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Warum sind wir betrunken zu nichts zu gebrauchen? Das sagt die Wissenschaft

Wie sich zeigt, ist das Gehirn im Suff ein echtes Arschloch.

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Hallo! Wir sind Alex und Kirsten. (Alex ist die völlig nüchterne Person links, und Kirsten ist die auf der rechten Seite, die gerade mit Sicherheit nicht an morgen früh denkt.)

Da wir beide gern in geselliger Runde trinken und oft genug unsere Alkoholexzesse bereut haben, wollten wir wissenschaftliche Argumente finden, die uns (über unsere eigene Idiotie hinaus) das Rätsel erklären, warum wir betrunken unser schlimmster Feind sind.

Zu diesem Zweck haben wir Kevin Strang gebeten, Doktor an der Fakultät für Neurowissenschaft an der Universität Wisconsin, uns das wissenschaftliche Geheimnis hinter dem Phänomen Besäufnis zu erklären.

Erst mal müssen wir erklären, warum unser Gehirn im betrunkenen Zustand völlig anders funktioniert, als wenn wir nüchtern sind.

NBC

Kevin Strang sagte, wir sollen uns das Gehirn "wie einen Windows-Rechner mit einem richtig starken RAM-Prozessor und reichlich Speicherplatz" vorstellen. Je mehr der Alkoholpegel ansteige, so führte er aus, desto weniger RAM stehe zur Verfügung: "Wir haben sehr, sehr viele Schaltkreise, die sich durch die Evolution dazu entwickelt haben, verschiedene Dinge zu leisten." Wenn man betrunken ist, hört man auf, alle verfügbaren Teile zu verwenden und kommt in "einen Zustand, den wir myopisch (kurzsichtig) nennen", so Strang weiter.

Im Grunde verhalten wir uns also wenn wir betrunken sind wie ein verrückter Computer.

Hier sind die äußerst wichtigen Fragen, auf die wir Antworten brauchen...

1. Gibt es einen Grund, warum wir unter Alkoholeinfluss bescheuerte Nachrichten schreiben oder impulsiv handeln, obwohl wir uns nüchtern dafür schämen würden?

Paramount Pictures

Strang erzählte uns, dies passiere, weil man sozusagen kurzsichtig werde. Das bedeutet: "Man kann sich nur auf das konzentrieren, was unmittelbar vor einem passiert." Man kann nicht vorhersehen, was als nächstes passieren wird, und weder die Ursachen noch die Auswirkungen einer Situation erfassen. Wenn du also betrunken deinem Ex-Partner schreibst, denkst du im Grunde: "Das wird mir genau jetzt ein besseres Gefühl geben" – aber dein Gehirn blendet völlig aus, wie schäbig du dir am nächsten Tag vorkommen wirst.

2. Warum werden wir so emotional und gefühlsduselig, wenn wir betrunken sind?

MTV

Wenn du betrunken bist, sind die Bereiche des Gehirns, die dich normalerweise vom Ausdrücken tieferer Gefühle abhalten, außer Betrieb, erklärte uns Strang. Wenn jemand bisher gezögert hat, jemandem zu sagen, was er empfindet, so werden "die wahren Gefühle, falls er oder sie betrunken ist, sehr viel wahrscheinlicher zum Ausdruck kommen", so Strang weiter. Das liege daran, dass jene Teile des Gehirns, die uns warnen: "Halt, das könnte zu Ablehnung führen", nur noch verlangsamt arbeiten.

3. Ist es wahrscheinlicher, dass man die Wahrheit sagt oder lügt, wenn man betrunken ist?

BBC One

Alkohol, so Strang, "macht es wahrscheinlicher, BEIDES zu tun". "Er erhöht die Wahrscheinlichkeit, die Wahrheit zu sagen, aber auch jene, zu lügen – je nachdem, worauf man sich in diesem Augenblick konzentrieren kann und auf welche Art du kurzsichtig bist – also auf das, was auf deiner Agenda ganz oben steht." Leute neigten zwar eher dazu, die Wahrheit zu sagen, aber eben nicht immer.

