• lgbtdeutschland badge
Updated on 6. Sept. 2019. Posted on 23. Aug. 2019

Eine Person terrorisierte schwule Männer – drei Jahre später gibt es noch keinen Prozesstermin

Vor einigen Monaten berichteten wir über Max O., der Opfer eines Stalkers aus Bremen wurde. Bis heute gibt es keinen Termin für einen Prozess.

Drei Jahre wartet Max O. jetzt. Drei Jahre, in denen derjenige, der ihn monatelang terrorisierte, sich nicht vor Gericht verantworten muss. BuzzFeed News berichtete vor sechs Monaten über den Fall: Der mutmaßliche Täter terrorisierte Max O. und andere junge Männer – nur, weil sie schwul sind. Max O. bekam hunderte Nachrichten auf Facebook. Er wurde bedroht. Sogar ein Todeskranz wurde in seine Schule geschickt.

Der Täter sei von einem Vernichtungswunsch getrieben, glaubt der Leiter der Beratungsstelle Stop-Stalking in Berlin, Wolf Ortiz-Müller. Max war damals 17 Jahre alt. Mittlerweile studiert er im Ausland.

Nach der Veröffentlichung durch BuzzFeed News meldeten sich etliche Personen bei uns, um Max O. ihre Solidarität und ihr Mitgefühl auszusprechen, einige boten Spenden an. Max hatte seinen Fall öffentlich gemacht, um auf das Thema Homofeindlichkeit aufmerksam zu machen – auch in der Hoffnung, dass es danach endlich zu einer Verhandlung kommt.

Seit April 2017 sind die Ermittlungen der Polizei abgeschlossen, die Akte liegt bei der Staatsanwaltschaft Bremen. Die hat in vier Fällen Anklage erhoben, nach Informationen von BuzzFeed News sind jedoch weitere Personen betroffen. Doch Max' Hoffnung auf einen Prozessbeginn hat sich bislang nicht erfüllt.

„Wir haben inzwischen 2019. Drei Jahre ist der Fall her und es gibt noch immer keine genauen Informationen über einen Prozess. Auch wenn ich mich nicht mit den rechtlichen Schritten auskenne bin ich der Meinung, dass man die betroffenen Personen nicht komplett unwissend lassen sollte“, schreibt Max an BuzzFeed News.

Max O. hat in der vergangenen Woche beim Gericht angerufen. Dort, so sagt er, konnte man ihm auch nicht erklären, warum das so lang dauert. Es wurde jedoch angekündigt, er werde zeitnah etwas hören.

Max O. macht das ratlos, sagt er am Telefon. „Ich kann mir vorstellen, dass unter uns manche diesen Prozess dringend benötigen, um damit abschließen zu können. Diese Unwissenheit kann sehr belastend werden und einem den Alltag unnötig erschweren, wenn man bedenkt, dass der Täter bis heute frei rumläuft und man theoretisch zu jedem Zeitpunkt auf ihn treffen könnte“, schreibt er. Er wolle den Behörden nicht vorwerfen, schlechte Arbeit zu machen, „aber eine Erklärung, was genau das Problem ist, würde ich mir trotzdem wünschen.“

Seit unserer Veröffentlichung haben wir mehrfach beim Pressesprecher des Amtsgerichts in Bremen nachgefragt, ob ein erster Verhandlungstermin absehbar sei. Im vorerst letzten Telefonat vor wenigen Tagen kündigte der Pressesprecher an, Mitte September in den Ruhestand zu gehen. Auf das Verfahren wird das keinen Einfluss nehmen.

Foto: Charlotte Schmitz


Seid ihr Opfer von LGBT*-Feindlichkeit geworden und möchtet uns davon berichten? Ihr erreicht unsere Reporterin unter Juliane.Loeffler@buzzfeed.com



Seid ihr Opfer oder Täter von Stalking oder Cybermobbing? Hier findet ihr Hilfe:

Hier findest Du alle Beiträge von BuzzFeed News Deutschland. Mehr Recherchen von BuzzFeed News Deutschland findest Du auch auf Facebook und Twitter oder im RSS-Feed. Mehr Informationen über unsere Reporterinnen und Reportern, unsere Sicht auf den Journalismus und sämtliche Kontaktdaten – auch anonym und sicher – findest du auf dieser Seite.

Senior Reporterin BuzzFeed News

Contact Juliane Loeffler at juliane.loeffler@buzzfeed.com.

Got a confidential tip? Submit it here

Hat dir dieser Beitrag gefallen? Möchtest du jede Woche von uns hören?

Dann melde dich bei unserem Newsletter an. Wir schicken dir die besten Recherchen, nicht nur unsere eigenen. Und erklären, wie wir bei BuzzFeed arbeiten. Kostenlos.

Newsletter signup form