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Die Bundesregierung unternimmt weiterhin nichts gegen Operationen an intersexuellen Kindern

Bis heute werden rund 2000 Kinder pro Jahr operiert, damit sie in das Schema „Junge oder Mädchen“ passen.

Intersexuelle Kinder werden auch 2019 regelmäßig operiert, um in das Schema „Junge oder Mädchen“ zu passen. Die Bundesregierung hat weiterhin keinen konkreten Plan, dies zu verändern – obwohl dies im Koalitionsvertrag im März 2018 angekündigt worden war. Das ergibt eine kleine Anfrage von Jens Brandenburg, FDP-Sprecher für LSBTI, an die Bundesregierung.

Es sei geplant, baldmöglichst einen entsprechenden Gesetzentwurf einzubringen, heißt es in der Antwort. „Die Frage zu den inhaltlichen Planungen kann derzeit noch nicht beantwortet werden, weil der Meinungsbildungsprozess innerhalb der Bundesregierung noch nicht abgeschlossen ist.“ Im Februar diesen Jahres hatte die Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion ähnlich geantwortet.

Intersexuelle Kinder werden weiterhin regelmäßig operiert. Das zeigte erst zu Beginn diesen Jahres eine neue Studie. Mehr als 2000 dieser Eingriffe fanden 2016 laut der Studie an Kindern statt. Auch neue medizinische Leitlinien haben die Operationen laut der Studie nicht begrenzt.

Zu den Genitaloperationen an intersexuellen Kindern gehören etwa plastisch-rekonstruktive Operationen des Hodensacks oder Klitorisreduktionen. Dabei wird die Klitoris der Kinder chirurgisch verkleinert. Ärztinnen und Ärzte verstoßen mit den Behandlung intersexueller Kinder regelmäßig gegen geltende medizinische Leitlinien, zeigte im vergangenen Jahr eine Recherche von BuzzFeed News.

Schwerwiegende körperliche und psychische Folgen

Die Bundesregierung will gesetzlich gegen die geschlechtszuweisenden Operationen vorgehen. Im Koalitionsvertrag von 2018 heißt es: „Wir werden gesetzlich klarstellen, dass geschlechtsangleichende medizinische Eingriffe an Kindern nur in unaufschiebbaren Fällen und zur Abwendung von Lebensgefahr zulässig sind.“

Doch konkrete Pläne gibt es dazu offenbar noch nicht. Jens Brandenburg kommentiert die kleine Anfrage der Bundesregierung: Es sei „beschämend“, dass es noch immer keinen Zeitplan zum Verbot geschlechtsangleichender Operationen gebe. „Seit über über einem halben Jahr ist das Ministerium einem Gesetzentwurf offenbar keinen Millimeter näher gekommen. Ministerin Lambrecht muss nun endlich aus dem Sommerschlaf erwachen und die Versprechung des Koalitionsvertrags umsetzen.“ Er nennt die Eingriffe „menschenverachtende Operationen“, die schnellstmöglich verboten werden müssten.

Laut Bundesärztekammer kommen jährlich 150 Kinder mit Genitalien zur Welt, die nicht eindeutig männlich oder weiblich sind. Eine andere, häufig verwendete Schätzung geht davon aus, dass 1,7 Prozent der Menschen weltweit intergeschlechtlich sind.

Seit Jahren kämpfen Aktivist*innen für ein gesetzliches Verbot von Operationen an intergeschlechtlichen Kindern. Erwachsene Betroffene leiden häufig an schwerwiegenden körperlichen und psychischen Folgen und nennen die Operationen „Genitalverstümmelung“. Anwältinnen halten die Eingriffe teilweise für Körperverletzung oder schwere Körperverletzung. Die Agentur für Europäische Grundrechte kam 2015 zu dem Ergebnis, dass die Menschenrechte von Intersexuellen durch die Operationen missachtet werden.

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Senior Reporterin BuzzFeed News

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