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Diese Frau ging im Dirndl zu einem Weinfest und musste sich deswegen dort rassistische Bemerkungen anhören

Imoan Kinshasa stand den Tränen nahe, aber übers Internet bekam sie ganz viel Liebe.

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Als Imoan Kinshasa auf ein Weinfest in Österreich geht, ahnt sie noch nicht, was für rassistischer Hass ihr entgegenkommt, als Menschen sie in einem Dirndl sehen. Dabei ist Trachten tragen für sie eine Selbstverständlichkeit, denn sie ist in Bayern groß geworden, schreibt sie.

Auf Facebook schreibt sie sich die Erlebnisse von diesem Weinfest von der Seele und der Post berührt Tausende. Ihr Post beginnt mit: „Mein Lachen täuscht.“

Sie hätte nicht geahnt, dass der Besuch des Weinfests dafür sorgt, dass sie am Ende des Tages den Tränen nahe ist. Sie will nach Traiskirchen, ein kleiner Ort in der Nähe von Wien.

Imoan schreibt, dass sie immer schon Dirndl getragen hat. Auch im Trachtenverein sei sie ein Star und ihre Oma hätte sogar einige Kleider für sie selbst genäht.

Auf dem Weinfest angekommen dauerte es nur wenige Minuten, bis jemand Imoan diesen Satz sagt: „Jetzt hab ich alles gesehen, ein Neger im Dirndl.“

Weiter schreibt sie in ihrem Facebook-Post, dass sie die anderen Menschen am Nachbartisch reden hört und spürt, wie sie starren. Sie hört weitere Sätze wie „Eine Schwarze im Dirndl!“

Das Gefühl von allen angestarrt zu werden macht sie wütend. Sie schreibt, dass sie innerlich kocht. Dabei will sie doch nur einen guten Abend mit Freunden haben, erzählt sie. Viele bemerken offenbar zu dem Zeitpunkt immer noch nicht, wie sie sich fühlt:

Imoan in einem anderen Dirndl in Wien. Ein Mann kommentiert es mit: „Es lebe die Vielfalt! Das ist das Schöne am Menschsein.“

facebook.com

Als Imoan auf das Weinfest zurückblickt, fühlt sich sich ihrer Identität beraubt. Sie schreibt, dass sie nur Bayern und Österreich kennt, hier in Achental im Chiemgau aufgewachsen ist. Aber die Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren so verändert, dass sie nun offenbar kein Teil mehr davon ist.

„Dieser antrainierte Hass zerfrisst mich innerlich“, schreibt Imoan. Sie zieht für dich den Schluss solche Veranstaltungen in Zukunft zu meiden.

Auf Facebook hat ihr Post schon mehr als 10.000 Shares und Kommentare erzeugt, weil viele so schockiert von Imoans Erlebnissen sind. Die Kommentare unter dem Post zeigen, wie viel Liebe Imoan nun von Fremden aus dem Internet bekommt.

Viele berichten von ihren Erfahrungen mit Alltagsrassismus oder sprechen Imoan einfach nur ihr Mitgefühl aus.

Manche Nachrichten sind kurz und knackig.

Andere sagen einfach nur aufrichtig „Entschuldigung“.

Und wie Nadine schreibt, hoffen sicher viele, dass diese Likes auf Facebook vielleicht ein kleines bisschen wieder gut machen können, was ihr auf diesem Weinfest passiert ist.

BuzzFeed News hat Imoan Kinshasa um einen Kommentar gebeten.

UPDATE — Imoan antwortet BuzzFeed News.

Sie schreibt uns: „Mit so vielen Reaktionen hätte ich niemals gerechnet. Das war auch nie so beabsichtigt. Ich schreibe mir einfach gerne die Sorgen von der Seele. Es freut mich aber sehr dass ich die Chance habe auf Alltagsrassismus aufmerksam zu machen. Mir geht es soweit gut. Die ersten beiden Tage danach waren schwer, sowas hängt einem immer nach.”

Für die Zukunft wünscht sie sich mehr Solidarität unter den Menschen. „Als wir sie fragen, was Jeder Einzelne kann einen Beitrag leisten und sich klar gegen Rassismus aussprechen und für Betroffene einstehen. Am meisten wünsche ich mir ein Lächeln, das verbindet und entspannt die Situation“ schreibt sie uns.

UPDATE – Der Post von Imoan wurde von Facebook gelöscht, weil er angeblich gegen die Community Standards verstößt.

Facebook

Karsten Schmehl ist Reporter für Social News und Desinformation bei BuzzFeed News und lebt in Berlin.

Contact Karsten Schmehl at karsten.schmehl@buzzfeed.com.

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