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Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, meine Cellulite zu lieben

Du kannst „Cellulite“ nicht ohne „u lit“ schreiben.

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Wenn du Cellulite hast, gehörst du wahrscheinlich zu den bis zu 98% der Frauen, die sie haben, was heißt — Glückwunsch! — du bist verdammt normal.

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Aber in einer Welt, in der Zeitschriften täglich schreien: „Hey! dein Körper ist ekelhaft!!", fühlst du dich damit sicher nicht normal.

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Und nochmal für alle: SCHENKEL EGAL WELCHEN UMFANGS MIT ODER OHNE CELLULITE SIND KEINE SCHANDE!!!

Und wenn dann auch noch angedeutet wird, dass Frauen mit ihrer Cellulite ihre Männer in die Arme einer anderen jagen, wundert es nicht, dass die Dellen so verhasst sind.

Cosmopolitan / Via cosmopolitan.de, Via cosmopolitan.de

Weil uns eingetrichtert wurde, dass ein bestimmter Grad an Körperfett schlecht ist, befinden wir uns in einem ständigen Kreislauf des Lästerns über Cellulite, womit wir alle ein absurdes Körperideal und Selbsthass fördern. Und weil ich mein ganzes Leben als Erwachsene damit gelebt habe, habe ich es mir zur Mission gemacht, meine Cellulite endlich und für immer zu lieben.

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Seit ich erwachsen bin, habe ich meinen Körper mithilfe von langen Kleidern, Hosen und Ärmeln versteckt. Selbst wenn ich damit im Sommer extrem geschwitzt habe. Denn, ja, unrealistische, retuschierte Fotos von Frauen und für meinen Körper ausgelacht zu werden, hatten mich ganz schön ruiniert.

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Ich habe zwischen den Kleidergrößen 34 und 44 alles gehabt, und — Überraschung! — selbst, wenn du abnimmst, geht die Cellulite nicht weg.

Aber vor kurzem bin ich aufgewacht und habe begriffen, dass all das nur die Idee bestätigt, das Frauen sich für ihre Körper schämen müssten. Also habe ich „Scheiß drauf“ gesagt und beschlossen, meiner größten Angst ins Auge zu sehen: meine Cellulite der ganzen Welt zu zeigen. Und so ist das abgelaufen.

Der erste Tag, an dem ich meine Cellulite gezeigt habe, war verdammt nochmal SCHWIERIG. Ich habe dieses Outfit zur Arbeit getragen und jedes Mal, wenn ich nach unten auf meine Oberschenkel geschaut habe, bin ich fast in Tränen ausgebrochen, obwohl meine Kollegen mir gesagt haben, dass ich toll aussehe. Ich konnte nicht wirklich glauben, dass ich völlig okay aussehe und das war ein Problem.

Später am Abend bin ich zu einem Modeevent gegangen. Seltsamerweise hat sich die Tatsache, dass ich meine Cellulite in einem Raum voll mit Menschen zur Schau gestellt habe, die diese eigentlich verachten, so angefühlt, als würde ich der ganzen Industrie den Mittelfinger zeigen – was wirklich großartig war.

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Nachdem ich den ersten Schock überwunden hatte, habe ich Kommentare wie "Du bist meine Heldin!" von anderen Frauen zu hören bekommen. Das hat mir die Bestätigung gegeben, weiterzumachen. Denn im Ernst: Wenn ich es mit diesem Projekt schaffe, dass nur eine Person sich mit ihrer Cellulite besser fühlt, dann war es das alles sowas von wert.

Am nächsten Tag beschloss ich erstmals, Shorts zu tragen, während ich am Wochenende durch ein extrem volles Einkaufszentrum schlenderte. Nachdem ich in einem Laden eine Panikattacke bekam, fühlte ich mich extrem wütend und irgendwie besiegt. Denn ich hatte das Gefühl, dass die große Chance besteht, dass ich mit dieser Erfahrung abschließen könnte, ohne zu lernen, mich selbst so zu lieben wie ich bin.

