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In Chemnitz protestierten tausende Rechte, Nazis und Gegendemonstranten – Journalisten wurden angegriffen

Die Polizei hat die Veranstaltung offiziell für beendet erklärt, doch die Lage bleibt angespannt.

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Demonstranten in Chemnitz

Sean Gallup / Getty Images

Tausende Rechte, Nazis und Gegendemonstranten haben am Samstagnachmittag in Chemnitz demonstriert. Die zwei von den rechten Parteien Pro Chemnitz und AfD angemeldeten Demonstrationen schlossen sich am Nachmittag zusammen. In der Folge kam es zu Angriffen auf Polizeibeamte und Journalisten.

Die Polizei war mit Pferden, Wasserwerfern und Einsatzkräften der Bundespolizei im Einsatz. In der Nähe des Hauptbahnhofes kam es zu einer Sitzblockade durch linke Demonstranten. In der Innenstadt kam es zu Spannungen zwischen rechte Demonstranten und der Polizei.

Parallel zuden rechten Demonstrationen versammelten sich nach Polizeiangaben etwa 4000 Personen unter dem Motto „Herz statt Hass“ in Chemnitz. Hunderte linke und linksradikale Aktivisten, darunter auch Menschen aus dem Schwarzen Block, reisten über die Mittagsstunden in Chemnitz an.

Die Veranstaltung der AfD wurde von der Polizei gegen 19 Uhr offiziell für beendet erklärt, danach löste sich die Menge langsam auf. Mehrere Journalisten wurden nach Informationen von BuzzFeed News und anderen Medien verletzt. Immer wieder kommt es seit den Abendstunden zu verbalen und körperlichen Angriffen gegen Reporterinnen und Reporter.

Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse:

An der Bahnhofstraße/Ecke Johannisplatz blockieren hunderte Gegendemonstranten am frühen Abend die Straße.

#Chemnitz 18.20 Uhr: Die Polizei wendet sich erstmals an die mehrere hundert Mann starke Blockade auf der Bahnhofstraße / Ecke Johannisplatz. Aufforderung, die Straße zu verlassen. #c0109 https://t.co/9o9TGDhZS2

„Wo, wo, wo wart ihr am Montag?“, rufen Gegendemonstranten.

Polizei fährt zehn Mannschaftswsgem an die Blockade. Menge reagiert mit Sprechchor: "Wo? Wo? Wo wart ihr am Montag?"

In der Innenstadt kommt es bereits am späten Nachmittag zu Spannungen zwischen Rechten und Polizei ...

Tensions between right wing protesters and police near the local AfD-office in the inner city of #Chemnitz. #C0109 #C0109english https://t.co/mjhuBJUaCN

... sowie zwischen Linksautonomen und Polizei.

EIL +++ erste Auseinandersetzung zwischen Polizei und Linksautonomen in der Innenstadt von #Chemnitz #c0109

Die Polizei Sachsen schrieb, an einigen Stellen in der Stadt sei die Situation „spannungsgeladen“. Anders als geplant wurde am Nachmittag gegen 16 Uhr die Demonstration von Pro Chemnitz vorzeitig beendet. Danach zogen Rechte in Richtung des lokalen AfD-Büros in Chemnitz.

Pro Chemnitz beendet Versammlung vorzeitig, Menschen setzen sich in Bewegung Richtung AfD-Büro. #C0109

Angriffe gegen Journalistinnen und Journalisten:

Während der Proteste wurden mehrere Journalisten angegriffen. Nach Informationen von BuzzFeed News wurde ein Kamerateam des MDR gewaltsam aus einer privaten Wohnung geworfen, in der das Team zuvor mit Einverständnis eines minderjährigen Bewohners gekommen war, um die Proteste vom Balkon zu filmen. Einem MDR-Journalisten des Teams zufolge wurden die Reporter die Treppe herunter geschubst und es wurde ihnen die Kamera aus der Hand geschlagen. Die Polizei Sachsen teilte mit, in dem Fall zu ermitteln.

