.

    Stefan Zuehlke / Via Facebook

    Stefan Zuehlke von der AfD Nordrhein-Westfalen verteilt Inhalte der "Identitären Bewegung" - obwohl die Partei bezüglich der Identitären einen "Unvereinbarkeitsbeschluss" gefasst hat.

    Bündnis gegen Rassismus & Weser-Kurier / Via Twitter

    Auch Robert Teske aus Bremen tritt mit der Identitären Bewegung gemeinsam auf - trotz Unvereinbarkeitsbeschluss der Partei.


    15 Bewerber äußern sich homophob oder diskriminierend

    Johannes Normann / Facebook / Via Facebook: johannes.normann.3

    Lehnt die Ehe für alle nicht nur ab, sondern nutzt mit "Umvolkung" und "Herrenmenschen" auch NS-Vokabular dafür: Johannes Normann, Bewerber der AfD in Bayern.

    Dass Homosexualität für die AfD ein Problem ist, wird von der Partei mit einem einfachen Argument bestritten: Alice Weidel, Spitzenkandidatin im Bundestagswahlkampf, lebt selbst mit einer Frau zusammen. Das Klima in der Partei allerdings scheint das nicht exakt wiederzugeben. Ein Klick in die Bilder öffnet die Fotostrecke:

    Die einzelnen Funde aus dem Bereich Diskriminierung. Für größere Darstellung auf die Bilder klicken und ggf. nach rechts wischen.

    15 Bewerber reden von einem angeblichen Schuldkult oder relativieren Deutschlands Rolle im Zweiten Weltkrieg

    Friedbert Müller / Geschichte der Wehrmacht - Like von Kandidat Schwaebsch / Via Facebook

    Aus Baden-Württemberg nominiert für den Deutschen Bundestag – und "gefällt mir" für den Mythos der "sauberen Wehrmacht": Walter A. Schwaebsch.

    Die Rolle der deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg ist unter Historikern unumstritten: Die Legende von der „sauberen Wehrmacht“ ist ein Mythos. Natürlich war nicht jeder Soldat gleich ein Kriegsverbrecher – aber er war Teil eines Systems, das Kriegsverbrechen ermöglichte. Die Wehrmacht behandelte Gegner systematisch nicht nach Kriegsrecht. Sie ermordete Zivilisten. Sie bereitete den Gräueltaten der SS den Boden.

    Schon 1983 stellte das Militärgeschichtliche Forschungsamt der Bundeswehr fest, es sei ein „Zerrbild der Wirklichkeit, dass nur die SS den Todesstoß gegen das Wahnbild des 'jüdischen Bolschewismus' geführt und die Wehrmacht sich auf die Führung der Operationen beschränkt habe.“

    Rechtsextremisten wollen das nicht wahrhaben. Dieses nachträgliche Verharmlosen deutscher Taten nennt sich Geschichtsrevionismus. Und mehr noch: Sie sehen einen angeblichen Schuldkult um die Frage nach der deutschen Verantwortung und fordern einen Schlussstrich darunter. All das ist auch unter Kandidaten der AfD zu finden – und das macht sie für Rechtsextremisten wählbar. Ein Klick in die Bilder öffnet die Fotostrecke:

    Walter A. Schwaebsch / Via bzfd.it, Wilhelm von Gottberg / Ostpreußenblatt / Via archiv.preussische-allgemeine.de, Eugen Ciresa / Via Facebook: eugen.ciresa, Dubravko Mandic / Via Facebook: dubravkomandicafd, Andreas Wild / Via Twitter: @AndreasWildAfD

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    Auch Alexander Gauland, Spitzenkandidat der Partei im Bundestagswahlkampf, findet: "Man muss uns diese 12 Jahre jetzt nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr". Und darum, so Gauland unter dem Jubel seiner Zuhörer auf dem "Kyffhäusertreffen", haben Deutsche "das Recht Stolz zu sein, auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen."

    14 Bewerber vergleichen unsere Lebenswelt heute mit früheren Diktaturen – und sehen sich selbst hierbei in der Opferrolle

    Alexandra Witt / Retweet von Harald Laatsch / Via Twitter: @AlexiaStellar

    Ein Motiv, dass unter AfD-Mitgliedern und Bewerbern häufig geteilt wird: Angeblich sei die Situation von AfD-Parteimitgliedern heute vergleichbar mit der für Menschen jüdischen Glaubens ab 1933.