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Ich habe anfags zwei Fotos geschossen, um zu zeigen, welchen Unterschied die Beleuchtung bei der Erscheinung von Cellulite machen kann. Doch um ehrlich zu sein, sagt auch der Wandel der Emotionen viel aus.

Immer, wenn es mir mit meiner Cellulite gerade gut ging (selbst wenn das nur ein bis zwei Minuten anhielt), fiel mein Blick auf das Spiegelbild meiner Oberschenkel und ich habe mich gleich wieder total unwohl und entblößt gefühlt.

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Ich schien ruhig, aber mein Kopf hat einfach nicht damit aufgehört, zu schreien, dass alles, was ich der Welt zeigte, falsch war.

Cellulite sieht je nach Lichteinfluss unterschiedlich aus. Zu dieser Tageszeit hat man sie so stark gesehen, dass ich wirklich "Normal" und "Auch normal" auf Post-its schreiben und sie auf meine Oberschenkel kleben musste. So hatte ich jedes Mal, wenn ich heruntergeschaut habe, eine visuelle Erinnerung daran, mich nicht selbst zu hassen.

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Nach diesem extrem schwierigen Tag im Einkaufszentrum wollte ich aufhören. Ich nahm mir also einen Moment, um zu überdenken, warum ich das alles überhaupt mache. Mir wurde klar, dass dieses Projekt größer ist als ich: Es geht darum, etwas zu normalisieren, das 98 Prozent aller Frauen haben – und trotzdem werden wir dafür kritisiert. Ich wusste also, dass ich hier nicht aufhören kann.

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Stattdessen habe ich noch einen draufgesetzt und tatsächlich eine meiner meistgehassten Aktivitäten überhaupt gemacht: Joggen in der Öffentlichkeit. UGHHH.

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Wenn du eine Frau bist und die Straße vollständig bekleidet entlanggehst, objektivieren und belästigen dich Männer schon. Beim Laufen meine Oberschenkel zu zeigen, ist darum wirklich einer meiner schlimmsten Albträume.

Mein Gesicht ist extrem rot geworden und meine Oberschenkel sind echt ein paar Mal laut aneinander geklatscht (ich bin stolz auf den Applaus, um ehrlich zu sein 😉). Doch als ich mit Joggen fertig war, ist etwas Großartiges passiert: Ich habe aufgehört, mich zu schämen.

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Niemand hat etwas gesagt, ich bin nicht gestorben und ganz ehrlich, ich war viel zu beschäftigt damit, über meine schreckliche Laufform nachzudenken, um überhaupt zu bemerken, wie meine Oberschenkel ausgesehen haben.

Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich mich frei gefühlt.

Ich wurde echt wütend darüber, dass ich andere Leute so lange bestimmen ließ, wie ich mich wegen meines Körpers fühlen soll. Darum beschloss ich, dass es an der Zeit war, meinen Bikini-Body an der Strandpromenade zu präsentieren, neben einer Menge komplett angezogener fremder Menschen.

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Im Bikini zwischen unbekannten Leuten rumzulaufen ist niemals nicht merkwürdig – aber verdammt, es hat sich so gut angefühlt, mich ein endlich mal nicht für meine Cellulite zu schämen! Bis ich gemerkt habe, dass, wenn jemand ein Problem damit hat, es seins ist und nicht meins, musste einige Zeit verstreichen. Ich kann meinen Körper nicht ändern, Leute.

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Und seien wir realistisch: Ich kann in ein paar Tagen nicht den Schaden eines ganzen Lebens wieder rückgängig machen, aber für mich waren das riesige Schritte und darauf bin ich stolz.

Ich habe gerade erst mit dem Weg angefangen, der zu wirklicher Selbstliebe führt. Doch ich kann alle anderen nur ermutigen, das Gleiche zu tun. Verstecke deine Cellulite nicht. Schneide sie nicht aus einem Foto raus. ~Lege keinen Filter drüber.~ Sei verdammt nochmal du selbst und die anderen sollten sich lieber damit anfreunden. (Und, pssst: Wenn jemand das nicht mag, scheiß' auf denjenigen!)

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Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch.

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