Alles, was du über Tests auf Geschlechtskrankheiten wissen musst

    Keine falsche Scham. Finde heraus, welcher Test für dich sinnvoll ist, wie oft du ihn machen solltest und ob du tatsächlich in einen Becher pinkeln musst.

    Alice Mongkongllite / BuzzFeed

    1. Das häufigste Symptom von sexuell übertragbaren Infektionen, also Geschlechtskrankheiten, ist, sich gut zu fühlen und keinerlei Anzeichen einer Krankheit zu haben.

    Der erste Grund, um sich einfach mal testen zu lassen: Die meisten Infektionen verursachen überhaupt keine Symptome. Sofern du also nicht hellsehen kannst, musst du dich regelmäßig untersuchen lassen, wenn du wechselnde Sexualpartner*innen hast. Und nur weil eine Geschlechtskrankheit keine Symptome verursacht, heißt das nicht, dass sie harmlos ist. Unbehandelte Chlamydien und Tripper (Gonorrhö) bei nicht-Trans-Frauen oder Transmännern können zu chronischen Beckenschmerzen, Eileiterschwangerschaften und sogar Unfruchtbarkeit führen.

    2. Die Hälfte (!) aller Neuinfektionen mit Geschlechtskrankheiten betrifft Personen unter 25 Jahren.

    Das ist sehr viel, wenn man bedenkt, dass diese Gruppe nur ein Viertel der sexuell aktiven Bevölkerung ausmacht, wie aus einer US-Studie von 2013 hervorgeht.

    3. Du solltest nach deinem ersten sexuellen Kontakt anfangen, dich regelmäßig untersuchen zu lassen – egal, wann und wie dieser stattgefunden hat.

    Geschlechtskrankheiten werden durch Oral-, Anal- und Vaginalsex übertragen, manchmal sogar schon durch Haut-zu-Haut-Kontakt der Genitalien (zum Beispiel bei HPV und Herpes), oder durch das gemeinsame Benutzen von Sexspielzeugen. Wenn du also intimen Kontakt zu einer Person hast, der zu einer Übertragung führen könnte, solltest du deinem Arzt fragen, welche Tests für dich sinnvoll sind.

    4. Wenn du mit einer infizierten Person Kontakt hattest, kann es eine Weile dauern, bis die Krankheit in einem Test nachweisbar ist.

    „Je nach Geschlechtskrankheit kann es Tage oder auch Wochen dauern, bis ein Test anschlägt”, sagt Dr. Peter Leone, medizinischer Direktor am Institut für Prävention und Kontrolle von HIV und Geschlechtskrankheiten in North Carolina im Gespräch mit BuzzFeed. Behalte das also im Hinterkopf, wenn du dich untersuchen lässt (und wenn du einen Termin vereinbarst). Bei HIV kann es – je nachdem, welchen Test du bekommst – bis zu 3 Monate dauern, bis das Virus nachweisbar ist.

    5. Deine Krankenkasse übernimmt in einigen Fällen die Kosten für die Untersuchung auf Geschlechtskrankheiten. Für HIV-Tests gibt es kostengünstige Möglichkeiten.

    Wenn deine Ärztin oder dein Arzt einen konkreten Verdacht hat, dass du dich mit einer sexuell übertragbaren Krankheit angesteckt hast, sind die Untersuchung und die Tests kostenlos. Ansonsten müssen je nach Krankenkasse die Kosten für einige Tests selbst übernommen werden. Einige Krankenkassen übernehmen die Kosten für einen jährlichen Chlamydien-Test, wenn du jünger als 25 Jahre alt bist.

    HIV-Tests mit Beratung und anonym bieten zum Beispiel Einrichtungen der Aidshilfe oder Gesundheitsämter an. Je nach Einrichtung kann eine Gebühr zwischen 10 und 26 Euro anfallen, für Geringverdienende sind die Tests in den Gesundheitsbehörden kostenfrei. Hier findest du eine Übersicht mit allen Adressen in Deutschland.

    6. Idealerweise solltest du dich zwischen zwei Sexualpartner*innen untersuchen lassen.

    So kannst du dich ohne schlechtes Bauchgefühl auf die neue Person einlassen. Und wenn du eine Infektion hast, weißt du genau, von wem du sie dir geholt hast, und aufpassen, dass du sie nicht an die nächsten Person weitergibst. Falls du mehrere Partner*innen hast oder sie häufiger wechselst, als du dich untersuchen lassen kannst, dann achte darauf, dass du jedes Mal verhütest. Glaub vor allem bloß nicht, dass wenn du einmal leichtsinnig warst, es sich jetzt eh nicht mehr lohnt, beim nächsten Mal ein Kondom zu benutzen. „Es ist besser, nur manchmal ein Kondom zu benutzen als nie”, sagt Dr. Leone.