    Die AfD sieht sich als Opfer. Die Partei werde von den Medien wahlweise ignoriert oder falsch wiedergegeben und von der Öffentlichkeit mit Rede- oder gar Denkverboten belegt. Einge AfD-Bundestagskandidaten gehen sogar noch einen Schritt weiter und behaupten, ihre Situation sei vergleichbar mit der Verfolgung der Juden unter der Nazi-Herrschaft nach 1933. Ein Klick in die Bilder öffnet die Fotostrecke:

    Harald Laatsch / Via Twitter: @AlexiaStellar, Andreas Wild / Via Twitter: @AndreasWildAfD, Reimond Hoffmann / Via Facebook: reimond.hoffmann, Martina Böswald / Via Facebook: martina.boswald, Heike Siebold / Via Facebook: nadine.siebold.9

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    12 Bewerber fordern oder verharmlosen Polizeigewalt

    Screenshot BuzzFeed News

    Eine Nutzerin bringt nach einer Vergewaltigung Kastration als Strafe ins Spiel, setzt dabei Menschen mit Tieren gleich - und wird von Sascha Ulbrich, Kandidat aus NRW, weiter verbreitet.

    Die Kandidaten verlangen zum Teil ein illegales Durchgreifen der Polizei, wünschen sich in bestimmten Fällen die Aufgabe des Rechtsstaates oder verharmlosen die Opfer von Polizeigewalt. Ein Klick in die Bilder öffnet die Fotostrecke:

    Andreas Wild / Via Twitter: @AndreasWildAfD

    11 Kandidaten bedienen sich bewusst bei Vokabeln, Symbolen und Anspielungen auf das Dritte Reich

    Dubravko Mandic / Via Facebook: dubravkomandicafd

    Der "Reichsarbeitsdienst" war im Dritten Reich ein Pflichtdienst für junge Männer und Frauen, der später auch kriegsvorbereitend und -unterstützend gestaltet war. Geflüchteten, traumatisierten, vertriebenen Menschen helfen ist für Dubravko Mandic aus Baden-Württemberg scheinbar etwas vergleichbares.

    Es ist der am häufigsten vorgebrachte Vorwurf gegen die AfD: die Unterstellung, die Partei beherberge Nazis. Das versucht die AfD zu entkräften, seit es sie gibt – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Ein knappes Dutzend der Kandidaten für den Deutschen Bundestag aber scheint Referenzen auf das Dritte Reich gar nicht so problematisch zu finden – und nutzt ganz ohne Not und vollkommen freiwillig solche Anspielungen. Ein Klick in die Bilder öffnet die Fotostrecke:

    Dubravko Mandic / Via Facebook: dubravkomandicafd

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    10 Bewerber verurteilen alle Muslime pauschal

    Andreas Wild / Via twitter

    Andreas Wild war lange Zeit Direktkandidat der AfD in Berlin. Einen Tag vor Ende Nominierungsfrist zog die Partei seine Nominierung dann zurück. Zuvor hatte Wild unter anderem das gepostet: die Frage, ob "mit Moslems" gemeinsames Lernen überhaupt möglich sei.

    Dass die AfD der Einwanderung und Integration von Flüchtlingen kritisch gegenübersteht, ist kein Geheimnis. Doch manchen der Kandidaten ist das offenbar nicht genug: Sie sehen die Verantwortung für Verbrechen nicht bei einzelnen Tätern, sondern bei allen Angehörigen einer Religionsgemeinschaft. Ein Klick in die Bilder öffnet die Fotostrecke:

    Andreas Wild / Via Twitter: @AndreasWildAfD, Stefan Thien / Via Twitter: @ThienStefan, Stefan Thien / Via Twitter: @ThienStefan, Dietmar Friedhoff / Via Facebook: dietmar.friedhoff

    Die einzelnen Funde aus dem Bereich Islamophobie. Für größere Darstellung auf die Bilder klicken und ggf. nach rechts wischen.

    8 Bewerber sind Mitglied bei oder sympathisieren mit rechten oder radikalen Burschenschaften

    pennale Mädelschaft Sigrig zu Wien / Via Facebook

    Berichte, wonach sich im Hintergrund der AfD schon länger Netzwerke aus rechten, extrem rechten oder national-patriotischen Burschenschaften bilden, gibt es schon länger: von einer Kaderschmiede schreibt die Huffington Post, von einer politischen Heimat der Spiegel.

    Auch unsere Analyse zeigt: Die AfD hat ein Problem mit Burschenschaftlern. Nicht, weil die studentischen Verbindungen per se problematisch oder allesamt rechts sind. Sondern, weil sich unter den bei AfD-Kandidaten beliebten Burschenschaften auffällig viele stramm rechte Verbindungen finden. Viele Burschenschaftler geben sich nach außen verschlossen und im Inneren radikaler. Wenn ein relevanter Teil der AfD sich hierhin verbunden fühlt, heißt das auch: Burschenschaftler könnten Einfluss auf die Politik der AfD bekommen. Das sollten Wähler wissen.

    Auch unter den Bundestagskandidaten finden sich etliche mit guten Verbindungen in Burschenschaften, die nicht selten auch zum als äußerst rechts geltenden Dachverband der "Deutschen Burschenschaft" gehören. Ein Klick in die Bilder öffnet die Fotostrecke:

    (c) für Grafik und Logo der Burschenschaften bei der jeweils abgebildeten Verbindung / Via Facebook

    Die einzelnen Funde aus dem Bereich Burschenschaften. Für größere Darstellung auf die Bilder klicken und ggf. nach rechts wischen.

