15 Dinge, die du nicht zu jemandem sagen solltest, der eine Essstörung hat

    Liebe dich selbst.

    All diese Dinge wurden irgendwann während meiner Krankheit zu mir gesagt. Es gibt noch immer so viele Mythen und Missverständnisse rund um das Thema Essstörungen. Damit muss aufgeräumt werden.

    1. "Du bist nicht dünn genug, um eine Essstörung zu haben"

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    Essstörungen kommen in vielen Formen und ein Großteil der Betroffenen sind nicht unterernährt. Mary George, leitende Pressesprecherin für die Hilfsorganisation Beat sagte BuzzFeed, dass "obwohl Anorexie die bekannteste und am häufigsten gemeldete Form ist, macht sie nur 10 Prozent der Essstörungen aus. Bulimie betrifft dreimal so viele Menschen und Esssucht ist am häufigsten. Einige Leute können auch Eigenschaften verschiedener Essstörungen erleben und haben zu verschiedenen Zeiten sowohl Anorexie, Bulimie als auch Esssucht."

    2. "Du suchst doch nur nach Aufmerksamkeit"

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    Eine Essstörung ist eine lebensgefährliche psychische Krankheit, die langfristige physische Auswirkungen hat. Es ist kein Weg, Aufmerksamkeit bei anderen zu suchen. Es ist wichtiger, ohne Urteil zuzuhören, als verletzende Äußerungen über die Betroffenen zu machen.

    3. "Essstörungen sind für Teenager"

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    Jeder kann von einer Essstörung betroffen sein, unabhängig von Alter, Bevölkerungsschicht, Ethnie oder Geschlecht. Der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zufolge leiden 1,5 Prozent der Frauen und 0,5 Prozent der Männer unter einer drei Hauptformen von Essstörungen. Laut BZgA sind in Deutschland zwischen1998 und 2012 pro Jahr zwischen 33 und 100 Menschen an Essstörungen gestorben, ungefähr 90 Prozent davon waren Frauen.

    4. "Leute mit Bulimie sind einfach nur gierig"

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    Diese Aussage ist sowohl falsch, als auch unglaublich verletzend für Leute, die mit der Krankheit zu kämpfen haben. Die Stigmatisierung, die mit Bulimie einhergeht, muss sich schleunigst ändern. Zu wenige Leute wissen, wie gefährlich Bulimie tatsächlich ist. Sich zu übergeben (oder zu "reinigen") kann zu einem Ungleichgewicht der Elektrolyte im Körper führen. Das kann ernsthafte Auswirkungen haben wie zum Beispiel Herzrhythmusstörungen, Herzstillstand und sogar Tod.

    5. "Wenn du esssüchtig bist, mangelt es dir an Selbstkontrolle"

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    Esssucht und emotionale Essstörungen sind ernste Krankheiten. Sie sind eine Art, schwierige Gedanken und Gefühle zu verarbeiten und sagen nichts über die "Selbstkontrolle" der Betroffenen aus.

    6. "Du musst dich einfach zusammenreißen"

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    Du würdest niemandem mit Krebs oder gebrochenen Knochen sagen, dass er oder sie sich "zusammenreißen" soll. Also solltest du das auch nicht zu jemandem mit einer psychischen Krankheit sagen. Niemand sucht es sich aus, eine Essstörung zu haben.

    7. "Wir laden dich nicht mehr ein. Niemand will sich mit jemandem umgeben, der nichts isst."

    Warner Bros / Via degrassi.wikia.com

    Wenn du einen Freund mit einer Essstörung unterstützen möchtest, solltest du ihn nicht von Gruppenaktivitäten ausschließen. Essstörungen sind sehr einsam und es ist sehr wahrscheinlich, dass die Person sich bereits isoliert fühlt. Du kannst zur Kenntnis nehmen, dass es momentan sehr stressig für die Person sein könnte, essen zu gehen. Wenn sie Einladungen ablehnt, weil Essen involviert ist, überlege dir andere Dinge, die ihr unternehmen könnt, die nichts mit Essen oder Trinken zu tun haben.

    8. "Es ist so oberflächlich, von seinem Gewicht besessen zu sein"

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    Auch wenn einige Essstörungen (zum Beispiel Anorexia nervosa) teilweise von Sorgen um das Gewicht ausgelöst werden, gilt das nicht für alle. Esssucht, emotionale Überernährung und Pica (Nicht-Lebensmittel wie Kreide, Farbe oder Kleidung essen) haben in der Regel keinen Fokus auf das Gewicht.

    9. "Keine große Sache, ich habe heute auch fast nichts gegessen"

    channel4.com / Via rebloggy.com

    Es IST eine große Sache. Laut der National Association of Anorexia Nervosa and Associated Disorders verursachen Essstörungen mehr Todesfälle als jede andere psychische Krankheit. Wenn jemand mit einer Essstörung mit dir über seine Gefühle reden möchte, ist zuhören das Beste, was du machen kannst. Viel besser als das Gespräch auf dich zu lenken oder kleinzureden, was die andere Person durchmacht.