So passiert es dann, dass du vielleicht deinem Ex-Partner (falls du immer noch Gefühle für ihn/sie hast) die Wahrheit erzählst, dass du ihn in genau diesem Moment gern zurück hättest. Dein nüchternes Selbst würde die Ursachen und Wirkungen einer solchen Handlung berücksichtigen, doch wenn du betrunken bist, ist es dir eben völlig egal.

4. Gibt es einen Grund dafür, warum wir so spendabel sind und jedem Getränke ausgeben, wenn wir betrunken sind?

youtube.com

Strong dazu: "Es hat sich sehr deutlich gezeigt, dass betrunkene Leute sehr viel großzügiger sind als nüchterne." "Wenn die Widerstandsfähigkeit abnimmt und die Leute verschiedene Teile ihres Gehirns nicht mehr zum Denken nutzen, dann denken sie auch nicht mehr an ihre Geldbörse." Statt dass sie also über ihr Bankkonto nachdenken, überlegen sie nur, wie gut die Stimmung sein wird, wenn man allen eine Runde ausgibt.

5. Warum bekommen wir Heißhungerattacken nach dem Alkoholkonsum?

youtube.com

Diese Heißhungerattacken sind eine Folge davon, dass das Gehirn "die höheren Funktionen herunterfährt", so Strang. Im "Betrunken-Modus" kann das Gehirn die einfachen Programme noch ausführen, aber nicht die komplizierteren.

"An der Gehirnbasis befinden sich die wichtigen Zentren, die die Atmung und den Herzschlag regeln – also die ganz grundlegenden Gehirntätigkeiten", so erläutert Strang. "Und ein wenig weiter oben werden Dinge wie der Appetit gesteuert, über die wir nur geringe Kontrolle haben."

6. Warum können wir betrunken mehr Schmerzen ertragen?

Oxygen

Strang erklärte uns, dass Alkohol im Grunde auf gleiche Art wirke wie ein Anästhetikum in der Chirurgie. Der Alkohol erschwert es dem Gehirn, die Schmerzsignale, die die Nerven befördern, zu empfangen. Er führt aus: "Alkohol blockiert physisch die Signalübertragung zwischen den Neuronen, die uns Schmerz wahrnehmen lassen."

7. Warum wachen wir nach einer durchzechten Nacht mit rätselhaften blauen Flecken auf?

MTV

Alkohol entspannt gewisse Arten von Muskeln, so Strang – darunter jene, die die Kapillaren steuern. Durch diese fließt das Blut durch den Körper. "Der Blutfluss ist erhöht, da die Blutgefäße entspannt und geweitet sind", wie er erklärt. Das heißt, dass sich mehr Blut im Gewebe befindet und sich deshalb auch bei kleineren Verletzungen mehr Blut unter die Haut ergießen kann (daher die blauen Flecken). Außerdem ist man betrunken viel ungeschickter – und stößt sich eben viel mehr, wenn man durch die Gegen torkelt.

8. Warum schnarchen wir nach einer versoffenen Nacht wie Monster?

Fox

Strang zufolge ist dieses Schnarchen ebenfalls eine Folge der Wirkung von Alkohol auf die Muskulatur. Er erklärte uns, dass Schnarchen durch Muskelgewebe entsteht, das, wenn es entspannt ist, in der Kehle hin- und herflattert. Wenn man trinkt, entspannen sich diese Muskeln, wodurch das Schnarchen wahrscheinlicher wird.

9. Können wir wirklich besser tanzen, Bier-Pong spielen oder Darts werfen, wenn wir betrunken sind?

Universal Pictures

Nach ein paar alkoholischen Getränken "verflüchtigen sich weniger wichtige Gedanken und Bedenken". Wenn man also ein wenig getrunken hat, kann man sich wahrscheinlich besser auf eine gestellte Aufgabe konzentrieren und kann sie in der Tat auch besser fertig bringen. Deshalb MEINT man nicht nur, man könne besser tanzen – man kann es vermutlich tatsächlich!

Wenn du allerdings, sagen wir, sieben Gläser Tequila kippst, beginnen deine motorischen Fähigkeiten abzunehmen. Laut Strang "liegt ein Stück Wahrheit darin, dass man mit einer geringen Alkoholmenge WIRKLICH etwas besser wird".

