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Diese 17 Fotos zeigen Dir, wie Homosexuelle schon vor 40 Jahren für ihre Rechte gekämpft haben

Alles begann 1972 auf dem Münsteraner Prinzipalmarkt. Einige Teilnehmer mussten damals noch aus Angst Kapuzen über dem Kopf tragen.

Gepostet am

1. Münster 1972: Die erste Demonstration Homosexueller in Deutschland

Uli Plein/ Archiv Schwules Museum Berlin

In der Münsteraner Innenstadt fand im April 1972 die erste schwule Demonstration in Deutschland statt. Die Homosexuelle Studentengruppe Münster (HSM) hatte mit ihrem Vorsitzenden Rainer Plein alle existierenden Schwulengruppen eingeladen, um einen Dachverband zu gründen. Zum Abschluss der Demo fand einen Demonstration auf dem Prinzipalmarkt statt.

4.

Uli Plein/ Archiv Schwules Museum Berlin

Der bekannte Schwulenaktivist Martin Dannecker trug hier erstmals das Schild mit der Parole "Brüder und Schwestern, warm oder nicht, Kapitalismus bekämpfen ist unserer Pflicht." Heute ist er Sexualwissenschaftler und Autor. Wichtiges Ziel der Gruppe war mehr Sichtbarkeit. Die Proteste waren eingebettet in den größeren Zusammenhang linker Kapitalismuskritik.

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5. Pfingstdemo 1973

Archiv Schwules Museum Berlin

Ein Jahr später fand eine Pfingstdemo in Berlin statt, um gegen die Diskriminierung Homosexueller zu kämpfen. Sie war einer der wichtigsten Impulse für den heutigen Christopher Street Day.

Unter den Demonstrierenden befanden sich rund 20 schwule Lehrer, darunter auch Detlef Mücke. Bis 1969 wurden homosexuelle Lehrer*innen in Deutschland vom Dienst suspendiert – erst mit der Reform des umstrittenen Paragraphen 175 wurde diese Regelung gekippt. Trotzdem gab es auch danach immer wieder Versuche, Berufsverbote gegen sie zu verhängen. Hier demonstrierten Lehrer*innen, Eltern und Schüler*innen für einen Kollegen, der sich vor seiner Klasse geoutet hatte und suspendiert werden sollte.

Aus Angst erkannt zu werden, aber mit dem Willen, sich öffentlich zu positionieren, zogen sich Mücke und seine Kollege*innen Kapuzen über, auf die sie "Lehrer" oder "Lehrerin" schrieben. Homosexuelle wurden in dieser Zeit häufig als Kriegsverbrecher oder Pädophile diffamiert.

6.

Archiv Schwules Museum Berlin

Die Pfingstdemo fand am 9. Juni 1973 statt und kämpfte vor allem gegen die Abschaffung des §175, der homosexuelle Handlungen unter Strafe stellte.

Detlef Mücke geht seit Anbeginn jedes Jahr auf den Berliner CSD und demonstriert auch heute noch mit Lehrer*innen, die inzwischen auf der Parade mit einem Umzugswagen vertreten sind.

7. Homosexuelle Aktion Westberlin, 1973

Rüdiger Trautsch (Archiv Schwules Museum Berlin) / Via 1973

Organisiert wurde die Pfingstdemo vor allen von der Homosexuelle Aktion Westberlin (HAW). Sie war die erste Organisation der neueren deutschen Schwulenbewegung und gründete sich 1971 – auch mit dem Ziel, sich international zu vernetzen.

Initialzündung für die Schwulenbewegung und die Gründung der HAW war der Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" von Rosa von Praunheim, der kontroverse Debatten in Deutschland auslöste.

Die Arbeit der HAW in den folgenden Jahren führte in Deutschland zur Gründung einer Vielzahl von kleineren und größeren Schwulen- und Lesbenzentren, Vereinen und Publikationen. 1977 löste sich die Organisation wieder auf, in den Räumen wurde fortan das Schwulenzentrum SchwuZ betrieben. Es ist heute einer der wichtigsten Clublocations für LGBT* in Berlin.