    7. Wenn du eine Frau unter 25 bist und Sex mit Männern oder Frauen hast, solltest du jedes Jahr einen Chlamydien- und einen Trippertest machen.

    Ja, das gilt auch, wenn du den Partner oder die Partnerin nicht gewechselt hast. Warum? Weil die meisten Chlamydieninfektionen bei Frauen unter 25 Jahren auftreten und die Infektion oft völlig symptomfrei verläuft, ist es das Beste, wenn du auf Nummer sicher gehst, sagt Dr. Leone. Hinzu kommt, dass die meisten Männer sich nicht auf Chlamydien testen lassen. Von daher ist es klug, dass du dich jedes Jahr untersuchen lässt, wenn du einen männlichen Partner hast – auch wenn du dir sicher bist, dass ihr beide monogam seid. Beachte auch, dass Sex nicht auf den Penis in der Vagina beschränkt ist. Oralsex, Analsex, gemeinsames Benutzen von Sexspielzeugen usw. zählen auch dazu.

    8. Wenn du ein Mann bist, der Sex mit Männern hat (MSM), solltest du dich mindestens einmal jährlich auf HIV, Chlamydien, Tripper und Syphilis testen lassen. Falls du mehrere oder anonyme Partner hast, solltest du öfter zur Vorsorgeuntersuchung gehen (alle 3 oder 6 Monate).

    „Lasst euch mindestens einmal im Jahr auf HIV, Syphilis, Gonokokken (Tripper) und Chlamydien testen, und klärt euren Impfstatus bzgl. Hepatitis A und B“, rät die Deutsche Aidshilfe schwulen und bisexuellen Männern.

    Das sei der Mindeststandard für alle schwulen Männer, die wenigstens ab und zu Sex haben. Egal, ob mit festem Partner oder Gelegenheitspartnern, und unabhängig davon, wie häufig Risikokontakte eingegangen werden.

    Für Männer mit mehr als 10 Partnern im Jahr empfiehlt die Aidshilfe, den Check auf HIV und sexuelle übertragbare Infektionen (STI) zweimal im Jahr zu machen, ab 10 Sexpartnern pro Monat einmal alle drei Monate. Männer, welche das Medikament PrEP nehmen, sollten sich unabhängig von der Zahl der Sexpartner einmal pro Quartal auf HIV checken lassen, und je nach Zahl der Sexpartner auch auf andere STI.

    9. Grundsätzlich sollte sich jeder Mann, der Sex mit Männern hat, auf Hepatitis B testen lassen, falls er ungeimpft ist oder nicht genau weiß, ob er geimpft ist.

    Das ist ein Bluttest, der bestimmt, ob du infiziert bist. Zusätzlich zu der Untersuchung sollten sich Erwachsene gegen Hepatitis A und B impfen lassen, falls sie es noch nicht getan haben. HIV-positiven, schwulen Männern wird außerdem zu einem Hepatitis-C-Test geraten.

    10. Wann du einen HIV-Test brauchst:

    Wenn du einen neuen Partner oder ungeschützten Sex hast, solltest du dich am besten jedes Jahr testen lassen, empfiehlt Dr. Leone. Sogar noch öfter, wenn du einer Gruppe mit hohem Risiko angehörst: Das kann der Fall sein, wenn du Sex mit jemandem hattest, der möglicherweise HIV-positiv ist; wenn du Sex mit jemandem hattest, von dem du nicht weißt, ob er oder sie HIV-positiv ist; wenn du mehrere Partner hast; wenn du Sex mit jemandem hattest, der oder die vielleicht mehrere Partner hat; wenn du als Mann Sex mit Männern hast; wenn du dir Drogen spritzt oder gespritzt hast; wenn du im Sexgewerbe arbeitest; wenn du in einer Gemeinschaft lebst, in der HIV besonders stark verbreitet ist; usw.

    Es gibt keine pauschalen Empfehlungen, wie oft sich Personen, die zu diesen Gruppen gehören, auf HIV testen lassen sollten. Deswegen ist es wichtig, dass du mit einem Arzt über dein Risiko sprichst und ihr überlegt, wie häufig du dich untersuchen lassen solltest. Dr. Leone nennt als Faustregel, dass du dich einmal jährlich testen lassen oder zumindest deinen Arzt fragen solltest, wie hoch dein Risiko ist – es sei denn, du lebst in einer monogamen Beziehung und ihr habt euch beide testen lassen.

    11. HIV kannst du jetzt auch selber Zuhause testen.

    Seit Oktober sind in Deutschland HIV-Selbsttests frei verkäuflich. Die Tests gibt es ab etwa 20 Euro, getestet werden können damit auch andere Geschlechtskrankheiten.

