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Die AfD schaltet nun offenbar auch Wahlwerbung im russischen Staatsfernsehen

Kein Wunder: Etwa sechs Millionen Menschen in Deutschland sprechen russisch.

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Die AfD hat offenbar damit begonnen, im russischen Staatsfernsehen Wahlwerbung zu schalten. Wie Journalist Alexey Kovalev berichtet, erschien die Wahlwerbung im Satellitenprogramm des Senders Rossija 1, einem staatlichen Programm und dem zweitgrößtem Sender Russlands.

Aaaand pro-Kremlin AfD is now buying ads on Russian state television (satellite version of Rossiya-1 broadcast outs… https://t.co/GIpDEiwqYW

Die Anzeige erschien Kovalev zufolge nicht innerhalb des Werbeblocks, sondern als großflächige Einblendung im Tagesprogramm, während einer Talkshow.

Dass die AfD im russischen Fernsehen um Wählerstimmen wirbt, ist nur auf den ersten Blick unlogisch. Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland sprechen russisch. Darunter drei Millionen, die aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland eingewandert sind. Viele von ihnen schauen zum Großteil russische Fernsehsender.

Es ist nicht die erste Werbung der AfD im aktuellen Wahlkampf für ein russischsprachiges Publikum. Auch in russischen Print-Zeitungen, die in Deutschland ausliegen, hat die AfD in den vergangenen Wochen geworben.

Und die AfD Hamburg fiel mit einem fremdenfeindlichen Plakat in russischer Sprache auf.

Alexey Kovalev / AfD Hamburg / Via globalvoices.org

Übersetzung:

"Mit Tapferkeit für Deutschland und unsere Kinder.

Ein ungewollter Gast ist schlimmer als ein Tatar.

Für den Schutz unserer Grenzen und die Vertreibung der Islamisten!"

AfD-Kontakte nach Russland

„Von allen politischen Kräften der Bundesrepublik unterhält die nationalpopulistische Partei Alternative für Deutschland die intensivsten Verbindungen zu Russland, gefolgt von der Linkspartei. Es gibt allerdings noch keine direkten Beweise, dass die AfD finanzielle Hilfe oder mediale Unterstützung aus Moskau bekommt“, schreibt der Publizist Boris Schumatsky in einem Bericht für das „Institute for Strategic Dialogue“ mit dem Titel „Russian Influence in German Politics and Media“.

Schumatsky zählt etliche Besuche von AfD-Politikern auf, darunter:

  • April 2017, als ein Mitglied der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation an einer Konferenz teilnahm, die von der AfD Sachsen organisiert wurde. Auch Vertreter rechter Parteien aus Österreich, Belgien, Tschechien und Italien waren anwesend, ebenso wie Alexander Gauland.
  • Der Bundesvorsitzende des AfD-Mittelstandsforums. Er hatte 2017, wie schon 2016, ebenfalls Moskau besucht.
  • Im Februar 2017 reisten Frauke Petry und ein weiteres Mitglied des Bundesvorstands, Julian Flak, nach Moskau. Eingeladen waren sie von der Moskauer Stadtregierung, empfangen wurden sie von mehreren hochrangigen Funktionären des Kreml und der Putin-Partei „Einiges Russland“
  • Nicht zuletzt sorgten auch pro-russische Parteigründungen wie die "Pro-Putin Partei" und die Osteuropa-Reisen von AfD-Funktionären als angebliche Wahlbeobachter für Fragezeichen.

Offen ist die Frage, ob die AfD die TV-Präsenz im russischen Staatsfernsehen kostenfrei oder gegen Entgelt zur Verfügung gestellt wurde. Eine entsprechende Anfrage von BuzzFeed News hat die AfD bisher nicht beantwortet.

CSU will "Fans russischer Popmusik" überzeugen

Nicht nur die AfD wendet sich russischsprachigen Wählern zu - auch von der bayrischen CSU konnte BuzzFeed News eine solche Anzeige entdecken. Als Zielgruppe wurden hier Menschen eingestellt, die sich für "Russische Popmusik" interessieren.

Eine Anfrage an die CSU, ob dort auch andere speziell auf russischsprachige Wählerinnen und Wähler zielende Maßnahmen im Wahlkampf getroffen wurden, blieb bisher unbeantwortet.

Marcus Engert ist Reporter bei BuzzFeed News Deutschland und lebt in Leipzig und Berlin. Verschlüsselter Kontakt: per Mail mit PGP-Key http://bit.ly/2uy3ai6 oder über die Threema-ID F8H994R7. Signal auf Anfrage.

Contact Marcus Engert at marcus.engert@buzzfeed.com.

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