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Dieser bayerische AfD Kandidat empfiehlt, das AfD-Wahlprogramm besser nicht zu lesen

„Das war natürlich polemisch gemeint“, sagt der AfD-Politiker gegenüber BuzzFeed News.

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Am Sonntag sind die Landtagswahlen in Bayern. Das ist Dr. Gerhard Großkurth, der für die AfD in Neu-Ulm kandidiert.

In der geschlossenen Facebook-Gruppe „AfD-Bayern-Mitgliedergruppe“ sprechen AfD-Mitglieder unter sich. Nun ist ein Screenshot aus der Gruppe auf Twitter aufgetaucht. Er zeigt, wie Gerhard Großkurth folgendes über das AfD-Wahlprogramm schreibt.

„Mit zunehmender Verbreitung [des AfD-Wahlprogramms] steigt das Risiko, dass das jemand liest“, schreibt Großkurth da.
Twitter: @FriendOfFacts17

„Mit zunehmender Verbreitung [des AfD-Wahlprogramms] steigt das Risiko, dass das jemand liest“, schreibt Großkurth da.

Eine andere Person antwortet Großkurth und schreibt: „Wenn etwas schlecht ist, dann wird es auch in der Zusammenfassung nicht viel besser.“ „Nicht besser, aber kürzer“, antwortet der AfD Kandidat aus Neu-Ulm.

Auf Twitter sorgt der Screenshot für viel Verwunderung und Lacher.

Um sicher zu gehen, dass der Screenshot nicht gefälscht ist, haben wir Gerhard Großkurth angerufen und nachgefragt.

Großkurth sagt gleich, er wisse, um welchen Screenshot es sich handele. Er sagt, dass der Screenshot aus seiner Sicht nun „umgedeutet“ werde. Wir einigen uns darauf, dass BuzzFeed News ihm Fragen per E-Mail schickt. Großkurth hat Angst vor Missverständnissen oder ungenauen Zitierungen.

„Das war natürlich polemisch gemeint“, erklärt Großkurth seinen Satz im Facebook-Beitrag.

Quelle: E-Mail

Großkurth erklärt, dass er hinter dem Programm seiner Partei stehe. Es sei lediglich „nicht sehr lesefreundlich“ gewesen.

Quelle: E-Mail

In seiner Antwort fordert Großkurth BuzzFeed News auch dazu auf, seine Stellungnahme ungekürzt zu veröffentlichen.

Journalistinnen und Journalisten sind nicht dazu verpflichtet, Stellungnahmen von Interviewpartnern in voller länge zu veröffentlichen. Stattdessen werden die relevantesten Aussagen ausgewählt, um sie den Lesern möglichst lesefreundlich zu vermitteln. Ohne diese Komplexitätsreduktion wäre Journalismus nicht möglich.

Zudem versuchen viele Menschen bei Fragen von Journalisten ihre eigene Agenda in den Antworten unterzubringen. Dazu gehören natürlich auch Politiker. Vor allem bei populistischen Politikern fällt immer wieder auf, dass sie solche Antworten nutzen, um lange Erklärungen abseits des Themas oder Angriffe auf den (politischen) Gegner zu verbreiten. So ist es auch in diesem Fall geschehen: Großkurth schreibt in seiner Antwort von „linksgrünen Verschwörungstheoretikern“ und „linken Trolls“ und behauptet, seine politischen Gegner würden in Anlehnung an die DDR der Partei stets vollen Gehorsam schenken. Sein Akt der Kritik am Parteiprogramm sei dagegen ein Zeichen für die parteiinterne, zu lobende Kritikkultur.

Auch wenn wir nicht zu einer vollen Veröffentlichung der Antwort verpflichtet gewesen wären, finden wir, dass es sich lohnt, sie in Gänze zu veröffentlichen.

UPDATE

Im letzten Absatz haben wir eine wertende Formulierung von uns entfernt.

UPDATE - Gerhard Großkurth hat auf unsere Veröffentlichung reagiert und schreibt:

Hier findest Du alle Beiträge von BuzzFeed News Deutschland. Mehr Recherchen von BuzzFeed News Deutschland findest Du auch in unserem Podcast, auf Facebook und Twitter oder im RSS-Feed.Mehr Informationen über unsere Reporterinnen und Reporter, unsere Sicht auf den Journalismus und sämtliche Kontaktdaten – auch anonym und sicher – findest du auf dieser Seite.
BF

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Karsten Schmehl ist Reporter für Social News und Desinformation bei BuzzFeed News und lebt in Berlin.

Contact Karsten Schmehl at karsten.schmehl@buzzfeed.com.

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