    8 Bewerber bedrohten Journalisten und politische Gegner

    Markus Frohnmaier / Via Twitter: @Frohnmaier_AfD

    Häufig gerieten AfD-Vertreter in der Vergangenheit mit Presse und Medien aneinander. Die Vorstellung, es gäbe korrekte Fragen auf der einen Seite und eine angebliche Lügenpresse auf der anderen, zieht sich durch das Verhältnis der jungen Partei zu Journalisten. Mitunter werden Interviews dann abgebrochen oder unterbrochen. Einige Kandidaten würden mit kritischen Rückfragen von Journalisten und anderen politischen Positionen gerne noch rabiater umgehen. Ein Klick in die Bilder öffnet die Fotostrecke:

    Drohende Kommentare oder Postings von AfD-Kandidaten. Für größere Darstellung auf die Bilder klicken und ggf. nach rechts wischen.

    5 Bewerber sehen Frauen nicht als gleichwertig an

    Screenshot BuzzFeed News

    Die AfD hat mit Frauke Petry eine Frau an der Spitze und schickt mit Alice Weidel eine Frau als Spitzenkandidatin in den Wahlkampf. Unter den AfD-Kandidaten für die Bundestagwahl finden sich allerdings auch frauenverachtende Positionen. Ein Klick in die Bilder öffnet die Fotostrecke:

    Andreas Wild / Via Twitter: @AndreasWildAfD

    Funde, in denen sich AfD-Kandidaten zu Frauenrechten äußern. Für größere Darstellung auf die Bilder klicken und ggf. nach rechts wischen.

    6 Bewerber sind empfänglich für Verschwörungstheorien

    Screenshot BuzzFeed News

    Diese Kandidaten verbreiten Thesen und Auffassungen, die klar und erkennbar den Tatsachen widersprechen. Sie zeigen sich empfänglich für Verschwörungstheorien, wie zum Beispiel die Theorie, dass Deutschland besetzt und fremdgesteuert sei. Das macht sie anschlussfähig für sogenannte Reichsbürger. Ein Klick in die Bilder öffnet die Fotostrecke:

    Die einzelnen Funde aus dem Bereich der Verschwörungstheorien. Für größere Darstellung auf die Bilder klicken.Für größere Darstellung auf die Bilder klicken und ggf. nach rechts wischen.

    5 Bewerber trauern dem alten Deutschen Reich nach

    Carsten Hütter aus Sachsen ist u.a. Mitglied in dieser Gruppe - und will in den Bundestag.

    Unter den AfD-Bewerberinnen und Bewerbern um einen Sitz im Deutschen Bundestag finden sich auch solche, die Sympathien für Deutschland in den Grenzen von 1937 oder 1914 äußern. Ein Klick in die Bilder öffnet die Fotostrecke:

    Für größere Darstellung auf die Bilder klicken und ggf. nach rechts wischen.

    Sonstige Funde

    Einige interessante Funde lassen sich keiner unserer Kategorien zuordnen, werfen aber dennoch ein fragwürdiges Licht auf die jeweiligen Kandidaten. Diese führen wir im folgenden auf. Ein Klick in die Bilder öffnet die Fotostrecke:

    Siegbert Droese

    Für größere Darstellung auf die Bilder klicken und ggf. nach rechts wischen.



    In eigener Sache

    5 Gründe, warum wir 396 Social-Media-Profile von AfD-Kandidaten überprüft haben – und keine andere Partei.

    Mit dieser Methode haben wir die Social-Media-Profile von 396 AfD-Bundestagskandidaten durchleuchtet.

    Wir haben der AfD und den Kandidaten die Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Sollten uns hierzu noch Rückmeldungen erreichen, die zu einem korrekten Verständnis der oben aufgeführten Fundstellen wichtig sind, tragen wir diese selbstverständlich nach. Alle bisherigen Antworten stellen wir ungekürzt hier zur Verfügung.

    Haben wir etwas vergessen? Gern ergänzen wir unsere Liste um weitere Fundstellen. Schickt uns dazu einfach eine Mail an wahlkampf@buzzfeed.com.

    Mitarbeit: Bettina Dlubek, Daniel Drepper, Marie-Kristin Landes, Tobias Schmutzler, Marc Zimmer.



    Marcus Engert ist Senior Reporter bei BuzzFeed News Deutschland. Verschlüsselter Kontakt per Mail mit PGP-Key: bzfd.it/PGP-engert / Signal oder WhatsApp: bzfd.it/engert / Threema-ID: F8H994R7

    Contact Marcus Engert at marcus.engert@buzzfeed.com.

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