Updated on 12. Mai 2020. Posted on 7. Apr. 2020

    Konsequenzen nach Mobbing–Vorwürfen am Max-Planck-Institut in Luxemburg

    Die Max-Planck-Gesellschaft leitet aufgrund von Mobbing-Vorwürfe ein Untersuchungsverfahren am Institut ein. Eine dritte Direktorenstelle soll zunächst nicht besetzt werden.

    Nach Mobbing-Vorwürfen am Max-Planck-Institut für internationales-, europäisches- und regulatorisches Verfahrensrecht in Luxemburg hat die Max-Planck-Gesellschaft nun Maßnahmen angekündigt.

    BuzzFeed News hatte im Februar berichtet, dass am Luxemburger Institut eine schwer belastende Arbeitsatmosphäre geherrscht haben soll. Mitarbeitende warfen der Leitung Mobbing und Willkür vor. Nun hat sich die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) in einer Pressemitteilung ausführlich dazu geäußert. Man plane „das Verwaltungshandeln zu konsolidieren, die Arbeitssituation am Institut zu befrieden und die Forschungstätigkeit zu stärken.“

    Unter anderem wurde Reinhard Zimmermann vom Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg als Sonderbeauftragter des Verwaltungsrats benannt. Zimmermann hatte seit Ende Februar Gespräche mit Mitarbeiter*innen des Instituts durchgeführt.

    In einer Umfrage der Personalvertretung hatten zahlreiche Mitarbeiter*innen angegeben, psychologische Belästigung oder Mobbing erfahren zu haben, deutlich mehr als der Durchschnitt unter Luxemburger Arbeitgebern und auch unter allen Instituten der Max-Planck-Gesellschaft. Die meisten der Beschwerden waren auf das Verhalten von Vorgesetzten zurückzuführen. „Die Mitarbeiter haben auch das Gefühl, dass es an geeigneten Verfahren und Mechanismen mangelt, um das Personal vor Mobbing oder Belästigung zu schützen“, schrieben die Autor*innen der Umfrage. Eine Person, die das Institut aus diesen Gründen verlassen hatte, sprach BuzzFeed News gegenüber von einer „reinen und ausschließlichen Angstkultur“.

    Etat für das Institut wird nicht ausgebaut

    In einer E-Mail vom 12. März an die Mitarbeiter*innen des Instituts, die BuzzFeed News vorliegt, hatte Zimmermann geschrieben, dass das Exekutivkomitee des Instituts die Vorwürfe sehr ernst nehme und deshalb eine formelle Untersuchung anberaumt habe. Dieses Komitee besteht aus dem MPG-Präsidenten Martin Stratmann, der Vize-Präsidentin Angela Friederici und Reinhard Zimmermann selbst. Aufbauend auf den Empfehlungen der Untersuchung werde über die weiteren Schritte entschieden, teilt die MPG mit.

    Die MPG verkündete in ihrer Pressemitteilung zudem, eine am Institut vorgesehene dritte Direktorenstelle zunächst nicht zu besetzen. Dieser Vorschlag sei von der MPG selbst gekommen, sagt Léon Diederich, erster Regierungsrat im Luxemburger Ministerium für Hochschulwesen und Forschung im Gespräch BuzzFeed News. Das Ministerium halte den Zeitpunkt aber auch selbst für ungünstig und wolle erstmal dafür sorgen, dass die anderen zwei anderen Abteilungen „zur Ruhe“ kommen.

    Das Max-Planck-Institut (MPI) wird vom luxemburgischen Staat finanziert. Der Haushalt für 2020 und 2021 werde jetzt geplant, sagt Diederich. „Aber dadurch, dass keine dritte Abteilung dazu kommt in den nächsten zwei, drei Jahren, wird das Budget nicht groß in die Höhe steigen“, sagt er. Eine dritte Direktorenstelle hätte im Normalfall eine Ausweitung des Etats zur Folge gehabt. Zum jetzigen Zeitpunkt hätte das Institut auch Reserven aufgebaut. Das Ministerium wünscht sich zudem auch eine Erhöhung des Drittmittelanteils des Institut, der jetzt „relativ tief“ sei, sagt Diederich.

    Ergebnisse der Untersuchung sollen bis September vorliegen

    Die Finanzierung sei mindestens bis zum Ruhestand der jetzigen Direktoren garantiert, was in fünf bis sechs Jahren der Fall sei. Das Ministerium wolle zunächst die weitere Entwicklung abwarten, bevor es eine Verpflichtung auf „10-20 Jahre“ eingehe –etwa, indem man einen jungen Direktoren verpflichten würde, sagt Diederich.