    Die Selbsttests funktionieren über Blutentnahme mit einem Stich in den Finger, Urinproben oder Abstriche mit Wattestäbchen. Die Proben kannst du dann per Post zurück an das Labor schicken.

    Hier findest du mehr Infos von der Deutschen Aidshilfe.

    12. Es gibt eine Infobroschüre für Frauen, die nur mit Frauen Sex haben.

    Auch Frauen, die (meist nur) Sex mit Frauen haben, können sich beim Sex Geschlechtskrankheiten einfangen. Wenn dein Arzt also sagt, du bräuchtest dich wegen deiner sexuellen Orientierung auf dieses oder jenes nicht untersuchen zu lassen – obwohl du von bestimmte Risikofaktoren oder Symptome erzählst – dann trau dich, ihm zu widersprechen oder einen anderen Arzt aufzusuchen.

    Dynamic Graphics / Getty Images / Via thinkstockphotos.com

    13. Das HIV-Risiko bei lesbischen Frauen ist niedrig. Trotzdem kannst du dir Krankheiten einfangen.

    Beim Sex zwischen Frauen ist das HIV-Risiko niedrig, weil das Virus hauptsächlich beim Vaginal- und Analverkehr übertragen wird, nicht aber bei Praktiken wie z. B. Petting, gegenseitigem Masturbieren, Lecken oder Fingern. Allerdings kannst du dir beim Sex mit Frauen leicht Hepatitis, Herpes, Tripper, Pilze oder bakterielle Vaginose einfangen, dafür reicht teilweise schon der Kontakt mit erkrankten Hautstellen.

    Frauen können mit Dental Dams, Fingerkondomen oder medizinischen Handschuhen verhüten, was das Ansteckungsrisiko von etwa Herpes oder Chlamydien enorm verringert.

    Auch hier gilt: Wer häufig mit verschiedenen Partnerinnen (oder auch Männern) Sex hat, sollte sich am besten einmal pro Halbjahr untersuchen lassen.

    Rat zum Thema Safer Sex für lesbische oder bisexuelle Frauen findest du zum Beispiel beim Jugendnetzwerk Lamda.

    14. Schwangere Frauen müssen auf Syphilis, HIV, Chlamydien und Hepatitis B getestet werden (falls nötig, auch mehrmals). Sie sollten sich zudem auf Tripper und Hepatitis C untersuchen lassen, falls sie gefährdet sind.

    Du bist durch Tripper gefährdet, wenn du unter 25 bist; wenn du älter als 25 bist, aber neue oder mehrere Partner hast; wenn du dich in einer Community bewegst, in der Tripper häufig auftritt; wenn du schon einmal einen Tripper hattest; wenn du schon andere Geschlechtskrankheiten hattest; wenn du nicht konsequent Kondome benutzt; wenn du im Sexgewerbe arbeitest; wenn du Drogen nimmst. Du bist durch Hepatitis C gefährdet, wenn du dir Drogen spritzt bzw. gespritzt hast und wenn du vor 1992 eine Bluttransfusion oder Organtransplantation bekommen hast.

    15. Das musst du über Tests auf Geschlechtskrankheiten wissen, wenn du trans bist oder mit einer Person intim bist, die trans ist.

    Transgender ist die Bezeichnung für Menschen, deren Geschlechtsidentität von dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht abweicht. Weil sich die Geschlechtsidentität von der sexuellen Orientierung unterscheidet, ist es wichtig, zu beachten, dass Transmänner und Transfrauen mit Menschen jeden Geschlechts Sex haben können. Zu berücksichtigen ist auch, dass einige Transmenschen eine geschlechtsangleichende Operation gehabt haben, andere hingegen nicht. Alle diese Faktoren spielen eine Rolle bei der Frage, auf welche Geschlechtskrankheiten du dich untersuchen lassen solltest und wie oft.

    16. „Eine Vagina sollte untersucht werden, ganz gleich, zu wem sie gehört.“

    Es ist einfacher, dein Risiko einzuschätzen, wenn du die Anatomie deiner Genitalien und der Genitalien deines Partners, dein Sexualverhalten und andere externe Risikofaktoren berücksichtigst.

    Ein Transmann mit einer Vagina sollte zum Beispiel regelmäßig Pap-Tests zur Früherkennung gegen Gebärmutterhalskrebs machen und sich auf Geschlechtskrankheiten untersuchen lassen – genau wie Frauen, die mit anderen Frauen oder Männern (oder anderen LGBT*s) Sex haben. „Eine Vagina sollte untersucht werden, ganz gleich, zu wem sie gehört”, meint sagt Dr. Madeline Deutsch, Ärztin einer Klinik für Transgender-Gesundheit in den USA.

    Falls du passiven Analsex oder mehrere Partner mit einem Penis hast, gelten für dich die gleichen Regeln wie für Männer, unabhängig davon, welches Geschlecht oder welche sexuelle Identität du oder dein* Partner*in habt.