8. Tuntenstreit

Archiv Schwules Museum Berlin / Via Berlin, Datum und Fotograf*in unbekannt

1973 kam es auf dem Pfingstreffen zum sogenannten Tuntenstreit. Zur Abschlussdemonstration mit über 700 Teilnehmer*innen kamen Schwule aus Italien und Frankreich in Frauenkleidern. Teile der Bewegung lehnten das ab und es kam zu einer Spaltung. Es folgte eine Debatte über die Identität und Verortung Homosexueller in der Gesellschaft, die teilweise noch heute in der queeren Community oder den Gender Studies ausgetragen wird.

Das Tragen von Frauenkleidung wurde auch deshalb zu einer Strategie, die bewusst als Konfrontation eingesetzt wurde.

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9. Straßentheater 1973

Archiv Schwules Museum Berlin

Während des zweiten Pfingsttreffens 1973 veranstalteten Mitglieder der HAW auf dem Kurfürstendamm in Berlin schwules Agitationstheater. Ziel der homosexuellen Gruppierungen war auch mehr Sichtbarkeit. Sie wollten nicht länger ein Doppelleben leben, in dem sie sich tagsüber anpassen mussten und nur nachts ihre Sexualität ausleben konnten.

10. Plakataktion 1973

Plakat/ Archiv Schwules Museum Berlin

Dieses Plakat sollte 1973 bundesweit geklebt werden, über 200.000 Unterschriften wurden gegen den Paragraphen gesammelt. Im Juni 1973 beschloss der Bundestag zwar keine Abschaffung, aber eine Reform, die leichte Verbesserungen brachte. Homosexuelle durften nun auch mit 18-jährigen sexuelle Kontakte haben. Die sogenannte Schutzaltersgrenze lag zuvor bei 21 – bei Heterosexuellen lag sie bei 14 Jahren. Gänzlich gestrichen wurde der Paragraph erst 1994. Erst dieses Jahr wurden die Opfer des §175 von der Bundesregierung entschädigt.

11. HAW Frauen, Berlin 1974

Broschüre Berlin, Spinnboden e.V. (Archiv Schwules Museum Berlin)

Die Zusammenarbeit von Schwulen und Lesben gestaltete sich schwierig. Die HAW hatte nach ihrer Gründung eine Frauengruppe, die sich aber nach kurzer Zeit der Frauenbewegung zuwandte.

12. Erster CSD, Berlin 1979

Archiv Schwules Museum Berlin

Der erste CSD in Berlin fand am 30. Juni 1979 statt. Auf dem Bild ist Wolfgang Theis zu sehen (zweiter von rechts), der heute als Filmwissenschaftler und Ausstellungsmacher arbeitet und mehrfach Austellungen im Schwulen Museum kuratiert hat.

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16. Homolulu 1979

Archiv Schwules Museum Berlin

Homolulu war das erste internationale Homosexuellen-Treffen und fand vier Tage lang Ende Juli in Frankfurt am Main statt. Aus dem Treffen entstanden viele weitere schwule und lesbische Projekte. Homolulu war gewissermaßen das Woodstock der LGBT*-Bewegung. Sogar in der Tagesschau wurde darüber berichtet.

17.

Archiv Schwules Museum Berlin

Erst in den 80er und 90er Jahren entwickelte sich eine zunehmend gesamtgesellschaftliche Akzeptanz für LGBT*. Besonders im westeuropäischen Vergleich ist Deutschland jedoch eher ein Nachzügler – der Paragraph 175 wurde erst 1994 vollends gestrichen. Die gleichgeschlechtliche Ehe, ein weiterer Schritt zur rechtlichen Gleichstellung, wurde vor wenigen Wochen beschlossen.

Vielen Dank an die Unterstützung durch das Schwule Museum in Berlin

Juliane Löffler ist Redakteurin für LGBT* und Feminismus und lebt in Berlin. Contact this reporter at Juliane.Loeffler@buzzfeed.com

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