    10. "Mir gefällt nicht, wie du jetzt aussiehst"

    Via unhealthyklarolineobsession.tumblr.com

    Sich kritisch über das Aussehen einer anderen Person zu äußern, wenn sie unter einer Essstörung leidet, hilft nicht gerade. Am besten kommentiert man es gar nicht und lässt sich nicht in Gespräche darüber verwickeln, wie "fett" oder "dünn" die betroffene Person sich sieht.

    11. "Das liegt nur daran, dass du als Kind Barbies hattest"

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    Es gibt eine Menge verschiedener Faktoren, die die Anfälligkeit für die Entwicklung einer Essstörung beeinflussen. Es ist zu einfach, Models, Frauenmagazine oder Barbie-Puppen dafür verantwortlich zu machen. Auch wenn unrealistische Körperideale in Magazinen eine Rolle spielen, können Essstörungen Ausdruck der Verarbeitung traumatischer Ereignisse oder anderer psychischer Krankheiten wie Depressionen, Persönlichkeitsstörungen oder Zwangsneurosen sein.

    12. "Du machst das, um mich zu bestrafen"

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    Familienmitglieder und Lebenspartner fühlen sich vielleicht, als wäre eine Essstörung eine Art Strafe, aber es gibt viele weitere komplexe Faktoren, die dazu führen, dass eine entwickelt wird. Essstörungen sind häufig ein Werkzeug zur Verarbeitung, eine Reaktion auf Traumata oder ein Mittel, um mit Angst oder Stress umzugehen.

    13. "Du hast so ein Glück, dass du tragen kannst, was du willst"

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    Essstörungen sind keine Diäten oder Modeerscheinungen. Es geht dabei nicht darum, in eine Hose zu passen (auch wenn sie so anfangen können). Wenn du jemandem mit einer Essstörung sagst, dass er oder sie "Glück hat", eine Körperform als Resultat einer ernsthaften Krankheit zu haben, bestätigst du, was die Person sich selbst antut.

    14. "Es gibt so viele Menschen, denen es schlechter geht als dir"

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    Das trifft in so ziemlich jeder Situation zu. Es hilft an dieser Stelle nicht und wird niemanden mit einer Essstörung ermutigen, "damit aufzuhören".

    15. "Du bist einfach nur egozentrisch"

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    Keine Krankheit, egal ob psychisch oder physisch, ist eine Wahl und Essstörungen sind hiervon nicht ausgeschlossen. Egozentrismus hat damit nichts zu tun.

    Was soll ich denn dann sagen?

    Friends / Via friends-tv.org

    Mary George von Beat hat einige Ratschläge zur Unterstützung einer geliebten Person:

    "Erst einmal musst du zuhören und ohne zu verurteilen Unterstützung bieten, sodass die Person lernt, dir und deiner Unterstützung zu vertrauen."

    "Ermutige die Person, ihren Hausarzt aufzusuchen. Wenn sie minderjährig ist, vereinbare schnellstmöglich einen Termin."

    "Finde so viel wie du kannst über Essstörungen heraus, sodass du Stimmungsschwankungen, Wutausbrüche oder Situationen, in denen die Person isoliert und zurückgezogen scheint, verstehen kannst."

    "Du musst den Druck verstehen, dem Personen, die unter einer Essstörung leiden, ausgesetzt sind – vor allem, wenn es um Essen und Gewicht geht."

    "Versuche nicht, Ratschläge oder Kritik zu geben, sondern warte ab und höre zu. Du musst nicht alle Antworten kennen, aber einfach da zu sein ist wichtig."

    Wenn Du denkst, dass Du vielleicht eine Essstörung hast

    channel4.com / Via gifs-for-imagine-blogs-and-you.tumblr.com

    Zögere nicht, nach Hilfe zu fragen. Je schneller du in Behandlung gehst, desto besser stehen die Chancen, dass du dich vollständig erholst.

    Auch, wenn du nicht alle diagnostischen Kriterien für Anorexie, Bulimie oder Esssucht erfüllst, liegst du vielleicht im Bereich von EDNOS (eating disorder not otherwise specified) oder OFSED (other specified feeding or eating disorders).

    Hilfe ist verfügbar und dein erster Anlaufpunkt sollte dein Hausarzt sein, sodass du eine Überweisung an Spezialdienste bekommen kannst. Um mehr zu lesen, schau bei der BZgA vorbei, die auch ein Beratungstelefon hat: (0221) 89 20 31 (Montag und Donnerstag: 10-22 Uhr, Freitag bis Sonntag: 10-18 Uhr)

    Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch.