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23 Trans-Personen erzählen, wie sie im Alltag angegriffen und beleidigt werden

„Er griff mir mit der Bemerkung 'Echte Titten, du Schlampe?' an die Brust.“

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BuzzFeed News hat in einer Umfrage mehr als 650 queere Menschen gefragt, welche Übergriffe sie im Alltag erleben. Die Antworten zeigen: Gewalt ist für viele LGBT*s in Deutschland noch immer Alltag.

Ein knappes Viertel der Personen, die uns geantwortet haben, sind Trans. Sie sind besonders stark von Hass und Gewalt betroffen. Das bestätigt eine EU-Studie von 2013: Ein Viertel der Befragten wurde in den vergangenen fünf Jahren Opfer von Angriffen oder Gewaltandrohung – Transgender-Personen hingegen erleben dies zu 35 Prozent, also deutlich häufiger.

Hier sind 23 Antworten von Trans-Personen, die uns von Hass und Gewalt aus ihrem Alltag erzählt haben.

Scott Olson / Getty Images

1. „Ich sei abnormal und dreckig. Gott mache keine Fehler.“

Ich habe endlich das Selbstbewusstsein gesammelt, einen Binder zum Minimieren des Brustumfangs in der Öffentlichkeit zu tragen, und habe auch maskulines Make Up aufgetragen. Wurde direkt von einer Person komisch angeguckt und gefragt, wo denn meine Titten seien. Ich entgegnete höflich, dass dies meine Sache ist und nicht ihre. Daraufhin wurde ich beschimpft ich sei wohl „eine dreckige Transe“. Ich sei als Mädchen viel schöner und verhalte mich nur für die Aufmerksamkeit so, ich sei abnormal und dreckig. Gott mache keine Fehler.
– Trans/non-binary, pansexuell, Berlin unter 18 Jahre

2. „Ich hab auf den Zug gewartet und ein Mann pöbelte mich an und nannte mich 'Transen-Schwein'. Dann kam er auf mich zu und schubste mich, so dass ich fast stürzte.“

Trans, pansexuell, Bayern, 25-35 Jahre

3. „Sie hat deutlich gemacht, dass sie meine Identität nicht akzeptieren wird.“

Ich habe der Person gesagt, dass ich mit einem anderen Namen als meinem Geburtsnamen angesprochen werden möchte, da ich mich nicht als weiblich empfinde. Sie hat daraufhin (in ziemlich abschätzigem Ton) gesagt, das wäre Schwachsinn und sie würde das nicht tun. Das sei mein Problem und ich solle nichts mehr mit ihr unternehmen, wenn ich damit nicht klarkomme. In der darauf folgenden „Diskussion“ hat sie sehr deutlich gemacht, dass sie meine Identität nicht akzeptieren wird.
– Trans/non-binary, pansexuell, Bayern, 18-24 Jahre

4. „Ich wurde festgehalten und meine Hose runtergezogen und dann angefasst und angeguckt.“

– Trans/non-binary,poly, Bayern/Sachsen, 18-24 Jahre

5. „Diese ganze Genderkacke“ sei neumodischer Blödsinn.

Ich kam in das Studiensekretariat, um nachzufragen, ob die Universität eine Namensänderungen in den Studentenakten über den Zusatzausweis des DGTI [Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität] zulässt. Neben einer Absage bekam ich zu hören, was das für ein „unnötiger Quatsch“ sei, und dass „diese ganze Genderkacke“ sowieso neumodischer Blödsinn sei.
– Trans/non-binary, asexuell, Sachsen-Anhalt, 18-24 Jahre

6. „Ich habe dich geboren, ich weiß genau, dass du ein Mädchen bist!“

Ich bin sehr konservativ aufgewachsen, Freikirche, charismatisch-fundamentalistische Gemeinde. Dass ein Outing bei meiner Familie nicht gut ankommt, war mir natürlich klar. [...] Ich war 28 Jahre alt und hatte meine Eltern und Geschwister zu mir eingeladen, um mich zu outen. Ich wusste ganz sicher, dass mein Familienleben danach nie wieder so sein würde, wie vorher. [...]

Es kamen Vorschläge, eine christliche Therapie zu machen (sprich “pray away the gay“), um mich wieder normal zu machen. Weil Homosexualität und so Krankheiten wären und Gott das heilen kann. Dazu kamen noch ein paar säkulare Sprüche wie „Ich habe als Kind auch Fußball gespielt, bin ich jetzt etwa auch ein Junge?!“ und „Ich habe dich geboren, ich weiß genau, dass du ein Mädchen bist!“ ... Was soll man dazu noch sagen. 🙄

Letzten Endes habe ich zu meiner biologischen Mutter und meinen jüngeren Geschwistern keinen Kontakt mehr. Zu meinem Papa habe ich ein gutes Verhältnis, er gibt sich Mühe. Er nennt mich nicht bei meinem männlichen Namen, aber er benutzt auch nicht meinen Geburtsnamen. Damit können wir beide sehr gut leben. Wenn der Satzbau unbedingt ein Pronomen erfordert (was selten der Fall ist – ich bewundere seine grammatikalische Wendigkeit), dann nimmt er männliche Pronomina. Mein großer Bruder hat mich völlig so akzeptiert und behandelt mich wie einen ganz normalen Kerl. (Dazu sei gesagt, dass er sich von dem ganzen Glauben, ebenso wie ich, abgewendet hat. Sonst wäre das für ihn wohl auch nicht möglich)
– Männlich/Trans, pansexuell, Niedersachsen, 25-35 Jahre

Scott Olson / Getty Images

7. „Mir wurden drei Tage lang Suizidaufforderungen, Vergewaltigungsdrohungen und Gewaltandrohungen gegen mich, meine Haustiere und Freunde geschickt.“

Ich habe auf Twitter einen Minderjährigen verteidigt, der wegen seiner Sexualität von mehreren anderen Twitterusern aufs Schlimmste beleidigt wurde. Daraufhin wurden mir drei Tage lang massenhaft Suizidaufforderungen, Vergewaltigungsdrohungen, Beschimpfungen, Gewaltandrohungen gegen mich, meine Haustiere und Freunde geschickt sowie Drohungen, mich in meinem Privatleben zu outen und zu ermorden. Unter anderem wurde ich auch mehrfach als lebensunwertes Leben beschimpft oder mir angedroht mich zu vergasen wenn 'sie' wieder an die Macht kämen. Ich habe über 150 Accounts gemeldet und geblockt, Twitter hat zwei dieser Accounts vorübergehend gesperrt. Sie haben ein Foto gefunden, auf dem ich teilweise zu sehen war und es per Bildbearbeitung in Bilder von toten Tieren eingefügt und verbreitet – mit der falschen Aussage, ich würde Tiere quälen und Kinder belästigen.
– Fluid, bisexuell/queer, NRW, 25-35 Jahre

8. Beschimpft, gestoßen, angespuckt

– Trans, schwul, Bayern, älter als 60 Jahre

9. „Meine Mutter akzeptiert nicht, dass ich geoutet bin.“

Meine Mutter spricht mich immer wieder darauf an, dass ich binde, versuche, mit tieferer Stimme zu reden oder mich maskulin anziehe. Ich bin geoutet, aber sie akzeptiert das nicht, sondern macht sich meistens über oben genannte Dinge lustig. Sie weigert sich, meinen richtigen Namen zu verwenden, geschweige denn mein Pronomen. Der letzte Angriff war gestern, als es um das Thema "All men are trash" ging. Ich machte eine Aussage, die Männer als Gruppe kritisierte und sie antwortete: „Nicht alle Männer sind so. Und außerdem bist du doch auch einer!“
– Trans/non-binary/transmaskulin/genderqueer, pansexuell/asexuell, Bayern, 18-24 Jahre

10. „Die Menschen hatten maximal verachtende Blicke für mich.“

U-Bahn Hermannplatz. Eine Person wollte mir meine Handtasche (pink mit Stiefelmuster) klauen, weil ich eine „Schwuchtel“ sei. Die Person hat die Tasche mehrere Minuten lang nicht losgelassen und mich auch danach weiter bedroht. Die Situation ging soweit, dass ich mich nach Flaschen zu Verteidigung umgeschaut habe. Das Ganze fand an einem vollen U-Bahnsteig statt, die Menschen hatten maximal verachtende Blicke für mich. Der Vorfall hat sich so eingebrannt, weil bestimmt 150 Personen anwesend waren, die nicht nur nicht eingegriffen haben, sondern von denen die allermeisten auch Täter*innen hätten sein können. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, dass sie nicht die andere Person unterstützt hätten.
– trans/non-binary/weiblich, lesbisch/pansexuell, Niedersachsen, 18-24 Jahre

11. Ich wurde vor einigen Monaten, mit 15, von drei Männern angegrabscht. Sie wollten wissen, ob ich ein Junge oder ein Mädchen sei.

– Trans/non-binary, pansexuell, Berlin, unter 18Jahre

12. „Ein Bekannter eines Freundes wollte 'testen, ob ich wirklich eine Frau bin'.“

Der erste transfeindliche Übergriff: Ich war 18 Jahre alt und auf einer Karnevalsparty. Ich war als Geist verkleidet, andere Leute konnten also nur meine Stimme (recht tief) wahrnehmen, und dass ich von Freund*innen mit meinen „weiblichen“ Vornamen angesprochen werde. Ein Bekannter eines Freundes wollte „testen, ob ich wirklich eine Frau bin“ und hat mir mit beiden Händen so plötzlich und mit Schwung an die Brust gefasst, so dass ich fast umgefallen wäre. Das habe ich so stark in Erinnerung, weil es der erste körperliche Übergriff war.
– Trans/non-binary, lesbisch, Berlin, 25-35 Jahre

Arun Sankar / AFP / Getty Images

13. „Mir wurde der Weg zu einer von der Krankenkassen bezahlen Transition verweigert, weil ich nicht 'Trans genug' bin.“

Ich war bei einer Therapeutin, die auf Trans spezialisiert ist, die mir meine nicht-binäre Identität abgesprochen hat und mich auf Grund meiner Identität nicht behandeln wollte. Dann war ich bei einer anderen Psychologin, die sich nicht dafür interessierte und das Thema möglichst vermieden hat, obwohl sie mir versprach, sich zu informieren. Mir wurde der Weg zu einer von der Krankenkassen bezahlen Transition verweigert, weil ich nicht "Trans genug" bin.
– Trans/non-binary, bisexuell/pansexuell, NRW, 18-24 Jahre

14. „Mich drängte ein Schüler an die Wand und fasste mir an die Brust.“

Mit 16 drängte mich ein anderer Schüler im Schulflur an die Wand und fasste mir an die Brust, lachte dabei und wurde von anderen Schülern im Flur angefeuert.
– Trans/Non binary, Asexuell, Sachsen-Anhalt, 18-24 Jahre

15. „Ich wurde in einem öffentlichen Bahnhof mehrfach bewusstlos geschlagen.“

Ich wurde mit 18 von einer Gruppe Leute nachts in einem öffentlichen Bahnhof mehrfach bewusstlos geschlagen. Eigentlich wollte ich im Bahnhof auf mein Taxi warten, weil mir die Typen draußen schon so unheimlich vorkamen, wurde aber von einem Angestellten rausgeworfen, der sich nicht für meine Sorgen interessiert hat. Der hat sich später nicht mehr blicken lassen und auch das Taxi ist wieder weggefahren. Da mir die Leute auch meine Brieftasche abgenommen hatten, bekam ich zwei Tage später für den Notarztwagen und die Notaufnahme eine extrem unfreundliche Mahnung. [...]
– Trans/non-binary, lesbisch, bisexuell, polysexuell, enbysexuell, homosexuell, NRW, 25-35 Jahre

