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Fans von Merkel, FDP oder NachDenkSeiten - So sieht der Wahlkampf der AfD auf Facebook aus

Wir haben wochenlang Facebook-Anzeigen gesammelt und können nun rekonstruieren, wer warum welche AfD-Werbung gezeigt bekommt.

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Die AfD Bayern spricht im Wahlkampf auf Facebook gezielt Menschen an, die Angela Merkel oder die FDP mögen. Weitere Zielgruppen sind Menschen, die sich für Liberalismus interessieren – sowie Fans des Blogs NachDenkSeiten.de.

Das geht aus der Analyse von tausenden Facebook-Anzeigen hervor, die BuzzFeed News in Kooperation mit t-online.de und "Who Targets Me" in den zurückliegenden Wochen durchgeführt hat.

Die von der AfD Bayern verwendeten Anzeigen sind auf der Facebookseite der AfD Bayern für alle Menschen zugänglich. Beworben werden die Beiträge aber nur bei ganz bestimmten Zielgruppen. Das nennt sich Targeting.

  • So wirbt die AfD Bayern dafür, den Familiennachzug von Flüchtlingen aus Syrien zu stoppen und nur noch Flüchtlinge mit einem Pass ins Land zu lassen – beide Anzeigen bewirbt die AfD bei Menschen, die sich für Angela Merkel interessieren.
  • Wer sich für die FDP interessiert, sieht Anzeigen, die weniger Bürokratie für den Mittelstand und die Rückkehr zur D-Mark fordern.
  • Wer sich für Liberalismus interessiert, sieht ebenfalls Forderungen nach der Rückkehr zur D-Mark sowie eine Anzeige, die behauptet, für Flüchtlinge würde zu viel Geld ausgegeben.
  • Und Fans des Blogs NachDenkSeiten erhalten Werbung für die Abschaffung der GEZ sowie den Austritt aus Freihandelsabkommen wie TTIP und CETA.

Eine AfD, mehrere Wahlkämpfe

Interessant ist, dass das Targeting vom Landesverband Bayern ausgeht. Hintergrund könnte ein Streit innerhalb der AfD über die Wahlkampfstrategie sein: Der Stern berichtete von einer 74 Seiten langen Präsentation, über die auf einer Sitzung des AfD-Bundeskonvents angeblich gestritten wurde. Dort wurde die Kampagne für den Bundestagswahlkampf vorgestellt.

In der anschließenden Telefonkonferenz hätten sich die Landesvorsitzenden darüber nicht einigen können: manchen war die Kampagne zu weich, so berichtet es der Stern. In der Folge zog die AfD mit zwei unterschiedlichen Kampagnen in den Wahlkampf. Mit der Plakatkampagne des Bundesverbands einerseits. Und mit der Kampagne der AfD Bayern, die eine deutlich offensivere Sprache spricht.


Wir veröffentlichen im Folgenden die gefundenen Anzeigen sowie die Informationen über das jeweils dafür genutzte Targeting. Beides wurde von BuzzFeed News mit einem speziellen Tool gesammelt, mit dem Nutzerinnen und Nutzer dabei helfen, den Wahlkampf auf Facebook zu beobachten.

Entwickelt wurde diese Erweiterung für den Browser im Auftrag von BuzzFeed News und t-online.de von den britischen Programmierern von WhoTargetsMe. Bei dem Projekt kann jeder mitmachen. Die Software liest die Anzeigen auf Facebook aus und analysiert, welche Partei welche Anzeigen für welche Zielgruppe schaltet. Erstmals sind wir damit auch in der Lage, Informationen darüber auszulesen, warum ein bestimmter Nutzer eine Anzeige zur Ansicht bekommen hat.

Die Anzeigen der AfD Bayern sowie die Erklärungen, warum der jeweilige Nutzer diese Anzeige sieht.



Dark Ads haben geholfen, Trump zum Präsidenten zu machen. Sie haben den Brexit befeuert. Doch spielen diese dunklen Anzeigen auch im deutschen Wahlkampf eine Rolle? BuzzFeed News will den geheimen Wahlkampf auf Facebook transparent machen – und dafür brauchen wir eure Hilfe.

Marcus Engert ist Reporter bei BuzzFeed News Deutschland und lebt in Leipzig und Berlin. Verschlüsselter Kontakt: per Mail mit PGP-Key http://bit.ly/2uy3ai6 oder über die Threema-ID F8H994R7. Signal auf Anfrage.

Contact Marcus Engert at marcus.engert@buzzfeed.com.

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