Habe mit André Berthold von Team MDR aktuell gesprochen die eben am Rande der Demo angegriffen wurden. Ganzes Video bei @BuzzFeedNewsDE #Chemnitz #C0109 https://t.co/5sEx1YwO5n

Ein weiterer Journalist gibt an, er sei von drei Neonazis angegriffen worden und diese hätten mehrfach gegen seine Kamera geschlagen. Auch andere Journalistinnen und Journalisten berichteten von Übergriffen.

1806 Wurden am Rand der Demonstration von drei Neonazis angegriffen. Mehrere Schläge gegen Kameralinse, wollten Kollegen & mich in Seitengasse abdrängen. Keine Polizei in der Nähe. Haben die Situation gefilmt. #C0109 #Chemnitz

AfD-Demonstrant greift mich an, weil ich filme: #c0109 @FunkeBerlin

Chants of lügenpresse, scattered attacks on press. Someone tried to grab my phone while I was filming.

BuzzFeed News Reporter berichten ab etwa 20 Uhr von einer angespannten Stimmung, Sprechchören, die „Lügenpresse“ riefen – und erlebten selbst mehrfach Übergriffe durch rechte Demonstranten.

Gegen 20 Uhr berichtet unserer Reporterin: „Es wird gerade ziemlich brutal hier.“

„Es wird hier gerade ziemlich brutal, ich bin geschubst worden, ein anderer Reporter wurde getreten. [...] Die Leute rufen 'Verpisst euch, Verpisst euch'.“ Unsere Reporterin @PascaleMller schildert die aktuelle Lage in #Chemnitz in der Nähe des Karl-Marx-Denkmals. #c0109 https://t.co/1CVTZsh36T

Unserer Reporterin wurde soeben von rechten Demonstranten die Kamera aus der Hand geschlagen. Sie beschreibt die Lage als sehr angespannt, massive Polizeipräsenz vor Ort. #Chemnitz #C0109 https://t.co/hhyUnwAIuq

Auch kam es nach Angaben von einer BuzzFeed Reporterin vor Ort immer wieder zu Gewalt gegen Polizisten durch Schläge oder Wurfgeschosse von rechten Demonstranten.

Dieses Video zeigt, wie ein Teilnehmer des rechten „Trauermarschs“ einen Polizisten schlägt. #c0109 #chemnitz @PolizeiSachsen https://t.co/COcm1RiQS8

Gegen 21 haben sich die Demonstrationen größtenteils aufgelöst, vereinzelte Gruppen noch in der Stadt präsent. Zu diesem Zeitpunkt beendet BuzzFeed News die Live-Berichterstattung.

Melde mich ab. Harter Kern von etwa 150 Menschen noch an der Gedenkstätte, rufen „Lügenpresse“ singen Nationalhymne. #c0109 https://t.co/jt13nFBwnN

Was bisher passiert ist:

  • Am Montagabend den 27. August 2018 demonstrierten tausende Rechtsextreme in Chemnitz. Anlass war der Tod eines deutschen Bürgers, welcher mutmaßlich durch einen Iraker und einen Afghanen nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung getötet wurde. Am Montagabend warfen Rechtsextreme in Chemnitz Flaschen und Böller, zeigten den Hitlergruß, es gab mindestens 18 Verletzten auf Seiten von Demonstranten und zwei verletzte Polizisten. Die Polizei gab später zu, nicht ausreichend Einsatzkräfte zur Verfügung gehabt zu haben.
  • Nach den Ausschreitungen wurden für diesen Samstag den 1. September erneut zu Kundgebungen aufgerufen. Zur Demonstration hatten die Bündnisse Pro Chemnitz, Pegida und der AfD-Landesverband Sachsen aufgerufen. Tausende Rechte und Rechtsradikale sind dem Aufruf gefolgt, offizielle Zahlen hat die Polizei bislang nicht veröffentlicht.

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Juliane Löffler ist Redakteurin für LGBT* und Feminismus und lebt in Berlin. Contact this reporter at Juliane.Loeffler@buzzfeed.com

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Pascale Müller ist Reporterin für Politik und sexualisierte Gewalt. Kontakt: Pascale.mueller@buzzfeed.com

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J. Lester Feder is a world correspondent for BuzzFeed News and is based in London. His secure PGP fingerprint is 2353 DB68 8AA6 92BD 67B8 94DF 37D8 0A6F D70B 7211

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