    Die Untersuchungen sieht er als richtige Entwicklung an. Auch durch die Rekrutierung einer neuen Verwaltungschefin sei hoffentlich ein „Loch gestopft“ worden. Die letzte Verwaltungschefin hatte diesen Posten bereits nach einigen Monaten am Institut zum Jahresende verlassen.

    Bei der Aufklärung der Vorwürfe und der Entscheidung über mögliche Konsequenzen verlasse sich das Ministerium zunächst auf die MPG, sagte Diederich. Nur wenn die nötigen Schritte ausblieben, müsse das Ministerium irgendwann einschreiten. „Aber ich denke, die Max-Planck-Gesellschaft ist gut genug aufgestellt, dass sie weiß, wann sie die nötigen Schritte einleiten muss.“ Das Ministerium erwarte die Ergebnisse der Untersuchung bis zum September.

    Zudem habe sich das Ministerium mit der MPG auf einen engeren Austausch geeinigt. Das sei in den letzten Jahren etwas vernachlässigt worden. Man habe ein Max-Planck-Institut in Luxemburg und das werde natürlich anders angeschaut, als wenn man viele Institute wie in Deutschland habe, sagt Diederich.

    Den Eindruck vermeiden, dass etwas „unter den Tisch gekehrt“ werde

    Die Lage am MPI war auch Gegenstand einer parlamentarischen Anfrage der luxemburgischen Piratenpartei. Das Luxemburger Online-Magazin Reporter hatte zunächst über die Anfrage und Zimmermanns Brief berichtet. Die Piraten wollten wissen, wie das Institut finanziert werde und ob es Pläne gebe, Präventionskonzepte für Mobbing dort umzusetzen. Das Ministerium antwortete darauf lediglich mit einem Hinweis, dass 2019 eine wissenschaftliche Evaluierung stattgefunden habe, die auch die Bereiche Management und Verwaltung umfasst habe.

    Das Ministerium habe auch den Wunsch geäußert, dass die MPG sich, wie jetzt geschehen, über die Lage am MPI in Luxemburg an die Öffentlichkeit wendet um den Eindruck zu vermeiden, dass da etwas „unter den Tisch gekehrt“ werde. Die jetzige Pressemitteilung sei daher „korrekt“.

    In der Mitteilung führt die MPG weiter aus, dass etliche der festgestellten „Monita“ – zu Deutsch Mängel – bereits beseitigt worden seien. Um welche Mängel es sich dabei genau handelt und welche noch nicht beseitigt sind, beantwortete die MPG auf Anfrage nicht. Eine Veröffentlichung der bisher vorliegenden Berichte sei nicht vorgesehen.

    Die Vorwürfe im Zusammenhang mit dem MPI in Luxemburg betreffen neben Mobbing und Fehlverhalten am Institut auch die mögliche Offenlegung der Identität eines Whistleblowers. Er habe seit Dezember nichts von der MPG über die Aufklärung seiner Vorwürfe gehört, sagt er. Erst als BuzzFeed News die MPG damit konfrontierte, erhielt er eine Antwort: Die Untersuchung dazu sei abgeschlossen, bald werde er das Ergebnis bekommen.

    UPDATE

    Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) hat das Untersuchungsverfahren über den Fall Wolden abgeschlossen. Buzzfeed News liegt ein Brief des Präsidenten Martin Stratmann an Wolden vor. Demnach sei das Verfahren zu dem Schluss gekommen, dass der Grund für das Auslaufen von Woldens Vertrag nicht der „vorgeworfene Verschwiegenheitsbruch“ sei, sondern „akademische und finanzielle“ Erwägungen. Der vorgeworfene Verschwiegenheitsbruch wird im Schreiben weder bestätigt noch abgestritten.

    Die Frage, ob es nach Ansicht der MPG zu dem vorgeworfenen Verschwiegenheitsbruch gekommen ist und wie man ähnliche Vorfälle künftig vermeiden will, wollte eine Pressesprecherin der MPG auf Anfrage nicht beantworten, da man „generell keine Auskünfte zu internen Untersuchungsverfahren“ erteile.


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    Hristio Boytchev ist investigativer Wissenschaftsjournalist. Er recherchiert unter anderem zu Themen wissenschaftlichen Fehlverhaltens. Du erreichst ihn unter hristio@yahoo.com oder auf www.hrist.io.

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