16. „Sie riefen Beleidigungen durch die Kneipe wie: Trans* seien eklig.“

Erst riefen sie Beleidigungen durch die Kneipe wie: Trans* seien eklig; Menschen, die sich nicht entscheiden können, welches Geschlecht sie seien, wären Missgeburten. Dann bewarfen sie mich mit einem Plastikarmband (diese Sportarmbänder). Als ich sie konfrontierte, drohten sie mir Stress an, beleidigten mich und drohten mich zu schlagen, wenn ich nicht weggehen würde.
– Trans, lesbisch/ heterosexuell, Baden-Württemberg, 18-24 Jahre

17. „Ich werde auf der Straße immer wieder ins Lächerliche gezogen oder beleidigt. Die Beleidigungen lauten meist: das ist ein Mann, das ist ne' Transe, Schwuchtel, Nutte, Fotze ... das Übliche halt.“

– weiblich/Trans, asexuell, Hessen, 25-35 Jahre

18. „Er griff mir mit der Bemerkung 'Echte Titten, du Schlampe?' an die Brust.“

Ich kam abends von einem Konzert und nahm die S-Bahn nach Hause. In der S- Bahn setzte sich dieser Mann mir gegenüber und starrte mich unablässig an. Er starrte auf meine Brust, auf die Beine und versuchte Blickkontakt herzustellen. Ich stand auf und setzte mich auf einen anderen freien Platz. Der Mann folgte mir und setzte sich in die Sitzreihe gegenüber. [...] Kurze Zeit später stieg ich aus und wartete an der Bushaltestelle auf meinen Bus, als dieser Mann plötzlich wie aus dem nichts wieder bei mir stand. Er griff mir mit der Bemerkung „Echte Titten, du Schlampe?“ an die Brust. Ich schrie ihn an so laut ich konnte, da drehte er sich um und ging weg.
– weiblich/Trans, pansexuell, NRW 36-45 Jahre

Sean Gallup / Getty Images

19. „Mitleidiges: 'Du kannst ja auch nichts dafür, dass du Satan in deinen Genen hast'.“

– männlich/Trans, pan/hetero, Baden-Württemberg, 25-35 Jahre

20. Weigerung in einem Büro mit mir zu sitzen (Arbeitsplatz)

– Trans, pansexuell, 36-45 Jahre

21. „Auch wenn ich 'nur' angestarrt werde, fühlt es sich immer an, als könnte die Situation jederzeit eskalieren.“

Leute schauen/starren mich oft an, wechseln dabei zwischen Gesicht und Brust, manchmal kommt es dann zu verbalen Übergriffen. Dreimal ist darauf auch ein körperlicher Übergriff gefolgt (nicht im vergangenen Jahr). Auch wenn ich 'nur' angestarrt werde, fühlt es sich immer an, als könnte die Situation jederzeit eskalieren.
– Trans/Non binary, lesbisch, Berlin, 25-35 Jahre

22. „Ich wurde als Schwuchtel bezeichnet.“

– Trans, lesbisch, NRW, 46-60 Jahre

23. ,,Unter Hitler hätte es sowas nicht gegeben.“

Es wurden fiese Kommentare auf den Bildern hinterlassen, auf denen ich meinen Freund küsse. Zum Beispiel: ,,Unter Hitler hätte es sowas nicht gegeben.“ Ebenso wurde ich verbal attackiert, zum Beispiel wurde mein Deadname verwendet.
– männlich/Trans, schwul/sisexuell, Niedersachsen, unter 18 Jahre

Ozan Kose / AFP / Getty Images

Dieser Beitrag ist Teil einer mehrteiligen Reihe zum Thema Hass und Gewalt gegen LGBT*s. Hier findest du den Link zu unserer Umfrage, an der du gerne anonym teilnehmen kannst.

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Juliane Löffler ist Redakteurin für LGBT* und Feminismus und lebt in Berlin. Contact this reporter at Juliane.Loeffler@buzzfeed.com

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