    Nach einer geschlechtsangleichenden Operation können die Empfehlungen individueller sein. Wenn du zum Beispiel eine Vaginalplastik hast, erklärt Deutsch, ist die Gefahr bestimmter Infektionen geringer, weil es keine Vaginalschleimhaut gibt und die Vaginoplastie sich nicht zur Bauchhöhle hin öffnet. Ob du mit einer Phalloplastik ein höheres oder geringeres Risiko für bestimmte Infektionen hast, ist noch nicht bekannt. Sprich daher mit deinem Arzt über deine persönlichen Risikofaktoren.

    17. Weil Untersuchungen auf Geschlechtskrankheiten bei Transpersonen von dem individuellen Sexualverhalten und der Anatomie anhängen, ist es wichtig, dass du mit deinem Arzt sprichst, um dein Risiko einzuschätzen und zu bestimmen, welche Tests du brauchst.

    Es kann unglaublich schwierig und beängstigend sein, einem Arzt gegenüber deine Geschlechtsidentität, deine sexuelle Orientierung und dein individuelles Sexualverhalten zu offenbaren. Deshalb ist es entscheidend, dass du einen Arzt findest, der sich damit sehr gut auskennt. Trans-freundliche Ärzte findest du zum Beispiel hier oder hier.

    18. HPV-Tests sind wichtig, aber ziehen auch eine HPV-Impfung in Erwägung.

    HPV (humane Papillomviren) sind die häufigste Geschlechtskrankheit, fast alle sexuell aktiven Menschen bekommen sie irgendwann in ihrem Leben. Die meisten HPV-Infektionen heilen von selbst, aber einige hochriskante Virusarten können Genitalwarzen oder sogar Krebs verursachen. Der sicherste Weg, um HPV vorzubeugen, ist, sich schon in frühen Jahren impfen zu lassen.

    Die Impfstoffe werden für heranwachsende Jungen und Mädchen zwischen neun und 14 Jahren empfohlen, weil die Impfungen am besten wirken, bevor jemand sexuell aktiv wird. Bis 17 Jahre wird eine sogenannte Nachholimpfung empfohlen. Hier sind die HPV-Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission.

    Ab einem bestimmten Alter übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine Impfung nicht mehr, aber auch wenn du älter als 17 bist, kann sie noch sinnvoll sein. Sprich am besten mit deinem Arzt oder deiner Ärztin darüber.

    19. Und falls du IRGENDWELCHE dieser Symptome hast, geh sofort zum Arzt oder in eine Klinik, um dich untersuchen zu lassen.

    Solltest du Juckreiz, Brennen, ungewöhnlichen Ausfluss, Rötungen, Hautausschlag, Läsionen bzw. Wunden, Schmerzen beim Wasserlassen, ungewöhnlichen Geruch, Schmerzen im Penis / in den Hoden / in der Vagina / an der Vulva / im Beckenbereich / im Unterleib oder sonst irgendetwas bemerken, das dir seltsam vorkommt, dann lass es untersuchen. Es gibt einige Geschlechtskrankheiten, auf die du möglicherweise nur getestet wirst, wenn du bestimmte Symptome hast (wie zum Beispiel Trichomoniasis, bakterielle Vaginose und manchmal Syphilis). Warte nicht bis zur nächsten Jahresuntersuchung.

    Medioimages / Getty Images / Via thinkstockphotos.com

    20. Untersuchungen auf Chlamydien und Tripper werden in der Regel mithilfe eines Urin- oder Wischtests durchgeführt.

    Der Arzt entnimmt eine Zellprobe aus der Gebärmutter, dem Penis, der Vagina oder dem Anus; oder er testet eventuell auftretenden Ausfluss. Wenn du Oral- oder Analsex hattest, musst du möglicherweise auch Abstriche von deinem Hals oder Rachen machen.

    21. Es ist normal und notwendig, dass du mit deinem Partner über Tests auf Geschlechtskrankheiten sprichst.

    Auch wenn es so aussehen mag: Das hier ist keine vollständige Liste von allem, was es über Geschlechtskrankheiten und Tests zu erfahren gibt. Es gibt etliche Einzelfälle und Ausnahmen von den Regeln, deshalb solltest du immer aufmerksam bleiben. Sprich mit deinem Partner oder deiner Partnerin darüber, was du so machst, was du früher gemacht hast, und auf welche Krankheiten du dich zuletzt hast untersuchen lassen. Und dann sprich mit deinem Arzt, um sicherzugehen, dass du die richtigen Tests zum richtigen Zeitpunkt machst.

    BuzzFeed Daily

    Keep up with the latest daily buzz with the BuzzFeed Daily newsletter!

    Newsletter signup form