10. Löst es Übelkeit aus, wenn man verschiedene Arten von Alkohol mischt?

NBC

Vielleicht, so Strang – aber nicht, weil verschiedene chemische Substanzen gemischt würden. Es kommt auf die Reihenfolge an. Wenn du zuerst Drinks mit weniger Prozenten trinkst, gewöhnt sich der Körper an die Alkoholzufuhr und wird in einer bestimmten Geschwindigkeit betrunken. Wenn man dann zu härterem Alkohol übergeht, neigt der Körper dazu, die bisherige Intoxikationsrate beizubehalten – und im Ergebnis nimmt er den Alkohol rascher auf. Der Vorteil daran ist, dass man wahrscheinlich besser beraten ist, es andersherum zu machen, setzte er hinzu.

Einfach gesagt: Bier auf Wein – das lass' sein; Wein auf Bier – das rat' ich dir.

11. Nimmt man Personen wirklich anders wahr, wenn man betrunken ist?

Touchstone Pictures

Strang bestätigte uns, dass das tatsächlich der Fall sei. Auch das liege letztlich an der alkoholbedingten Kurzsichtigkeit. "Sagen wir, du triffst jemanden, und er/sie sieht zwar nicht so umwerfend aus, hat aber ein Lachen, das du bezaubernd findest", erklärte er. "Es braucht lediglich diesen einen Aspekt, diese Facette, um uns dazu zu bringen, ihn/sie viel attraktiver zu finden, als wir es würden, wenn wir nüchtern wären. Denn wir konzentrieren uns aufgrund der Kurzsichtigkeit nur auf diesen einen Aspekt."

12. Gibt es einen Grund, warum Leute so einen "betrunkenen Blick" haben?

Fox

Hast du schon mal ein Bild gesehen, das dich selbst auf Sauftour zeigt, und dich gefragt, warum man sofort erkennen kann, dass du betrunken bist? Das kann daran liegen, dass sich dein Gehirn stärker als normal auf die Augen verlässt. "Es ist sehr schwierig, das visuelle System selbst zu beeinträchtigen", wie Strang ausführte. Was eingeschränkt wird, sind andere Systeme, zum Beispiel die Ohren. "Normalerweise arbeiten Augen und Ohren zusammen, um dir mitzuteilen, wie du dich relativ zur Welt bewegst", so Strang. "Starren mit weit geöffneten Augen kann eine Folge davon sein, dass sich das Gehirn nur auf die Augen konzentriert."

13. Wieso brüllen wir alle rum, wenn wir betrunken sind?

DreamWorks

Strang sagte uns, es liege nicht daran, dass wir den Drang hätten, lauter zu sprechen, sondern dass wir wirklich unsere eigene Stimme weniger gut hören könnten. Er erklärte uns weiter: "Die Nervenzellen im Ohr, die reagieren und die Informationen ins Gehirn leiten, übertragen wirklich immer weniger Signale ans Gehirn." "Deine Stimme klingt für dich leiser, deshalb lässt du sie um so viel lauter erschallen, wie du für nötig hältst, um sie in der Lautstärke wahrzunehmen, die du kennst."

14. Kann man im betrunkenen Zustand einen Moment der Klarheit oder eine alkoholbedingte Erleuchtung haben?

Fine Line Features

Sicherlich kann man der Meinung sein, man habe so etwas. Deine trunkenheitsbedingt vereinfachte Sicht der Dinge lässt dir simple Erklärungsmuster wahrhafter erscheinen : "Dir erscheint etwas als die ideale Lösung, aber du erkennst die Nachteile nicht", sagte er, "weil du keinen Zugang dazu findest." ... "Ich will damit nicht sagen, dass solche Erleuchtungen nie brillant sein können – aber es kommt auch vor, dass sie es nicht sind."

Und die Moral von der Geschichte: Versuche immer, verantwortungsvoll und maßvoll zu trinken. Und wenn du das nicht schaffst: Wirf lieber dein Telefon ins Meer, bevor du jemandem schreibst, dem du lieber nicht schreiben solltest.

NBC

Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch.

BuzzFeed Daily

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