Posted on 26. Juni 2018

    10 Sätze, die Fremde niemals zu einem Menschen im Rollstuhl sagen sollten

    Ernsthaft, lass es lieber.

    Ich sitze seit 26 Jahren im Rollstuhl und es überrascht mich jedes Mal, dass ich dieselben Bemerkungen von Fremden bekomme - ob auf der Straße oder in der Bar.

    Kristen Parisi

    Die meisten Menschen haben wohl gute Absichten, wenn sie auf mich zukommen. Wahrscheinlich merken sie also gar nicht, wenn ihre Bemerkungen beleidigend sind. Aber es nervt trotzdem gewaltig.

    Wie jeder andere Mensch in New York City möchte ich weiterhin mit einer Mischung aus Respekt und Gleichgültigkeit behandelt werden.

    Obwohl das hier keinesfalls eine vollständige Liste ist, folgen hier ein paar der Sätze, die du wirklich nicht zu einem Fremden in einem Rollstuhl sagen solltest:

    1. "Darf ich mitfahren?"

    Auch beliebt: "Möchtest du ein Wettrennen?" oder "Fahr langsamer, oder du kriegst ein Knöllchen."

    Verkneife dir solche Bemerkungen. Es ist nicht niedlich, lustig oder clever – und ich garantiere, dass der Rollstuhlfahrer das schon eine Million mal vorher gehört hat. Und setz dich auf keinen Fall auf den Schoß der Person!!! Glaub es oder nicht, das ist passiert.

    2. "Hängst du mit vielen Menschen in Rollstühlen ab?"

    Es wird häufig davon ausgegangen, dass ich mich mit anderen Menschen in Rollstühlen verabrede. Bei solchen Kommentaren werde ich auf meine Behinderung reduziert. Aber ich bin mehr als das.

    Obwohl es einige Sportarten gibt, die viele Menschen in Rollstühlen zusammenbringen, ist es insgesamt beleidigend davon auszugehen, dass diese eine Gemeinsamkeit die Basis dafür sein würde, mit wem Menschen Zeit verbringen.

    Kristen Parisi

    3. "Komm, ich schieb dich."

    Es ist rücksichtsvoll und hilfreich das jemanden anzubieten, und ich verspreche dir, es wird gewürdigt. Wenn du jedoch einen fremden Menschen in einem Rollstuhl siehst, der sich selbst lässig die Straße entlang schiebt oder im Park trainiert, geht es ihm höchstwahrscheinlich bestens. Die Annahme, dass dieser Mensch Hilfe braucht, erinnert ihn daran, dass er anders ist.

    Wenn du das Angebot machst, und die Person ablehnt, fühl dich bitte nicht angegriffen, wenn sie nein sagt oder fang nicht an, sie trotzdem zu schieben. Deine Hände ohne Erlaubnis an jemand anderes anzulegen, ist niemals OK; geh davon aus, dass der Rollstuhl von jemandem sein persönlicher Bereich ist.

    4. "SUPER", oder "Das machst du großartig".

    Das passiert für gewöhnlich, wenn ich Lebensmittel kaufe, trainiere oder auch ins Kino gehe. Es deutet an, dass ich etwas Exotisches mache, obwohl ich einfach ein normales Leben habe. Obwohl gut beabsichtigt, ist es erniedrigend und hält das Klischee aufrecht, dass behinderte Menschen kein normales Leben haben würden.

    Kristen Parisi

    5. "Warum bist du in einem Rollstuhl?"

    Diese Frage ist besonders heikel und die daraus resultierende Situation ist immer für alle Beteiligten unangenehm. Manche Menschen befinden sich aufgrund von Momenten oder Ereignissen in Rollstühlen, über die sie möglicherweise nur ungern reden wollen. Indem du sie etwas fragst, das wahrscheinlich keine fröhliche Antwort hat, versetzt du sie möglicherweise in eine unangenehme Lage.

    Nachdem dann heraus kam, warum eine Person in einem Rollstuhl gelandet ist, ist die Reaktion für gewöhnlich sowas wie "das ist scheiße" oder "tut mir leid", gefolgt von einer langen, peinlichen Pause. Für niemanden lustig.

    Es gibt Umstände, bei denen diese Frage vollkommen OK ist. Wenn du zum Beispiel bei einem Date bist oder dich mit einem Menschen angefreundet hast und neugierig bist, kann es eine positive Frage sein, die die Tür für eine tiefere Verbindung öffnen kann.

    6. "Kannst du Sex / Kinder haben?"

    Vor ungefähr vier Jahren war ich bei einer beruflichen Veranstaltung und ein Branchenkollege, dem ich nie begegnet bin, fragte mich mitten in der Unterhaltung, ob ich Kinder bekommen könnte. Die Frage überrumpelte mich, dennoch ist es seit damals mehrere Male passiert. Und Männer fragen mich regelmäßig, ob ich Sex haben kann - oder wie ich Sex habe.

    Die sexuellen Fähigkeiten einer Person sind immer persönlich und es ist niemals OK, sie danach zu fragen. Es sei denn, du kennst die Person so gut, dass es entspannt ist, über solche Themen zu reden.

    7. "Achtung, da kommt ein Rollstuhl."

    Es ist kleinlich, aber ich bin immer enttäuscht, wenn Leute mich "der Rollstuhl" nennen. Ich bin ein Mensch in einem Rollstuhl, und das muss einfach mal gesagt werden.

    8. "Ja, bei uns ist es barrierefrei. Es gibt nur zwei, drei Stufen, das ist alles."

    Das gilt hauptsächlich für Menschen, die in Restaurants, Messen, Wohnhäusern, Geschäften, etc. arbeiten. Ich kann dir gar nicht sagen, wie oft man mir sagt, dass etwas barrierefrei ist, aber dass es dort ein paar Stufen gibt.

    Wenn etwas Stufen hat, ist es NICHT ROLLSTUHLGERECHT. Sei nur ehrlich und direkt mit der Information.

    Wernerimages / Getty Images

    9. "Bete einfach weiter. Du wirst ein Wunder erleben."

    Du wärst überrascht, wie viele Menschen mir raten, mehr zu beten, dass es mir bald besser geht oder dass ich ein Wunder erleben werde. Mir ist häufig gesagt worden, dass sich meine Situation ändern wird, wenn ich mehr bete. Die Bemerkungen kommen von Herzen, aber es ist peinlich auf der Empfängerseite zu stehen, besonders wenn man mit Freunden oder der Familie unterwegs ist.

    10. *glotzt schweigend*

    Also, das Letzte ist keine Bemerkung, hat aber eine gleichwertige Auswirkung. Es ist unhöflich, jemanden anzustarren.

    Wir alle verstehen etwas Neugier, aber sei dir bewusst, dass langes Starren fürchterlich ist.

    Kristen Parisi

    Meine letzter Tipp an dich ist, dich Folgendes zu fragen: Würde ich das auch zu einer nichtbehinderten Person sagen?

    Wenn die Antwort Nein lautet, dann sag es bitte nicht zu einer Person in einem Rollstuhl. Besonders, wenn du sie nicht kennst.

    Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch.

    BuzzFeed Daily

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